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Mit der Bahn nach Paris

1983 bin ich zum ersten Mal mit der Bahn nach Paris gefahren. Die Eltern meiner Brieffreundin in Moulins sur Alliers hatten mich eingeladen, in den Sommerferien drei Wochen bei ihnen zu verbringen. Da ich nicht wagte zu erwarten, dass sie meine Wäsche mit waschen würden, packte ich entsprechend viel Kleidung ein. Glücklicherweise konnte man damals noch sein Gepäck im Bahnhof aufgeben und am Bestimmungsort wieder in Empfang nehmen. Mit dem durchgehenden Nachtzug, einem D-Zug aus Warschau (oder war es Moskau?) ging es nach Paris Gare du Nord. Von dort fuhr ich mit dem Bus zum Gare de Lyon und ging erstmal Frückstücken. Von dort ging es mit dem TGV weiter nach Süden. Diese Verbindung nach Paris habe ich danach noch mehrere Male genutzt.

Trockene Bäume bei Frankfurt
Trockene Bäume bei Frankfurt

Heutzutage gibt es weder durchgehende Züge, geschweige denn Nachtzüge nach Paris. Stattdessen führt meine Route etwas weiter südlich mit dem ECE der Schweizer Bundesbahn Richtung Basel erst einmal bis Mannheim. Schön ist, dass man hier zu ebener Erde in den Zug einsteigen kann. Schön ist auch, dass mir die Bahn für einen kleinen zweistelligen Betrag ein Upgrade auf ein 1. Klasse Ticket angeboten hat, was ich dankend angenommen habe.

Neckarkanal bei Mannheim
Neckarkanal bei Mannheim

Nödlich von Kassel passieren wir einen kleinen Stausee mit recht niedrigem Wasserstand. Im Raum Frankfurt ist das Laub auf vielen Bäumen vertrocknet. Es sieht hier eher aus wie im Oktober. Unterwegs bleibt der Zug eine Weile stehen – ein Brandmelder hat ausgelöst – glücklicherweise nur ein Fehlalarm. Wir kommen also mit etwas 20 Minuten Verspätung in Mannheim an. Zur Ehrenrettung der Deutschen Bahn muss ichjetzt noch einmal betonen: Es war kein Fehler der Deutschen Bahn sondern ein Fehler an einem Zug der Schweizer Bundesbahn! Das gibt’s also auch 🙂

Der TGV fährt ein
Der TGV fährt ein

Glücklicherweise habe ich in Mannheim 45 Minuten Zeit für meinen Umstieg. Davon ist zwar nur etwa die Hälfte übrig, aber es reicht aus, um meine Teetasse wieder zu füllen bevor auf Gleis 1 der TGV (train à grande vitesse) nach Paris Gare de l’Est einfährt. Auch hier ist der Einstieg zu ebener Erde. Es ist ein zweistöckiger Zug und ich habe meinen Sitzplatz oben und muss meinen Koffer die enge Treppe hochschleppen. Das mit der Gepäckaufgabe damals war doch komfortabler. Schon bei der Buchung der Tickets war ich über den neuen Namen TGV inOui gestolpert. Wikipedia verrät mir, dass es nun zwei TGV Marken gibt: inOui soll die höherwertige sein. Daneben gibt es noch Ouigo als niederpreisige Marke. Höherwertig hin oder her: der Zug wirkt auf mich relativ schlank und so passt mein Koffer aufrecht nicht in die mittlere Gepäckablage, längs würde er anderen den Platz wegnehmen, quer ragt er in den Gang. Ich muss ihn also in die große Gepäckablage am Eingang verlagern, wo ich ihn natürlich nicht mehr so gut im Blick habe.

Agrarsteppe in Frankreich
Agrarsteppe in Frankreich

Die weitere Route geht über Kaiserslautern und Saarbrücken. Falls ich hier schon mal war, dann war das wahrscheinlich 2012 mit einem Nachtzug. Es geht durch die düstere Pfalz. Jedenfalls komt sie mir mit den engen Tälern und mit dem immerhin grünen Wald so vor. An der Grenze zu Frankreich laufen zwei Polizisten durch den Zug. Wahrscheinlich sind sie in Saarbrücken zugestiegen und steigen an einem kurzen Zwischenhalt wohl wieder aus. Die Landschaft wird dann weit mit vielen großen Feldern und einem weiten Himmel. Zwischendurch stehen weiße Busse auf den Feldwegen. Vermutlich sind die für Landarbeiter.

