Camaret sur Mer liegt nicht weit entfernt vor Brest, so haben wir viel Zeit ein ausgiebiges Frühstück zu bereiten, außerdem gilt es noch möglichst viele angefangene Lebensmittelpackungen aufzubrauchen.
Danach legen wir ab, denn für den weiteren Tag ist eine gewisse Gewitterneigung vorher gesagt. Allerdings nehmen wir für das kurze Stück nach Brest nur den Motor.
Festung vor BrestFestung vor Brest
Der Kanal vor Brest ist gespickt mit Verteidigungsstellen. Die Vergangenheit von Brest bis einschließlich des zweiten Weltkriegs war sehr kriegerisch und Brest hat kräftig darunter leiden müssen. Hinter der Enge öffnet sich wieder eine riesige Bucht. Auch heute gibt es in Brest einen großen Marinestützpunkt. Wir machen direkt daneben in der Marina du Château innen an der Mole fest.
Nun geht es nach einem kurzen Mittagssnack an das große Reinemachen unter Deck. Es ist doch erstaunlich wieviel Dreck über 14 Tage an Bord getragen wird.
Nachdem wir fertig sind, stößt auch Petra, die mittlerweile ebenfalls in Brest angekommen ist, zu uns. Ich habe bereits alle meine Sachen gepackt und werde bereits in die Ferienwohnung umziehen, die wir gebucht haben.
Das Abschlussessen
Am Abend hat die Crew einen Tisch in einem guten Restaurant für das Abschlußessen reserviert. Wir verlassen alle das Restaurant mit einem kugelrunden Bauch.
Für mich haben sich meine Erwartungen an diese Tour mehr als erfüllt und ich habe viel über das Langstreckensegeln gelernt. Es war richtig diese erste Erfahrung in dieser Form zu machen. Dazu beigetragen hat auch, dass wir eine tolle Gemeinschaft an Bord waren.
Eigentlich sollte es gleich am nächsten Tag weiter gehen, aber bereits am Abend zuvor zeigte die Wettervorhersage, dass morgens eine Schlechtwetterfront mit Regen und starkem Wind über uns hinweg ziehen soll.
Sonnenschein nach Frontdurchgang
Als wir früh aus den Kojen kriechen und beim Frühstück sitzen, bewahrheitet sich diese Vorhersage. Auf der Ostsee könnte man nun einfach etwas Zeit abwarten und dann auslaufen. Hier ist das nicht so einfach. Wir müssen unsere Passage des Chenal Nord-Quest de Moléne zwischen Festland und Isle de Quessant so planen, dass wir mit dem Strom durch diese Enge segeln. Damit ergibt sich nur dieses morgendliche Zeitfenster, wenn wir nicht wieder in die Nacht segeln wollen.
Das Auslaufen wird auf den nächsten Tag verschoben und wir werden ab 11:00 Uhr mit schönstem Sonnenschein belohnt. Die Crew verteilt sich zu verschiedenen Aktvitäten an Land.
Austernfarm vor Poul Cansot
Villa an der Bucht vor Poul Cansot
Bucht vor Poul Cansot
Strand vor Poul Cansot
Blick von Poul Cansot zum Leuchtturm Ile Vierge
Leuchturm Ile Vierge (90m hoch)
Ich mache mich mit einigen Anderen am Ufer entlang auf in RichtungKüste mit ihren vorgelagerten Felsbrocken. Es öffnen sich einige Buchten mit Austern-Farmen und karibischem Feeling.
Zum Abend haben wir uns zur weiteren Entschädigung in einem Restaurant am Hafen einen Tisch reserviert.
Morgendlicher Aufbruch nach Camaret sur Mer
Nach einer weiteren Nacht in L‘Aber-Wrac‘h geht es am nächsten Morgen weiter. Zunächst müssen wir gegen den Wind aus der Zufahrt motoren und versuchen dann, unter Segeln Richtung WSW zu kommen. Gegen den immer noch laufenden Flutstrom kommen wir in der 3m hohen Atlantikdünung aber kaum voran. Also schieben wir unter Motor weiter bis zu dem Punkt, wo wir Richtung Süd abbiegen können. Nun beginnt auch der Ebbstrom mit zu helfen.
