Wie bereits mit der Dame im Paketshop abgesprochen, begeben wir uns nach dem Frühstück mit einem vorgepackten Paket zum Shop. Wir wollen die 10 kg, die das Paket haben darf, voll ausnutzen. Dazu haben wir auch noch einige Bücher und Graphik Novels dabei, die wir mittlerweile in Brest erstanden haben. Die Frau im Paketshop hat offensichtlich viel Spaß an dem ganzen Vorgang und hilft uns das Optimum für das Versenden zu erreichen und am Ende geht das Paket mit genau 10 kg auf den Weg nach Laatzen.
Huch, hier blühen ja lauter Alpenveilchen im Unterholz!
Nach einer Pause fahren wir mit der Straßenbahn Richtung Osten in die Nähe des Botanischen Gartens von Brest. Hier ist eine schöne ruhige Gegend mit Reihenhäusern und wir landen in einem langgestreckten öffentlichen Park, den wir bis zum Eingang des botanischen Garten durchwandern. Er wird auf der ganzen Strecke von einem Bachlauf durchzogen, der früher auch für eine Wassermühle genutzt wurde.
Blick auf den Botanischen Garten von den Gewächshäusern aus
In den 70er Jahren wurde dieser Park angelegt und etwas oberhalb Gewächshäuser gebaut, um speziell Pflanzen aus den französischen Überseegebieten hier bewahren und untersuchen zu können. Daraus hat sich ein Juwel mit vielen endemischen vom Aussterben bedrohten Pflanzen entwickelt. Gerade von Mauritius und La Réunion gibt es hier Pflanzen, die es nicht mehr geben würde, da deren Lebensräumen verschwunden sind. Nur durch Zufall wurden einige Samen von Biologen entdeckt, aus denen man diese Pflanzen nachziehen konnte. Mittlerweile arbeitet man auch auf Mauritius daran, Gebiete wieder so herzurichten, dass man diese Pflanzen dort wieder auswildern kann.
Kleinblättrige Fuchsie (Fuchsia microphylla) aus Mexiko
Inkalilie (Alstroemeria)
Nesocodon mauritianus – eine sehr seltene Glockenblume, von der es nur noch etwa 15 Exemplare auf Mauritius in Höhenlagen gibt. Sie ist Teil des Nachzuchtprogramms hier in Brest. Sie hat roten Nektar und wird von Geckos bestäubt.
Scilla madeirensis – einheimische Pflanze auf Madeira
Opuntia macbridei aus Peru
Euphorbia xanthadenia – eine gefährdete Wolfsmilchart aus dem Süden Madagaskars
Didierea Trollii – eine gefährdete Art aus dem Süden Madagaskars
Alluaudia ascendens – eine gefährdete Art aus dem Süden Madagaskars
Wir können uns von all diesen Pflanzen nur schwer trennen und werden zum Schließen der Häuser um 17:30 Uhr freundlich hinaus begleitet, aber dürfen noch durch den tollen botanischen Garten gehen, der noch bis 20:00 Uhr geöffnet ist. Hier gibt es winterharte Pflanzen, die in dem Tal des Bachlaufes gut geschützt sind. Da gibt es einen Bereich mit Magnolien, Bambushaine, Palmen, Baumfarne und immer wieder riesige Blattpflanzen, die an Rhabarber erinnern. Der Park wird um diese Zeit auch viel von Fahrradfahrern und Joggern genutzt.
Hibiscus storckii von der Insel Fiji ist in freier Wildbahn ausgestorben und existiert nur noch in botanischen Gärten
Crinum mauritianum – von der Insel Mauritius
Eugenia gryposperma – vom Aussterben bedrohte Pflanze von der Insel Martinique
Drosera binata – eine fleischfressende Pflanze aus der Gattung Sonnentau stammt aus Australien, Tasmanien und Neuseeland
Am Ende landen wir an der Marina Moulin Blanc. Wir kennen nun die Busverbindungen und begeben uns mit der Ligne Bleue wieder zurück zum Hafen und starten einen weiteren, diesmal erfolgreichen Versuch, im ‚Le Crabe Marteau‘ zu essen.
Australischer Taschenfarn (Dicksonia antarctica)
Mammutblatt auch Riesen-Rhabarber genannt (Gunnera manicata) aus Brasilien und Kolumbien
Australischer Taschenfarn (Dicksonia antarctica)
Der Name „Der Krabben Hammer“ ist Programm. Alle Gäste bekommen eine große rote Latzschürze um und auf dem Tisch, der nicht mit einem Tuch, sondern mit Zeitungen bedeckt ist, befindet sich eine kräftige Holzplatte und neben Messer und Gabel werden für jeden auch ein Holzhammer aufgedeckt. Nun kommen die riesigen Krabben mit Kartoffeln und einigen Dips auf den Tisch. Beim Essen des Krebsfleisches aus den Scheren und Beinen ist nun handwerkliches Geschick gefragt.
Abendessen im „Le Crabe Marteau“. Unter dem Tisch steht ein Maurerkübel für den Abfall…
Heute sind einige Schauer angesagt – also der ideale Tag, um etwas in geschlossenen Räumen zu unternehmen. Mit der Ligne Bleue, einer Bus-Linie, die extra dafür eingerichtet ist alle Sehenwürdigkeiten in Brest zu verbinden, fahren wir zum OcéanOpolis. Es ist ein Aquarium für heimische und Übersee Flora und Fauna im Meer, in dem auch geforscht wird. Klar richtet es sich natürlich stark an Familien.
Pflanzen im Südafrikanischen Garten
Pflanzen im Südafrikanischen Garten
Pflanzen im Südafrikanischen Garten
Seeotter
Es beginnt mit dem Gehege für amerikanische und euopäische Fischotter und vielen Informationen über diese Tiere. Zum einen sind die Fischotter von der amerikanischen Westküste, also dem Pazifik deutlich größer, zum anderen verbringen sie die meiste Zeit im Seewasser und bringen dort auch ihre Jungen zur Welt. Die europäischen Verwandten bevorzugen eher eine amphibische Lebensweise. Nach dem Schwimmen im Salzwasser müssen sie sich erst einmal in Süßwasser abspülen. Auch die Jungen kommen an Land zur Welt, sind erstmal blind und brauchen zu Anfang viel Pflege durch die Mutter.
Ohrenquallen
Röhrenwurm
Seestern
Jakobsmuschel
Verschiedene Arten von Seeanemonen
Seenadeln
Seestern
Hummerkörbe
Seetang und Fische
Interessanter Tiefseefisch
Interessanter Tiefseefisch
Kegelrobbe
Der nächste Ausstellungspavillion behandelt die Wasserwelt der bretonischen Küste. Diese Wasserwelt ist sehr vielfältig. Da gibt es die zerklüftete Felsküste, die den Meeresbewohnern viele Rückzugsräume bietet. Zwischen den vielen Inseln gibt es Tangwälder und natürlich auch die langen Strände und Sandbänke. Zu guter Letzt gibt natürlich die vielen Häfen. Diese sind nicht nur Anlaufpunkte für Boote und Schiffe aus aller Welt, sondern auch für Flora und Fauna. So gibt es in den Häfen so einige Arten, die mit den Schiffen kamen und nun hier heimisch geworden sind. Die Meeresbiologen hier sehen das übriges sehr gelassen, da über die Jahrhunderte der internationalen Schifffahrt sich immer wieder ein ökologisches Gleichgewicht eingestellt hat.
Ab jetzt wird es gefährlich…
Zum Mittag gehen wir in das Rest‘O für eine kleine Stärkung. Draußen vor den Fenstern geht ein heftiger Schauer nieder. Auch die Spatzen und Tauben ziehen sich unter das Vordach des Restaurants zurück.
Nun hat Frankreich auch immer noch Überseegebiete in der Karibik, im indischen Ozean und in Indonesien. Deshalb hat man hier einen neuen Tropenpavillon angelegt, der sich speziell mit der See um diese Gebiete beschäftigt. Die Ausstellung ist so umfangreich, dass es uns nur knapp gelingt durchzukommen und wir zum Schluss von dem Personal freundlich aufgefordert werden, das Gelände zu verlassen, um nicht eingeschlossen zu werden.
Hai im Portrait
Der will auch mal mal fotografiert werden…
Blaupunktrochen
Karibischer Riffhai
Leopardenrochen
Missmutige Würmer
Wir trödeln noch an der Marina Moulin Blanc entlang und nehmen dann einen Bus, der uns zurück in die Stadt bringt. Mit einem kurzen Umstieg in die Straßenbahn, gelangen wir dann wieder zu unserer Unterkunft.
Schöne Korallen
Für das Abendessen versuchen wir im ‚Le Crabe Marteau‘ (Der Krabbenhammer) einen Tisch zu bekommen, aber alles ist reserviert. Deshalb gehen wir weiter zur Marina Château in ein Hafenbistro. Nach so viel Fisch haben wir jetzt Hunger 😉
Sauerkraut mit Fisch und Meeresfrüchten, sowie Pizza mit Lachs – alles sehr lecker!
Als wir morgens aufstehen, sieht es alles andere als nach einem Wandertag an der See aus. Es regnet und weht kräftig, aber so war es auch angesagt. Wir lassen uns nicht abhalten, packen einige wetterfeste Sachen ein und an der Bushaltestelle kommt sogar die Sonne heraus.
