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Wandertag am Leuchtturm Saint Mathieu

Wollen wir heute wirklich wandern?
Wollen wir heute wirklich wandern?

Als wir morgens aufstehen, sieht es alles andere als nach einem Wandertag an der See aus. Es regnet und weht kräftig, aber so war es auch angesagt. Wir lassen uns nicht abhalten, packen einige wetterfeste Sachen ein und an der Bushaltestelle kommt sogar die Sonne heraus.

Blick auf die aufgewühlte See
Blick auf die aufgewühlte See

Die Bustour führt durch die engen Straßen in Brest und in den Dörfern Richtung Pointe Saint Mathieu. Der Leuchtturm von Saint Mathieu liegt am Chenal du Nord-Ouest de Molène. Früher war hier ein Benediktiner Kloster, das auch für die Unterhaltung des Leuchtfeuers zuständig war. Von dem Kloster sind heute nur noch die Ruinen über, aber sie ragen noch hoch hinaus und sind auch von See aus neben dem Leuchtturm deutlich zu erkennen.

Die Seenotretter nutzen das stürmische Wetter zu einer Übung
Die Seenotretter nutzen das stürmische Wetter zu einer Übung

Als wir ankommen, bläst ein kräftiger Wind mit etwa 5-6 Beaufort aus Südwest gegen den kräftigen Ebbstrom und bringt die See im Chenal zum Kochen. Im Seehandbuch des Seegebietes befindet sich auch ein entsprechender Warnhinweis, die Wind gegen Strom Situation zu vermeiden. Hier ist Klaus vor gut einer Woche bei schönstem Wetter durchgesegelt. Heute sieht es anders aus und im Chenal ist nur der Rettungskreuzer aus Le Coquet zusammen mit einem RIB-Boot bei einer Übung zu beobachten.

Zum Museum des zweiten Weltkriegs müssen wir ein Stück die Landstraße entlang laufen. Die Küstenbatterie ist schon von Weitem zu sehen.
Zum Museum des zweiten Weltkriegs müssen wir ein Stück die Landstraße entlang laufen. Die Küstenbatterie ist schon von Weitem zu sehen.

Für den Vormittag sind noch einige heftige Schauer angekündigt. Wir begeben uns zunächst zum Musée Memoires 39-45 in der Bunkeranlage der alten Küstenbatterie Graf Spee. In der Ausstellung der alten Bunkeranlage empfängt uns eine sehr bedrückende Atmosphäre mit vielen Zeitzeugenberichten aller Seiten, Exponaten aus der Zeit und Zusammenstellungen über die Kriegszeit.

Zuerst geht es in den Keller. Dort sind die Hinterlassenschaften der Deutschen genutzt worden, um die damalige Situation in den Unterkünften der deutschen Soldaten zu zeigen und auch aus Briefen, Tagebüchern und nachträglichen Berichten zu zitieren. In den Etagen darüber geht es um die französische Bevölkerung. Es kommen Zivilisten, Soldaten, Zwangsarbeiter und Mitläufer zu Wort. Im nächsten Bereich geht es um die Resistance und deren Zusammenarbeit mit den Alliierten. Auch die eingesetzten Spione kommen zu Wort. In einem nachempfundenen privaten „Luftschutzkeller“ sind wir 7 Minuten zu Gast und erfahren während eines fingierten Luftangriffs (inklusive Lärm, Erschütterungen und Stromausfall) von den als Puppen dargestellten Bewohnern von ihren Erlebnissen, aber auch von ihren Wünschen und Hoffnungen. Trotz des düsteren Themas war das eine sehr sehenswerte Ausstellung, die die Menschen in den Vordergrund gestellt hat.

Von dort sind wir froh direkt an die Küste zu kommen, um uns den Wind um die Nase blasen zu lassen. Die Tide ist gekentert und es sind weniger Schaumköpfe zu sehen, da nun Strom und Wind in die gleiche Richtung gehen. Trotzdem ist es da draußen immer noch kein Spaziergang.

An der Küste gibt es einen Punkt, an dem früher Seetang auf den Felsen gesammelt wurde. Dazu gab es eine Hebevorrichtung an der Steilküste, um den Seetang nach oben zu bekommen. Die Aufmauerungen und ausgearbeiteten Steinplatten sind heute noch zu erkennen.

Am Phare de Saint Mathieu gibt es für uns ein Sandwich zur Stärkung. Die Schauer sind erst einmal durchgezogen und wir sitzen in der Sonne. Die Ruinen der alten Abtei sind beeindruckend.

Daneben gibt es auch einen mit einer hohen Mauer umgebenen Garten. Die Mönche mussten sich selbst mit Obst und Gemüse versorgen. Den neuen Leuchtturm hat man neben die Ruinen gesetzt und er überragt sie deutlich.

Die Gedenkstätte für die Seeleute
Die Gedenkstätte für die Seeleute

Neben Abtei-Ruinen und Leuchtturm befindet sich an dem Ort auch eine Gedenkstätte für die Seeleute, die für Frankreich ihr Leben gelassen haben. Über ein paar Stufen geht es hinab in mehrere Räume, in denen Erinnerungsfotos hängen. Die schiere Menge wirkt sehr eindrucksvoll und die Fotos lassen aus Zahlen wieder Menschen werden.

Von hier beginnen wir unsere Küstenwanderung nach Le Conquet. Mehrere Schauerwolken machen Anstalten über uns hinwegzusehen, aber sie gehen vor oder hinter uns durch. So kommen wir trocken in Le Conquet an und mit dem Bus zurück nach Brest.

Warten auf den Bus
Warten auf den Bus

Ausfahrt mit dem Ausflugsboot Richtung Île de Ouessant

Auf dem Vorschiff der La Brestoa
Auf dem Vorschiff der La Brestoa

Heute geht es wieder mit dem Ausflugsboot hinaus und zwar in Richtung Île de Ouessant. Dafür müssen wir früh aufstehen, da die Abfahrt bereits um 9:30 Uhr ist und man eine viertel Stunde vor Abfahrt am Boot sein soll. Heute soll die Fahrt etwa 5,5 Stunden dauern und wir haben uns für an Bord ein Lunchpaket mit gebucht.

Der ehemalige deutsch U-Boot Bunker in Brest und darüber die Offiziersschule des Marinestützpunkts
Der ehemalige deutsch U-Boot Bunker in Brest und darüber die Offiziersschule des Marinestützpunkts

Es ist wieder das gleiche Boot mit gleicher Crew wie gestern und wir begeben uns gleich auf unsere Lieblingsplätze auf dem Vorschiff. Die Ausfahrt geht an der nördlichen Seite der Goulet vorbei an den bereits bekannten Leuchttürmen und Festungen, dem Phare du Portzic,  dem Fort du Mengant, dem Phare du Petit Minou hinaus bis zum Phare de Saint Mathieu.

Ab dem Phare du Portzic haben wir kräftigen auslaufenden Ebbstrom mit ordentlich Wind aus SW gegenan, also baut sich eine kurze steile See auf. Wir ziehen uns vorsichtshalber hinter die Spritzschutzscheibe zurück. Allerdings ist unsere Sorge unberechtigt. Das Ausflugsboot setzt zwar in die steile See ein, aber die Gischt geht zur Seite weg und alles auf dem Vorschiff bleibt trocken.

