Erst einmal das Quartier erkunden

Kann jemand ein Paar Bronzehirsche gebrauchen?
Kann jemand ein Paar Bronzehirsche gebrauchen?

Nach alter Sitte erkunden wir heute erst einmal zu Fuß unsere Umgebung. Das letzte Mal waren wir 2012 in Paris. Eines ist auf jeden Fall klar: die Fahrräder und die Fahrradwege haben deutlich an Bedeutung gewonnen.

Das wollen wir nicht unerwähnt lassen: An der Église Saint Merri zelten ungefähr ein Dutzend Obdachlose. Das ist nur einer von vielen Zeltplätzen, aber hier ist die schiere Masse an Zelten sehr auffällig.
Das wollen wir nicht unerwähnt lassen: An der Église Saint Merri zelten ungefähr ein Dutzend Obdachlose. Das ist nur einer von vielen Zeltplätzen, aber hier ist die schiere Masse an Zelten sehr auffällig.
Mit der Wiedereröffnung des Centre Pompidou ist wohl erst 2030 zu rechnen - schade!
Mit der Wiedereröffnung des Centre Pompidou ist wohl erst 2030 zu rechnen – schade!

Das Centre Pompidou ist derzeit wegen Renovierung geschlossen, sonst waren hier immer interessante Ausstellungen. Aus den Plakaten an den Absperrungen wird nicht klar, wann es wieder öffnet und was dann hier einzieht. Wir gehen weiter in Richtung Seine. Der Platz vor dem Hôtel de Ville ist nun kräftig bepflanzt. Früher war dies eine Pflasterfläche. Dadurch ist es hier nicht mehr so unangenehm heiß und die Luft durch den Verkehr nicht mehr so stickig.

Über eine Brücke gelangen wir zur Île de Cité mit der Kirche Notre Dame. Bei dieser hat ein Brand in 2019 große Schäden hinterlassen. In einer beeindruckenden Wiederaufbauleistung wurde das Bauwerk bis 2024 zu den Olympischen Spielen wieder hergestellt und dabei auch gleich innen und außen gereinigt und restauriert. Mittlerweile ist die Kirche wieder geöffnet, aber um sie herum gibt es immer noch viele Baustellen und Gerüste. Man hat den Drive des Wiederaufbaus gleich für eine umfassende Renovierung genutzt. Das wollen wir uns in den nächsten Tagen in Ruhe genauer anschauen.

Nachdem wir die Notre Dame einmal umrundet haben, schlagen wir uns zu einer kleinen Stärkung in die Seitenstraßen des Quartier Latin und finden ein wunderbar relaxtes Bistro, das keine Touristenfalle ist. Danach besuchen wir den Buchladen Shakespeare&Co. Als wir das letzte Mal da waren, wurde er noch von George Whitman geführt. Er saß damals auf dem Sofa, bat uns einzutreten und uns umzuschauen, während er in seinem Buch weiter las. Die Buchhandlung wird nun von seiner Tochter geführt und hat sich zu einem pulsierenden Laden entwickelt, der sogar ein Online-Geschäft hat. Der Andrang ist so groß, dass ein Sicherheitsmensch am Eingang den Zutritt regelt, damit das Gedränge im Laden nicht zu groß wird.

In den Tuilerien
In den Tuilerien

Wir bummeln weiter am linken Ufer der Seine bis zur Brücke zu den Jardin des Tuileriers entlang und wechseln die Uferseite in den Park. Klaus hat noch die Verleiher von selbst segelnden Modellen in Erinnerung, aber diese sind hier nicht zu sehen. Vielleicht war es auch damals der Jardin du Luxembourg. Über dem zentralen Bassin schwebt als Überbleibsel von den Olympischen Spielen 2024 noch ein Ballon mit dem „Feuer“, das ohne Gas auskommt, sondern nur mit Wasserdampf und Licht erzeugt wird.

Die Sichtachse vom Louvre zum Arc de Triomphe führt zum Place de la Concorde. Wir können uns noch gut an den chaotischen Kreisverkehr mit 8 Spuren erinnern. Heute gibt es diesen nicht mehr. Der Verkehr wird jetzt 6 spurig westlich vorbeigeführt und zwei Spuren gehören nun dem Fahrradverkehr. Paris fährt auch hier Fahrrad! Allerdings sind die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch einen großen Bauzaun um die Säule herum.

Die Kastanien auf den Champs Elysées sind schon sehr braun.
Die Kastanien auf den Champs Elysées sind schon sehr braun.

Nun schlendern wir die Champs-Elysées hinauf zum Arc de Triomphe auf dem Place d’Etoile. Die Geschäfte sind hier immer noch sehr edel und der FNAC, der hier einmal an einer Ecke war und in dem Klaus in der CD-Abteilung verschwunden war, gibt es hier nicht mehr. Die Preise der Cafés probieren wir lieber nicht aus, aber der Galerie Lafayette statten wir noch einen Besuch ab.

Mit der RER Ligne A fahren wir zurück zu Les Halles. Das Einkaufszentrum Les Halles macht auf uns diesmal einen aufgeräumteren Eindruch als beim letzten Mal. Es ist sauber und die Räume haben kaum Leerstand. Vermutlich gibt ein neues Center Management. In der Stadt hatten wir auf Plakaten Hinweise auf ein Gospelkonzert am nächsten Samstag gesehen und im FNAC soll man dafür Karten bekommen können. Im Les Halles finden wir einen FNAC, wo man Eintrittskarten kaufen kann.

Les Halles
Les Halles

Als wir zurück in unserer Wohnung ankommen, sind unsere Füße platt. Nach einer ordentlichen Pause gehen wir in unser bereits bekanntes Bistro um die Ecke. Hier bekommt man auch eine schöne Käseplatte zum Teilen für zwei Personen.

Reisetag nach Paris

Heute verlassen wir Brest. Die Taschen und Rucksäcke sind bereits gepackt und müssen nur noch zum Bahnhof. Das ist bei den steilen Straßen und Treppen von Brest gar nicht so einfach. Morgens machen wir im Apartment klar Schiff und dann geht es mit dem Gepäck zum Bahnhof. -uff!!-

Erinnerung an Elie Wiesel im Park um die Ecke. Elie Wiesel war ein Überlebender des Holocaust und Friedensnobelpreisträger. Er hat eine Zeitlang in Paris gelebt.
Erinnerung an Elie Wiesel im Park um die Ecke. Elie Wiesel war ein Überlebender des Holocaust und Friedensnobelpreisträger. Er hat eine Zeitlang in Paris gelebt.

Der TGV fährt durch Frankreich nach Paris-Montparnasse. Da in den TGVs eine Reservierungspflicht besteht, ist der Zug zwar gut gefüllt, aber nicht überfüllt und jeder bekommt einen Sitzplatz. Man kann der Landschaft die Dürre der letzte Monate ansehen. Vom Gare Montparnasse geht es mit der Metro-Linie M4 Richtung Norden. Im  Bahnhof ist mit dem Gepäck und den Rolltreppen noch alles ok, aber in der Metro gibt es endlose Gänge mit Treppen hoch und wieder runter. Auch das Umsteigen in die M3 erweist sich als Fehler. Wir müssen noch mehr Treppen bewältigen und uns geht die Frage für den nächsten Teil der Reise in einer knappen Woche durch den Kopf, fährt eigentlich auch ein Bus zum Gare de l’Est?

Beu unserem ersten Erkundungsgang bleiben wir in der Rue du Temple vor der Eglise Sainte Eilsabeth stehen. Sie ist unter anderem die Kirche der katholischen Chinesen, die nach dem 1. Weltkrieg nach Paris kamen, aber nicht nur...
Beu unserem ersten Erkundungsgang bleiben wir in der Rue du Temple vor der Eglise Sainte Eilsabeth stehen. Sie ist unter anderem die Kirche der katholischen Chinesen, die nach dem 1. Weltkrieg nach Paris kamen, aber nicht nur…

Unser Apartment befindet sich in der Rue au Maire in der Nähe des Place de la République. Bei der Ankunft sehen wir, dass es sich bei diesem Viertel um das Pariser Chinatown handelt, was uns gut gefällt. Direkt nebenan gibt es jede Menge chinesische Läden, Street Food und Restaurants. Ins Gebäude zu kommen erweist sich als etwas kompliziert. Glücklicherweise und unerwartet gibt es direkt hinter der ersten Eingangstür ein WC, womit alles weitere entspannter vonstatten geht. Zu guter Letzt haben wir auch die zweite Eingangssperre passiert und dürfen mit unserem Gepäck ohne Fahrstuhl in den 4. Stock steigen. Wer sagt denn, dass Urlaub kein Sport ist.