Halber Wind und mehr als 4 Knoten Strom
Als wir in der Enge zwischen Festland und Isle de Quessant mit vollem Strom durchsegeln, wird uns klar, warum im Seehandbuch diese Hinweise auf Strrom mit stehen.
Neben uns gibt es etliche Strudel und an der engsten Stelle setzt ein Strom von über 4 Knoten Strom. Unsere Logge zeigt an dieser Stelle kurzzeitig 11,4 Koten über Grund.
Entspannte Crew
Nach der Passage geht es fast vor den Wind, so dass wir eher vor dem Wind kreuzen. Der Genaker bleibt heute aber in der Segellast. Statt dessen haben wir beste Segelbedingungen und die Crew döst teilweise in der Sonne.
Segeln vor dramatischer Kulisse
Camaret sur Mer ist heute unser Zielhafen. Wir machen an der Außenkante des Hafens fest, da die Glücksburg etwa 3 m Tiefgang hat. Am Tage bedeutet das etwas Unruhe durch die Ausflugsboote, aber Nachts haben wir unsere Ruhe. Im Ort gibt es eine Menge Galerien von örtlichen Künstlern und Künstlerinnen. Am Hafen befindet sich eine lange Straße mit vielen Bars und Restaurants.
Wir nutzen unser frühes Ankommen zu einem ersten Klarschiff an Deck. Morgen geht es unter Motor das letzte Stück nach Brest in die Marina du Château, wo wir dann die Glücksburg für die Übergabe an die nächste Crew fertig machen werden.
Nach einer Nacht im Hafen geht es heute wieder auf eine Nachttour in See. Das Timing ist so, dass wir morgens auf der französischen Seite in L‘Aber-Wrac‘h ankommen wollen.
Das heißt, dass wir erst nachmittags auslaufen wollen und ein Teil der Crew nutzt die Gelegenheit, in Falmouth noch etwas zu Shoppen und mittags noch einmal ein klassisches Fish&Chips zu genießen.
Die kleine Variante für eine Atlantik Querung
Schifffahrtsmuseum am Hafen von Falmouth
Kleinboot Mooring in Falmouth
Tidenhub in Falmouth
Die Glücksburg in Falmouth
Fort an der Hafenausfahrt von Falmouth
Die Crew ist mittlerweile so eingespielt, dass wir für das Ablegen einmal etwas Neues ausprobieren wollen. Es ist der sogenannte Elsfleter Ableger, bei dem man in eine Achterleine auf Slip außen befestigt und dann mit Maschine voraus in diese Leine eindampft. Die Vorleine, die vorher ebenfalls auf Slip gelegt wurde, wird dann gefiert und der Bug dreht dadurch automatisch über den achterlichen Kugelfender vom Steg weg. Ein schönes Manöver, dass gut funktioniert.
Gegen die letzte auflaufende Tide motoren wir aus Falmouth heraus und setzen draußen die Segel. Der Wind steht mit Richtung West ideal und vor Black Head setzen wir Richtung französischer Küste unseren Kurs. Die ganze Zeit werden wir immer wieder von Delfinen begleitet.
Laut Stromkarten für den englischen Kanal setzt uns der Tidenstrom etwa 4 Stunden nach Osten, dann 6 Stunden nach Westen und dann wieder 4 Stunden nach Osten und zwar mit doppelter Stärke unter der französischen Küste. Wir müssen über die gesamte Strecke von 90 Seemeilen etwa 6 Seemeilen in Richtung Westen vorhalten.
Ob das stimmt, zeigt sich erst beim Landfall am nächsten Morgen. Da der Wind noch etwas zugenommen hat, wechseln wir vor Sonnenuntergang noch auf eine kleinere Fock. Sicher ist sicher. Die Crew ist wieder im Wachenmodus und es geht in die Nacht.
Segeln in den Abend
Segeln in den Abend
Segeln in den Abend
Mitten in der Nacht gibt es noch etwas Aufregung, da sich meine Rettungsweste, die ich nach meinem Wachwechsel vor der Kabine abgelegt habe, von selbst ausgelöst hat. Damit wurde auch der AIS und DSC-Funk Man-Over-Board Alarm ausgelöst. Ich muss gestehen, dass ich von dieser ganzen Aktion erst beim nächsten Wachwechsel erfahren habe, da ich tief und fest in meiner Koje geschlafen habe.
