Fahrradtour zum Phare Du Petite Minou

Heute ist schönes Wetter vorhergesagt und wir möchten unseren Bewegungsradius vergrößern. Dazu werden wir uns die angebotenen Elektrofahrräder von VeloZef mieten. Dieses Fahrradmieten ist aber gar nicht so einfach. Zunächst muss man sich die App herunterladen und ein Benutzerkonto einrichten. Für die Abrechnung muss eine Kreditkarte hinterlegt werden. Macht man dies nicht, so wird der Buchungsvorgang sofort abgebrochen und man wird aufgefordert die Kreditkarte zu hinterlegen.

Die Elektroräder sollen eine Reichweite von etwa 40km haben. Das müsste eigentlich für eine Tour zum Phare du Petite Minou reichen. Da die Räder in den Stationen nicht nach dem ‚First In First Out‘-Prinzip, sondern nach den ‚Last In First Out‘-Prinzip ausgegeben werden, bekommt man im allgemeinen kein vollgeladenes Fahrrad. Das Erste, das wir am Bahnhof bekommen, soll noch etwa 37km Reichweite haben und das zweite 34km. Das sollte für etwa 10km reichen.

An unserer Unterkunft machen wir die Räder erst einmal etwas sauber, dann geht es los und wir radeln über die Brücke nach Recouvrance und hinter dem Marinestützpunkt zum Strand in Sichtweite des alten U-Boot Bunkers. Bei dem auf und ab der Straßen ist es schon angenehm auf einem Elektrofahrrad zu sitzen, auch wenn die leichte Verzögerung beim Anfahren etwas Gewöhnung bedarf. Wir gönnen den Fahrrädern eine kurze Pause und gehen zu Fuß bis zum Strand und Mooringbojenfeld vor La Maison Blanche. Der Wanderweg geht weiter bis zum ‚Phare du Portzic‘. Die Straße schneidet den Phare du Portzic ab. Wir dürfen den Wanderweg mit unseren Rädern nicht benutzen und folgen der Straße.

Am nächsten Strand ‚Plage de Sainte-Anne du Portzic‘ legen wir wieder eine Pause ein und unternehmen einen Spaziergang am Wasser. Dabei begegnen wir einem älteren Herrn, der hier ehrenamtlich den Strand pflegt und von einer Runde zurückkommt, auf der er auch gleich einige Austern geerntet hat. Er schwärmt von seinem Strand und fordert uns auf, hier zum Schwimmen bei Hochwasser zu kommen. Es ist tatsächlich nicht schwer, da hier die Bus-Linie 2 hält, die auch ganz in der Nähe unserer Unterkunft hält.

Wir fahren weiter vorbei am Technopole mit Ingenieurschule und vielen benachbarten Unternehmen. Hier gibt es auch die letzte VeloZef Station und die Endstation der Bus-Linie 2 nach Brest. Von nun an sind wir auf unsere Räder angewiesen. Über eine enge Straße geht es auf und ab zum ‚Phare du Petite Minou‘.

Dort gönnen wir den Rädern wieder eine Pause. Petra‘s Rad zeigt noch 17km und Klaus Rad zeigt immer noch 37km. Irgendwas stimmt hier nicht, aber egal. Wir wandern zum Strand von Petite Minou, der schnell von der Flut verschluckt wird. Die Zeit reicht, um noch ein wenig die Füße ins Wasser zu stecken. Auf dem Weg kreuzen Eidechsen unseren Weg und haben so gut wie keine Scheu vor Menschen. Offensichtlich hatten sie noch keine schlechten Erfahrungen.

Nach der Pause sitzen wir wieder auf den Räder und es geht zurück. Auf der Steigung vor Saint-Anne geht das Rad von Klaus immer schwerer. Wir hegen schon den Verdacht, dass der Akku bald alle ist. Zu allem Überfluss geht auch der Handy Akku von Klaus zur Neige. Erstmal geht es aber bergab nach Saint-Anne. Hier wissen wir, fährt die Bus-Linie 2 und es gibt eine Rückgabe-Station von VeloZef. Auf der nächsten Steigung hinter Saint-Anne verweigert das Rad von Klaus den Dienst und lässt sich nur sehr schwer bergauf bewegen. Der Blick in die App zeigt aber immer noch 37km Reichweite. Da liegt eindeutig ein technischer Fehler vor. Auch das Rad von Petra ist innerhalb weniger Kilometer auf 2km Reichweite zusammengeschrumpft. Wir schauen in der App, wo wir die Räder los werden können. Glücklicherweise ist am Strand von Saint-Anne eine Abgabestation, aber diese ist mit 10 Rädern vollbesetzt. Wir setzen eine Fehlermeldung ab, da wir so ja nicht weiter kommen und können die Räder neben der Station abstellen.

Von hier bringt uns die Bus-Linie 2 zu unserer Unterkunft. Am Abend gehen wir noch etwas einkaufen und zum Abendessen zu ‚Simone et Yvette‘ an der Rue du Siam.

Museumstag in Brest

Heute ist wieder ein Wochentag und  die Geschäfte haben geöffnet. Da Klaus von seiner Segeltour noch das ganze Segelzeug dabei hat, wollen wir uns erkundigen, ob man ein Paket von Brest nach Hause schicken kann und wieviel es kostet. Wir werden in einem Mailbox-Laden ganz um die Ecke fündig. Von hier kann man mit verschiedenen Anbietern Pakete in alle Welt verschicken. Die Mitarbeiterin sorgt sich rührend um uns und sucht die günstigste Variante heraus. Wir erstehen auch gleich einen entsprechenden Karton, der dann Anfang nächster Woche auf den Weg gehen soll.

Eingang in das Marinemuseum im Schloss. Vermutlich war dieser Platz schon früher besiedelt, aber die früheste nachweisbare Bebauung stammt aus der Römerzeit und ist genau hier anhand der rötlichen Ziegelstreifen in der Mauer auf der rechten Seite zu erkennen
Eingang in das Marinemuseum im Schloss. Vermutlich war dieser Platz schon früher besiedelt, aber die früheste nachweisbare Bebauung stammt aus der Römerzeit und ist genau hier anhand der rötlichen Ziegelstreifen in der Mauer auf der rechten Seite zu erkennen

Eigentlich hatten wir für heute Nachmittag eine Stadtführung für Brest geplant, aber es stellt sich in der Touristen Information heraus, dass diese bereits ausgebucht ist. Also buchen wir eine andere Führung am Freitag Nachmittag, nach unserer Segeltour mit der „Recouvrance“ um 15:00 Uhr.  Ohne Planung geht hier nichts.

Am 1. August 1785 stachen von Brest aus zwei Schiffe in See, um James Cook nachzueifern. Die Schiffe waren mit hochkarätigen Wissenschaftlern und reichlich wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet und sollten den Pazifik erforschen. Ihre Forschungsergebnisse schickten sie regelmäßig nach Hause, aber die Schiffe und die Mannschaft verschwanden 1788 spurlos. Erst viele Jahre später wurden die Wracks der beiden Schiffe gefunden. Von der Mannschaft wurde nur eine Leiche geborgen. Diese ist hier im Schloss namenlos bestattet.
Am 1. August 1785 stachen von Brest aus zwei Schiffe in See, um James Cook nachzueifern. Die Schiffe waren mit hochkarätigen Wissenschaftlern und reichlich wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet und sollten den Pazifik erforschen. Ihre Forschungsergebnisse schickten sie regelmäßig nach Hause, aber die Schiffe und die Mannschaft verschwanden 1788 spurlos. Erst viele Jahre später wurden die Wracks der beiden Schiffe gefunden. Von der Mannschaft wurde nur eine Leiche geborgen. Diese ist hier im Schloss namenlos bestattet.

