Segeln mit der La Recouvrance und Führung durch Recouvrance

In den letzten Tagen waren wir mit dem Ausflugsboot bereits mehrere Male der La Recouvrance begegnet und hatten die Frage gestellt, ob es möglich ist, auf ihr mitzusegeln

Ja, es ist und wir haben für heute eine Tour gebucht.

Gallionsfigur der La Recouvrance
Gallionsfigur der La Recouvrance

Da wir nicht wissen, wie unsere Vesorgung zu Mittag aussehen wird, versorgen wir uns morgens mit Tee und besorgen uns auf dem Weg zur La Recouvrance belegte Baguettes. Wir sind um 9:30 Uhr am Kai und die Crew macht bereits den Topsegelschoner zum Auslaufen bereit. Für uns Gäste erfolgt um 10:00 Uhr eine Einweisung auf Französisch, Klaus muss irgendwie damit klar kommen, aber er ist ja nicht das erste Mal auf einem Schiff.

Ein Crewmitglied bereitet das Rahsegel vor.
Ein Crewmitglied bereitet das Rahsegel vor.

Der Ableger wird durch die Crew gemacht, uns wird die Seite des Decks zugewiesen, auf der wir am wenigsten im Wege sind. Vor dem Hafen setzt die Crew mit Freiwilligen die Segel. Wir sind natürlich mitten drin.

Gemeinsam wird das Gaffelsegel gesetzt
Gemeinsam wird das Gaffelsegel gesetzt

Bei den Kommandos lernen wir neue französische Worte:

  • Tribord = Steuerbord
  • Bâbord = Backbord
  • Tiens bon = Halt fest
  • Lachez = Lass los

Klaus lernt aber auch, dass es besser ist, gleich zu sagen, dass die Komandos in Englisch kommen sollen. So funktioniert es besser. Der Umgang mit einem Gaffelsegel ist uns ja sehr vertraut, aber die Größe des Segels ist schon etwas besonderes.

Drei Vorsegel sind auch gesetzt
Drei Vorsegel sind auch gesetzt

Die Dame, die übrigens noch nicht sehr alt ist, kommt 60 Grad an den Wind und bei etwa 3 Bft auf etwa 3-4 Knoten Fahrt. Bei der La Recouvrance handelt es sich um den Nachbau eines Topsegelschoners, der früher als Lotsenschoner und auch als kleines Militärschiff mit Deckskanonen genutzt wurde. Wir kommen mit dem Skipper ins Gespräch und er erklärt uns, dass sie vergleichsweise wendig ist und bis zu 10 Knoten Fahrt erreichen kann. Wir erzählen ihm von unserer Erfahrung mit dem Segeln und Gaffelriggs und dass Klaus vor einer Woche von Dublin kommend in Brest eingelaufen ist.

Alle genießen den Ausflug
Alle genießen den Ausflug
Klaus darf die La Recouvrance bis in die Hafeneinfahrt von Brest steuern
Klaus darf die La Recouvrance bis in die Hafeneinfahrt von Brest steuern

Nach der Wende mit Focks und Topsegel back, übergibt der Skipper Klaus für einige Zeit das Ruder. Es gilt 345 Grad am Kompass zu steuern. Für Klaus ist es neu, dass man ohne Ruderrückwirkung nur nach Anzeige von Kurs und Ruderlage steuert. Die Übertragung vom Steuerrad zum Ruder erfolgt hier über eine Hydraulik. Wie so vieles ist es aber alles Gewöhnungssache und der Skipper scheint zufrieden mit dem Steuermann zu sein.

Das Festmachen im Hafen ist sehr aufwändig, da der Platz zum Drehen sehr beschränkt ist. Hier wirft ein Crewmitglied eine Wurfleine zum Steg. An der Wurfleine ist die eigentliche dicke Festmacherleine befestigt.
Das Festmachen im Hafen ist sehr aufwändig, da der Platz zum Drehen sehr beschränkt ist. Hier wirft ein Crewmitglied eine Wurfleine zum Steg. An der Wurfleine ist die eigentliche dicke Festmacherleine befestigt.

Am Ende segelt er die La Recouvrance in den Hafen, in dem er sich kurz zuvor beim Hafenkapitän per Funk angemeldet hat. Im großen Hafenbecken bergen wir wieder mit Crew und freiwilligen Helfern die Segel. Diesmal reicht ein kurzes Wort und Klaus bekommt die Kommandos auf Englisch. Auch die Crew hat natürlich mitbekommen, dass wir nicht ganz unbedarft sind.

Unterwegs haben wir auch den riesigen Trimaran gesehen, den wir schon im Hafen Moulin Blanc gesichtet hatten. Allein das Setzen des Großsegels dauert gefühlte Ewigkeiten. Dafür hat er aber schon etliche Pokale geholt, wie uns der Skipper der La Recouvrance berichtet hat.
Unterwegs haben wir auch den riesigen Trimaran gesehen, den wir schon im Hafen Moulin Blanc gesichtet hatten. Allein das Setzen des Großsegels dauert gefühlte Ewigkeiten. Dafür hat er aber schon etliche Pokale geholt, wie uns der Skipper der La Recouvrance berichtet hat.

Unsere Lunchbaguettes genießen wir auf dem Kai mit Blick auf den Hafen und die La Recouvrance. Bevor wir weiter zu der geplanten Stadtführung im Stadtteil Recouvrance ziehen, gehen wir erst einmal in unser Appartement, da wir viel zuviel Sachen auf die Segeltour mit hatten. Von dort geht es dann zum Tour Tanguy, wo unsere Stadtführung beginnen soll.

Wir sind etwas zu früh da und haben so die Chance, noch einen Tee zu trinken. Als sich das Grüppchen versammelt hat, beginnt unsere Stadtführerin mit der Frage, wer von woher kommt. Wir sind die mit der weitesten Anreise, alle anderen kommen aus Frankreich, einige sogar aus Brest (zumindest als Zugezogene).

Die Stadtführung geht durch den Stadtteil Recouvrance nach dem auch das Schiff benannt ist, mit dem wir heute morgen unterwegs waren. Er gehörte ursprünglich nicht zur Stadt Brest. Es gab dort vorher ein Dorf mit einer Kapelle mit dem Namen St. Kathrin. Durch den Ausbau von Brest zum Marinestandort wuchs die Stadt kräftig und im Dorf siedelten sich zahlreiche zugezogene Arbeiter und Seeleute an. Diese kamen ursprünglich vom Land und sprachen Bretonisch. In der Stadt wohnten die meist auch von außerhalb stammenden Französisch sprechenden Offiziere. Das führte zu der Komplikation, dass sie sich mit ihren Mannschaften eigentlich gar nicht verständigen konnten.

Als sich die Stadt dann ausweitete und das Dorf mit zum Stadtgebiet hinzugenommen wurde, erhielt es den neuen Namen Recouvrance. Auch die Kapelle wurde umbenannt. Der Name soll auf die Frauen hinweisen, die in der Kapelle für die gesunde Rückkehr ihrer Männer beteten. Für die Brestois, die Bewohner der ursprünglichen Stadt Brest, schien diese Eingemeindung nicht recht willkommen zu sein, denn man versuchte sich abzugrenzen und betonte, dass man im eigentlichen Brest wohne – in „Brest même“. Nun brauchten natürlich „die anderen“ auch einen Namen. Da Yannick ein typisch bretonischer Vorname ist, wurden die Bewohner von Recouvrance auch die Yannicks genannt.

La Fontaine mit dem Tour Tanguy und moderner Bebauung dahinter im Stadtteil Recouvrance
La Fontaine mit dem Tour Tanguy und moderner Bebauung dahinter im Stadtteil Recouvrance

Der Ausbau von Brest zum Marinestandort betraf zu Beginn die gesamte Stadt, da diese ja auch immer zur militärischen Befestigung dazu gehört hatte. Dies führte dazu, dass der Hafen im Fluss Penfeld für Marine, Handel und Fischerei gemeinsam genutzt wurde. Auf Dauer war das kein haltbarer Zustand. Es gab also den Beschluss, den Fluss nur noch für die Marine zu nutzen, d.h. man baute neue Häfen für Handel und Fischerei auf der Rade de Brest. Die Marine bekam das gesamte Ufer auf beiden Seiten des Flusses und sicherte diesen durch eine Mauer. Wohnhäuser und andere Gebäude am Flussrand wurden geräumt und abgerissen. Der heute für sich allein stehende Tour Tanguy war damals gar nicht zu sehen gewesen, weil die Wohnbebauung direkt an den Turm angebaut war.

Als nächstes gehen wir ein kleines Stück weiter und stehen direkt neben der besagten Mauer. Dort befindet sich ein Brunnen (La Fontaine). Er stand ursprünglich 27 m weiter auf dem jetzigen Marinegelände. Er hatte Sitzbänke und man konnte dort Wasser holen. Heute ist nur noch der obere Teil zu sehen, weil das komplette Gelände angehoben wurde für die neue Hubbrücke über den Fluss.

Die alte Drehbrücke wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Gebaut wurde sie nach einem größeren Fährunglück mit zahlreichen Toten. Der Fährbetrieb über den Fluss wurde vorher von zahlreichen Booten erledigt, die sich in sehr schlechtem Zustand befanden, so dass es immer wieder zu Unfällen kam. Ein besonders schlimmer Unfall gab dann den Anstoß zum Bau der Drehbrücke. Für die Toten des Fährbetriebs gab es sogar einen eigenen Friedhof.

Steile Straßen in Recouvrance. In der Mitte steht eines der ältesten Häuser - das Maison de la Fontaine
Steile Straßen in Recouvrance. In der Mitte steht eines der ältesten Häuser – das Maison de la Fontaine

Der Beschluss für den Bau einer Hubbrücke als Ersatz für die Drehbrücke entstand aufgrund der Furcht vor einem 3. Weltkrieg. Die zerstörte Drehbrücke hatte die Schifffahrt auf dem Fluss komplett blockiert. Die Hubbrücke wurde so gebaut, dass sie nicht nur die üblichen zwei Zustände hat, sondern auch noch einen dritten Zustand, indem sie nach unten abgesenkt wird, um so die Schifffahrt auf dem Fluss zu ermöglichen. Dies wurde bislang nur einmal genutzt, um die neue Straßenbahnverbindung über den Fluss zu installieren.

Für den Wiederaufbau von Brest même wurde das Relief der Stadt erhalten und eine historisierende Bauweise gewählt. Die Stadt wurde aber insgesamt ebener gebaut, also mit weniger Steigungen. In Recouvrance hingegen hat man sich nicht darum bemüht, das Relief zu erhalten, sondern hat zerstörte Häuser durch moderne Bauten ersetzt. Abgesehen vom Bau der Brücke hat man keine Veränderungen am Gelände vorgenommen, so dass die Straßen in Recouvrance steiler sind und es mehr Treppen gibt.

Alte Häuser in Recouvrance mit angebauten Sicherungsringen
Alte Häuser in Recouvrance mit angebauten Sicherungsringen

Alte Häuser in Recouvrance erkennt man interessanterweise an den Ringen oben an der Fassade. Diese wurden zur Absicherung bei Fassaden- und Dacharbeiten angebaut, da es in Brest oft sehr windig ist. Die Seeleute kannten das so von den Schiffen. Uns kommt das vertraut vor. So etwas haben wir an unserem Haus auch angebaut. Weiter geht es dann zum Maison de la Fontaine mit einem nachträglich angebauten Brunnen mit Trinkwasserhahn, den einige gleich nutzen, um ihre Flaschen wieder zu befüllen. In diesem Haus lebte der erste Bürgermeister von Brest, der aus dem Stadtteil Recouvrance kam. Vorher waren alle Bürgermeister aus Brest même gekommen. Er erließ eine Verordnung, dass jeder dritte Bürgermeister aus Recouvrance kommen musste.

Der südamerikanisch anmutende Glockenturm der Kirche Eglise de Saint Saveur de Recouvrance
Der südamerikanisch anmutende Glockenturm der Kirche Eglise de Saint Saveur de Recouvrance

Ein paar Schritte weiter ist der Garten der Entdecker (Jardin des Explorateurs), den wir schon besucht hatten. Unsere Stadtführerin erzählt uns die Geschichte von Jeanne Barret, die als Mann verkleidet unter dem Namen Jean Baré als Assistent des Botanikers Philibert Commerson im 18. Jahrhundert an der Weltumseglung von Louis-Antoine de Bougainville teilnahm. Das Tragen von Männerkleidung war für Frauen damals verboten, aber aufgrund der Fürsprache Bougainvilles wurde sie nicht bestraft, sondern aufgrund ihrer Leistungen mit einer Pension und einem Ehrentitel belohnt.

Der etwas industriell wirkende Giebel der Kirche Eglise de Saint Saveur de Recouvrance
Der etwas industriell wirkende Giebel der Kirche Eglise de Saint Saveur de Recouvrance

Dann geht es wieder bergauf zur Kirche Eglise de Saint Saveur de Recouvrance, eine Nachfolgerin einer Kapelle. Seeleute sollten den Vorgängerbau errichten. Da sie von Maurerarbeiten keine Ahnung hatten, ging das schief und der Bau musste abgerissen werden. Der Baumeister wurde gefeuert. Sein Nachfolger kam vom Marinestandort und hatte bisher mehr mit industriellen Bauten zu tun. Das sieht man der Kirche auch an. Sie  ist schlicht und mit einem südamerikanischen Glockenturm. Derzeit ist sie außer Betrieb, da sie sanierungsbedürftig ist und das Geld fehlt.

Blick von oben in das Trockendock (am linken Bildrand), die Kantine (unten rechts) und das Gefängnis (oben rechts)
Blick von oben in das Trockendock (am linken Bildrand), die Kantine (unten rechts) und das Gefängnis (oben rechts)

Dann geht es weiter vorbei an der der alten Stadtbefestigung (Rempart) zu drei großen Steinen mit Darstellungen eines Seemanns, eines Ehepaars und einem Kind als Erinnerung an die unter dem Pflaster versunkene Stadt, dem Quartier Pontaniou bis hin zum ehemaligen Gefängnis, das außerordentlich lang in Betrieb war. Nun sucht man nach einer neuen Nutzung. Das Gebäude ist wohl verkauft und es gibt erste Ideen.

Wir gehen weiter und schauen von oben hinunter in zwei Trockendocks des Marinestandorts. Am Kopfende befindet sich scheinbar als Teil einer Felswand ein historisches Gebäude mit goldenen Köpfen als Verzierung. Es ist die Kantine auch „Restaurant zum goldenen Löffel“ genannt. Oben drüber ist von hier aus wieder das Gefängnis zu sehen, wie eine Mahnung an die Belegschaft…

Von hier aus geht es wieder ein Stück zurück und auf der anderen Seite der Straße steil die Treppen hinab. Nun stehen wir auf der Rückseite der Kantine in der Rue St. Malo. Auch hier ist das Gelände nachträglich aufgeschüttet worden, so dass die Straße nun über die Kantine hinweg führt. Die dahinter liegende Straße sollte eigentlich abgerissen werden, aber eine junge Frau hatte eine erfolgreiche Kampagne gestartet, um die Straße zu retten. Nun gibt es hier Veranstaltungen und Ausstellungen von Künstlern. Wohnen tut hier niemand mehr. Angrenzend gibt es das ehemalige Gelände eines Heims für sogenannte „gefallene“ Mädchen. La Madeleine so hießen auch anderenorts solche Heime. Dieses ist von rebellierenden Frauen in Brand gesteckt worden. Vermisst hat es wohl niemand. Nur das Gelände erinnert noch daran.

Am ehemaligen Waschplatz mit Holzpantinen gepolsterten Kisten zum Knien am Rand des Wasserbeckens und Waschbrettern
Am ehemaligen Waschplatz mit Holzpantinen gepolsterten Kisten zum Knien am Rand des Wasserbeckens und Waschbrettern

Unsere Stadtführung endet ein kurzes Stück weiter an einem ehemaligen Waschplatz. Er ist nicht frei zugänglich, aber unsere Stadtführerin zückt einen großen Schlüssel und so können wir hier nachvollziehen, wie früher die Wäsche gewaschen wurde. Sie erzählt sehr anschaulich von den damaligen Zuständen – gelobt sei die Waschmaschine!!

Im Restaurant sind wir noch fast allein um diese Uhrzeit
Im Restaurant sind wir noch fast allein um diese Uhrzeit

Den Abend lassen wir dann nach der Führung im Les Ateliers des Capucins ausklingen. Dies sind ehemalige Werkstätten der Marine, die nun als große überdachte Freifläche der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Es gibt Restaurants, ein Kino, ein Museum, eine Kletterhalle, ein paar alte Maschinen und die Prunkbarkasse aus dem 19. Jahrhundert, in der Napoleon III herumgefahren wurde. Eine Familie macht ein Picknick, Kinder fahren mit Rollschuhen umher, in der oberen Etage üben ein paar junge Leute Breakdance, andere lernen gerade Salsa.

Mit der Seilbahn geht es im Anschluss zurück über den Fluss nach Brest même.

Blick aus der Seilbahn über den Fluss Penfeld
Blick aus der Seilbahn über den Fluss Penfeld

Ausfahrt mit dem Ausflugsboot Richtung Île de Ouessant

Auf dem Vorschiff der La Brestoa
Auf dem Vorschiff der La Brestoa

Heute geht es wieder mit dem Ausflugsboot hinaus und zwar in Richtung Île de Ouessant. Dafür müssen wir früh aufstehen, da die Abfahrt bereits um 9:30 Uhr ist und man eine viertel Stunde vor Abfahrt am Boot sein soll. Heute soll die Fahrt etwa 5,5 Stunden dauern und wir haben uns für an Bord ein Lunchpaket mit gebucht.

Der ehemalige deutsch U-Boot Bunker in Brest und darüber die Offiziersschule des Marinestützpunkts
Der ehemalige deutsch U-Boot Bunker in Brest und darüber die Offiziersschule des Marinestützpunkts

Es ist wieder das gleiche Boot mit gleicher Crew wie gestern und wir begeben uns gleich auf unsere Lieblingsplätze auf dem Vorschiff. Die Ausfahrt geht an der nördlichen Seite der Goulet vorbei an den bereits bekannten Leuchttürmen und Festungen, dem Phare du Portzic,  dem Fort du Mengant, dem Phare du Petit Minou hinaus bis zum Phare de Saint Mathieu.

Ab dem Phare du Portzic haben wir kräftigen auslaufenden Ebbstrom mit ordentlich Wind aus SW gegenan, also baut sich eine kurze steile See auf. Wir ziehen uns vorsichtshalber hinter die Spritzschutzscheibe zurück. Allerdings ist unsere Sorge unberechtigt. Das Ausflugsboot setzt zwar in die steile See ein, aber die Gischt geht zur Seite weg und alles auf dem Vorschiff bleibt trocken.

Ponte Saint-Mathieu - von links nach rechts: Sémaphore de la Pointe Saint-Mathieu eine Überwachungsstation der Marine von 1906, die Ruine eines ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 16. Jahrhundert, der Leuchtturm Saint Mathieu von 1835 und die Kapelle Notre-Dame-de-Grâce von 1861
Ponte Saint-Mathieu – von links nach rechts: Sémaphore de la Pointe Saint-Mathieu eine Überwachungsstation der Marine von 1906, die Ruine eines ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 16. Jahrhundert, der Leuchtturm Saint Mathieu von 1835 und die Kapelle Notre-Dame-de-Grâce von 1861

Vom Phare de Saint Mathieu hält der Skipper südlich an der Île de Beniguet, einem strengen Naturschutzgebiet mit Anlandeverbot zum Leuchturm Pierres Noires. Er markiert die Einfahrt in die Bucht von Brest.  Hier drosseln wir die Fahrt und können einige Kegelrobben auf den Felsen beobachten. Klar werden auch wir beäugt.

Häuser auf der Île de Quemenès
Häuser auf der Île de Quemenès

Nun geht es zur Durchfahrt zwischen der Île de Quemenès und Île de Litiri. Die Île de Quemenès wird von einer Familie bewirtschaftet und baut in dieser Umgebung Kartoffeln an. Die letzte Jahresernte soll 10 Tonnen betragen haben.

Häuser auf der Île de Quemenès
Häuser auf der Île de Quemenès

Ansonsten ist die Durchfahrt von Sportbootfahrern beliebt, die vor der Île de Litiri zum Baden vor Anker gehen. An der flachsten Stelle haben wir laut Skipper nur noch wenig Wasser unter dem Kiel. Bei Springniedrigwasser sollen hier laut Seekarte nur  10cm Wasser stehen, aber der Skipper kennt sich aus und bringt uns ohne Grundberührung durch.

In der Ferne ist der Ort Île-Molène auf der Insel Molène zu sehen
In der Ferne ist der Ort Île-Molène auf der Insel Molène zu sehen

Auf der Nordseite können wir einem Algenfischer bei der Arbeit zusehen. Dieser zieht einen Rechen mit Schneiden durch das Kelb und dann die langen Kelbblätter auf seine Ladefläche. Das Kelb wird als Gemüse in frischer bzw. getrockneter Form verwendet oder getrocknet und zu Düngepulver zermahlen. Hoffentlich lassen die Fischer noch genug übrig, da es auch die Kinderstube für viele Wasserlebewesen ist.

Noch eine Kegelrobbe beäugt uns zusammen mit ein paar Kormoranen
Noch eine Kegelrobbe beäugt uns zusammen mit ein paar Kormoranen

Danach geht es zurück durch die Basse de Penser zurück zum Hafen von Le Conquet, wo wir aber nicht anlegen. Der Skipper will uns die starke Flutströmung zeigen, die hier an den Felsen entlang rauscht. Die Segler nutzen den enormen auflaufenden Strom Richtung Norden durch die Basse de Penser.

Algenernte - Zuckertang ist essbar und wird auch in Kosmetika genutzt
Algenernte – Zuckertang ist essbar und wird auch in Kosmetika genutzt

Das Ausflugsboot fährt weiter dicht unter der Küste gegen den Strom zum Phare de Saint Mathieu. Dabei nutzt der Skipper sogar die Neerströme in den Buchten. Zurück nach Brest trägt uns dann hinter Fort du Mengant der Flutstrom in die Bucht von Brest. Nach etwa 5 Stunden sind wir wieder zurück an Land und gehen erst einmal zum Ausruhen wieder in unser Appartement.

Kriegsgräber in Brest
Kriegsgräber in Brest

Zum Abend machen wir noch einen Spaziergang durch den östlichenTeil von Brest hinter dem Rathaus und landen auf einem Friedhof mit Grabfeldern aus erstem und zweitem Weltkrieg. Neben französischen Opfern, sind hier auch Gräber von alliierten Soldaten. Diese habe meist einen Grabstein statt einem Kreuz.  Auch deutsche Gräber aus dem ersten Weltkrieg finden wir hier.

Wandmalerei in Brest
Wandmalerei in Brest

Bootstour nach Camaret sur Mer

Morgens quält sich die Sonne durch den Nebel
Morgens quält sich die Sonne durch den Nebel

Heute geht es nach Camaret sur Mer, ein Ort in dessen Hafen Klaus vor einigen Tagen noch mit der Glücksburg gelegen hat. Hierzu haben wir uns Karten für das Ausflugsboot von Brest besorgt. Wir sollen eine viertel Stunde vor 11:00 Uhr am Anleger sein. Wir sind rechtzeitig da und am Kai warten bereits eine Menge Ausflügler.

Das Boot fährt dicht an der Südkante der Goulet de Brest entlang und wir werden auf die Befestigungen aus allen Jahrhunderten seit Ludwig dem XIV bis zum zweiten Weltkrieg hingewiesen.

Nach dem Festmachen in Camaret haben wir bis 15:00 Uhr Zeit den Ort zu erkunden. Wir begeben uns erst einmal zum Yachthafen, der an der Festungsinsel liegt, die mit einem Damm mit dem Festland verbunden ist. Auf der Insel gibt es neben der Festung auch eine Kapelle, die wir besuchen. In der Kapelle befinden sich einige Stiftungen von Fischern, die dem Tod auf See entkommen sind. Eine dramatische Erzählung einer Rettung, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zugetragen hat, lässt sich dort im Detail nachlesen. Sie endet damit, dass die geretteten Fischer zwar am Leben geblieben sind, aber durch den Untergang des Bootes auch das Ergebnis von zwei Monaten harter Arbeit verloren haben und nun arbeitslos sind.

Camaret war ein bedeutender Ort der Langustenfischerei, die aber schon früh nur noch vor den Küsten Mauretaniens möglich war, weil die heimischen Gewässer überfischt waren. Aber auch Mauretanien hat lange gebraucht, um sich mit dem Schutz der Meeretiere gegenüber der EU durchzusetzen. Seit den 60erJahren ist die Langustenfischerei in Camaret zum Erliegen gekommen. Die verbliebenen Boote verrotten am Strand.

Danach streifen wir durch den Ort, aber fast alle Galerien, die auch schon vor einigen Tagen Abends geschlossen hatten, haben zu, diesmal wegen Mittagszeit. Nur die Restaurants und Andenkenläden an der Kaikante haben auf. Zu guter Letzt gönnen wir uns einen Tee in einem Café in Sichtweite des Ausflugsbootes.

Fünf Minuten vor 15:00 Uhr gehen wir als letzte an Bord. Die Crew möchte offensichtlich gerne weiter durch den Chenal du Toulinguet vor Camaret. Dort fließt eine starke Tidenströmung. Als wir in die Bucht dahinter gehen, werden wir von einem Delfin verfolgt. Die Freude bei den Passagieren ist groß und alle stürzen mit Kamera oder Handy bewaffnet auf eine Seite. Zum Glück liegt das Ausflugsboot sehr stabil.

Die La Recouvrance segelt zwischen den Felsen hindurch
Die La Recouvrance segelt zwischen den Felsen hindurch

Am  Pointe de Pen-Hir kommt uns die ‚La Recouvrance‘ entgegen. Sie ist der Nachbau eines Topsegelschoners aus Brest, die heute als „Botschafterin“ von Brest fährt. Auf ihr kann man kurze Tagestörns aber auch dreitägige Touren zu den Inseln vor der Bucht von Brest buchen.

Noch ein Felsen mit Kormoranen
Noch ein Felsen mit Kormoranen

Vom Pointe de Pen-Hir geht es um die Felsen herum hinüber zum Phare du Petite Minou. Das Wetter meint es auch heute wieder sehr gut mit uns. Von dort geht es zurück an der Nordkante der Goulet de Brest. Auch hier sind viele Festungen zu sehen. Der Goulet de Brest ist übrigens 35m tief, so dass er auch mit U-Booten durchtaucht werden könnte. Höchstwahrscheinlich gibt es hier auch eine Unterwasserüberwachung.

Die La Recouvrance vor der Felsküste
Die La Recouvrance vor der Felsküste

Nachdem wir wieder im Hafen von Brest sind, genehmigen wir uns in unserer Unterkunft eine Teatime mit bretonischem Kuchen auf dem Balkon. In den letzten Tagen fiel uns immer wieder ein Geruch nach Bohnen auf, aber mittlerweile glauben wir nicht mehr an unsere Theorie mit dem Getreide- oder Futtermittelsilo.  Ein Stück weiter entfernt gibt es ein Firmenschild mit der Aufschrift „Bunger“. Das ist ein großer Konzern, der weltweit Ölmühlen und -pressen betreibt. Auch in Brest hat er eine Niederlassung, in der Raps und Soja zu Öl verarbeitet werden.  

der Phare de Petit Minour vom Wasser aus gesehen
der Phare de Petit Minour vom Wasser aus gesehen

Danach gehen wir zum Schmökern in den große Buchladen an der Rue de Siam. Wie üblich wollen wir uns auch aus diesem Urlaub ein Kochbuch mit örtlichen Rezepten mitbringen. Da Frankreich auch bekannt für Comics ist, müssen wir sehr auf das Gewicht achten. Das muss alles mit nach Hause gebracht werden.

Abends zieht das angekündigte kräftige Gewitter die Bucht in Richtung Westen an Brest entlang. Wir bekommen den Wind und etwas Regen ab und können die spektakuläre Wolkenbildung bewundern.

Gewitterwolke mit eindrucksvollem Böenkragen
Gewitterwolke mit eindrucksvollem Böenkragen

Fahrradtour zum Phare Du Petit Minou

Heute ist schönes Wetter vorhergesagt und wir möchten unseren Bewegungsradius vergrößern. Dazu werden wir uns die angebotenen Elektrofahrräder von VeloZef mieten. Dieses Fahrradmieten ist aber gar nicht so einfach. Zunächst muss man sich die App herunterladen und ein Benutzerkonto einrichten. Für die Abrechnung muss eine Kreditkarte hinterlegt werden. Macht man dies nicht, so wird der Buchungsvorgang sofort abgebrochen und man wird erneut aufgefordert, die Kreditkarte zu hinterlegen.

Wir machen die Räder vor unserer Unterkunft noch ein wenig sauber
Wir machen die Räder vor unserer Unterkunft noch ein wenig sauber

Die Elektroräder sollen eine Reichweite von etwa 60km haben. Das müsste eigentlich für eine Tour zum Leuchtturm Phare du Petit Minou reichen. Da die Räder in den Stationen nicht nach dem ‚First In First Out‘-Prinzip, sondern nach den ‚Last In First Out‘-Prinzip ausgegeben werden, bekommt man im allgemeinen kein vollgeladenes Fahrrad. Das Erste, das wir am Bahnhof bekommen, soll noch etwa 36km Reichweite haben und das zweite 38km. Das sollte für den etwa 10km entfernten Leuchtturm reichen.

Statue für die Hafenarbeiter von Brest
Statue für die Hafenarbeiter von Brest

An unserer Unterkunft machen wir die Räder erst einmal etwas sauber,  da der Korb von einem Vogel vollgekleckert war. Dann geht es los und wir radeln über die Brücke nach Recouvrance und hinter dem Marinestützpunkt zum Strand in Sichtweite des alten U-Boot Bunkers. Bei dem auf und ab der Straßen ist es schon angenehm auf einem Elektrofahrrad zu sitzen, auch wenn die leichte Verzögerung beim Anfahren etwas Gewöhnung bedarf. Wir gönnen den Fahrrädern eine kurze Pause und gehen zu Fuß bis zum Strand und Mooringbojenfeld vor La Maison Blanche. Der Wanderweg geht weiter bis zum ‚Phare du Portzic‘. Die Straße schneidet den Phare du Portzic ab. Wir dürfen den Wanderweg mit unseren Rädern nicht benutzen und folgen der Straße.

Boote an Mooringbojen vor Maison Blanche
Boote an Mooringbojen vor Maison Blanche

Am nächsten Strand ‚Plage de Sainte-Anne du Portzic‘ legen wir wieder eine Pause ein und unternehmen einen Spaziergang am Wasser. Dabei begegnen wir einem älteren Herrn, der hier ehrenamtlich den Strand pflegt und von einer Runde zurückkommt, auf der er auch gleich einige Austern geerntet hat. Er schwärmt von seinem Strand und fordert uns auf, hier zum Schwimmen bei Hochwasser zu kommen. Es ist tatsächlich nicht schwer, da hier die Bus-Linie 2 hält, die auch ganz in der Nähe unserer Unterkunft hält.

Unterwegs treffen wir auf eine Gruppe großer Felsblöcke. Was erst aussieht, wie alte Menhire, erweist sich als moderne Kunst
Unterwegs treffen wir auf eine Gruppe großer Felsblöcke. Was erst aussieht, wie alte Menhire, erweist sich als moderne Kunst

Wir fahren weiter vorbei am Industriepark Technopole mit Ingenieurschule und vielen Unternehmen. Hier gibt es auch die letzte VeloZef Station und die Endstation der Bus-Linie 2 nach Brest. Von nun an sind wir auf unsere Räder angewiesen. Über eine enge Straße geht es auf und ab zum ‚Phare du Petit Minou‘.

Am Strand von Ste. Anne
Am Strand von Ste. Anne

Dort gönnen wir den Rädern wieder eine Pause. Petras Rad zeigt noch 17km und Klaus Rad zeigt immer noch 37km. Irgendwas stimmt hier nicht, aber egal. Wir wandern zum Strand von Petit Minou, der schnell von der Flut verschluckt wird. Die Zeit reicht, um noch ein wenig die Füße ins Wasser zu stecken. Auf dem Weg kreuzen Eidechsen unseren Weg und haben so gut wie keine Scheu vor Menschen. Offensichtlich hatten sie noch keine schlechten Erfahrungen. Danach besichtigen wir noch das Fort und werfen einen Blick auf den eingehausten Leuchtturm, der gerade saniert wird.

Am Strand von Petit Minou
Am Strand von Petit Minou

Nach der Pause sitzen wir wieder auf den Räder und es geht zurück. Auf der Steigung vor Saint-Anne geht das Rad von Klaus immer schwerer. Wir hegen schon den Verdacht, dass der Akku bald alle ist. Zu allem Überfluss geht auch der Handy Akku von Klaus zur Neige. Erstmal geht es aber bergab nach Saint-Anne. Hier wissen wir, fährt die Bus-Linie 2 und es gibt eine Rückgabe-Station von VeloZef. Auf der nächsten Steigung hinter Saint-Anne verweigert das Rad von Klaus den Dienst und lässt sich nur sehr schwer bergauf bewegen. Der Blick in die App zeigt aber immer noch 37km Reichweite. Da liegt eindeutig ein technischer Fehler vor. Auch der Akkustand von Petras Rad ist innerhalb weniger Kilometer auf 2km Reichweite zusammengeschrumpft. Wir schauen in der App, wo wir die Räder los werden können. Glücklicherweise ist am Strand von Saint-Anne eine Abgabestation, aber diese ist mit 10 Rädern vollbesetzt. Wir setzen eine Fehlermeldung ab, da wir so ja nicht weiter kommen und können die Räder neben der Station abstellen.

Fahrradrückgabestation in Ste. Anne. Die Fahrräder werden untereinander verbunden und über die Verbindung zu den anderen Fahrrädern geladen. Dadurch kann immer nur auf der linken Seite ein Fahrrad entnommen oder zurück gegeben werden.
Fahrradrückgabestation in Ste. Anne. Die Fahrräder werden untereinander verbunden und über die Verbindung zu den anderen Fahrrädern geladen. Dadurch kann immer nur auf der linken Seite ein Fahrrad entnommen oder zurück gegeben werden.

Von hier bringt uns die Bus-Linie 2 zu unserer Unterkunft. Am Abend gehen wir noch etwas einkaufen und zum Abendessen zu ‚Simone et Yvette‘ an der Rue du Siam, der Haupteinkaufsstraße.

Museumstag in Brest

Heute ist wieder ein Wochentag und  die Geschäfte haben geöffnet. Da Klaus von seiner Segeltour noch das ganze Segelzeug dabei hat, wollen wir uns erkundigen, ob man ein Paket von Brest nach Hause schicken kann und wieviel es kostet. Wir werden in einem Mailbox-Laden ganz um die Ecke fündig. Von hier kann man mit verschiedenen Anbietern Pakete in alle Welt verschicken. Die Mitarbeiterin sorgt sich rührend um uns und sucht die günstigste Variante heraus. Wir erstehen auch gleich einen entsprechenden Karton, der dann Anfang nächster Woche auf den Weg gehen soll.

Eingang in das Marinemuseum im Schloss. Vermutlich war dieser Platz schon früher besiedelt, aber die früheste nachweisbare Bebauung stammt aus der Römerzeit und ist genau hier anhand der rötlichen Ziegelstreifen in der Mauer auf der rechten Seite zu erkennen
Eingang in das Marinemuseum im Schloss. Vermutlich war dieser Platz schon früher besiedelt, aber die früheste nachweisbare Bebauung stammt aus der Römerzeit und ist genau hier anhand der rötlichen Ziegelstreifen in der Mauer auf der rechten Seite zu erkennen

Eigentlich hatten wir für heute Nachmittag eine Stadtführung für Brest geplant, aber es stellt sich in der Touristen Information heraus, dass diese bereits ausgebucht ist. Also buchen wir eine andere Führung am Freitag Nachmittag, nach unserer Segeltour mit der „Recouvrance“ um 15:00 Uhr.  Ohne Planung geht hier nichts.

Am 1. August 1785 stachen von Brest aus zwei Schiffe in See, um James Cook nachzueifern. Die Schiffe waren mit hochkarätigen Wissenschaftlern und reichlich wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet und sollten den Pazifik erforschen. Ihre Forschungsergebnisse schickten sie regelmäßig nach Hause, aber die Schiffe und die Mannschaft verschwanden 1788 spurlos. Erst viele Jahre später wurden die Wracks der beiden Schiffe gefunden. Von der Mannschaft wurde nur eine Leiche geborgen. Diese ist hier im Schloss namenlos bestattet.
Am 1. August 1785 stachen von Brest aus zwei Schiffe in See, um James Cook nachzueifern. Die Schiffe waren mit hochkarätigen Wissenschaftlern und reichlich wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet und sollten den Pazifik erforschen. Ihre Forschungsergebnisse schickten sie regelmäßig nach Hause, aber die Schiffe und die Mannschaft verschwanden 1788 spurlos. Erst viele Jahre später wurden die Wracks der beiden Schiffe gefunden. Von der Mannschaft wurde nur eine Leiche geborgen. Diese ist hier im Schloss namenlos bestattet.

Nach dem Mittag besuchen wir stattdessen das Marine Museum. Es ist in der Festung, dem Château, über dem Marine Stützpunkt untergebracht. Hier erfährt man einiges über die Entstehung und Entwicklung von Brest und dessen Vergangenheit, die bis in die Römerzeit zurück reicht. Die gut geschützte Bucht mit der tiefen Meerenge am Eingang hat den Hafen an der Mündung des schiffbaren Flusses Penfeld schon immer sehr wertvoll gemacht.

Das Schloss diente nicht nur militärischen Zwecken, sondern einer der Türme diente auch als Wohnort der Anne von Bretagne (1477 - 1514). Wobei sie sich hier nicht dauerhaft aufgehalten hat.
Das Schloss diente nicht nur militärischen Zwecken, sondern einer der Türme diente auch als Wohnort der Anne von Bretagne (1477 – 1514). Wobei sie sich hier nicht dauerhaft aufgehalten hat.

Zwischenzeitlich gehörte das Schloss sogar einmal zu England, wurde den Engländern dann aber abgekauft. Unter Ludwig XIV wurde der Ort zu einem Marine Zentrum mit Schiffbau, Ausrüstung und Versorgung  der französischen Flotte ausgebaut und mit dem Ort Recouvrance zu Brest verschmolzen. Brest war und ist der Ausgangspunkt für viele militärische, aber auch zivile maritime Unternehmungen. So starten von hier auch einige Hochseeregatten und Challenges, wie die Jules Verne Trophy, der schnellsten Weltumrundung unter Segeln.

Blick auf den Tour Tanguy. Der Tour Tanguy wurde im 14. Jahrhundert gegenüber vom Schloss gebaut, als dieses von englischen Soldaten besetzt war.
Blick auf den Tour Tanguy. Der Tour Tanguy wurde im 14. Jahrhundert gegenüber vom Schloss gebaut, als dieses von englischen Soldaten besetzt war.

Das Fotografieren auf dem Gelände des Marine Museums ist, wegen seiner Lage auf dem Marine Stützpunkt, natürlich eingeschränkt. Wir machen trotzdem einige Bilder, da man von hier einen tollen Blick auf Stadt und Bucht hat. Den Bereich des Marinestützpunktes lassen wir, wie es sich gehört aus.

1778 gewann in einer Seeschlacht das französische Schiff "Belle Poule" gegen die englische "Arethusa". Damit begann die französische Unterstützung des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Dieser Sieg erregte soviel Aufmerksamkeit in Frankreich, dass in Versailles sogar Frisuren zur Feier dieses Ereignisses kreiert wurden.
1778 gewann in einer Seeschlacht das französische Schiff „Belle Poule“ gegen die englische „Arethusa“. Damit begann die französische Unterstützung des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Dieser Sieg erregte soviel Aufmerksamkeit in Frankreich, dass in Versailles sogar Frisuren zur Feier dieses Ereignisses kreiert wurden.

Leider gibt es in dem Museum kein Café, so dass wir das Château mit hängendem Magen und Durst verlassen. Auf der ‚Rue de Siam‘ finden wir ein Bistro, in dem man gegen 16:00 Uhr eine Kleinigkeit Essen und Trinken kann. