Nach einer geruhsamen Nacht in meinem kleinen Hotelzimmer im 5. Stock und einem ersten Tee nehme ich die Treppe nach unten. Sie windet sich eng um den Fahrstuhl. Viel Platz ist nicht in diesem Altbau. Die Zimmermädchen und -jungs mit ihren großen Wagen wissen kaum wohin und so muss ich zwischendurch auf Durchlass warten. Nächstes Mal nehme ich den Fahrstuhl. Auch im Frühstücksraum ist es eng, aber es sind glücklicherweise nicht so viele Gäste gleichzeitig dort. Neben mir sitzt ein älteres Paar. Wir kommen ins Gespräch. Sie kommen aus Wales und sind gestern mit dem Eurostar nach Paris gefahren. Wie ich wollen sie gleich vom Gare de Montparnasse weiterfahren.
Ich habe mir die aktuelle Zeitung geschnappt, gleichzeitig läuft über meinem Kopf das Frühstücksfernsehen, was ich gegenüber im Spiegel auch sehen kann. Ich habe Zeit, denn mein Zug fährt erst kurz vor 11 Uhr. So kann ich genüsslich ein ausgiebiges Frühstück zu mir nehmen, was hoffentlich bis Abends reicht. Die Zeitung berichtet, dass nun auch die Steuerbehörden in Frankreich gehackt wurden. Man ist entsetzt. Ich überlege, ob man demnächst das Sprachmodell seines Vertrauens nach den Einkünften der Nachbarn befragen kann…
Im Fernsehen läuft eine Reportage über Fußballplätze und -stadien in Frankreich deren Rasen in der Hitzwelle verdorrt sind. Die großen Clubs kaufen einfach neuen Rollrasen, aber die kleinen Vereine können sich das nicht leisten und haben nun kein vernünftiges Spielfeld mehr. Kurz danach folgt eine Reportage über Unwetter im Süden von Frankreich und über Familien, die ihr komplettes Zuhause dabei verloren haben.

Gut gesättigt mache ich mich frühzeitig auf den Weg zum Bahnhof. Dazu muss ich nur die Straße überqueren. Dort ist ein Seiteneingang. Das Gleis für meinen Zug ist noch nicht angeschlagen. Es wird hier immer erst ungefähr eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges bekannt gegeben, wenn der Zug bereits am Gleis steht. So wartet niemand am Gleis. Dafür gibt es viele Cafés und auch freie Sitzmöglichkeiten. Ich schlendere durch die Bahnhofshalle und schaue mir die Läden an. Es gibt diverse Spezialitätenläden insbesondere mit Gebäck und anderen süßen Dingen, ein sehr hochwertig wirkender Laden für Tee, ansonsten natürlich auch die üblichen Bahnhofsläden mit Zeitschriften, Büchern und was man sonst so braucht.

Das Gleis für meinen Zug nach Brest wird gleichzeitig für den Zug nach Rennes angezeigt. Es ist ein Doppelzug, der in Rennes getrennt wird. Am Eingang zum Bahnsteig ist nun aber doch bereits die Fahrkartenkontrolle. Ohne Fahrkarte kommt man hier nicht auf den Bahnsteig. Ich sehe auch andere Menschen mit einem Papierausdruck ihrer Fahrkarte in der Hand. Ich muss den QR-Code auf meiner Fahrkarte am Tor scannen lassen, dann öffnet sich die Pforte. Fazit: Mit E-Ticket ist ein Papierticket mit QR-Code gemeint. Das hätte wahrscheinlich auch mit dem heruntergeladenen PDF funktioniert.

Der Zug ist diesmal ein anderes Modell. Ich sitze wieder oben auf einem Einzelplatz und auch hier weiterhin in der 1. Klasse. Der Sitz wirkt deutlich breiter und auch der Zug wirkt oben insgesamt breiter. Den Koffer muss ich wieder in der Gepäckablage am Eingang lassen. Der Klapptisch ist zweigeteilt: Man kann einen kleinen Bereich heruntergeladen, um kleine Dinge abzustellen und um Zugang zu einer Steckdose und einem USB-Ausgang zum Laden von elektronischen Geräten zu erhalten. Den großen Tisch kann man jedoch nur herunterklappen, wenn man dort nichts eingestöpselt hat, denn sonst schert man sich die Kabel ab. Mit dem großen Tisch hat man eine sehr komfortable große Arbeitsfläche mit in der Helligeit einstellbarer Beleuchtung und der Möglichkeit Zeitungen und ähnliches in einer Halterung an der Rücklehne des Vordermannes unterzubringen.

