Bahamas – baha mar – flaches Meer

Logboch:

9:00 Auslaufen Alans Cay und setzen Groß und Genua. Wir stellen fest, dass die Bilge seit heute Morgen vollgelaufen ist. Scheinbar sollte das Seeventil in der Bilge nicht geöffnet werden. Also – Bilge lenzen!

9:50 Highborn Cay Anstuerung querab.

11:10 Runden Normans Stake

12:15 Anker nieder vor Normans Cay Club (Ruine)

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Gestern abend waren wir pünktlich in der Koje. Die Nacht war deutlich erholsamer als die letzte und heute morgen wache ich mit dem ersten Morgengrauen auf. Ich setze mich nach draußen ins Cockpit und schaue wie es langsam heller wird. Die Sonne bekommen wir erst später zu sehen. Im Osten stehen noch dicke Wolken. Anscheinend haben wir nun auch die Nerven für Experimente, denn wir drehen ein bislang verschlossenes Seeventil in der Hoffnung, dass dann auch endlich die Bilgepumpe läuft. Sie tut das auch endlich und legt zwischendurch immer wieder Pausen ein.

Hübsche kleine Insel in Norman's Cut
Hübsche kleine Insel in Norman’s Cut

Um 9 Uhr gehen wir Anker auf und stellen kurz danach fest, dass das Wasser schon bis an die Bodenbretter steht. Die Bilgepumpe ist schon ganz heiß. Wir schalten sie aus, machen das Seeventil wieder dicht und während Klaus mit der Handpumpe und der Pütz die Wassermassen bekämpft, segele ich die Lady Richtung Süden. An der Ansteuerung nach Highborne Cay kommt noch mal die Gewissensfrage: haben wir ein Problem oder nicht? In Highborne ist eine Marina, hier könnte ich noch abbiegen statt nach Süden abzubiegen. Klaus hat schon ca. 200 Liter Wasser ins Cockpit geschüttet, die an meinen Füßen vorbei nach hinten gerauscht sind. Langsam macht mich das unruhig, aber er meint, er habe die Lage nun im Griff und ich könne weiter nach Süden segeln.

Ein Kugelfisch versteckt sich im Flugzeugwrack
Ein Kugelfisch versteckt sich im Flugzeugwrack

Eine Stunde später sind wir an der Abzweigung zu unserem angestrebten Ankerplatz im Süden von Norman‘s Cay. Diesmal sind wir nicht alleine. Mit uns waren drei andere Yachten auf dem Weg nach Süden und am Ankerplatz liegen auch schon einige. Vorsichtig tasten wir uns hinein. Norman‘s Cay hat die Form eines großen A. Unser Ankerplatz liegt am unteren linken Schenkel des A. Hier ist eine Verbindung von der flachen Bahama Bank zum tieferen Sund auf der Ostseite der Exumas. Das heißt hier geht der Gezeitenstrom hindurch und es ist stellenweise etliche Meter tief, aber am Rand zu den Ankerplätzen wird es auch sehr schnell flach.

Barrakuda
Barrakuda

Der Anker geht während eines Schauers zwischen zwei anderen Yachten nieder. Wir liegen recht dicht beieinander und müssen schauen, wie sich die Yachten beim Tidenwechsel drehen, damit wir uns nicht zu nahe kommen. Solange warten wir noch ab, bevor wir die Umegbung erkunden. Zwischen den unteren Enden der beiden Schenkel des A liegt ein Flugzeug, dass hier vor längerer Zeit abgestürzt ist. Damals residierte auf Norman‘s Cay ein Drogenbaron und das Flugzeug gehörte wohl ihm. Reste der Kanzel ragen noch aus dem Wasser.

Presifrage: Wie bekommt man ein neues Auto auf so eine kleine Insel?
Presifrage: Wie bekommt man ein neues Auto auf so eine kleine Insel?

Wir rüsten unser Schlauchboot aus und als alles klar zu gehen scheint beim Tidenwechsel machen wir uns auf den Weg. Wir ankern neben dem Flugzeug und Klaus schnorchelt hin und macht ein paar Fotos. Er trifft ein paar neugierige Fische und einen Barrakuda. Ich hatte gelesen, dass sich in dem See an der Spitze des A, der einen sehr engen Zugang zum Sund hat, die Hammerhaie zur Paarungszeit treffen, wann auch immer das ist.