Nach dem Mittag besuchen wir stattdessen das Marine Museum. Es ist in der Festung, dem Château, über dem Marine Stützpunkt untergebracht. Hier erfährt man einiges über die Entstehung und Entwicklung von Brest und dessen Vergangenheit, die bis in die Römerzeit zurück reicht. Die gut geschützte Bucht mit der tiefen Meerenge am Eingang hat den Hafen an der Mündung des schiffbaren Flusses Penfeld schon immer sehr wertvoll gemacht.

Zwischenzeitlich gehörte die Bretagne sogar einmal zu England, wurde den Engländern dann aber abgekauft. Unter Ludwig XIV wurde der Ort zu einem Marine Zentrum mit Schiffbau, Ausrüstung und Versorgung  der französischen Flotte ausgebaut und mit dem Ort Recouvrance zu Brest verschmolzen. Brest war und ist der Ausgangspunkt für viele militärische, aber auch zivile maritime Unternehmungen. So starten von hier auch einige Hochseeregatten und Challenges, wie die Jules Verne Trophy, der schnellsten Weltumrundung unter Segeln.

Das Fotographieren auf dem Gelände des Marine Museums ist, wegen seiner Lage auf dem Marine Stützpunkt, natürlich eingeschränkt. Wir machen trotzdem einige Bilder, da man von hier einen tollen Blick auf Stadt und Bucht hat. Den Bereich des Marinestützpunktes lassen wir, wie es sich gehört aus.

Leider gibt es in dem Museum kein Café, so dass wir das Château mit hängendem Magen und Durst verlassen. Auf der ‚Rue de Siam‘ finden wir ein Bistro, in dem man gegen 16:00 eine Kleinigkeit Essen und Trinken kann. Die Bar‘s haben um diese Zeit keine Speisen und die Restaurants haben noch nicht geöffnet.

Als wir das Bistro verlassen, ist es 17:30 und wir schlendern über die Pont de Recouvrance. Der Tour Tanguy an dieser Brücke beherbergt Dioramen von Brest und Recouvrance. Als wir vor dem Turm stehen, stellen wir fest, dass er noch eine halbe Stunde geöffnet hat. Wir nutzen die Zeit und machen einen Schnelldurchgang durch Stadtscenen aus der Geschichte der Stadt Brest. Die Szenen sind alle mit einem Augenzwinkern dargestellt.

Zum Abendessen wollen wir eigentlich in das irische Pub ‚Tara Inn’ in der Nähe, aber dort bekommen wir nur Getränke – besser als nichts. Man verweist uns zum Speisen weiter in das „Les Quatre Vents Brest“ an der nächsten Straßenecke. Dort werden wir  kulinarisch nicht enttäuscht. Danach fallen wir müde in die Betten.

Die Häfen von Brest

Die "La Recouvrance" verlässt den Hafen. Auf ihr würden wir auch gerne mal segeln.
Die „La Recouvrance“ verlässt den Hafen. Auf ihr würden wir auch gerne mal segeln.

Nach einer Nacht mit erneutem Mückenterror greife ich heute morgen zum Staubsauger und lasse ein gutes halbes Dutzend davon im Schlauch verschwinden. Schon seit gestern fragen wir uns, wonach es hier eigentlich riecht. Erst dachten wir, die Nachbarn kochen Reis, aber der Geruch müsste ja irgendwann verfliegen – tut er aber nicht. Dann erscheint es uns mehr nach frisch gekochten Bohnen zu riechen.

Auf dem Weg zum Hafen
Auf dem Weg zum Hafen

Wir nehmen von unserem Balkon aus den Industriehafen näher in Augenschein, dessen östliches Ende uns förmlich zu Füßen liegt. Eine große Halle fällt uns auf, ein Silo und ein Berg irgendwas unter freiem Himmel. Da zum Teil auch die Firmennamen erkennbar sind, hilft uns Google weiter: Siehe da ein Getreide- und Futtermittellager. Das wird wahrscheinlich die Quelle des Geruchs sein.