Die Menge an großen Schiffen, die den Kanal befährt, hält sich in dieser Nacht in Grenzen. Nur einem Kabelleger kommen wir etwas näher und er bittet um etwas mehr Abstand. Ansonsten hatten wir mit mehr Verkehr gerechnet.
Bei Landfall am frühen Morgen zeigt sich, dass wir mit dem Ebbstrom weiter nach Westen gesetzt wurden als vermutet. Wir waren langsamer und stehen etwa 4 Seemeilen weiter westlich als geplant. Das ist aber nicht schlecht, da es besser ist zur Korrektur abzufallen, als später gegenan Motoren zu müssen.
L‘Aber-Wrac‘h bei Nieselregen
L‘Aber-Wrac‘h bei Nieselregen
Die Glücksburg am Steg in L‘Aber-Wrac‘h
Mit dem ersten Morgenlicht und etwas Sprühregen laufen wir nach L‘Aber-Wrac‘h ein. Nun gibt’s es erstmal Frühstück und die Crew erkundet zunächst die Sanitäranlagen.
L‘Aber-Wrac‘h ist ein kleiner Ort, der geschützt hinter den vorgelagerten Felsen liegt. Er bietet Bademöglichkeiten und eine große Segelschule, die Kurse für Kinder und Erwachsene anbietet. Daneben befindet sich noch eine Tauchbasis, die zu Tauchgängen hinter den schützenden Felsen aufbricht.
Austern, was sonst?Austern und Fischsuppe
Wir lassen es uns am Tage mit französischer Lebensart gut gehen.
Nach dem wir die Scilly Islands für einen Tag besucht und erkundet haben, zieht es uns doch zum Festland und einer Dusche. Das Beiboot haben wir bereits gestern Abend wieder verpackt.
Nach einem ordentlichen Frühstück geht es Anker auf und nach Verlassen der Bucht geht es bei mäßigem Wind Richtung Lands End. Wir wollen am Nachmittag Falmouth erreichen. Der Wind kommt so, dass die Yacht auch einen Genaker vertragen könnte. Einige Crew-Mitglieder haben bereits Erfahrung mit solchen Segeln und unser Skipper gibt nach einiger Zeit unserem Quengeln nach.
Wir dürfen das gute Stück aus der Segellast holen!
Konzentration beim Genaker segeln
Der Genaker steht
Konzentration und Anleitung beim Genaker segeln
Kein Genaker segeln ohne eine kräftige Kurbel
Nun müssen wir gemeinsam erst einmal das „tausend Teile Puzzle“ zusammen bauen, bevor das große Segel gehisst werden kann. Tja und der erste Versuch bringt zunächst eine Zwiebel hervor. Das Segel muss wieder herunter und der Törn ausgedreht werden. Danach klappt das Setzen. Bei 130 Grad Windwinkel steht der Genaker gerae nicht in der Abdeckung des Großsegels und die Geschwindigkeit erhöht sich um knapp 2 Knoten.
Wir betrachten dies natürlich auch als Ausbildungseinheit und alle sollen einmal steuern und die Lee-Schot bedienen. Beim Steuern kommt es darauf an, möglichst stabil Kurs zu halten und auf ein Einfallen der Luv-Liek mit leichtem Abfallen zu reagieren. Auf keinen Fall darf stark angeluvt werden.
An der Lee-Schot muss das Luv-Liek genau beobachtet werden. Es soll immer an der Grenze zum Einfallen gefahren werden. Alsoist es immer ein Spiel zwischen fieren bis das Luv-Liek anfängt einzufallen und dann schnell wieder dicht holen.
Ein Stück hinter Black Head wird der Genaker wieder geborgen. Bei der Größe dieses Segels ein nicht unkritisches Manöver, zumal der Wind mittlerweile auf 4 Beaufort aufgefrischt hat. Mit vereinten Kräften ziehen wir das Tuch in den Niedergang und versuchen zu vermeiden, dass es mit dem Wasser in Kontakt kommt. Es gelingt uns, das Segel trocken herein zu bekommen.
Das letzte Stück vor Falmouth müssen wir dann gegen die leicht südliche Tiedenströmung ankreuzen. Mittlerweile ist die Crew gut eingestimmt, so dass die Wenden ohne große Verluste gelingen. Am späten Nachmittag sind wir fest auf dem vorreservierten Liegeplatz in der Marina und nachdem wir aufgeklart haben, stürmen alle zur Dusche und schwärmen dann in die Stadt aus.