Norman's Cay Airport Terminal A
Norman’s Cay Airport Terminal A

Anschließend machen wir noch einen Ausflug an Land und erkunden ein Stück. Ein Schauer durchweicht uns gründlich, aber das stört uns bei der Wärme nicht. Vor uns startet plötzlich ein Flugzeug aus dem Busch. An der Pier wurde bei unserer Ankunft jede Menge Gepäck auf ein Motorboot verladen, wahrscheinlich kann das im Flieger nicht mit. Beim Weitergehen finden wir auch die Start- und Landebahn. Etliche Ruinen sind hier zu finden.  In den 80er Jahren hat hier ein Drogenboss residiert. Er hat wohl auch den Flughafen gebaut. Hinter der Startbahn gibt es ein paar Ferienhäuschen und eine Bar, die jedoch geschlossen hat.

Strand auf Norman's Cay
Strand auf Norman’s Cay

Wir machen noch einen Strandspaziergang und drehen dann um, denn die Sonne geht bald unter. Währenddessen versuchen uns die örtlichen Insekten auszusaugen. Schnell weg hier und zurück an Bord! Dort mixt uns Klaus aus den Resten des scheußlich süßen Kokosnussrums, den uns die Charterbasis an Bord gestellt hatte, einer Zitrone und etwas Cranberry-Saft einen netten Drink und wir genießen den Sonnenuntergang.

Weihnachtsessen für Iguanas: Blumenkohl

Die Nacht war unruhig. Zwischendurch knackt es immer wieder. Wir glauben es sei die Bilgepumpe, die automatisch anspringt, aber wir hören nichts pumpen. In der Bilge steht ein wenig Wasser. Erst morgens finden wir dann heraus, dass es das große Netz ist, in dem wir Obst und Gemüse lagern. Es ist mit Kabelbindern und Leinen am Handlauf in der Kajüte aufgehängt. Im Seegang schaukelt es schwer beladen hin und her und verursacht die knackenden Geräusche. Hinter dem Boot pflügt unser Dinghi durch die Wellen. Ab und zu schlagen Wellen krachend unter das Heck. Die Ankerkette klackt, wenn zwischenzeitlich die Spannung nachlässt. Im Rigg klappern die Wanten. Alles Geräusche, die völlig ok sind, aber an die wir uns erst noch gewöhnen müssen.

Unser wunderschöner Ankerplatz
Unser wunderschöner Ankerplatz

Wir sind morgens etwas gerädert, aber nach einer Katzenwäsche, zwei großen Bechern heißen Tee und einem netten Frühstück in der Sonne geht es uns besser. Trotzdem bleiben wir heute hier. Wir haben die Iguanas auf Leaf Cay noch nicht gesehen, außerdem haben wir uns einen faulen Tag nun wirklich verdient. Ich mache das Radio an, aber UKW-Sender sind hier keine mehr zu empfangen. Wir sind nun etwa 70 km von Nassau entfernt. Kurz nach dieser Feststellung knackt es im Funk und klar und deutlich meldet sich die Station Highbourne Cay von der bewohnten Nachbarinsel. Es folgen der Wetterbericht und die Öffnungszeiten der Servicestationen.

Der Strand von Leaf Cay
Der Strand von Leaf Cay

Vor Allen‘s Cay scheint ein Seehund zu schwimmen. Ein Blick durch das Fernglas bringt Klarheit: Es ist bloß eine Kokosnuss. Wo wir das Fernglas schon mal vor den Augen haben, inspizieren wir auch den Strand von Leaf Cay, die Insel, die uns vor dem Seegang aus Osten abschirmt. Siehe da, am Strand sind deutlich einige Iguanas zu sehen.