Blick auf die aufgewühlte See
Die Bustour führt durch die engen Straßen in Brest und in den Dörfern Richtung Pointe Saint Mathieu. Der Leuchtturm von Saint Mathieu liegt am Chenal du Nord-Ouest de Molène. Früher war hier ein Benediktiner Kloster, das auch für die Unterhaltung des Leuchtfeuers zuständig war. Von dem Kloster sind heute nur noch die Ruinen über, aber sie ragen noch hoch hinaus und sind auch von See aus neben dem Leuchtturm deutlich zu erkennen.
Die Seenotretter nutzen das stürmische Wetter zu einer Übung
Als wir ankommen, bläst ein kräftiger Wind mit etwa 5-6 Beaufort aus Südwest gegen den kräftigen Ebbstrom und bringt die See im Chenal zum Kochen. Im Seehandbuch des Seegebietes befindet sich auch ein entsprechender Warnhinweis, die Wind gegen Strom Situation zu vermeiden. Hier ist Klaus vor gut einer Woche bei schönstem Wetter durchgesegelt. Heute sieht es anders aus und im Chenal ist nur der Rettungskreuzer aus Le Coquet zusammen mit einem RIB-Boot bei einer Übung zu beobachten.
Zum Museum des zweiten Weltkriegs müssen wir ein Stück die Landstraße entlang laufen. Die Küstenbatterie ist schon von Weitem zu sehen.
Für den Vormittag sind noch einige heftige Schauer angekündigt. Wir begeben uns zunächst zum Musée Memoires 39-45 in der Bunkeranlage der alten Küstenbatterie Graf Spee. In der Ausstellung der alten Bunkeranlage empfängt uns eine sehr bedrückende Atmosphäre mit vielen Zeitzeugenberichten aller Seiten, Exponaten aus der Zeit und Zusammenstellungen über die Kriegszeit.
Ein deutscher Offizier liest in seinem Raum den Brief seiner Frau
Ein künstlerisch begabter Soldat hat die Wände etwas verschönert
Deutsche Soldaten spielen Karten
Die Betten
Der verschönerte Waschraum
Französischer Marinesoldat
Zuerst geht es in den Keller. Dort sind die Hinterlassenschaften der Deutschen genutzt worden, um die damalige Situation in den Unterkünften der deutschen Soldaten zu zeigen und auch aus Briefen, Tagebüchern und nachträglichen Berichten zu zitieren. In den Etagen darüber geht es um die französische Bevölkerung. Es kommen Zivilisten, Soldaten, Zwangsarbeiter und Mitläufer zu Wort. Im nächsten Bereich geht es um die Resistance und deren Zusammenarbeit mit den Alliierten. Auch die eingesetzten Spione kommen zu Wort. In einem nachempfundenen privaten „Luftschutzkeller“ sind wir 7 Minuten zu Gast und erfahren während eines fingierten Luftangriffs (inklusive Lärm, Erschütterungen und Stromausfall) von den als Puppen dargestellten Bewohnern von ihren Erlebnissen, aber auch von ihren Wünschen und Hoffnungen. Trotz des düsteren Themas war das eine sehr sehenswerte Ausstellung, die die Menschen in den Vordergrund gestellt hat.
Was hier so militärisch aussieht, sind einfach zwei Seezeichen
Auf dem Weg zurück nach Saint Mathieu machen wir einen Bogen um die Landstraße und laufen lieber zur Küste. Dabei kommen wir an diesem hübschen Bauernhof vorbei
An der Küste ragt das Dach einer Stellung weit hinaus
Ein Pferd sucht den Windschatten
Immer wieder treffen wir auf Gedenktafeln für untergegangene Schiffe
Beim Genuss unserer Sandwiches schauen wir auf diesen interessant gemauerten Giebel
Von dort sind wir froh direkt an die Küste zu kommen, um uns den Wind um die Nase blasen zu lassen. Die Tide ist gekentert und es sind weniger Schaumköpfe zu sehen, da nun Strom und Wind in die gleiche Richtung gehen. Trotzdem ist es da draußen immer noch kein Spaziergang.
Wer hier unten am Strand Seetang als Dünger für seine Felder sammeln wollte hatte das Problem, diesen die Steilküste hinauf zu bekommen
Deshalb wurden die Felsen so behauen, dass dort hözerne Ausleger mit Rollen für einen Kran eingesetzt werden konnten, so dass ein Pferd oben auf der Kante die schwere Last nach oben ziehen konnte.
Um solche Kräne zu nutzen, wurde an manchen Stellen die Steilküste mit Mauern ein wenig begradigt
An der Küste gibt es einen Punkt, an dem früher Seetang auf den Felsen gesammelt wurde. Dazu gab es eine Hebevorrichtung an der Steilküste, um den Seetang nach oben zu bekommen. Die Aufmauerungen und ausgearbeiteten Steinplatten sind heute noch zu erkennen.
Saint Mathieu war früher eine kleine Stadt. Heute sind es nur noch wenige Häuser, aber die weiten Flächen um das ehemalige Kloster herum erinnern noch daran
Saint Mathieu war früher eine kleine Stadt. Heute sind es nur noch wenige Häuser, aber die weiten Flächen um das ehemalige Kloster herum erinnern noch daran
Die Kapelle hat eine ehemals viel größere Kirche ersetzt
Am Phare de Saint Mathieu gibt es für uns ein Sandwich zur Stärkung. Die Schauer sind erst einmal durchgezogen und wir sitzen in der Sonne. Die Ruinen der alten Abtei sind beeindruckend.
Impression aus dem ehemaligen Benediktinerkloster von Saint Mathieu
Impression aus dem ehemaligen Benediktinerkloster von Saint Mathieu
Impression aus dem ehemaligen Benediktinerkloster von Saint Mathieu
Impression aus dem ehemaligen Benediktinerkloster von Saint Mathieu
Impression aus dem ehemaligen Benediktinerkloster von Saint Mathieu
Impression aus dem ehemaligen Benediktinerkloster von Saint Mathieu
Daneben gibt es auch einen mit einer hohen Mauer umgebenen Garten. Die Mönche mussten sich selbst mit Obst und Gemüse versorgen. Den neuen Leuchtturm hat man neben die Ruinen gesetzt und er überragt sie deutlich.
Die Gedenkstätte für die Seeleute
Neben Abtei-Ruinen und Leuchtturm befindet sich an dem Ort auch eine Gedenkstätte für die Seeleute, die für Frankreich ihr Leben gelassen haben. Über ein paar Stufen geht es hinab in mehrere Räume, in denen Erinnerungsfotos hängen. Die schiere Menge wirkt sehr eindrucksvoll und die Fotos lassen aus Zahlen wieder Menschen werden.
Seegang an der Küste
Eine Wasserschnecke wartet auf Hochwasser
Seegang am Strand
Eine Eidechse genießt die Sonne
Von hier beginnen wir unsere Küstenwanderung nach Le Conquet. Mehrere Schauerwolken machen Anstalten über uns hinwegzusehen, aber sie gehen vor oder hinter uns durch. So kommen wir trocken in Le Conquet an und mit dem Bus zurück nach Brest.
In den letzten Tagen waren wir mit dem Ausflugsboot bereits mehrere Male der La Recouvrance begegnet und hatten die Frage gestellt, ob es möglich ist, auf ihr mitzusegeln
Ja, es ist und wir haben für heute eine Tour gebucht.
Gallionsfigur der La Recouvrance
Da wir nicht wissen, wie unsere Vesorgung zu Mittag aussehen wird, versorgen wir uns morgens mit Tee und besorgen uns auf dem Weg zur La Recouvrance belegte Baguettes. Wir sind um 9:30 Uhr am Kai und die Crew macht bereits den Topsegelschoner zum Auslaufen bereit. Für uns Gäste erfolgt um 10:00 Uhr eine Einweisung auf Französisch, Klaus muss irgendwie damit klar kommen, aber er ist ja nicht das erste Mal auf einem Schiff.
Ein Crewmitglied bereitet das Rahsegel vor.
Der Ableger wird durch die Crew gemacht, uns wird die Seite des Decks zugewiesen, auf der wir am wenigsten im Wege sind. Vor dem Hafen setzt die Crew mit Freiwilligen die Segel. Wir sind natürlich mitten drin.
Gemeinsam wird das Gaffelsegel gesetzt
Bei den Kommandos lernen wir neue französische Worte:
Tribord = Steuerbord
Bâbord = Backbord
Tiens bon = Halt fest
Lachez = Lass los
Klaus lernt aber auch, dass es besser ist, gleich zu sagen, dass die Komandos in Englisch kommen sollen. So funktioniert es besser. Der Umgang mit einem Gaffelsegel ist uns ja sehr vertraut, aber die Größe des Segels ist schon etwas besonderes.
Drei Vorsegel sind auch gesetzt
Die Dame, die übrigens noch nicht sehr alt ist, kommt 60 Grad an den Wind und bei etwa 3 Bft auf etwa 3-4 Knoten Fahrt. Bei der La Recouvrance handelt es sich um den Nachbau eines Topsegelschoners, der früher als Lotsenschoner und auch als kleines Militärschiff mit Deckskanonen genutzt wurde. Wir kommen mit dem Skipper ins Gespräch und er erklärt uns, dass sie vergleichsweise wendig ist und bis zu 10 Knoten Fahrt erreichen kann. Wir erzählen ihm von unserer Erfahrung mit dem Segeln und Gaffelriggs und dass Klaus vor einer Woche von Dublin kommend in Brest eingelaufen ist.