Blick zurück von unten auf unsere Unterkunft
Blick zurück von unten auf unsere Unterkunft

Das wollen wir uns noch genauer ansehen und nehmen als erstes Kurs auf den Industriehafen. Wir können allerdings nur von der Straße aus durch den Zaun schauen. Näher heran lässt man uns nicht.

Unser nächstes Ziel ist heute das Hafenbecken neben dem Yachthafen. Dort liegt die „La Recouvrance“ – das Schiff der Stadt Brest. Wir hatten schon gesehen, dass man Ausflüge buchen kann. Ein Stück weiter gibt es auch noch Ausflugsdampfer. Mit den verschiedenen Routen haben wir uns schon vertraut gemacht und wollen auch hier noch Touren buchen. In einem Container am Hafen sitzt eine junge Frau und kann das glücklicherweise komplett für uns erledigen. Nun steht unser Plan für Mittwoch, Donnerstag und Freitag!

 

Wir schlendern weiter zum Yachthafen. Nun haben wir Zeit, uns den mal genauer anzuschauen. Wir laufen raus auf die große Mole an der noch die Glücksburg liegt. Auch hier entdecken wir mehrere Erinnerungen an bedeutende seglerische Leistungen in Form von Plaketten. Außer der Glücksburg liegt noch eine ältere IMOCA an der Mole und zwei schön gepflegte Oldtimer.

Da die Sonne heute viel Kraft hat, brauchen wir zwischendurch etwas zu trinken und landen in einem Lokal, wo wir das Nachmittagsmenü bestellen: eine Tasse Tee und ein Stück Kuchen. Der stellt sich als saftiger Schokokuchen mit Karamelsauce heraus. Das ist für uns eine ungewohnte Kombination, aber sehr lecker.

Ehrenmal für die US Navy im 1. Weltkrieg. Das Ehrenmal wurde im 2. Weltkrieg von den Deutschen zerstört und nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut
Ehrenmal für die US Navy im 1. Weltkrieg. Das Ehrenmal wurde im 2. Weltkrieg von den Deutschen zerstört und nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut

Ein weiterer Punkt auf unserem Plan ist ein Ausflug an die Küste, um bei mehr Wind aus westlichen Richtungen mal große Wellen und Brandung zu sehen. Brest liegt so geschützt, dass es hier eigentlich keine großen Wellen zu sehen gibt. Nun habe ich zwar die KorriGo-App installiert, wo ich nach Verbindungen suchen kann, aber uns fehlt die Übersicht, welche Buslinien eigentlich wohin fahren und wie oft. Also auf zum Busbahnhof neben dem Hauptbahnhof! Die Information hat glücklicherweise geöffnet und es gibt den gewünschten Übersichtsplan und auch Fahrpläne für die einzelnen Buslinien. So macht Planen mehr Spaß. Mehr Wind soll es nach der jetzigen Vorhersage am nächsten Wochenende geben.

An der Bushaltestelle
An der Bushaltestelle

Da es heute so schönes Wetter ist, fehlt mir noch ein Strand zu meinem Glück. Den nächsten Strand gibt es östlich vom Industriehafen, also weiter landeinwärts. Da es mehrere Kilometer Entfernung sind, nehmen wir den Bus der Ligne Bleu, die während der Urlaubssaison die typischen Touristenziele anfährt. So können wir nun den Industriehafen in seiner ganzen Größe bewundern. Am Strand steigen wir aus und genießen den Strandbummel. Viel ist nicht mehr los am Strand. Es ist schon recht spät.