Vorwitziger Bahama Mockingbird
Vorwitziger Bahama Mockingbird

Im Laufe des Morgens verlassen die anderen Boote die Bucht. Wir machen statt dessen unser Dinghi einsatzbereit. Vorher müssen wir jedoch den schweren Außenborder von seinem Aufbewahrungsort am Heckkorb hinunter in das Schlauchboot befördern. Wir bauen schließlich mit Hilfe des Biminigestells einen Flaschenzug und fieren ihn vorsichtig herunter. Er wiegt gefühlte 30 Kilo. Man hatte uns gesagt, dass wir ihn zwischen den Inseln am Dinghi lassen dürfen, ihn aber für die großen Überfahrten wieder am Heckkorb verstauen sollen. Wie gut, denn jeden Tag wollen wir die Prozedur nicht machen. Da wir nun völlig allein sind an diesem Ankerplatz, rüsten wir das Dinghi gut aus: Anker, Trinkwasser, Schwimmwesten, Sonnenhüte und Handfunkgerät sind mit dabei. Dann gehen wir auf unsere kleine Expedition. Es ist kurz vor Mittag und der Gezeitenstrom am Ankerplatz hat etwas nachgelassen. Mit dabei haben wir auch Obstschalen und den Strunk und die Blätter unseres gestrigen Blumenkohls. Die wollen wir auf der Insel der Kompostierung überlassen, statt sie weiter spazieren zu fahren.

Iguanas am Strand von Leaf Cay
Iguanas am Strand von Leaf Cay

Als wir am Strand anlangen, kommen die Iguanas gleich neugierig anmarschiert. Insbesondere die kleineren Exemplare marschieren neugierig vorne weg. Solange wir uns nicht viel bewegen, kommen sie immer näher. Der Revierführer hatte gewarnt, dass die Tierchen beißen können. Wir bleiben also zu Beginn respektvoll in der Nähe unseres Schlauchboots, um uns bei Bedarf schnell in Sicherheit bringen zu können, aber dann merken wir, dass sie abhauen, wenn wir uns hektisch bewegen.

Iguanas am Strand von Leaf Cay
Iguanas am Strand von Leaf Cay

Außer den Iguanas kommt noch ein Vogel in der Größe einer Dohle an. Er ist sehr neugierig und kommt bis vor unsere Füße. Klaus geht mit unseren Gaben ein Stück abseits, und deponiert sie hinter einem Baum. Wir wollen die Tiere nicht füttern, sie sollen nicht lernen, Menschen mit Futter in Verbindung zu bringen. Wahrscheinlich ist es dafür aber bereits zu spät. Der Vogel hat die Sache sofort kapiert und liefert sich einen heftigen Kampf mit noch einem ganz winzigen Iguana. Sofort macht sich der Chef der Bande auf den Weg, um die Sache in Augenschein zu nehmen. Insbesondere die Blumenkohlblätter sind heftig umkämpft. Iguanas gehören mit zu den größten eingeborenen Tiere der Bahamas.

Iguanas am Strand von Leaf Cay
Iguanas am Strand von Leaf Cay

Von Norden zieht eine dicke schwarze Wolke herauf. Wir brechen unseren Ausflug ab und fahren zurück an Bord. Unsere Hoffnung, das Salzwasser im kommenden Schauer abzuspülen erfüllt sich nicht: Wir bekommen vom Schauer nur den Wind und ein paar Tropfen ab.

Spätnachmittags kommt ein großer Katamaran in die Bucht und geht neben uns vor Anker. Ich zaubere gebratene Paprika mit hartgekochten Eiern und Tahin auf den Tisch und wir finden auf Mittelwelle tatsächlich einen lokalen Radiosender. Der Wetterbericht verspricht, dass das Tiefdruckgebiet, welches uns mit kräftigem Wind und Schauern versorgt nach Südosten abziehen soll. Währenddessen hat der Krisenstab in Nassau getagt: Aufgrund des starken Windes wurde der Beginn der Junkanoo Parade auf 3 Uhr morgens verschoben: Die sind echt hart im Nehmen hier!

Allerdings kann ich verstehen, dass sie mit ihrem Kopfschmuck keine Sturmböen mögen und bei den Dekorationen aus Pappmaché keine Regengüsse.