Ponte Saint-Mathieu - von links nach rechts: Sémaphore de la Pointe Saint-Mathieu eine Überwachungsstation der Marine von 1906, die Ruine eines ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 16. Jahrhundert, der Leuchtturm Saint Mathieu von 1835 und die Kapelle Notre-Dame-de-Grâce von 1861
Ponte Saint-Mathieu – von links nach rechts: Sémaphore de la Pointe Saint-Mathieu eine Überwachungsstation der Marine von 1906, die Ruine eines ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 16. Jahrhundert, der Leuchtturm Saint Mathieu von 1835 und die Kapelle Notre-Dame-de-Grâce von 1861

Vom Phare de Saint Mathieu hält der Skipper südlich an der Île de Beniguet, einem strengen Naturschutzgebiet mit Anlandeverbot zum Leuchturm Pierres Noires. Er markiert die Einfahrt in die Bucht von Brest.  Hier drosseln wir die Fahrt und können einige Kegelrobben auf den Felsen beobachten. Klar werden auch wir beäugt.

Häuser auf der Île de Quemenès
Häuser auf der Île de Quemenès

Nun geht es zur Durchfahrt zwischen der Île de Quemenès und Île de Litiri. Die Île de Quemenès wird von einer Familie bewirtschaftet und baut in dieser Umgebung Kartoffeln an. Die letzte Jahresernte soll 10 Tonnen betragen haben.

Häuser auf der Île de Quemenès
Häuser auf der Île de Quemenès

Ansonsten ist die Durchfahrt von Sportbootfahrern beliebt, die vor der Île de Litiri zum Baden vor Anker gehen. An der flachsten Stelle haben wir laut Skipper nur noch wenig Wasser unter dem Kiel. Bei Springniedrigwasser sollen hier laut Seekarte nur  10cm Wasser stehen, aber der Skipper kennt sich aus und bringt uns ohne Grundberührung durch.

In der Ferne ist der Ort Île-Molène auf der Insel Molène zu sehen
In der Ferne ist der Ort Île-Molène auf der Insel Molène zu sehen

Auf der Nordseite können wir einem Algenfischer bei der Arbeit zusehen. Dieser zieht einen Rechen mit Schneiden durch das Kelb und dann die langen Kelbblätter auf seine Ladefläche. Das Kelb wird als Gemüse in frischer bzw. getrockneter Form verwendet oder getrocknet und zu Düngepulver zermahlen. Hoffentlich lassen die Fischer noch genug übrig, da es auch die Kinderstube für viele Wasserlebewesen ist.

Noch eine Kegelrobbe beäugt uns zusammen mit ein paar Kormoranen
Noch eine Kegelrobbe beäugt uns zusammen mit ein paar Kormoranen

Danach geht es zurück durch die Basse de Penser zurück zum Hafen von Le Conquet, wo wir aber nicht anlegen. Der Skipper will uns die starke Flutströmung zeigen, die hier an den Felsen entlang rauscht. Die Segler nutzen den enormen auflaufenden Strom Richtung Norden durch die Basse de Penser.

Algenernte - Zuckertang ist essbar und wird auch in Kosmetika genutzt
Algenernte – Zuckertang ist essbar und wird auch in Kosmetika genutzt

Das Ausflugsboot fährt weiter dicht unter der Küste gegen den Strom zum Phare de Saint Mathieu. Dabei nutzt der Skipper sogar die Neerströme in den Buchten. Zurück nach Brest trägt uns dann hinter Fort du Mengant der Flutstrom in die Bucht von Brest. Nach etwa 5 Stunden sind wir wieder zurück an Land und gehen erst einmal zum Ausruhen wieder in unser Appartement.

Kriegsgräber in Brest
Kriegsgräber in Brest

Zum Abend machen wir noch einen Spaziergang durch den östlichenTeil von Brest hinter dem Rathaus und landen auf einem Friedhof mit Grabfeldern aus erstem und zweitem Weltkrieg. Neben französischen Opfern, sind hier auch Gräber von alliierten Soldaten. Diese habe meist einen Grabstein statt einem Kreuz.  Auch deutsche Gräber aus dem ersten Weltkrieg finden wir hier.

Wandmalerei in Brest
Wandmalerei in Brest

Fahrradtour zum Phare Du Petit Minou

Heute ist schönes Wetter vorhergesagt und wir möchten unseren Bewegungsradius vergrößern. Dazu werden wir uns die angebotenen Elektrofahrräder von VeloZef mieten. Dieses Fahrradmieten ist aber gar nicht so einfach. Zunächst muss man sich die App herunterladen und ein Benutzerkonto einrichten. Für die Abrechnung muss eine Kreditkarte hinterlegt werden. Macht man dies nicht, so wird der Buchungsvorgang sofort abgebrochen und man wird erneut aufgefordert, die Kreditkarte zu hinterlegen.

Wir machen die Räder vor unserer Unterkunft noch ein wenig sauber
Wir machen die Räder vor unserer Unterkunft noch ein wenig sauber

Die Elektroräder sollen eine Reichweite von etwa 60km haben. Das müsste eigentlich für eine Tour zum Leuchtturm Phare du Petit Minou reichen. Da die Räder in den Stationen nicht nach dem ‚First In First Out‘-Prinzip, sondern nach den ‚Last In First Out‘-Prinzip ausgegeben werden, bekommt man im allgemeinen kein vollgeladenes Fahrrad. Das Erste, das wir am Bahnhof bekommen, soll noch etwa 36km Reichweite haben und das zweite 38km. Das sollte für den etwa 10km entfernten Leuchtturm reichen.

Statue für die Hafenarbeiter von Brest
Statue für die Hafenarbeiter von Brest

An unserer Unterkunft machen wir die Räder erst einmal etwas sauber,  da der Korb von einem Vogel vollgekleckert war. Dann geht es los und wir radeln über die Brücke nach Recouvrance und hinter dem Marinestützpunkt zum Strand in Sichtweite des alten U-Boot Bunkers. Bei dem auf und ab der Straßen ist es schon angenehm auf einem Elektrofahrrad zu sitzen, auch wenn die leichte Verzögerung beim Anfahren etwas Gewöhnung bedarf. Wir gönnen den Fahrrädern eine kurze Pause und gehen zu Fuß bis zum Strand und Mooringbojenfeld vor La Maison Blanche. Der Wanderweg geht weiter bis zum ‚Phare du Portzic‘. Die Straße schneidet den Phare du Portzic ab. Wir dürfen den Wanderweg mit unseren Rädern nicht benutzen und folgen der Straße.

Boote an Mooringbojen vor Maison Blanche
Boote an Mooringbojen vor Maison Blanche

Am nächsten Strand ‚Plage de Sainte-Anne du Portzic‘ legen wir wieder eine Pause ein und unternehmen einen Spaziergang am Wasser. Dabei begegnen wir einem älteren Herrn, der hier ehrenamtlich den Strand pflegt und von einer Runde zurückkommt, auf der er auch gleich einige Austern geerntet hat. Er schwärmt von seinem Strand und fordert uns auf, hier zum Schwimmen bei Hochwasser zu kommen. Es ist tatsächlich nicht schwer, da hier die Bus-Linie 2 hält, die auch ganz in der Nähe unserer Unterkunft hält.

Unterwegs treffen wir auf eine Gruppe großer Felsblöcke. Was erst aussieht, wie alte Menhire, erweist sich als moderne Kunst
Unterwegs treffen wir auf eine Gruppe großer Felsblöcke. Was erst aussieht, wie alte Menhire, erweist sich als moderne Kunst

Wir fahren weiter vorbei am Industriepark Technopole mit Ingenieurschule und vielen Unternehmen. Hier gibt es auch die letzte VeloZef Station und die Endstation der Bus-Linie 2 nach Brest. Von nun an sind wir auf unsere Räder angewiesen. Über eine enge Straße geht es auf und ab zum ‚Phare du Petit Minou‘.

Am Strand von Ste. Anne
Am Strand von Ste. Anne

Dort gönnen wir den Rädern wieder eine Pause. Petras Rad zeigt noch 17km und Klaus Rad zeigt immer noch 37km. Irgendwas stimmt hier nicht, aber egal. Wir wandern zum Strand von Petit Minou, der schnell von der Flut verschluckt wird. Die Zeit reicht, um noch ein wenig die Füße ins Wasser zu stecken. Auf dem Weg kreuzen Eidechsen unseren Weg und haben so gut wie keine Scheu vor Menschen. Offensichtlich hatten sie noch keine schlechten Erfahrungen. Danach besichtigen wir noch das Fort und werfen einen Blick auf den eingehausten Leuchtturm, der gerade saniert wird.

Am Strand von Petit Minou
Am Strand von Petit Minou

Nach der Pause sitzen wir wieder auf den Räder und es geht zurück. Auf der Steigung vor Saint-Anne geht das Rad von Klaus immer schwerer. Wir hegen schon den Verdacht, dass der Akku bald alle ist. Zu allem Überfluss geht auch der Handy Akku von Klaus zur Neige. Erstmal geht es aber bergab nach Saint-Anne. Hier wissen wir, fährt die Bus-Linie 2 und es gibt eine Rückgabe-Station von VeloZef. Auf der nächsten Steigung hinter Saint-Anne verweigert das Rad von Klaus den Dienst und lässt sich nur sehr schwer bergauf bewegen. Der Blick in die App zeigt aber immer noch 37km Reichweite. Da liegt eindeutig ein technischer Fehler vor. Auch der Akkustand von Petras Rad ist innerhalb weniger Kilometer auf 2km Reichweite zusammengeschrumpft. Wir schauen in der App, wo wir die Räder los werden können. Glücklicherweise ist am Strand von Saint-Anne eine Abgabestation, aber diese ist mit 10 Rädern vollbesetzt. Wir setzen eine Fehlermeldung ab, da wir so ja nicht weiter kommen und können die Räder neben der Station abstellen.

Fahrradrückgabestation in Ste. Anne. Die Fahrräder werden untereinander verbunden und über die Verbindung zu den anderen Fahrrädern geladen. Dadurch kann immer nur auf der linken Seite ein Fahrrad entnommen oder zurück gegeben werden.
Fahrradrückgabestation in Ste. Anne. Die Fahrräder werden untereinander verbunden und über die Verbindung zu den anderen Fahrrädern geladen. Dadurch kann immer nur auf der linken Seite ein Fahrrad entnommen oder zurück gegeben werden.

Von hier bringt uns die Bus-Linie 2 zu unserer Unterkunft. Am Abend gehen wir noch etwas einkaufen und zum Abendessen zu ‚Simone et Yvette‘ an der Rue du Siam, der Haupteinkaufsstraße.

Bede`s World – ein Ausflug in die Vergangenheit

Heute morgen probieren wir uns weiter durch das Frühstücksmenü unseres Grand Hotels. Auch diesmal sind wieder interessante Kreationen dabei:

Bevor wir nach dem Frühstück zu anderen Aktivitäten starten, besuchen wir erst einmal einen Schuster. Wir fahren nach North Shields zu einem Einkaufszentrum. Dort gibt es, wie bei uns, die übliche Kombination aus Schuster, Schlüsseldienst und anderen kleinen Dienstleistungen. Als der Schuster Petras Schuhe sieht, winkt er ab. Die Zwischensohle an der die eigentliche Sohle angeklebt wird, hat sich aufgelöst, so dass einfaches Kleben nicht mehr helfen würde.

Diese Schuhe begleiten Petra seit ihrem ersten Blogeintrag hier. Sie sind also 14 Jahre alt.
Diese Schuhe begleiten Petra seit ihrem ersten Blogeintrag hier. Sie sind also 14 Jahre alt.

Es bleibt also zunächst nur ein Neukaufen. In einem Outletcenter finden wir einen Outdoorladen und Petra kauft neue Schuhe. Die Alten kommen aber wieder mit zurück nach Hause, um dort einer umfangreicheren Reparatur unterzogen zu werden. Im Internet hatte Petra von einem Verfahren mit dem englischen Begriff „re-welting“ gelesen.

Bede schreibt über Großbrittanien
Bede schreibt über Großbrittanien

Unser heutiges Ziel ist die Ausstellung „Bede`s World“. Der Ort der Ausstellung in Jarrow ist nur schwer zu finden. Stattdessen sehen wir viele Ausschilderungen für Jarrow Hall. Zu guter Letzt wird uns klar, dass dies der gleiche Ort ist.

Zu Bedes Lebzeiten gibt es britische, irische und piktische Königreiche und im Südosten angelsächsische Königreiche der eingewanderten Angelsachsen
Zu Bedes Lebzeiten gibt es britische, irische und piktische Königreiche und im Südosten angelsächsische Königreiche der eingewanderten Angelsachsen. Dazu gehört auch Jarrow. Das dort gegründete Kloster unterscheidet sich deshalb sehr vondem Kloster in Lindisfarne, welches religiös von den früher christianisierten Iren beeinflusst ist.

Bede war ein Mönch, der um 700 n. Chr. gelebt hat. Er hat viele Schriften und zeitgenössische Dokumente verfasst. Bedes Schriften drehen sich nicht nur um die Bibel und die Kirche, sondern auch um Wissenschaft und Geschichte. Obwohl er sein Kloster selten verlassen hat, hatte er aber die Gabe genau hinzuhören, zu beobachten und dies dann in Texten zu verarbeiten. Das Kloster in dem er ab seinem 7. Lebensjahr aufwuchs und lebte, liegt in Jarrow ganz dicht an der Tyne. Überraschend für uns war die Erkenntnis, dass es von Benedict, dem Begründer des Benediktiner Ordens, gegründet wurde und er ebenfalls aus England war. Dieser Benedict, der von 628 bis 690 n. Chr. lebte, hat zwischen 635 und 670 sechs Pilgerreisen nach Rom unternommen und nebenbei zwei Kloster bauen lassen und einen Orden begründet. Dies ist umso erstaunlicher, als eine Reise von Nordengland nach Rom bestimmt mehr als ein Jahr in Anspruch genommen hat.

Nach den Bauten der Römer sind die beiden von Benedict gegründeten Klöster (St. Paul in Jarrow und St. Peter in Wear) die ersten Gebäude aus Stein. Auch Glasfenster gab es zuletzt bei den Römern und das ist zu der Zeit bereits 300 Jahre her.

Nachdem wir uns die Ausstellung über Bede und seine Zeit angeschaut haben, die an einigen Stellen auch schon bessere Tage erlebt hat, begeben wir uns ins Freigelände, wo die ländliche Lebensweise diese Zeit dargestellt sein soll. Auch dieser Teil ist ein wenig heruntergekommen. Wir kommen mit einem der Freiwilligen ins Gespräch, der sich um die Tiere kümmert. Er berichtet uns, dass „Bede`s World“ eine private Organisation war, die vor einiger Zeit pleite gegangen ist. Um nicht die Schulden übernehmen zu müssen, musste sich die Nachfolge-Organisation umbenennen und neu ausrichten. Dadurch kam es zu dem Namen „Jarrow Hall“. Er erzählt uns auch, dass man das Ganze in einem ziemlich schlechten Zustand übernommen hat und an allen Ecken das Geld für die notwendigen Renovierungen fehlt. Uns fällt auch auf, dass der Besuch dieser Stätte doch eher verhalten ist, obwohl hier in England gerade Ferien sind.

Die Kirche und das Kloster auf dem angrenzenden Gelände wird vom English Heritage unterhalten und ist auf der Anwärterliste für das Weltkulturerbe. Die Kirche hat bereits geschlossen und von dem Kloster sind nur noch Mauerreste aus dem Mittelalter erhalten. Trotzdem lässt sich auch von außen gut erkennen, welche Teile noch sehr ursprünglich sind und welche im 14. und im 19. Jahrhundert hibzugekommen sind. Leider ist die gesamte Anlage umzingelt von Industrie, die hier auch die Nähe zur Tyne genutzt hat. Auf dem Gelände der Farm standen vorher Öltanks!