In der Mole am Strand Moulin blanc leben die ratten anscheinend sehr komfortabel und schauen jetzt am Abend bei Niedrigwasser mal nach, was so zum Fressen in der Mole hängen geblieben ist
In der Mole am Strand Moulin blanc leben die ratten anscheinend sehr komfortabel und schauen jetzt am Abend bei Niedrigwasser mal nach, was so zum Fressen in der Mole hängen geblieben ist

Neben dem Strand liegt der Yachthafen Moulin Blanc (Weiße Mühle). Hier ist auch die Regattaszene beheimatet. Eigentlich könnten wir jetzt Abendessen vertragen, aber an so einem Yachthafen können wir nicht so einfach vorbei. Den müssen wir uns natürlich anschauen. Im Hafen landen wir dann in der gut besuchten und quirligen Bar „Tour Du Monde“ und stillen unseren Hunger mit Fish & Chips.

Kinder am Strand Moulin blanc
Kinder am Strand Moulin blanc

Im Hinterkopf hatten wir noch, dass auf dem Wetterradar Regen zu sehen war. Der soll in Kürze einsetzen, so sieht es zumindest aus auf dem Regenradar. Also halten wir uns nach dem Essen nicht länger auf und nehmen lieber Kurs auf die Bushaltestelle, wo wir den letzten Bus der Ligne Bleu erwischen. Wir kommen trocken zu Hause an und es regnet die ganze Nacht kein bisschen.

Ungewöhnliche Weltkarte im Eingang zur Bar "Tour Du Monde"
Ungewöhnliche Weltkarte im Eingang zur Bar „Tour Du Monde“

 

Erster Tag in Brest

Militärgeschichte begegnet einem hier überall auch in der Innenstadt beim Einkaufen
Militärgeschichte begegnet einem hier überall auch in der Innenstadt beim Einkaufen

Nach einer eher unruhigen Nacht, in der die Mücken versucht haben, mich auszusaugen, schlafen wir erstmal aus. Nach dem gestrigen Abendessen hat niemand Bedarf an Frühstück. Eine Kanne Tee reicht uns vollkommen.

Diese knollennasige Katze hatte ich im ersten Moment für ein Schwein gehalten, aber es ist "Le Chat" - hier als indischer Sadu auf einem Nagelbrett aus Vogelschnäbeln
Diese knollennasige Katze hatte ich im ersten Moment für ein Schwein gehalten, aber es ist „Le Chat“ – hier als indischer Sadu auf einem Nagelbrett aus Vogelschnäbeln

In einem der zahlreichen Wandschränke dieser Wohnung haben wir eine kleine Waschmaschine entdeckt. Eigentlich hatten wir vorgehabt, Klaus Wäsche nach der Segeltour noch in der Waschmaschine im Hafen zu waschen und hatten uns dazu schon mit dem Schassi abgestimmt, aber so ist es natürlich einfacher und bei Wind und Sonne auf unserem Balkon trocknet die Wäsche schnell.

"Le Chat" beim vergeblichen Wippen mit einer Maus
„Le Chat“ beim vergeblichen Wippen mit einer Maus

Gestern hatten wir von Bord noch ein paar Lebensmittelreste mitgenommen, aber das dazu passende Brot fehlt uns und noch ein paar andere Lebensmittel, um zumindest morgens das Frühstück bestreiten zu können. In der direkten Nachbarschaft gibt es keinerlei Einkaufsmöglichkeit, also machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. In einer Bäckerei lachen uns das Brot und belegte Baguettes an. Letztere werden gleich vor Ort unser Mittagessen. In der Innenstadt finden wir dann auch einen Supermarkt.

"Le Chat" mit einem Mauseeis
„Le Chat“ mit einem Mauseeis

Nach einer Pause machen wir uns noch ein zweites Mal auf den Weg in die Innenstadt. Klaus braucht noch etwas Ausstattung für ausgedehntere Spaziergänge und Wanderungen, da diese nicht mehr in sein Gepäck gepasst hatten. Wir bummeln danach mit einem Eis in der Hand noch ein wenig durch die Einkaufsstraße und bewundern die Katzenskulpturen „Le Chat“ nach den Comic Zeichnungen des belgischen Künstlers Philippe Geluck.