Alle genießen den AusflugKlaus darf die La Recouvrance bis in die Hafeneinfahrt von Brest steuern
Nach der Wende mit Focks und Topsegel back, übergibt der Skipper Klaus für einige Zeit das Ruder. Es gilt 345 Grad am Kompass zu steuern. Für Klaus ist es neu, dass man ohne Ruderrückwirkung nur nach Anzeige von Kurs und Ruderlage steuert. Die Übertragung vom Steuerrad zum Ruder erfolgt hier über eine Hydraulik. Wie so vieles ist es aber alles Gewöhnungssache und der Skipper scheint zufrieden mit dem Steuermann zu sein.
Das Festmachen im Hafen ist sehr aufwändig, da der Platz zum Drehen sehr beschränkt ist. Hier wirft ein Crewmitglied eine Wurfleine zum Steg. An der Wurfleine ist die eigentliche dicke Festmacherleine befestigt.
Am Ende segelt er die La Recouvrance in den Hafen, in dem er sich kurz zuvor beim Hafenkapitän per Funk angemeldet hat. Im großen Hafenbecken bergen wir wieder mit Crew und freiwilligen Helfern die Segel. Diesmal reicht ein kurzes Wort und Klaus bekommt die Kommandos auf Englisch. Auch die Crew hat natürlich mitbekommen, dass wir nicht ganz unbedarft sind.
Unterwegs haben wir auch den riesigen Trimaran gesehen, den wir schon im Hafen Moulin Blanc gesichtet hatten. Allein das Setzen des Großsegels dauert gefühlte Ewigkeiten. Dafür hat er aber schon etliche Pokale geholt, wie uns der Skipper der La Recouvrance berichtet hat.
Unsere Lunchbaguettes genießen wir auf dem Kai mit Blick auf den Hafen und die La Recouvrance. Bevor wir weiter zu der geplanten Stadtführung im Stadtteil Recouvrance ziehen, gehen wir erst einmal in unser Appartement, da wir viel zuviel Sachen auf die Segeltour mit hatten. Von dort geht es dann zum Tour Tanguy, wo unsere Stadtführung beginnen soll.
Wir sind etwas zu früh da und haben so die Chance, noch einen Tee zu trinken. Als sich das Grüppchen versammelt hat, beginnt unsere Stadtführerin mit der Frage, wer von woher kommt. Wir sind die mit der weitesten Anreise, alle anderen kommen aus Frankreich, einige sogar aus Brest (zumindest als Zugezogene).
Die Stadtführung geht durch den Stadtteil Recouvrance nach dem auch das Schiff benannt ist, mit dem wir heute morgen unterwegs waren. Er gehörte ursprünglich nicht zur Stadt Brest. Es gab dort vorher ein Dorf mit einer Kapelle mit dem Namen St. Kathrin. Durch den Ausbau von Brest zum Marinestandort wuchs die Stadt kräftig und im Dorf siedelten sich zahlreiche zugezogene Arbeiter und Seeleute an. Diese kamen ursprünglich vom Land und sprachen Bretonisch. In der Stadt wohnten die meist auch von außerhalb stammenden Französisch sprechenden Offiziere. Das führte zu der Komplikation, dass sie sich mit ihren Mannschaften eigentlich gar nicht verständigen konnten.
Als sich die Stadt dann ausweitete und das Dorf mit zum Stadtgebiet hinzugenommen wurde, erhielt es den neuen Namen Recouvrance. Auch die Kapelle wurde umbenannt. Der Name soll auf die Frauen hinweisen, die in der Kapelle für die gesunde Rückkehr ihrer Männer beteten. Für die Brestois, die Bewohner der ursprünglichen Stadt Brest, schien diese Eingemeindung nicht recht willkommen zu sein, denn man versuchte sich abzugrenzen und betonte, dass man im eigentlichen Brest wohne – in „Brest même“. Nun brauchten natürlich „die anderen“ auch einen Namen. Da Yannick ein typisch bretonischer Vorname ist, wurden die Bewohner von Recouvrance auch die Yannicks genannt.