Weihnachten auf See

Logbuch:

Wasser voll getankt

Wettervorhersage:

Di. Breezy, 14mph NNE

Mi. Windy, 18mph ENE

Do. Breezy, 12mph E

HW@Nassaau 12:09 EST

 

!0:00 Diesel und Gemisch für Dinghy vollgetankt. Es geht los! Ablegen Nassau

11:00 Passieren Porgee Rock unter Maschine und gehen auf Kurs Alans Cay

12:00 Standort 25°00’N 077°11’w

14:10 Standort 24°53’N 077°01’W Haben die Yellow Bank passiert und uns unseren Weg durch die Riffe gebahnt

16:40 Anker nieder in Alans Cay. Es hätte auch nicht später sein dürfen, da man Unterwasserhindernisse nicht mehr sieht.

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Während wir hier in Allen‘s Cay vor Anker liegen, draußen der Wind heult und wir hoffen, dass das nur ein Schauer ist, der bald vorbei ist, versuche ich mal die Ereignisse des Tages zusammenzufassen.

Lady Marceline in der Bay Street Marina Nassau
Lady Marceline in der Bay Street Marina Nassau

Heute morgen haben wir den Wecker um 6 Uhr klingeln lassen. Gegen halb sieben wird es hell und wir haben viel vor. Bevor wir auslaufen können, muss noch Frischwasser nachgefüllt, das Dinghi betankt , Diesel aufgefüllt und noch ein paar letzte Fragen geklärt werden. Trotzdem pünktlich bereit sind, dauert es dann doch noch bis alles bereit ist. Die Marina ist noch im Bau und so gibt es noch keine Sanitäranlagen und wir probieren morgens mal unsere bordeigene Dusche aus. Das geht prima und mit über 300 Liter Wasser an Bord, dürfen wir sie sogar gelegentlich mal nutzen. Unsere Versuche, einen Wetterbericht über Funk zu empfangen schlagen fehl. Wir hören zwar, wie jemand noch einmal nachfragt, aber den eigentlichen Wetterbericht hören wir nicht. Der Chef der Cahrterbasis schreibt uns freundlicherweise den Wetterbericht der nächsten Tage auf. Erst um kurz nach 10 Uhr können wir endlich los. Wir gewöhnen uns erst einmal an den Motor. Lady Marcellina, so heißt unser Boot ist recht kräftig motorisiert. Wir fahren an den Anlegern vorbei, wo etliche ziemlich verrostete kleine Schiffe liegen. Manch eins ist auch schon nicht mehr wirklich schwimmfähig. Im Norden stehen die berühmten Cumulus Castellanus, die bei uns zu Hause um diese Uhrzeit spätere Gewitter ankündigen. Müssen wir die hier auch ernst nehmen? Wir wissen es nicht.

Wir verlassen Nassau Richtung Osten
Wir verlassen Nassau Richtung Osten

Ein Stück weiter draußen setzen wir die Segel. Leider reicht die Geschwindigkeit nicht aus, um damit noch bei Tageslicht auf die Exumas zu kommen. Segeln bei Nacht ist nicht nur für die Charterboote verboten, sondern auch gefährlich, da an etlichen Stellen der Meeresboden nicht vermessen ist und man nach Sicht fahren muss, was bei dem klaren Wasser und genügend hohem Sonnenstand tagsüber kein Problem sein sollte.

Wir genießen trotzdem erst einmal den Moment und stärken uns an einem zweiten Frühstück.Dann schmeißen wir den Motor an und nehmen Kurs auf Allan‘s Cay. Ein Ankerplatz auf den Exumas.

Auf halber Strecke müssen wir ganz vorsichtig über die gelbe Bank. Hier gibt es mehrere Korallenriffe. Ich stehe vorne im Ausguck und dirigiere Klaus per Handzeichen hindurch. Als wir das geschafft haben, gönnen wir uns ein paar Weihnachtskekse und Lebkuchen, die wir von zu Hause mitgebracht haben.

Über den Exumas stehen nun dicke Wolken, als wir näher kommen, ist die Sonne weg. Der Wind dreht schlagartig auf Südost. Das ist genau unsere Richtung und wir nehmen die Segel weg. Nun sehen wir auch ein paar Boote. Unterwegs war es sehr einsam nachdem wir die Umgebung von Nassau verlassen hatten. Einzig zwei Angelboote kamen uns entgegen.