Zwei Seilbahnkabinen pendeln über das Hafenbecken. Interessant ist wie sie übereinander gleichzeitig den zentralen Mast passieren
Zwei Seilbahnkabinen pendeln über das Hafenbecken. Interessant ist wie sie übereinander gleichzeitig den zentralen Mast passieren

Zum Abschluss des Tages landen wir wieder am Yachthafen in einem Bistrot zum Abendessen. Dort bestellen wir uns eine Flasche trockenen Cidre aus der Region. Dieser Cidre war sehr lecker aber auch sehr herb und trocken.

Jean-Luc Van Den Heede hat eine Ehrenplakette am Yachthafen. Er hat 2004 den Rekord für eine Einhandweltumseglung gegen die vorherrschenden Winde (also falsch herum) aufgestellt. Dass die Hände danach nicht mehr frisch manikürt aussehen, zeigen diese Handabdrücke von ihm.
Jean-Luc Van Den Heede hat eine Ehrenplakette am Yachthafen. Er hat 2004 den Rekord für eine Einhandweltumseglung gegen die vorherrschenden Winde (also falsch herum) aufgestellt. Dass die Hände danach nicht mehr frisch manikürt aussehen, zeigen diese Handabdrücke von ihm.

Wiedersehen in Brest

Nach einer geruhsamen Nacht in meinem kleinen Hotelzimmer im 5. Stock und einem ersten Tee nehme ich die Treppe nach unten. Sie windet sich eng um den Fahrstuhl. Viel Platz ist nicht in diesem Altbau. Die Zimmermädchen und -jungs mit ihren großen Wagen wissen kaum wohin und so muss ich zwischendurch auf Durchlass warten. Nächstes Mal nehme ich den Fahrstuhl. Auch im Frühstücksraum ist es eng, aber es sind glücklicherweise nicht so viele Gäste gleichzeitig dort. Neben mir sitzt ein älteres Paar. Wir kommen ins Gespräch. Sie kommen aus Wales und sind gestern mit dem Eurostar nach Paris gefahren. Wie ich wollen sie gleich vom Gare de Montparnasse weiterfahren.

Ich habe mir die aktuelle Zeitung geschnappt, gleichzeitig läuft über meinem Kopf das Frühstücksfernsehen, was ich gegenüber im Spiegel auch sehen kann. Ich habe Zeit, denn mein Zug fährt erst kurz vor 11 Uhr. So kann ich genüsslich ein ausgiebiges Frühstück zu mir nehmen, was hoffentlich bis Abends reicht. Die Zeitung berichtet, dass nun auch die Steuerbehörden in Frankreich gehackt wurden. Man ist entsetzt. Ich überlege, ob man demnächst das Sprachmodell seines Vertrauens nach den Einkünften der Nachbarn befragen kann…

Im Fernsehen läuft eine Reportage über Fußballplätze und -stadien in Frankreich deren Rasen in der Hitzwelle verdorrt sind. Die großen Clubs kaufen einfach neuen Rollrasen, aber die kleinen Vereine können sich das nicht leisten und haben nun kein vernünftiges Spielfeld mehr. Kurz danach folgt eine Reportage über Unwetter im Süden von Frankreich und über Familien, die ihr komplettes Zuhause dabei verloren haben.

Blick aus dem Wartesaal des Bahnhofs auf den Vorplatz mit seinen überhaupt nicht mehr grünen "Grünanlagen"
Blick aus dem Wartesaal des Bahnhofs auf den Vorplatz mit seinen überhaupt nicht mehr grünen „Grünanlagen“

Gut gesättigt mache ich mich frühzeitig auf den Weg zum Bahnhof. Dazu muss ich nur die Straße überqueren. Dort ist ein Seiteneingang. Das Gleis für meinen Zug ist noch nicht angeschlagen. Es wird hier immer erst ungefähr eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges bekannt gegeben, wenn der Zug bereits am Gleis steht. So wartet niemand am Gleis. Dafür gibt es viele Cafés und auch freie Sitzmöglichkeiten. Ich schlendere durch die Bahnhofshalle und schaue mir die Läden an. Es gibt diverse Spezialitätenläden insbesondere mit Gebäck und anderen süßen Dingen, ein sehr hochwertig wirkender Laden für Tee, ansonsten natürlich auch die üblichen Bahnhofsläden mit Zeitschriften, Büchern und was man sonst so braucht.