La Fontaine mit dem Tour Tanguy und moderner Bebauung dahinter im Stadtteil Recouvrance
Der Ausbau von Brest zum Marinestandort betraf zu Beginn die gesamte Stadt, da diese ja auch immer zur militärischen Befestigung dazu gehört hatte. Dies führte dazu, dass der Hafen im Fluss Penfeld für Marine, Handel und Fischerei gemeinsam genutzt wurde. Auf Dauer war das kein haltbarer Zustand. Es gab also den Beschluss, den Fluss nur noch für die Marine zu nutzen, d.h. man baute neue Häfen für Handel und Fischerei auf der Rade de Brest. Die Marine bekam das gesamte Ufer auf beiden Seiten des Flusses und sicherte diesen durch eine Mauer. Wohnhäuser und andere Gebäude am Flussrand wurden geräumt und abgerissen. Der heute für sich allein stehende Tour Tanguy war damals gar nicht zu sehen gewesen, weil die Wohnbebauung direkt an den Turm angebaut war.
Als nächstes gehen wir ein kleines Stück weiter und stehen direkt neben der besagten Mauer. Dort befindet sich ein Brunnen (La Fontaine). Er stand ursprünglich 27 m weiter auf dem jetzigen Marinegelände. Er hatte Sitzbänke und man konnte dort Wasser holen. Heute ist nur noch der obere Teil zu sehen, weil das komplette Gelände angehoben wurde für die neue Hubbrücke über den Fluss.
Die alte Drehbrücke wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Gebaut wurde sie nach einem größeren Fährunglück mit zahlreichen Toten. Der Fährbetrieb über den Fluss wurde vorher von zahlreichen Booten erledigt, die sich in sehr schlechtem Zustand befanden, so dass es immer wieder zu Unfällen kam. Ein besonders schlimmer Unfall gab dann den Anstoß zum Bau der Drehbrücke. Für die Toten des Fährbetriebs gab es sogar einen eigenen Friedhof.
Steile Straßen in Recouvrance. In der Mitte steht eines der ältesten Häuser – das Maison de la Fontaine
Der Beschluss für den Bau einer Hubbrücke als Ersatz für die Drehbrücke entstand aufgrund der Furcht vor einem 3. Weltkrieg. Die zerstörte Drehbrücke hatte die Schifffahrt auf dem Fluss komplett blockiert. Die Hubbrücke wurde so gebaut, dass sie nicht nur die üblichen zwei Zustände hat, sondern auch noch einen dritten Zustand, indem sie nach unten abgesenkt wird, um so die Schifffahrt auf dem Fluss zu ermöglichen. Dies wurde bislang nur einmal genutzt, um die neue Straßenbahnverbindung über den Fluss zu installieren.
Für den Wiederaufbau von Brest même wurde das Relief der Stadt erhalten und eine historisierende Bauweise gewählt. Die Stadt wurde aber insgesamt ebener gebaut, also mit weniger Steigungen. In Recouvrance hingegen hat man sich nicht darum bemüht, das Relief zu erhalten, sondern hat zerstörte Häuser durch moderne Bauten ersetzt. Abgesehen vom Bau der Brücke hat man keine Veränderungen am Gelände vorgenommen, so dass die Straßen in Recouvrance steiler sind und es mehr Treppen gibt.
Alte Häuser in Recouvrance mit angebauten Sicherungsringen
Alte Häuser in Recouvrance erkennt man interessanterweise an den Ringen oben an der Fassade. Diese wurden zur Absicherung bei Fassaden- und Dacharbeiten angebaut, da es in Brest oft sehr windig ist. Die Seeleute kannten das so von den Schiffen. Uns kommt das vertraut vor. So etwas haben wir an unserem Haus auch angebaut. Weiter geht es dann zum Maison de la Fontaine mit einem nachträglich angebauten Brunnen mit Trinkwasserhahn, den einige gleich nutzen, um ihre Flaschen wieder zu befüllen. In diesem Haus lebte der erste Bürgermeister von Brest, der aus dem Stadtteil Recouvrance kam. Vorher waren alle Bürgermeister aus Brest même gekommen. Er erließ eine Verordnung, dass jeder dritte Bürgermeister aus Recouvrance kommen musste.
Der südamerikanisch anmutende Glockenturm der Kirche Eglise de Saint Saveur de Recouvrance
Ein paar Schritte weiter ist der Garten der Entdecker (Jardin des Explorateurs), den wir schon besucht hatten. Unsere Stadtführerin erzählt uns die Geschichte von Jeanne Barret, die als Mann verkleidet unter dem Namen Jean Baré als Assistent des Botanikers Philibert Commerson im 18. Jahrhundert an der Weltumseglung von Louis-Antoine de Bougainville teilnahm. Das Tragen von Männerkleidung war für Frauen damals verboten, aber aufgrund der Fürsprache Bougainvilles wurde sie nicht bestraft, sondern aufgrund ihrer Leistungen mit einer Pension und einem Ehrentitel belohnt.