Sonnenuntergang über Allen's Cay
Sonnenuntergang über Allen’s Cay

Die Exumas bestehen hier aus vielen kleinen Inseln. Wir haben vor, zwischen zwei langgestreckten Inseln zu ankern. Hinter uns läuft eine große Yacht mit uns ein. An dem Ankerplatz liegen bereits zwei große Katamarane und ein sehr großes Motorboot vor Anker. Die haben weniger Tiefgang. Mein erster Versuch zwischen den beiden Katamaranen zu ankern schlägt fehl, weil es dort zu flach ist. Also fahren wir wieder ein Stück raus und finden schließlich bei 3 – 4 Meter Tiefe einen guten Platz. Die große Yacht fährt ganz wieder raus und sucht sich woanders einen Platz.

Abendliche Cumulus castellanus
Abendliche Cumulus castellanus

Wir bleiben erst einmal im Cockpit sitzen und genießen den schönen Sonnenuntergang. Als es fast dunkel ist, sind im Wasser auf einmal drei blaue Lichter zu sehen. Ganz langsam treiben sie vorbei, werden mal heller mal dunkler. Was ist das – Quallen? Bislang haben wir hier kaum Fische gesehen, auch Vögel waren nicht so besonders viele zu sehen. Im Dunkeln tönt dann ein wahres Konzert von den Inseln, aber sind das Vögel oder möglicherweise die Iguanas, die hier leben?

Anschließend kochen wir unser erstes Essen an Bord. Zu Heiligabend gibt es Blumenkohl-Kartoffel-Curry und zum Nachtisch ein Bier und einen unglaublichen Sternenhimmel, bis plötzlich der Wind kräftig zunimmt. In Böen haben wir wohl 6-7 Windstärken. Die Lady schwojt kräftig. Schließlich schüttet es wie aus Eimern. Nun wissen wir, Cumulus Castellanus müssen wir auch hier Ernst nehmen. Mittlerweile ist der Schauer durch und der Wind hat wieder abgeflaut. Es ist Zeit in die Koje zu gehen.

 

 

Extreme Shopping

Das unglaubliche Frühstücksbuffet
Das unglaubliche Frühstücksbuffet

Für heute steht unser Umzug vom Hotel auf‘s Boot auf dem Plan. Um die nächsten Tage möglichst sorglos segeln zu können, müssen wir uns aber noch verproviantieren. Also schreiben wir uns nach dem Frühstück auf der Rückseite einer Boarding Card (A4) erst einmal eine Einkaufsliste und versuchen hochzurechnen, was 2 Personen in 10 Tagen so verbrauchen: 40 Liter Trinkwasser, 60 Teebeutel, 60 Scheiben Brot, 10 Packen salzige Snacks usw. Am Ende ist der A4 Zettel komplett gefüllt und wir starten unsere erste Runde zu dem teuren Laden um die Ecke. Die einzige Alternative scheint noch ein amerikanisch angehauchter Supermarkt zu sein und das war‘s dann anscheinend an brauchbaren Einkaufsmöglichkeiten.

Was bitte sind Extreme Pools?
Was bitte sind Extreme Pools?

Als wir schwer bepackt wieder ins Hotel kommen, packen wir unsere Sachen und lassen uns ein Taxi rufen. Unpraktischerweise ist bei dem Taxi die Kofferraumklappe kaputt und so müssen wir alles über die Rückbank einladen. In der Marina passt unser ganzer Kram noch nicht mal ins Büro, so winzig ist der Raum. Von da aus machen wir uns auf den Weg zum Zoo. Das Boot können wir erst um 16 Uhr übernehmen und bis dahin sind es noch ein paar Stunden Zeit.

Loris mögen Äpfel
Loris mögen Äpfel

Den größten Teil des Weges laufen wir. Als wir am Parlament stehen bleiben, um auf den Stadtplan zu schauen, hält sofort jemand an und hilft uns weiter. Das letzte Stückchen fahren wir mit dem Bus. Der Fahrer erklärt uns an der Haltestelle noch den Weg. Das ist wirklich angenehm hier: jeder ist sofort hilfsbereit.