In den Gängen der Metro
In den Gängen der Metro

Kurz vor Paris kommt die Durchsage, dass man nun Metrokarten im Bordbistro kaufen könne. Niemand springt auf und eilt dorthin. Es sind wahrscheinlich alle versorgt. Mich erinnert es daran, dass ich mir auf dem Handy die Karte kaufen wollte. Ich hatte mir die App „SNCF Connect“ dafür installiert und hatte mir gestern Abend auch vorsichtshalber einen Benutzerkonto dafür eingerichtet. Die Metroverbindung zum Gare de Montparnasse zeigt mir die App auch an, aber für die Tickets leitet sie mich auf eine Webseite weiter. Die wiedrum kann mit meinem Benutzerkonto nichts anfangen und schlägt vor, mir die „Île de France mobilité“ App zu installieren. Da ich noch schön im WLAN bin, mache ich das und glaube, dass nun alles perfekt vorbereitet sei. Kaufen will ich das Ticket noch nicht, weil ich nicht weiß, ob das Ticket eine zeitliche Beschränkung hat.

Der Gare de l’Est ist hell und freundlich – so ganz anders als ich den Gare du Nord gleich nebenan in Erinnerung habe – irgendwo spielt leise Musik. Viele Menschen sitzen in Cafés. Ich folge der Ausschilderung zur Metro. Am Eingang bleibe ich stehen, um nun mein Ticket zu kaufen. Mir reicht ein einfaches Ticket. Mehr brauche ich heute nicht. Leider gibt das die App nicht her. Ich muss mich also in die Schlange an den Ticketautomaten einreihen. Ich erhalte eine wiederaufladbare Karte für 2 € und ein Ticket für 2,55€. Um die Metro betreten zu können muss ich das Ticket auf die Schranke halten. So erinnere ich das auch aus der Vergangenheit. In den weitläufigen Gängen der Metro muss ich meinen Koffer ein paar Treppen hinab schleppen. Warum gibt es hier keine Rolltreppen? Das fragen sich anscheinend auch ein paar deutsche Touristen hinter mir, die gerade diskutieren, wie hier wohl jemand mit Gehbehinderung oder Kinderwagen zurecht käme – Gute Frage! Am Ausstieg Montparnasse Bienvenue schleppe ich den Koffer die Treppen wieder hinauf. Für das letzte Stück gibt es zwar eine Rolltreppe, aber die ist defekt 🙁

Blick aus meinem Hotelzimmer
Blick aus meinem Hotelzimmer

Hier in Paris will ich nun in einem Hotel am Gare du Montparnasse die Nacht verbringen. Über Google Maps hatte ich mir Anfang Juli das Hotel ausgesucht. Es liegt sehr dicht am Bahnhof. Die Bewertungen waren ok und sie hatten ein günstiges Sonderangebot. Für eine Nacht habe ich keine besonderen Ansprüche an mein Zimmer. Gebucht hatte ich das Hotel dann über die Webseite des Hotels, das war am Günstigsten. Wenige Tage später erhielt ich um 23 Uhr eine WhatsApp Nachricht, mit meinem Namen und meinen Buchungsdaten und der Aufforderung innerhalb einer Stunde meine Bankdaten einzugeben, sonst würde meine Buchung storniert. „Ihr mich auch“ dachte ich. Schließlich triezt mich mein Arbeitgeber regelmäßig mit IT Sicherheitstrainings. Unbekannte Nummer, ungewöhnliche Uhrzeit, die Erzeugung von Zeitdruck und die Aufforderung vertrauliche Daten preiszugeben das erfüllt alle Kriterien eines Phishing Versuchs. Also habe ich die Nummer gesperrt und die Nachricht gelöscht. Beschäftigt hat mich das trotzdem. Als dann vor ein paar Tagen noch eine E-Mail kam mit einer freundlichen Begrüßung und der Aufforderung einen Link anzuklicken, damit sie mir meinen Aufenthalt gut vorbereiten können, habe ich mich mit der Sache noch einmal intensiver beschäftigt. Bei Mimikama auf der Webseite fand ich dann einen Hinweis, dass es zur Zeit einen umfassenden Scam gibt, der sich Hotelgäste in Paris als Ziel ausgesucht hat. Die KI lasse ich dann noch die Angaben zum Hotel bei Google Maps prüfen. Ist alles ok, sagt die KI. Vorsichtshalber schaute ich mich noch nach weiteren Hotels in der Nähe um. Danach war ich etwas beruhigter.