Abendstimmung in Falmouth
Für das Abendessen entführt uns ein Crew-Mitglied mit einer Gemüse Tofu Pfanne und Reis Kulinarisch nach Japan.
Morgen soll es mit eine längeren Schlag weiter auf die französische Seite gehen.
Da wir durch die Nacht gehen wollen, laufen wir erst am späten Vormittag aus Kinsale aus. Die Tage davor haben wir relativ häufig den Motor zur Unterstützung genutzt und machen an der Tankstelle auf der anderen Flussseite fest. An- und Ablegen im Strom bei engen Verhältnissen ist nicht ganz einfach, aber wir sind hier ja auf einer Ausbildungsyacht. Alles klappt und wir verlassen den Fluss Richtung See.
Auslaufen aus Kinsale
Bei mäßigem Wind geht es mit unserer Standardbeseglung, Großsegel und Genua 3, hoch am Wind die irische Küste entlang Richtung Süden. Es ist ein zähes Ringen, aber alle wollen einmal diesen ikonischen Leuchtturm auf dem südlichsten irischen Felsen sehen.
Den Fastnet Rock erreichen wir nach Sonnenuntergang. Die gesamte Crew ist an Deck und versucht die Szenerie mit mehr oder weniger Erfolg bei wenig Licht in Fotos oder Videos festzuhalten und alle freuen sich, dass es uns gelungen ist, den Rock zu runden.
Nun müssen wir uns mit dem Verkehrstrennungsgebiet (VTG) und dem Weg zu den Scillys auseinander setzen. Der Kurs nördlich des VTG ist genau vor dem Wind und ohne ungewollte Halse bei der See kaum zu halten. Also segeln wir vor dem VTG erst einmal Südkurs und drehen dann auf Kurs SO. Erstaunlicherweise ist im VTG gar nichts los, wir sind hier ganz alleine.
Sonnenaufgang vor Scillys Islands
Die Kalkulation zeigt, dass wir über 24 Stunden bis zu den Scillys brauchen, also bis in die nächste Nacht. Die Einfahrt in die Gewässer der Scillys bei Nacht ist keine gute Idee. Den Kurs haben wir so gewählt, dass wir nördlich der Scillys segeln und dann im Osten einige Schleifen bis zum Sonnenaufgang drehen.
Schutzhuk vor der Ankerbucht auf den ScillysDie südliche Ankerbucht vor St.Mary‘s
Nach dem morgendlichen Einlaufen in die Süd-Bucht vor Hugh Town auf St. Mary’s suchen wir uns einen Ankerplatz und machen erst einmal Frühstück und Klarschiff. Ein Tour mit zwei Nachtpassagen liegt hinter uns.
Das Nachmittags- und Abendprogramm ergibt, dass wir ein Transfervehikel zum Strand brauchen. Also machen wir das Schlauchboot mit Außenborder bereit. In zwei Fuhren wird die Landcrew zum Strand gebracht und das Dingi mit vereinten Kräften über die HW-Grenze getragen.
Hugh Town ist eine erstaunlich lebendige kleine Stadt an einer etwa 500m breiten Verbindung zwischen der nördlichen und südlichen Ankerbucht. Die nördliche Bucht hat auch eine Anlegebrücke für die Fähre, die die Inseln mit dem Festland verbindet. Oben auf der Höhe gibt es zwei Castel, von denen aus die Inseln verteidigt werden konnten. Frankreich war nicht weit weg, aber heute hat man einen schönen Blick auf die südliche Ankerbucht, in der die ‚Glücksburg‘ in der Sonne dümpelt.
Nordbucht mit Landing Dock
Das geschlossene Restaurant
Das Bergsteigen
Ein Künstlerhaus
Die südliche Ankerbucht von St.Mary‘s
Die Glücksburg vor Anker
Für das Baden ist mir das Wasser zu kalt, obwohl es freiwillig und unfreiwillig von jemanden ausprobiert wird. Morgen wollen wir in einem Tagestörn von den Scillys nach Falmouth.
….oder wo man mit dem Segelboot nicht so schnell hinkommt