In der Eglise Sainte Elisabeth begeistern uns auch die sehr realistischen Glasfenster. Die Kirche wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Kirche eines Franziskannerinnenklosters gegründet. Seit 1938 ist sie Kirche des Malteserordens dessen Flagge in der Kirche hängt.
In der Eglise Sainte Elisabeth begeistern uns auch die sehr realistischen Glasfenster. Die Kirche wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Kirche eines Franziskannerinnenklosters gegründet. Seit 1938 ist sie Kirche des Malteserordens dessen Flagge in der Kirche hängt.

Wir richten uns oben ein und machen erst einmal eine Pause. Danach checken wir, was wir zum Frühstück und für Snacks am Abend brauchen. An der nächsten Straßenecke ist ein Bio-Markt und gegenüber ein China-Laden. Die Versorgung ist gesichert und wir bringen alles nach oben.

Während der französischen Revolution wurde die Eglise Sainte Elisabeth geschlossen. Gleich nebenan im Tour du Temple wurde die königliche Familie inhaftiert. Dieses Gemälde in der Kirche zeigt, wie sich Louis XVI vor seiner Hinrichtung von seiner Familie verabschiedet.
Während der französischen Revolution wurde die Eglise Sainte Elisabeth geschlossen. Gleich nebenan im Tour du Temple wurde die königliche Familie inhaftiert. Dieses Gemälde in der Kirche zeigt, wie sich Louis XVI vor seiner Hinrichtung von seiner Familie verabschiedet.

Der erste Erkundungsgang in unserem Viertel zeigt etliche China-Läden, dann Taschen, dann Schmuck, dazwischen Vintagekleidung, früher hieß das einmal Second Hand. Zum Abendessen gehen wir gleich unkompliziert in den chinesischen Dumplingladen schräg gegenüber, aus dem uns eine Frau beim Herstellen der Dumplings fröhlich und auffordernd anlächelt. Sie sind exzellent und nicht teuer!!

Place de la République
Place de la République

Uns zieht es danach zu einem Spaziergang zum Kanal St. Martin. Hier steppt am Abend der Bär und uns fällt bereits auf, Paris fährt seit unserem letzten Besuch vor etlichen Jahren heute Fahrrad. Nach einer mittelgroßen Runde landen wir zu einem kühlen Getränk in einem Bistrot um die Ecke, von wo man gut Leute gucken kann.

Der Botanische Garten und Essen mit Hammer

Fußweg entlang des Baches "Le Stang Alar"
Fußweg entlang des Baches „Le Stang Alar“

Wie bereits mit der Dame im Paketshop abgesprochen, begeben wir uns nach dem Frühstück mit einem vorgepackten Paket zum Shop. Wir wollen die 10 kg, die das Paket haben darf, voll ausnutzen. Dazu haben wir auch noch einige Bücher und Graphik Novels dabei, die wir mittlerweile in Brest erstanden haben. Die Frau im Paketshop hat offensichtlich viel Spaß an dem ganzen Vorgang und hilft uns das Optimum für das Versenden zu erreichen und am Ende geht das Paket mit genau 10 kg auf den Weg nach Laatzen.

Huch, hier blühen ja lauter Alpenveilchen im Unterholz!
Huch, hier blühen ja lauter Alpenveilchen im Unterholz!

Nach einer Pause fahren wir mit der Straßenbahn Richtung Osten in die Nähe des Botanischen Gartens von Brest. Hier ist eine schöne ruhige Gegend mit Reihenhäusern und wir landen in einem langgestreckten öffentlichen Park, den wir bis zum Eingang des botanischen Garten durchwandern. Er wird auf der ganzen Strecke von einem Bachlauf durchzogen, der früher auch für eine Wassermühle genutzt wurde.

Blick auf den Botanischen Garten von den Gewächshäusern aus
Blick auf den Botanischen Garten von den Gewächshäusern aus

In den 70er Jahren wurde dieser Park angelegt und etwas oberhalb Gewächshäuser gebaut, um speziell Pflanzen aus den französischen Überseegebieten hier bewahren und untersuchen zu können. Daraus hat sich ein Juwel mit vielen endemischen vom Aussterben bedrohten Pflanzen entwickelt. Gerade von Mauritius und La Réunion gibt es hier Pflanzen, die es nicht mehr geben würde, da deren Lebensräumen verschwunden sind. Nur durch Zufall wurden einige Samen von Biologen entdeckt, aus denen man diese Pflanzen nachziehen konnte. Mittlerweile arbeitet man auch auf Mauritius daran, Gebiete wieder so herzurichten, dass man diese Pflanzen dort wieder auswildern kann.

Wir können uns von all diesen Pflanzen nur schwer trennen und werden zum Schließen der Häuser um 17:30 Uhr freundlich hinaus begleitet, aber dürfen noch durch den tollen botanischen Garten gehen, der noch bis 20:00 Uhr geöffnet ist. Hier gibt es winterharte Pflanzen, die in dem Tal des Bachlaufes gut geschützt sind. Da gibt es einen Bereich mit Magnolien, Bambushaine, Palmen, Baumfarne und immer wieder riesige Blattpflanzen, die an Rhabarber erinnern. Der Park wird um diese Zeit auch viel von Fahrradfahrern und Joggern  genutzt.

Am Ende landen wir an der Marina Moulin Blanc. Wir kennen nun die Busverbindungen und begeben uns mit der Ligne Bleue wieder zurück zum Hafen und starten einen weiteren, diesmal erfolgreichen Versuch, im ‚Le Crabe Marteau‘ zu essen.

Der Name „Der Krabben Hammer“ ist Programm. Alle Gäste bekommen eine große rote Latzschürze um und auf dem Tisch, der nicht mit einem Tuch, sondern mit Zeitungen bedeckt ist, befindet sich eine kräftige Holzplatte und neben Messer und Gabel werden für jeden auch ein Holzhammer aufgedeckt. Nun kommen die riesigen Krabben mit Kartoffeln und einigen Dips auf den Tisch. Beim Essen des Krebsfleisches aus den Scheren und Beinen ist nun handwerkliches Geschick gefragt.

Abendessen im "Le Crabe Marteau". Unter dem Tisch steht ein Maurerkübel für den Abfall...
Abendessen im „Le Crabe Marteau“. Unter dem Tisch steht ein Maurerkübel für den Abfall…

Besuch im Océanopolis in Brest

Heute sind einige Schauer angesagt – also der ideale Tag,  um etwas in geschlossenen Räumen zu unternehmen. Mit der Ligne Bleue, einer Bus-Linie, die extra dafür eingerichtet ist alle Sehenwürdigkeiten in Brest zu verbinden, fahren wir zum OcéanOpolis. Es ist ein Aquarium für heimische und Übersee Flora und Fauna im Meer, in dem auch geforscht wird. Klar richtet es sich natürlich stark an Familien.

Seeotter
Seeotter

Es beginnt mit dem Gehege für amerikanische und euopäische Fischotter und vielen Informationen über diese Tiere. Zum einen sind die Fischotter von der amerikanischen Westküste, also dem Pazifik deutlich größer, zum anderen verbringen sie die meiste Zeit im Seewasser und bringen dort auch ihre Jungen zur Welt. Die europäischen Verwandten bevorzugen eher eine amphibische Lebensweise. Nach dem Schwimmen im Salzwasser müssen sie sich erst einmal in Süßwasser abspülen. Auch die Jungen kommen an Land zur Welt, sind erstmal blind und brauchen zu Anfang viel Pflege durch die Mutter.

Der nächste Ausstellungspavillion behandelt die Wasserwelt der bretonischen Küste. Diese Wasserwelt ist sehr vielfältig. Da gibt es die zerklüftete Felsküste, die den Meeresbewohnern viele Rückzugsräume bietet. Zwischen den vielen Inseln gibt es Tangwälder und natürlich auch die langen Strände und Sandbänke. Zu guter Letzt gibt natürlich die vielen Häfen. Diese sind nicht nur Anlaufpunkte für Boote und Schiffe aus aller Welt, sondern auch für Flora und Fauna. So gibt es in den Häfen so einige Arten, die mit den Schiffen kamen und nun hier heimisch geworden sind. Die Meeresbiologen hier sehen das übriges sehr gelassen, da über die Jahrhunderte der internationalen Schifffahrt sich immer wieder ein ökologisches Gleichgewicht eingestellt hat.

Ab jetzt wird es gefährlich...
Ab jetzt wird es gefährlich…

Zum Mittag gehen wir in das Rest‘O für eine kleine Stärkung. Draußen vor den Fenstern geht ein heftiger Schauer nieder. Auch die Spatzen und Tauben ziehen sich unter das Vordach des Restaurants zurück.

Nun hat Frankreich auch immer noch Überseegebiete in der Karibik, im indischen Ozean und in Indonesien. Deshalb hat man hier einen neuen Tropenpavillon angelegt, der sich speziell mit der See um diese Gebiete beschäftigt. Die Ausstellung ist so umfangreich, dass es uns nur knapp gelingt durchzukommen und wir zum Schluss von dem Personal freundlich aufgefordert werden, das Gelände zu verlassen, um nicht eingeschlossen zu werden.

Wir trödeln noch an der Marina Moulin Blanc entlang und nehmen dann einen Bus, der uns zurück in die Stadt bringt. Mit einem kurzen Umstieg in die Straßenbahn, gelangen wir dann wieder zu unserer Unterkunft.

Schöne Korallen
Schöne Korallen

Für das Abendessen versuchen wir im ‚Le Crabe Marteau‘ (Der Krabbenhammer) einen Tisch zu bekommen, aber alles ist reserviert. Deshalb gehen wir weiter zur Marina Château in ein Hafenbistro. Nach so viel Fisch haben wir jetzt Hunger 😉

Sauerkraut mit Fisch und Meeresfrüchten, sowie Pizza mit Lachs  - alles sehr lecker!
Sauerkraut mit Fisch und Meeresfrüchten, sowie Pizza mit Lachs – alles sehr lecker!

 

Wandertag am Leuchtturm Saint Mathieu

Wollen wir heute wirklich wandern?
Wollen wir heute wirklich wandern?

Als wir morgens aufstehen, sieht es alles andere als nach einem Wandertag an der See aus. Es regnet und weht kräftig, aber so war es auch angesagt. Wir lassen uns nicht abhalten, packen einige wetterfeste Sachen ein und an der Bushaltestelle kommt sogar die Sonne heraus.

Blick auf die aufgewühlte See
Blick auf die aufgewühlte See

Die Bustour führt durch die engen Straßen in Brest und in den Dörfern Richtung Pointe Saint Mathieu. Der Leuchtturm von Saint Mathieu liegt am Chenal du Nord-Ouest de Molène. Früher war hier ein Benediktiner Kloster, das auch für die Unterhaltung des Leuchtfeuers zuständig war. Von dem Kloster sind heute nur noch die Ruinen über, aber sie ragen noch hoch hinaus und sind auch von See aus neben dem Leuchtturm deutlich zu erkennen.

Die Seenotretter nutzen das stürmische Wetter zu einer Übung
Die Seenotretter nutzen das stürmische Wetter zu einer Übung

Als wir ankommen, bläst ein kräftiger Wind mit etwa 5-6 Beaufort aus Südwest gegen den kräftigen Ebbstrom und bringt die See im Chenal zum Kochen. Im Seehandbuch des Seegebietes befindet sich auch ein entsprechender Warnhinweis, die Wind gegen Strom Situation zu vermeiden. Hier ist Klaus vor gut einer Woche bei schönstem Wetter durchgesegelt. Heute sieht es anders aus und im Chenal ist nur der Rettungskreuzer aus Le Coquet zusammen mit einem RIB-Boot bei einer Übung zu beobachten.

Zum Museum des zweiten Weltkriegs müssen wir ein Stück die Landstraße entlang laufen. Die Küstenbatterie ist schon von Weitem zu sehen.
Zum Museum des zweiten Weltkriegs müssen wir ein Stück die Landstraße entlang laufen. Die Küstenbatterie ist schon von Weitem zu sehen.

Für den Vormittag sind noch einige heftige Schauer angekündigt. Wir begeben uns zunächst zum Musée Memoires 39-45 in der Bunkeranlage der alten Küstenbatterie Graf Spee. In der Ausstellung der alten Bunkeranlage empfängt uns eine sehr bedrückende Atmosphäre mit vielen Zeitzeugenberichten aller Seiten, Exponaten aus der Zeit und Zusammenstellungen über die Kriegszeit.

Zuerst geht es in den Keller. Dort sind die Hinterlassenschaften der Deutschen genutzt worden, um die damalige Situation in den Unterkünften der deutschen Soldaten zu zeigen und auch aus Briefen, Tagebüchern und nachträglichen Berichten zu zitieren. In den Etagen darüber geht es um die französische Bevölkerung. Es kommen Zivilisten, Soldaten, Zwangsarbeiter und Mitläufer zu Wort. Im nächsten Bereich geht es um die Resistance und deren Zusammenarbeit mit den Alliierten. Auch die eingesetzten Spione kommen zu Wort. In einem nachempfundenen privaten „Luftschutzkeller“ sind wir 7 Minuten zu Gast und erfahren während eines fingierten Luftangriffs (inklusive Lärm, Erschütterungen und Stromausfall) von den als Puppen dargestellten Bewohnern von ihren Erlebnissen, aber auch von ihren Wünschen und Hoffnungen. Trotz des düsteren Themas war das eine sehr sehenswerte Ausstellung, die die Menschen in den Vordergrund gestellt hat.

Von dort sind wir froh direkt an die Küste zu kommen, um uns den Wind um die Nase blasen zu lassen. Die Tide ist gekentert und es sind weniger Schaumköpfe zu sehen, da nun Strom und Wind in die gleiche Richtung gehen. Trotzdem ist es da draußen immer noch kein Spaziergang.

An der Küste gibt es einen Punkt, an dem früher Seetang auf den Felsen gesammelt wurde. Dazu gab es eine Hebevorrichtung an der Steilküste, um den Seetang nach oben zu bekommen. Die Aufmauerungen und ausgearbeiteten Steinplatten sind heute noch zu erkennen.

Am Phare de Saint Mathieu gibt es für uns ein Sandwich zur Stärkung. Die Schauer sind erst einmal durchgezogen und wir sitzen in der Sonne. Die Ruinen der alten Abtei sind beeindruckend.

Daneben gibt es auch einen mit einer hohen Mauer umgebenen Garten. Die Mönche mussten sich selbst mit Obst und Gemüse versorgen. Den neuen Leuchtturm hat man neben die Ruinen gesetzt und er überragt sie deutlich.

Die Gedenkstätte für die Seeleute
Die Gedenkstätte für die Seeleute

Neben Abtei-Ruinen und Leuchtturm befindet sich an dem Ort auch eine Gedenkstätte für die Seeleute, die für Frankreich ihr Leben gelassen haben. Über ein paar Stufen geht es hinab in mehrere Räume, in denen Erinnerungsfotos hängen. Die schiere Menge wirkt sehr eindrucksvoll und die Fotos lassen aus Zahlen wieder Menschen werden.

Von hier beginnen wir unsere Küstenwanderung nach Le Conquet. Mehrere Schauerwolken machen Anstalten über uns hinwegzusehen, aber sie gehen vor oder hinter uns durch. So kommen wir trocken in Le Conquet an und mit dem Bus zurück nach Brest.

Warten auf den Bus
Warten auf den Bus