Zugang zum Bahnsteig am Gare de Montparnasse
Zugang zum Bahnsteig am Gare de Montparnasse

Aber nun ist die spannende Frage, ob wirklich alles ok ist. Es ist warm und ich habe wirklich keine Lust, mit dem Gepäck noch lange umher zu laufen. Das Hotel wirkt nett und freundlich. Offensichtlich ist vor nicht allzu langer Zeit mal renoviert worden. Meine Reservierung ist vorhanden, der Preis stimmt auch. Positiv gestimmt, buche ich nun auch das Frühstück hinzu und bezahle aber doch lieber in bar. Dann erzähle ich dem Hotelangestellten von der WhatsApp Nachricht. Er erzählt mir, dass Anfang Juli das Buchungssystem gehackt wurde, was von vielen Pariser Hotels genutzt wird – nun ja. Mein Zimmer liegt im 5. Stock und hat Klimaanlage. Glücklicherweise gibt es einen funktionierenden Aufzug. Das Zimmer ist klein, ordentlich und praktisch eingerichtet. Die Fenster lassen sich glücklicherweise weit öffnen. Da das Zimmer auf den Innenhof hinausgeht, ist es auch einigermaßen ruhig. Hier fühle ich mich wohl.

Der Name ist mein Programm
Der Name ist mein Programm

Nach einer Pause und einer Tasse Tee mache ich mich auf den Weg, um mir den Gare de Montparnasse anzusehen. Auch dieser ist freundlich und angenehm. Mich hatten jedoch zwei Dinge vorab irritiert. Die Deutsche Bahn hatte mir bei der Buchung des Tickets mitgeteilt, dass ich es als pdf ausdrucken oder herunterladen müsste. Beides habe ich gemacht. Bei der SNCF hieß es jedoch, ich müsste ein E-Ticket haben, was meinen die damit? Außerdem hieß es dort, dass die Türen zwei Minuten vor Abfahrt verschlossen werden. Nun will ich mir genauer anschauen, wie das hier läuft. Der Gare de Montparnasse ist wie alle Pariser Bahnhöfe ein Kopfbahnhof. Der Zugang zu den Bahnsteigen ist durch massive Stahltore abgesichert, Dort steht drauf, dass sie sich zwei Minuten vor Abfahrt verschließen. Ok, das wäre geklärt. Weitere Zugangsbeschränkungen kann ich erstmal nicht erkennen, also werde ich wohl mit meinem ausgedruckten Ticket einfach so einsteigen können. Danach erkunde ich noch ein wenig die Gegend und freue mich über die Abendsonne und dieses spezielle Pariser Licht.

Schönes Abendlicht in Paris
Schönes Abendlicht in Paris

Gegen meinen schon seit zwei Tagen zwickenden Bauch hilft dann ein großes belgisches Bier in der Hotelbar.

Mit dem Zug von Amsterdam nach Bristol

In der Vergangenheit sind wir immer irgendwie nach Bristol geflogen oder wir haben von London aus Bus oder Auto genutzt, um nach Bristol zu kommen. Diesmal haben wir bewusst auf das Verkehrsmittel Bahn gesetzt, nachdem wir letztes Jahr gute Erfahrung mit dem Eurostar gemacht haben.