Im Zug wir immer wieder durchgesagt, dass das Gepäck mit Namen gekennzeichnet sein muss. So stand es auch auf der Fahrkarte, kontrolliert hat das niemand. Mein neuer Koffer hat ein kleines unauffälliges Ausziehschild, womit sich gleichzeitig der Handgriff blockieren lässt. Ob das im Zweifelsfall jemand finden würde? Bis Rennes geht es nun in Hochgeschwindigkeit ohne Halt. In der Umgebung von Paris fallen mir wie in der Nähe von Frankfurt die verdorrten Bäume auf. Ab Rennes geht es dann langsamer mit unserem Zugteil weiter, denn nun hält der Zug in jeder Kleinstadt auf dem Weg. Immer wieder kommt die Durchsage an den Bahnhöfen, dass man auf sein Gepäck achten solle. Leider kann ich meinen Koffer hier wieder nicht sehen. Allen aussteigenden Fahrgästen wird versichert, dass sie durch ihre Bahnfahrt reichlich CO2 Emissionen eingespart hätten.

Zwischendurch regnet es, einzelne Schauer ziehen durch. In der Nähe der Küste werden die Bäume deutlich grüner, obwohl die Karten mit der Waldbrandgefahr für die Küstenregion immer noch rot sind. In Brest scheint jedoch wieder die Sonne. Auch hier ist der Bahnhof sehr ordentlich. Jemand spielt auf dem bereitgestellten Klavier. Von der Bahnlinie ist es atemberaubender Blick über die Bucht. Ich gehe draußen vor dem Bahnhof erstmal zu einem Geländer von wo aus, ich die Aussicht genießen kann. Unter mir entdecke ich Häuser, die so aussehen wie auf dem Foto von dem AirBnB, was ich gemietet habe. Ich schau noch einmal auf die Karte. Ich muss eine steil hinab führende kleine Straße hinunter und dann noch über ein paar Stufen. Dann stehe ich auch schon vor dem Haus. Es ist ein Mehrfamilienhaus, was direkt in den Hang hinein gebaut wurde. Jede Wohnung hat anscheinend einen eigenen Eingang von draußen. Zu unserer Wohnung geht es zwei Treppen hinunter. Das Wohnzimmer mit offener Küche hat große Fenster und einen schmalen Balkon davor. Der Blick geht weit über die Bucht – wundervoll!! Es ist viel schöner, als ich es erwartet hatte. Die Sonne hat die Wohnung aber bereits kräftig aufgewärmt. Ich lüfte erstmal kräftig.

Während ich mein Gepäck auspacke meldet sich Klaus mit dem Zugangscode zum Hafen. Ich soll vorbeikommen und bloß nichts mitbringen. Ich leere auch noch meinen Rucksack, um auf dem Rückweg noch einkaufen zu können. Dann mache ich mich auf den Weg zum Yachthafen. Es geht steil bergab über etliche Treppen und dann immer am Hafen entlang an diversen Hafenbecken vorbei bis zum Yachthafen. Auf der Mole sind diverse Infotafeln. Man ist stolz auf seine Seefahrtstradition. Das muss ich mir nochmal in Ruhe anschauen, aber jetzt will ich erstmal Klaus sehen.
Die Glücksburg habe ich schnell entdeckt. Man heißt mich an Bord herzlich willkommen. Klaus hat seine Taschen schon gepackt draußen im Cockpit stehen. Er zieht also doch heute schon zu mir in die Ferienwohnung. Wir sollen auch noch Lebensmittel mitnehmen – gut, dass ich meinen leeren Rucksack dabei habe. Ich bekomme noch eine Schiffsführung. Es wirkt alles sehr gemütlich, aber auch sehr funktional. Überall kann man sich im Seegang gut festhalten. Man sieht dem Schiff an, dass es schon viel erlebt hat. Schwer beladen machen wir uns nun auf den Weg zurück. Ein Crewmitglied hatte uns verraten, wo wir die nächste Bushaltestelle finden. Als wir dort ankommen, steht dort schon der Bus. Die Fahrt ist kostenlos und der Busfahrer scherzt darüber, dass Urlaub etwas mit Sport zu tun hätte. Die Bushaltestelle für den Bahnhof ist am Eingang zu unserer Straße. So müssen wir nicht wieder die steile Rampe und die Treppe hinunter.

Nun haben wir eine Weile Zeit zum Ankommen. Abends sind wir zum Essen mit der Crew verabredet.


