Hinter den Mauerresten des Klosters ist der neuere Teil der Kirche St. Paul zu sehen.
Hinter den Mauerresten des Klosters ist der neuere Teil der Kirche St. Paul zu sehen.

Von Jarrow fahren wir nach South Shields zur Südmole der Tyne. Nachdem wir zwei Tage zuvor nicht auf die Nordmole durften, ist die Südmole für die Öffentlichkeit freigegeben. Am Molenkopf mit seinem gewaltigen Leuchtturm stehen viele Angler und wetteifern mit Möwen und Lummen um den Fisch.

Zur Abwechslung gehen wir heute ineinem  indischen Restaurant in Tynemouth essen. Obwohl Tynemouth sehr touristisch erscheint, scheinen sich Gäste und die Bedienung untereinander zu kennen.

Kegelrobben und Kohle

Das Frühstücksmenü unseres Grand Hotels ist recht kreativ und Petra probiert das vegetarische große Frühstück. Das sättigt bis abends, aber die vegetarischen Würstchen waren etwas trocken.
Das Frühstücksmenü unseres Grand Hotels ist recht kreativ und Petra probiert das vegetarische große Frühstück. Das sättigt bis abends, aber die vegetarischen Würstchen waren etwas trocken.
Snakelock Anemone (Anemonia sulcata) kommt im Nordatlantik und in der Nordsee vor, kann bis zu 8cm groß werden und stechende Schmerzen verursachen, wie eine Feuerqualle
Snakelock Anemone (Anemonia sulcata) kommt im Nordatlantik und in der Nordsee vor, kann bis zu 8cm groß werden und stechende Schmerzen verursachen, wie eine Feuerqualle

Heute Morgen scheint die Sonne aus allen Knopflöchern und der Wind hat etwas abgeflaut. Wir wollen die Küste nördlich von Tynemouth abklappern. Aber vorher wollen wir uns im örtlichen Aquarium, nicht weit vom Hotel entfernt, etwas mit der maritimen Fauna vertraut machen. Die entsprechenden Fische sind zwar auch zu besichtigen, aber der Schwerpunkt des Aquariums liegt dann doch eher auf der Kindertauglichkeit.

Auch der Andenkenladen im Aquarium ist sehr kindgerecht...
Auch der Andenkenladen im Aquarium ist sehr kindgerecht…

Also sehen wir dort auch viele bunte tropische Fische und auch Piranhas, Rochen und Haie dürfen natürlich nicht fehlen. Die Abgrenzung zu den in der Nordsee vorkommenden Arten ist dabei nicht ganz klar. Neben dem Betrieb des Aquariums engagiert man sich noch in der Heuler Aufzucht und in der medizinischen Versorgung von verletzten Robben. In diesen Gewässern kommen vor allem Grey Seals (Kegelrobben) vor, die im Bestand gefährdet sind. Dadurch erfahren wir, dass nicht weit entfernt beim Leuchtturm auf St. Mary`s Island eine Kolonie von Kegelrobben lebt und von dort gut beobachtet werden kann. Dorthin wollen wir als erstes starten.

St. Mary's Leuchtturm wurde zum Schutz der Einfahrt in die Tyne gebaut, ist aber schon seit mehreren Jahrzehnten außer Betrieb
St. Mary’s Leuchtturm wurde zum Schutz der Einfahrt in die Tyne gebaut, ist aber schon seit mehreren Jahrzehnten außer Betrieb

Vorher statten wir uns im Hotel noch mit Verpflegung in Form von Tee und Obst aus. Die Straße nach St. Mary`s Lighthouse führt immer an der Küste entlang und bietet einen herrlichen Blick auf die Nordsee, die immer noch vereinzelt Schaumkronen hat. Das Lighthouse hält, was es verspricht. Es liegt auf einer Insel, die man ab halber Tide über einen Betondamm erreichen kann. Da wir gerade ablaufend Wasser haben und der Wasserstand schon ziemlich niedrig ist, machen wir von dieser Möglichkeit gebrauch. Wir sind natürlich nicht die einzigen, die das tun.