Die Organisation der Reise ist allerdings eine kleine Herausforderung. Die Tickets und Verbindungen müssen in verschiedenen Portalen zusammen gesucht werden. Zu guter Letzt haben wir mit einer EXCEL-Liste gearbeitet und uns einen Zwischenstopp in Amsterdam gegönnt. Dadurch kommt man preislich für zwei Personen auf etwas mehr als bei der Flugvariante

Die Reise von Amsterdam beginnt morgens um 10:11 Uhr. Eurostar und der französische Thalys sind mittlerweile fusioniert, so dass der Eurostar nicht mehr von London nach Amsterdam durchfährt und wir in Brüssel umsteigen müssen. Dazu haben wir in Brüssel 45 Minuten Zeit. Eigentlich reichlich Reserve, aber Thalys verlässt mit etwas Verspätung Amsterdam, die er dann nicht wieder einholen kann.

Das Check-In für den Eurostar verläuft wie auf einem Flughafen. Man kann nicht einfach auf den Bahnsteig und in den Zug einsteigen, sondern muss erst durch verschiedene Kontrollen. Da am letzten Wochenende die Rechner der Flugsicherung in London ausgesetzt haben, ist der Andrang auf den Eurostar massiv. Vor der Sicherheitskontrolle hat sich bei unserer Ankunft auf dem Brüsseler Bahnhof bereits eine lange Schlange gebildet.

Einfahrt in den Eurostar-Tunnel
Einfahrt in den Eurostar-Tunnel

Mit 20 Minuten Verspätung haben es dann alle Passagiere an Bord geschafft und der Zug verlässt bis auf den letzten Platz gefüllt Brüssel Midi Richtung London. Nach dem Halt in Lille kommen wir in den Bereich um Calais. Man erkennt dies daran, dass die ganzen Gleise und Ladezonen für den Schienenverkehr mit Zäunen und Stacheldraht abgesichert sind. Petra gelingt ein Schnappschuss bei Einfahrt der Zuges in den Tunnel unter dem englischen Kanal.

GWR Ticket Office in Paddington
GWR Ticket Office in Paddington

Von dem Rest der Zugfahrt bekommt man eigentlich nicht viel mit, da der Zug entweder im Tunnel oder zwischen Lärmschutzbauten fährt. London St. Pancras ist uns bereits aus dem letzten Jahr bekannt und wir besorgen uns wieder etwas zu Essen auf dem Real Food Market vor dem angrenzenden Bahnhof Kings Cross. Auf den Besuch des Hypes um Harry Potter und das Gleis 9 3/4 verzichten wir diesmal und begeben uns direkt per Underground Ringlinie zur Paddington Station.

Jugendstil Ornamente in der Halle der Paddington Station
Jugendstil Ornamente in der Halle der Paddington Station
Jugendstil Ornamente von Paddington Station
Jugendstil Ornamente von Paddington Station

Die Tickets für die Great Western Railway (GWR) müssen wir uns dort in Papierform abholen. Wir sind sehr rechtzeitig dort und hätten auch einen Zug früher nehmen können, aber unsere Tickets sind an den Zug und die Reservierung eines Sitzplatzes gebunden.

Animal Dinning Table vor Paddington Station
Animal Dinning Table vor Paddington Station

Wir haben noch einige Zeit, um die Umgebung der Paddington Station zu erkunden. Nach weiteren 1,5 Stunden im Zug der Great Western Railway erreichen wir gut gelaunt Bristol Temple Meads und werden dort bereits freudig erwartet.

Mailand, wir kommen!

Heute ist wieder ein Reisetag angesagt. Es geht mit dem Zug von Basel SBB direkt durch die Alpen nach Milano. Übrigens ist das Wort durch die Alpen wörtlich zu nehmen. Der erste Teil von Basel nach Bern findet zu 50% unterirdisch statt. Danach geht es im Tal des Thuner Sees entlang und dann wieder in den Berg.

Danach kommen wir zum Lago Maggiore. Hier reihen sich Palazzo an Palazzo. Dies ist definitiv auch ein Gewässer, an dem es sich eine Weile aushalten lässt. Nur das notwendige Kleingeld muss vorhanden sein.