Der etwas industriell wirkende Giebel der Kirche Eglise de Saint Saveur de Recouvrance
Dann geht es wieder bergauf zur Kirche Eglise de Saint Saveur de Recouvrance, eine Nachfolgerin einer Kapelle. Seeleute sollten den Vorgängerbau errichten. Da sie von Maurerarbeiten keine Ahnung hatten, ging das schief und der Bau musste abgerissen werden. Der Baumeister wurde gefeuert. Sein Nachfolger kam vom Marinestandort und hatte bisher mehr mit industriellen Bauten zu tun. Das sieht man der Kirche auch an. Sie ist schlicht und mit einem südamerikanischen Glockenturm. Derzeit ist sie außer Betrieb, da sie sanierungsbedürftig ist und das Geld fehlt.
Blick von oben in das Trockendock (am linken Bildrand), die Kantine (unten rechts) und das Gefängnis (oben rechts)
Dann geht es weiter vorbei an der der alten Stadtbefestigung (Rempart) zu drei großen Steinen mit Darstellungen eines Seemanns, eines Ehepaars und einem Kind als Erinnerung an die unter dem Pflaster versunkene Stadt, dem Quartier Pontaniou bis hin zum ehemaligen Gefängnis, das außerordentlich lang in Betrieb war. Nun sucht man nach einer neuen Nutzung. Das Gebäude ist wohl verkauft und es gibt erste Ideen.
Wir gehen weiter und schauen von oben hinunter in zwei Trockendocks des Marinestandorts. Am Kopfende befindet sich scheinbar als Teil einer Felswand ein historisches Gebäude mit goldenen Köpfen als Verzierung. Es ist die Kantine auch „Restaurant zum goldenen Löffel“ genannt. Oben drüber ist von hier aus wieder das Gefängnis zu sehen, wie eine Mahnung an die Belegschaft…
Von hier aus geht es wieder ein Stück zurück und auf der anderen Seite der Straße steil die Treppen hinab. Nun stehen wir auf der Rückseite der Kantine in der Rue St. Malo. Auch hier ist das Gelände nachträglich aufgeschüttet worden, so dass die Straße nun über die Kantine hinweg führt. Die dahinter liegende Straße sollte eigentlich abgerissen werden, aber eine junge Frau hatte eine erfolgreiche Kampagne gestartet, um die Straße zu retten. Nun gibt es hier Veranstaltungen und Ausstellungen von Künstlern. Wohnen tut hier niemand mehr. Angrenzend gibt es das ehemalige Gelände eines Heims für sogenannte „gefallene“ Mädchen. La Madeleine so hießen auch anderenorts solche Heime. Dieses ist von rebellierenden Frauen in Brand gesteckt worden. Vermisst hat es wohl niemand. Nur das Gelände erinnert noch daran.
Am ehemaligen Waschplatz mit Holzpantinen gepolsterten Kisten zum Knien am Rand des Wasserbeckens und Waschbrettern
Unsere Stadtführung endet ein kurzes Stück weiter an einem ehemaligen Waschplatz. Er ist nicht frei zugänglich, aber unsere Stadtführerin zückt einen großen Schlüssel und so können wir hier nachvollziehen, wie früher die Wäsche gewaschen wurde. Sie erzählt sehr anschaulich von den damaligen Zuständen – gelobt sei die Waschmaschine!!
Im Restaurant sind wir noch fast allein um diese Uhrzeit
Den Abend lassen wir dann nach der Führung im Les Ateliers des Capucins ausklingen. Dies sind ehemalige Werkstätten der Marine, die nun als große überdachte Freifläche der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Es gibt Restaurants, ein Kino, ein Museum, eine Kletterhalle, ein paar alte Maschinen und die Prunkbarkasse aus dem 19. Jahrhundert, in der Napoleon III herumgefahren wurde. Eine Familie macht ein Picknick, Kinder fahren mit Rollschuhen umher, in der oberen Etage üben ein paar junge Leute Breakdance, andere lernen gerade Salsa.
Die Prunkbarkasse
Alte Maschinen in der Halle
Bachatta-Kurs im Abendlicht
Mit der Seilbahn geht es im Anschluss zurück über den Fluss nach Brest même.
Heute geht es wieder mit dem Ausflugsboot hinaus und zwar in Richtung Île de Ouessant. Dafür müssen wir früh aufstehen, da die Abfahrt bereits um 9:30 Uhr ist und man eine viertel Stunde vor Abfahrt am Boot sein soll. Heute soll die Fahrt etwa 5,5 Stunden dauern und wir haben uns für an Bord ein Lunchpaket mit gebucht.