Die Flamingos laufen hier frei herum
Die Flamingos laufen hier frei herum

Der Zoo ist klein. Wir zahlen unseren Eintritt und kommen genau zum rechten Moment für die Fütterung der Loris (!!!!). Da machen wir natürlich mit. Anschließend ist Flamingoshow. Der Zoo hat viele Papageienarten und einige wenige andere Tiere, wie einen sehr schönen Leoparden, einige Echsen, ein Schaf, eine Ziege und noch ein paar andere Vögel. Viele Tiere sind dort von überforderten Haltern abgegeben worden.

Dieser Papagei spricht Deutsch!
Dieser Papagei spricht Deutsch!

Gegen 15 Uhr machen wir uns auf den Rückweg. Wir sind auf Höhe des Industriehafens. Hier gibt es etliche Fischlokale. Wir kehren in einem ein, was uns ganz nett erscheint, weil dort schon etliche Leute sitzen, uns niemand zu bequatschen versucht und weil Reggaemusik spielt. Das Essen ist gut, aber der Fisch recht klein.

Cocktailbar am Fischereihafen
Cocktailbar am Fischereihafen

Für den Rückweg winken wir einem Bus zu. Der hält prompt an und nimmt uns mit. Wir müssen noch einmal umsteigen und stehen noch eine Weile im Stau. Entlang der Straße sind schon die Tribünen für die Junkanoo-Parade aufgebaut. Um halb fünf sind wir endlich an der Marina und können mit der Übergabe beginnen. Damit sind wir zwei Stunden beschäftigt. Nun müssen wir noch den Rest einkaufen. Der Chef der Charterbasis versucht uns ein Taxi zu organisieren. Aber es dauert bis er Glück hat: Es ist ein Mitarbeiter von ihm, der neben seinem Job als Taxifahrer auch in der Charterbasis hilft. Er holt uns kurz nach sieben Uhr ab und fährt uns zu dem Supervalue Markt.

Als wir wieder in der Marina sind, haben wir über 500 Dollar für alles zusammen ausgegeben! Leben scheint hier wirklich nicht billig zu sein.

Unser Magen hängt in den Kniekehlen und so gönnen wir uns im Restaurant an der Marina noch ein opulentes Mahl bevor wir in die Koje sinken.

In Nassau zu Fuß angekommen

Rankpflanze im Retreat
Rankpflanze im Retreat

Unser Tag beginnt mit einer Enttäuschung: Der Frühstückraum besteht aus einem Tisch, an dem ein paar Angestellte Fußball gucken statt zu arbeiten. Auf einem Tisch an der Seite liegen Packungen mit Styroporgeschirr und Plastikbesteck, daneben lieblos ein Eimer Cornflakes, eine Schale Dosenobst, eine Flasche Milch und eine Packung Toast. Der Wasserkocher ist leer. Zum Hinsetzen gibt es nichts. Wir setzen uns nach draußen an einen Tisch vor der Rezeption. Aber auch dort fühlen wir uns nicht willkommen. Ein Mitarbeiter parkt seinen Wagen rückwärts ein und lässt ihn laufen. Eine Mitarbeiterin fegt demonstrativ das Büro aus. Wir werden satt, aber wir sind ziemlich sauer. Wenn wir hier länger bleiben müssten, würden wir uns nun ein neues Hotel suchen. Auch die anderen Gäste sind genervt. Wir überlegen uns, wie man den Laden hier mal auf Vordermann bringen müsste, denn eigentlich ist es eine schöne Anlage mit großen alten Bäumen und netten kleinen Häuschen darunter. Wir ziehen schließlich mit unseren Teebechern an den Pool um, aber irgendwann ist es dort auch vorbei mit dem Frieden. Es wird gnadenlos die Weihnachtsmusik angeschaltet und gefegt. Also auf und die Stadt anschauen!