"Es ist an Ihnen zu spielen" steht über dem Klavier im Gare de Montparnasse. Ein Mann singt dazu.
„Es ist an Ihnen zu spielen“ steht über dem Klavier im Gare de Montparnasse. Ein Mann singt dazu.

Das Gleis für meinen Zug nach Brest wird gleichzeitig für den Zug nach Rennes angezeigt. Es ist ein Doppelzug, der in Rennes getrennt wird. Am Eingang zum Bahnsteig ist nun aber doch bereits die Fahrkartenkontrolle. Ohne Fahrkarte kommt man hier nicht auf den Bahnsteig. Ich sehe auch andere Menschen mit einem Papierausdruck ihrer Fahrkarte in der Hand. Ich muss den QR-Code auf meiner Fahrkarte am Tor scannen lassen, dann öffnet sich die Pforte. Fazit: Mit E-Ticket ist ein Papierticket mit QR-Code gemeint. Das hätte wahrscheinlich auch mit dem heruntergeladenen PDF funktioniert.

Im Gare de Montparnasse ist dieser Bahnsteig gerade geschlossen
Im Gare de Montparnasse ist dieser Bahnsteig gerade geschlossen

Der Zug ist diesmal ein anderes Modell. Ich sitze wieder oben auf einem Einzelplatz und auch hier weiterhin in der 1. Klasse. Der Sitz wirkt deutlich breiter und auch der Zug wirkt oben insgesamt breiter. Den Koffer muss ich wieder in der Gepäckablage am Eingang lassen. Der Klapptisch ist zweigeteilt: Man kann einen kleinen Bereich heruntergeladen, um kleine Dinge abzustellen und um Zugang zu einer Steckdose und einem USB-Ausgang zum Laden von elektronischen Geräten zu erhalten. Den großen Tisch kann man jedoch nur herunterklappen, wenn man dort nichts eingestöpselt hat, denn sonst schert man sich die Kabel ab. Mit dem großen Tisch hat man eine sehr komfortable große Arbeitsfläche mit in der Helligeit einstellbarer Beleuchtung und der Möglichkeit Zeitungen und ähnliches in einer Halterung an der Rücklehne des Vordermannes unterzubringen.

Der erste Teil der Strecke nach Rennes führt parallel zur Autobahn entlang. Die Vegetation ist an vielen Stellen braun.
Der erste Teil der Strecke nach Rennes führt parallel zur Autobahn entlang. Die Vegetation ist an vielen Stellen braun.

Im Zug wir immer wieder durchgesagt, dass das Gepäck mit Namen gekennzeichnet sein muss. So stand es auch auf der Fahrkarte, kontrolliert hat das niemand. Mein neuer Koffer hat ein kleines unauffälliges Ausziehschild, womit sich gleichzeitig der Handgriff blockieren lässt. Ob das im Zweifelsfall jemand finden würde? Bis Rennes geht es nun in Hochgeschwindigkeit ohne Halt. In der Umgebung von Paris fallen mir wie in der Nähe von Frankfurt die verdorrten Bäume auf. Ab Rennes geht es dann langsamer mit unserem Zugteil weiter, denn nun hält der Zug in jeder Kleinstadt auf dem Weg. Immer wieder kommt die Durchsage an den Bahnhöfen, dass man auf sein Gepäck achten solle. Leider kann ich meinen Koffer hier wieder nicht sehen. Allen aussteigenden Fahrgästen wird versichert, dass sie durch ihre Bahnfahrt reichlich CO2 Emissionen eingespart hätten.