Der ehemalige deutsch U-Boot Bunker in Brest und darüber die Offiziersschule des Marinestützpunkts
Es ist wieder das gleiche Boot mit gleicher Crew wie gestern und wir begeben uns gleich auf unsere Lieblingsplätze auf dem Vorschiff. Die Ausfahrt geht an der nördlichen Seite der Goulet vorbei an den bereits bekannten Leuchttürmen und Festungen, dem Phare du Portzic,dem Fort du Mengant, dem Phare du Petit Minou hinaus bis zum Phare de Saint Mathieu.
Am Leuchtturm in der Fahrwassermitte steht heute ordentlich Seegang
Ein Segler kämpft sich mit gerefftem Groß durch den Seegang
Weiter draußen wird die See ruhiger
Ab dem Phare du Portzic haben wir kräftigen auslaufenden Ebbstrom mit ordentlich Wind aus SW gegenan, also baut sich eine kurze steile See auf. Wir ziehen uns vorsichtshalber hinter die Spritzschutzscheibe zurück. Allerdings ist unsere Sorge unberechtigt. Das Ausflugsboot setzt zwar in die steile See ein, aber die Gischt geht zur Seite weg und alles auf dem Vorschiff bleibt trocken.
Ponte Saint-Mathieu – von links nach rechts: Sémaphore de la Pointe Saint-Mathieu eine Überwachungsstation der Marine von 1906, die Ruine eines ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 16. Jahrhundert, der Leuchtturm Saint Mathieu von 1835 und die Kapelle Notre-Dame-de-Grâce von 1861
Vom Phare de Saint Mathieu hält der Skipper südlich an der Île de Beniguet, einem strengen Naturschutzgebiet mit Anlandeverbot zum Leuchturm Pierres Noires. Er markiert die Einfahrt in die Bucht von Brest. Hier drosseln wir die Fahrt und können einige Kegelrobben auf den Felsen beobachten. Klar werden auch wir beäugt.
Phare des Pierres Noires
Phare des Pierres Noires
Kegelrobbe
Häuser auf der Île de Quemenès
Nun geht es zur Durchfahrt zwischen der Île de Quemenès und Île de Litiri. Die Île de Quemenès wird von einer Familie bewirtschaftet und baut in dieser Umgebung Kartoffeln an. Die letzte Jahresernte soll 10 Tonnen betragen haben.
Häuser auf der Île de Quemenès
Ansonsten ist die Durchfahrt von Sportbootfahrern beliebt, die vor der Île de Litiri zum Baden vor Anker gehen. An der flachsten Stelle haben wir laut Skipper nur noch wenig Wasser unter dem Kiel. Bei Springniedrigwasser sollen hier laut Seekarte nur10cm Wasser stehen, aber der Skipper kennt sich aus und bringt uns ohne Grundberührung durch.
In der Ferne ist der Ort Île-Molène auf der Insel Molène zu sehen
Auf der Nordseite können wir einem Algenfischer bei der Arbeit zusehen. Dieser zieht einen Rechen mit Schneiden durch das Kelb und dann die langen Kelbblätter auf seine Ladefläche. Das Kelb wird als Gemüse in frischer bzw. getrockneter Form verwendet oder getrocknet und zu Düngepulver zermahlen. Hoffentlich lassen die Fischer noch genug übrig, da es auch die Kinderstube für viele Wasserlebewesen ist.
Noch eine Kegelrobbe beäugt uns zusammen mit ein paar Kormoranen
Danach geht es zurück durch die Basse de Penser zurück zum Hafen von Le Conquet, wo wir aber nicht anlegen. Der Skipper will uns die starke Flutströmung zeigen, die hier an den Felsen entlang rauscht. Die Segler nutzen den enormen auflaufenden Strom Richtung Norden durch die Basse de Penser.
Algenernte – Zuckertang ist essbar und wird auch in Kosmetika genutzt
Das Ausflugsboot fährt weiter dicht unter der Küste gegen den Strom zum Phare de Saint Mathieu. Dabei nutzt der Skipper sogar die Neerströme in den Buchten. Zurück nach Brest trägt uns dann hinter Fort du Mengant der Flutstrom in die Bucht von Brest. Nach etwa 5 Stunden sind wir wieder zurück an Land und gehen erst einmal zum Ausruhen wieder in unser Appartement.
Kriegsgräber in Brest
Zum Abend machen wir noch einen Spaziergang durch den östlichenTeil von Brest hinter dem Rathaus und landen auf einem Friedhof mit Grabfeldern aus erstem und zweitem Weltkrieg. Neben französischen Opfern, sind hier auch Gräber von alliierten Soldaten. Diese habe meist einen Grabstein statt einem Kreuz. Auch deutsche Gräber aus dem ersten Weltkrieg finden wir hier.
Wandmalerei in Brest
….oder wo man mit dem Segelboot nicht so schnell hinkommt