Poison Wood
Poison Wood

Gestern hatten wir nach Fahrrädern gefragt, aber eine Fahrradvermietung scheint es nicht zu geben, nur Mopeds kann man anscheinend mieten. Vorn an der Straße ist eine Bushaltestelle und ansonsten gibt es Taxis. Wir breiten den Stadtplan aus und erkunden erst einmal das Nächstliegendste: „The Retreat“ – ein winzig kleiner Nationalpark ein kurzes Stück die Straße runter: In einem 11 Hektar großen Garten gibt es eine umfangreiche Sammlung an Palmen. Wir laufen auf kleinen Pfaden durch einen dschungelartigen Wald und sind komplett alleine hier. Zwischendurch sind tiefe höhlenartige Löcher im Boden, aus denen teilweise auch Palmen wachsen. Warnschilder weisen uns auf Poison Wood hin, das wir nicht berühren sollen. Später schauen wir nach: der Baum ist verwandt mit der giftigen Eiche (Poison Oak), die wir schon aus USA kennen.

Conch auf dem Fischmarkt
Conch auf dem Fischmarkt

Nach dem Dschungel ist uns nun dringend nach Strand zu Mute. Glücklicherweise liegt der nur wenige Minuten die Straße runter. Auf einer kleinen Pier ist ein Fischmarkt aufgebaut. Es gibt Conch (Fechterschnecken), große Barsche, Red Snapper und eine Art Hummer. Anschließend laufen wir den Strand entlang bis zum winzigen Fort Montagu über dessen Mauern die Kanonen hinwegragen. Ein britischer Herzog mit Verfolgungswahn hat im 18. Jahrhundert während seiner Amtszeit auf den Bahamas solange Forts gebaut, bis man ihn von seinem Job erlöst hat. Kein einziges dieser Forts wurde jemals ernsthaft gebraucht, aber für Salutschüsse waren die Kanonen gut geeignet.

Fischmarkt
Fischmarkt

Wir trinken an einem kleinen Stand „Sky Juice unleaded“ – ein süßes Getränk aus Kokosnuss und Milch. Das Ganze hätten wir auch noch mit Rum haben können, aber dann hätten wir den Tag wohl kaum überlebt. Nun muss ich die Schuhe wieder anziehen, denn ab jetzt sind Zugänge zum Wasser rar. Alles verbirgt sich hinter Zäunen. An der nächsten Bank versuchen wir vergeblich Bargeld aus dem Automaten zu ziehen. Auch an den nächsten Banken funktioniert das nicht. Wir haben zwar außer US-Dollar auch noch Euros und britische Pfund und könnten letztere morgen noch umtauschen, aber es wäre doch angenehmer zu wissen, dass wir im Zweifelsfall noch Bargeld abheben könnten. Auf den Inseln weiter draußen wird es sicherlich keine Chance mehr geben mit Kreditkarte zu zahlen wie hier in Nassau.

Innovative Bootslagerung
Innovative Bootslagerung

Hinter den Brücken zu Paradise Island wird die Straße langsam städtischer und trauriger. Offensichtlich gab es hier mal viele kleine Läden, die alle dicht gemacht haben. Wir verlassen die Straße, da wir den Wasserturm erspäht haben, den wir als nächstes erklimmen möchten, um mal einen Rundblick über die Insel zu bekommen. Um dort oben hin zu kommen, müssen wir über „The Queens Staircase“, eine Treppe zu Ehren von Queen Victoria. Für jedes Jahr Ihrer Amtszeit gibt es eine Stufe, insgesamt 65. Der Zugang zur Treppe ist eine enge Schlucht, die wohl in den Fels gehauen wurde. Eigentlich soll es laut Reiseführer noch einen Wasserfall neben der Treppe gebe, aber der ist wohl außer Betrieb. Oben gibt es viele kleine Buden, die aber größtenteils geschlossen haben oder gerade dicht machen. Das erste der drei Kreuzfahrschiffe im Hafen hat gerade abgelegt, nun lohnt sich das Geschäft wohl nicht mehr. Der Wasserturm ist geschlossen, als Alternative klettern wir auf das nächste Fort, das der britische Herzog gebaut hat. Auch von hier haben wir schon einen einigermaßen Überblick.