Am Endpunkt der Zugfahrt, Milano Centrale, ist der Bahnhof so voll, dass selbst das Verlassen des Bahnsteigs schon mühselig ist. Dabei ist der Bahnhof riesig groß. Uns erinnert er ein wenig an den Leipziger Haptbahnhof. Wir müssen uns erst einmal in dem Gewusel der vielen Leute orientieren. Für einen Touristen, der nach Milano kommt, ist es nicht einfach zu erkennen, wo man Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel bekommt. Da hatte man es mit Basel einfacher, wo die Basel-Card in der Hotelbuchung gleich mit inbegriffen ist.

Bei einer anständigen Pizza warten wir auf unsere Haustürschlüssel
Bei einer anständigen Pizza warten wir auf unsere Haustürschlüssel

Wir folgen der Metro-Ausschilderung, immer in der Hoffnung, dass man vor einer Absperrung auch Tickets kaufen kann. Die Strategie ist gut und wir besorgen uns für die nächsten drei Tage eine Tageskarte. Unsere Unterkunft liegt in der Gegend südwestlich vom Duomo. Ein kleines Appartment in einem alten Palazzo. Wir werden bereits erwartet und  eingewiesen. Leider hat der Vormieter den Schlüssel nicht in den Briefkasten geworfen, so dass der Schlüssel erst wieder beschafft werden muss.

Galleria Vittorio Emanuele II die schicke Einkaufspassage, wo alle Nobelmarken vertreten sind
Galleria Vittorio Emanuele II die schicke Einkaufspassage, wo alle Nobelmarken vertreten sind

Wir nutzen die Zeit, um erst einmal zu essen. Allerdings ist es auch diesmal mit 16:00 Uhr nicht die beste Zeit. Wir finden im „Pane e Vino“ um die Ecke aber ein Restaurant, das eine hervorragende Pizza serviert. Klaus unterschätzt aber die Größe eines „großen“ Bieres. Es handelt sich um eine Maß, also ein Liter!

Danach ist dann auch der Schlüssel da und wir können uns häuslich niederlassen. Zum Abend drehen wir noch eine Runde um den Duomo und den dortigen Weihnachtsmarkt. Dieser ist aber nicht mit den Märkten in Deutschland oder in Basel vergleichbar. Es sind standardisierte Stände. Es gibt zwar Gebäck, Käse, Wurst und Schinken zu kaufen, aber keinerlei Getränke.

Klaus kauft auf dem Weihnachtsmarkt noch Salami für uns
Klaus kauft auf dem Weihnachtsmarkt noch Salami für uns

Heimfahrt

Heute geht es wieder Richtung  „Continent“. Es ist schon merkwürdig, aber so reden die Briten nach wie vor, wenn es über den englischen Kanal geht und gerade nach dem Brexit bekommt dies eine ganz eigene Bedeutung.

Eurostar Zug im Bahnhof St. Pancras
Eurostar Zug im Bahnhof St. Pancras

Wir packen nach dem Frühstück erst einmal unsere Sachen und gehen zu Fuß zum Bahnhof St. Pancras. Wir wissen ja bereits, wo wir hin müssen und dass das Prozedere eher dem Einchecken wie auf dem Flughafen ähnelt als dem Besteigen eines Zuges am Bahnhof.

Wir sind viel zu früh da und durch die Sicherheitskontrolle. Deshalb verbringen wir einige Zeit im total überfüllten Wartebereich. Etwa 15 Minuten vor Abfahrt dürfen wir in den Eurostar nach Amsterdam einsteigen.

Wir verlassen den Bahnhof St. Pancras. Viele sind bereits in ihre Lektüre vertieft.
Wir verlassen den Bahnhof St. Pancras. Viele sind bereits in ihre Lektüre vertieft.

Der Eurostar verlässt London größtenteils  im Tunnel oder in Canyon Trassen. Man bekommt nur ganz wenig von London und der Landschaft Richtung Kanal mit. Den Übergang in den Kanaltunnel bekommen wir gar nicht mit, da wir uns mittlerweile schon in andere Beschäftigungen vertieft hatten.