Die Felder sind gelb, aber in der Nähe der Küste sind die Bäume grüner
Die Felder sind gelb, aber in der Nähe der Küste sind die Bäume grüner

Zwischendurch regnet es, einzelne Schauer ziehen durch. In der Nähe der Küste werden die Bäume deutlich grüner, obwohl die Karten mit der Waldbrandgefahr für die Küstenregion immer noch rot sind. In Brest scheint jedoch wieder die Sonne. Auch hier ist der Bahnhof sehr ordentlich. Jemand spielt auf dem bereitgestellten Klavier. Von der Bahnlinie ist es atemberaubender Blick über die Bucht. Ich gehe draußen vor dem Bahnhof erstmal zu einem Geländer von wo aus, ich die Aussicht genießen kann. Unter mir entdecke ich Häuser, die so aussehen wie auf dem Foto von dem AirBnB, was ich gemietet habe. Ich schau noch einmal auf die Karte. Ich muss eine steil hinab führende kleine Straße hinunter und dann noch über ein paar Stufen. Dann stehe ich auch schon vor dem Haus. Es ist ein Mehrfamilienhaus, was direkt in den Hang hinein gebaut wurde. Jede Wohnung hat anscheinend einen eigenen Eingang von draußen. Zu unserer Wohnung geht es zwei Treppen hinunter. Das Wohnzimmer mit offener Küche hat große Fenster und einen schmalen Balkon davor. Der Blick geht weit über die Bucht – wundervoll!! Es ist viel schöner, als ich es erwartet hatte. Die Sonne hat die Wohnung aber bereits kräftig aufgewärmt. Ich lüfte erstmal kräftig.

Weiter Blick vom Balkon über die Rade de Brest
Weiter Blick vom Balkon über die Rade de Brest

Während ich mein Gepäck auspacke meldet sich Klaus mit dem Zugangscode zum Hafen. Ich soll vorbeikommen und bloß nichts mitbringen. Ich leere auch noch meinen Rucksack, um auf dem Rückweg noch einkaufen zu können. Dann mache ich mich auf den Weg zum Yachthafen. Es geht steil bergab über etliche Treppen und dann immer am Hafen entlang an diversen Hafenbecken vorbei bis zum Yachthafen. Auf der Mole sind diverse Infotafeln. Man ist stolz auf seine Seefahrtstradition. Das muss ich mir nochmal in Ruhe anschauen, aber jetzt will ich erstmal Klaus sehen.

Die Glücksburg habe ich schnell entdeckt. Man heißt mich an Bord herzlich willkommen. Klaus hat seine Taschen schon gepackt draußen im Cockpit stehen. Er zieht also doch heute schon zu mir in die Ferienwohnung. Wir sollen auch noch Lebensmittel mitnehmen – gut, dass ich meinen leeren Rucksack dabei habe. Ich bekomme noch eine Schiffsführung. Es wirkt alles sehr gemütlich, aber auch sehr funktional. Überall kann man sich im Seegang gut festhalten. Man sieht dem Schiff an, dass es schon viel erlebt hat. Schwer beladen machen wir uns nun auf den Weg zurück. Ein Crewmitglied hatte uns verraten, wo wir die nächste Bushaltestelle finden. Als wir dort ankommen, steht dort schon der Bus. Die Fahrt ist kostenlos und der Busfahrer scherzt darüber, dass Urlaub etwas mit Sport zu tun hätte. Die Bushaltestelle für den Bahnhof ist am Eingang zu unserer Straße. So müssen wir nicht wieder die steile Rampe und die Treppe hinunter.

Im Hafenbecken neben dem Yachthafen liegen schöne klassische Yachten, vermutlich J-Class - alte Americas Cupper
Im Hafenbecken neben dem Yachthafen liegen schöne klassische Yachten, vermutlich J-Class – alte Americas Cupper

Nun haben wir eine Weile Zeit zum Ankommen. Abends sind wir zum Essen mit der Crew verabredet.