Das Treppenhaus der Königin
Das Treppenhaus der Königin

Auf dem Rückweg kehren wir in einem kleinen vollkommen leeren Gartenlokal ein. Die Inhaberin macht kugelrunde Augen. Mit Gästen hatte sie wohl nicht mehr gerechnet. Nach uns kommt noch ein Paar. Es stellt sich heraus, dass die beiden mit dem Segelboot unterwegs sind und so nehmen wir schnell Kontakt auf. Er ist Frankokanadier, sie Französin. Sein Vater hat das Boot innerhalb von 2 Monaten von Quebec auf die Bahamas gesegelt. Die beiden wollen genau wie wir auf die Exumas, aber schon morgen auslaufen. Aufgrund des kräftigen Windes haben sie die letzten Tage lieber hier in Nassau verbracht und können uns schon einige Tipps geben. Sie wissen auch, wo sich unsere Charterbasis befindet und nehmen uns nach dem Essen mit hin. Nach vorne zur Straße sieht alles noch sehr nach Baustelle aus. Am Wasser ist ein nagelneuer Hafen. Unser Boot liegt schon da und wird gerade fit gemacht. Wenn wir schon mal hier sind, wollen wir auch Hallo sagen. Wir treffen Norman, den Chef der Charterbasis, der uns sehr freundlich begrüßt. Er und seine Mitarbeiter sind hier die ersten Menschen mit weißer Hautfarbe, die wir arbeiten sehen.

Americas Cupper im Hafen von Nassau
Americas Cupper im Hafen von Nassau

Claire, die Französin hatte uns erzählt, dass ein Stück weiter die Straße entlang in Richtung des Kreuzfahranlegers sich das Ambiente sehr stark ändern soll. Also laufen wir nach dem Abstecher zum Hafen weiter die Bay Street entlang Richtung Westen. Tatsächlich ändert sich der Charakter fast schlagartig. Nun stehen keine Läden mehr leer. Schicke Boutiquen und Schmuckläden reihen sich aneinander. Wir besuchen den Straw Market, eine Markthalle mit Läden, die im Wesentlichen Taschen und Hüte aus Stroh, Holzarbeiten und Klamotten verkaufen. Die meisten sind geschlossen und die restlichen scheinen auch gleich schließen zu wollen. Es ist 17 Uhr und die beiden anderen Kreuzfahrer bereiten sich auf das Ablegen vor.

Kirche in Nassau
Kirche in Nassau

Wir laufen noch ein Stückchen weiter und finden noch einen vor Kurzem eröffneten Platz zu Ehren eines Sklaven, der im 19. Jahrhundert, die ersten Sklavenaufstände angeführt hat und eine Kirche, in der gerade ein Chor probt. Draußen patroulliert der Küster im schwarzen Ornat. Als ich neugierig schaue, lädt er mich ein, doch noch schnell ein Foto von der Kirche zu machen. Das lass ich mir nicht zweimal sagen. Dann finden wir auch noch eine Bank. Wir machen noch einen Versuch mit den Bankkarten und diesmal habe ich Erfolg, Klaus mit seiner Karte seltsamerweise nicht.

Haus mit Kletterpflanze an der Bushaltestelle
Haus mit Kletterpflanze an der Bushaltestelle

Die Rückreise treten wir mit dem Bus an. Drinnen spielt laute Reggaemusik. Wir kommen mit einer Frau ins Gespräch, die erzählt, was man ihr alles aus dem Auto geklaut hat: unter anderem Frontscheinwerfer, Zündschloss und Radio. Geparkt war das Auto vor der Polizeistation. Ich frage, ob es nicht einfacher gewesen wäre, gleich das ganze Auto zu klauen. Sei meint, das täte hier niemand. Dafür ist die Insel einfach zu klein.

Zurück im Hotel stellen wir uns erst einmal unter die Dusche. Da ich die Worte von Claire noch im Ohr habe, die sich nach 10 Tagen auf ihre erste Dusche freute, nutzen wir die vermutlich letzte Chance für die nächsten Tage und waschen gleich schon zum ersten Mal unsere durchgeschwitzte Wäsche in der Badewanne. Anschließend setzen wir uns wieder an den Pool. Unbarmherzig dudelt dort die Weihnachtsmusik. Klaus kann schließlich erwirken, dass sie zumindest leise gedreht wird. Als wir versuchen, noch eine dritte Flasche Bier am Empfang zu kaufen. Stellt sich heraus, dass die Vorräte alle sind…