Damit die Kolonie Kegelrobben vor dem Leuchtturm nicht gestört wird, achten mehrere Freiwillige auf die Einhaltung der Regeln und den Abstand. Einer von ihnen erzählt, dass letzte Woche sich zwei Taucher im Kelp vor der Küste verirrt hatten und direkt neben der Kolonie zur Orientierung aus dem Wasser krabbelten. Sie sind dann aber schnell abgezogen. Vermutlich hat es in der Kolonie etwas Unruhe gegeben.

Bevor das Wasser wieder aufläuft, fahren wir weiter nach Blyth und erwarten dort eigentlich einen Yachthafen. Die Abzweigung verpassen wir aber und landen bei den Kaianlagen für die Windparks. Riesige Trommeln für Seekabel, ein großer Kabelleger und riesige Grundpflüge zum Eingraben der Kabel sind zu bestaunen. Auch die Universität Newcastle hat hier eine Anlage für Forschung zum Thema Windkraft. Wir gehen durch einen Park, der an die Kais anschließt in Richtung Innenstadt. Weiter den Fluss hinauf liegt ein großes Spezialschiff an einer Werft. Der Yachthafen liegt, wie wir der Karte entnehmen, gleich hinter der Einfahrt. Blyth selbst ist keine besondere Stadt und so fahren wir die Küste weiter nach Norden.

Luftaufnahme am Strand von Cresswell. Die schwarzen Schlieren sind Steinkohle
Luftaufnahme am Strand von Cresswell. Die schwarzen Schlieren sind Steinkohle

An einer Stelle des Kliffs gibt es mehrere Parkplätze mit Aussicht und Zugängen zum Strand. Der Strand vor dem Kliff ist durchzogen mit Sandsteinfelsen. An einer Felsplatte packen wir das erste Mal auf dieser Reise die Drohne aus, um einige schöne Flugaufnahmen zu machen. Die Drohne scheucht einen Schwarm Vögel auf, die im Schwarm erst einmal dieses merkwürdige Ding inspizieren. Offensichtlich erkennen sie es als ungefährlich an und lassen sich nach einer Runde wieder zum Fressen auf den Algenbänken nieder.

Steinkohle und Sand ergeben zusammen interessante Muster
Steinkohle und Sand ergeben zusammen interessante Muster

Bereits am Leuchtturm waren uns einige schwarze Steine aufgefallen, die wie Schiefer aussahen und auf einer geologischen Schautafel war dargestellt, dass in diesen Sandstein-Formationen dünne Steinkohleschichten eingebettet sein können.

Hier sind die schwarzen Steinkohleschichten im Sandstein der Klippen gut zu erkennen
Hier sind die schwarzen Steinkohleschichten im Sandstein der Klippen gut zu erkennen

Hier am Strand gibt es nun einige Bereiche, die ganz schwarz sind und auf denen einige Leute sich Säcke damit füllen. Wir fragen, ob es sich hier um Steinkohle handelt und bekommen es bestätigt. Der Herr erzählt uns, dass diese Kohlestreu zusammen mit Holzkohle eine wunderbar lang anhaltende Wärme ergibt. Er warnt aber auch vor den größeren Stücken in denen nasse Sandsteinen eingebettet sein können, die dann platzen und den Ofen beschädigen können. Als wir dicht ans Kliff herantreten, entdecken wir auch diese dünnen „Steinkohleflöze“.

Als wir wieder am Auto sind und die Schuhe wechseln, entdeckt Petra, dass sich bei ihren geliebten Wanderstiefeln die Sohle ablöst. Hierfür müssen wir schleunigst eine Lösung finden, also zurück zum Hotel und nach Schuster (Cobbler) oder Outdoor-Ausrüstungsladen fragen.