Einer der selten Blicke auf London aus dem Eurostar
Einer der selten Blicke auf London aus dem Eurostar

Plötzlich weiter Blick mit einem Stacheldrahtzaun zu beiden Seiten der Bahnstrecke und die Autos bzw. LKW fahren auf der rechten Fahrbahnseite. Wir sind bei Calais aus dem Tunnel heraus. Die Überquerung des Kanals in einem Tunnel hatten wir uns etwas dramatischer vorgestellt, aber vielleicht ist es für manchen Passagier besser, wenn die Vorstellung, dass über den Köpfen fast hundert Meter Wasser und Gestein sind, nicht in die Köpfe kommt.

Übrigens gab es die ersten Gedanken zu einem Kanaltunnel schon 1751: Der französische Physiker, Geologe und Geograf Nicolas Desmarest schlug in seiner Dissertation vor, eine Tunnelverbindung zwischen Dover und Calais einzurichten. Die Strecke sollte etwas weiter westlich verlaufen als der heutige Tunnel. Die Sandbank in der Mitte sollte aufgeschüttet werden, damit die Pferde, die die Kutschen ziehen, dort grasen könnten.  Er erhielt dafür 1753 den Preis der Wissenschaftsakademie von Amiens, aber leider wurde der Vorschlag keine Realität, aber es gab auch im folgenden Jahrhundert mehrere Entwürfe für einen Tunnel. Erst 1993 fuhr dann der erste Testzug durch den heutigen Tunnel – 242 Jahre (8 Ingenieur-Generationen) nach der ersten Idee!

In Brüssel haben wir einen ungeplant längeren Aufenthalt, da man im Zug Taschendiebe ertappt hat und diese an die Brüsseler Polizei übergeben werden. Nach einiger Zeit geht es weiter und der Zug erreicht trotzdem pünktlich Amsterdam.

Wir gönnen uns im Bahnhof bei einem mexikanischen Imbiss ein Mittagessen. Auch hier kann man nicht mit Bargeld bezahlen, aber das kennen wir bereits aus England. Der Zug nach Hannover ist dann unspektakulär und fast pünktlich. Surreal ist nur ein Vorgang an der deutschen Grenze. Ganz früher musste man hier Papiere vorzeigen oder Untersuchungen wegen Drogen über sich ergehen lassen. Heute kommt eine Durchsage, dass man nun die Grenze überfahre und nach deutschem Gesetz dazu verpflichtet sei, in der Bahn eine Maske zu tragen. Also müssen wir alle plötzlich wieder eine Maske aufsetzen. Die Passagiere des Zuges nehmen es mit Gelassenheit und Humor.

Fehlstart

Für heute hatten wir uns den Besuch des British Museum, das ganz in der Nähe von unserem Hotel liegt, vorgenommen. Am gestrigen Abend haben wir geprüft, ob die Reservierung eines Visitor Slots notwendig ist. Laut Internetseite ist es empfohlen, aber nicht zwingend notwendig. Wir haben versucht, probehalber zu buchen, aber es ist noch alles frei, also lassen wir es. Nach dem Frühstück brechen wir zum Museum auf und sind entsetzt, da wir am Eingang eine mehrere hundert Meter lange Schlange erspähen. Diese Schlange bewegt sich zudem so gut wie nicht weiter. Zum stundenlangen Schlangestehen haben wir keine Lust und disponieren um. Nach dem Museumsbesuch wollten wir auch noch einen Schaufensterbummel machen.Damit wollen wir nun beginnen.

Döner ist ein deutsches Nationalgericht
Döner ist ein deutsches Nationalgericht

Weiter geht es zum Trafalgar Square und dort kurz durch die National Galerie, da es hier eine öffentlich zugängliche Toilette gibt. Hier hängen vor allem die großen alten Schinken. Wir bleiben aber nicht länger, sondern gehen zur Piccadilly Road und dann durch die Old Bond Street. Dies sind die Straßen, in denen man jede Menge Geld für Edelschmuck, Uhren und Klamotten ausgeben kann. Die Modehäuser machen auf uns aber einen eher langweiligen Eindruck. Das kaufkräftige Publikum scheint wenig experimentierfreudig zu sein. Auch im Burlington Garden und in der Regent Street sieht es nicht besser aus. Wir gehen auch durch die Carnegie Street, die uns ebenfalls nicht begeistert.

Mittagspause der Büroangestellten (in Uniform)
Mittagspause der Büroangestellten (in Uniform)

Wir landen zur Mittagszeit am Golden Square in einem Sandwich und Salat Laden, um einen Tee zu trinken. Die Büroangestellten der Innenstadt strömen in die umgebenden Läden, um sich ihr Lunch zu besorgen. Wir gehen weiter über Leicester Square zum Covent Garden, aber auch hier will sich bei uns keine Begeisterung einstellen. Zusätzlich gehen uns die Straßenkünstler auf die Nerven, die mittlerweile alle mit Mikro und Verstärker um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlen. Vielleicht sind wir auch einfach nicht gut drauf und brauchen eine ordentliche Pause. Also ab nach Hause!

Nach einer eingehenden Pause entschließen wir uns, noch einmal zu starten und der British Library einen Besuch abzustatten. Dort lagern etwa 150 Millionen Bücher und Dokumente. Es gibt eine Dauerausstellung der größten Schätze, die sehr gut dokumentiert sind. Sie ist nach Themen gegliedert, wie Heilige Bücher, Entstehung des Buchdrucks, Buchkunst und Manuskripte berühmter Personen. Da wir am Freitag von St. Prancras abfahren werden, statten wir dem Bahnhof bereits einen Besuch ab, um zu erkunden wo der Eurostar abfährt und ob wir besondere Prozeduren beachten müssen. Auf jeden Fall muss man hier durch eine Sicherheits- und Grenzkontrolle und wir müssen genügend Zeit einplanen.

Eingang zum Gleis 9 3/4 im Bahnhof Kings Cross
Eingang zum Gleis 9 3/4 im Bahnhof Kings Cross

Gleich nebenan befindet sich der Bahnhof Kings Cross, der durch Harry Potter eine hohe Berühmtheit erreicht hat. Auch wir wollen uns einmal das berühmte Gleis 9 3/4 anschauen. Es ist schon ein kräftiger Trubel, der hier um Harry Potter gemacht wird. Natürlich gehen wir auch noch in den Merchandising Shop. Mit uns ist aber kein Geschäft zu machen und so bleiben die Zauberstäbe, Pullover, Zaubererumhänge und Plastik-Eulen im Laden.

Taxen vor dem Bahnhof Kings Cross
Taxen vor dem Bahnhof Kings Cross

Auf dem Platz vor dem Bahnhof Kings Cross findet der Real Food Market mit dem Angebot statt, das wir heute nach der allgemeinen englischen Küche brauchen. An einem Stand mit tropisch afrikanischen Wraps erstehen wir je einen mit und einen ohne scharf. Nach der Stärkung in der Sonne gehen wir auf einer Nebenstraße in Richtung Euston Road. Die Gegend hat schon bessere Zeiten gesehen, aber einige private Initiativen versuchen hier einiges auf die Beine zu stellen, wie z.B. einen Nachbarschaftsgarten oder eine Lernhilfe.

Gebäude in der Nähe des Bahnhofs St. Pancras
Gebäude in der Nähe des Bahnhofs St. Pancras

Mit dem Bus der Linie 68 fahren wir von der Euston Road nach Newington südlich des River Thames. Unsere Oyster-Card kommt einmal ordentlich zum Einsatz. Es geht quer durch das Gewühl der Innenstadt, aber wir haben vom Oberdeck einen guten Überblick und bewundern den Mut der Radfahrer, die sich in dieses Gewühl trauen und das sind nicht wenige. In Newington beginnen die Wohnscheiben der 70er, wie man sie aus vielen Großstädten kennt. Mit einer anderen Buslinie fahren wir über die Westminster Bridge zurück zum Trafalgar Square, von wo aus wir zu Fuß zurück zu unserem Hotel gehen.

Das waren heute eine Menge Schritte!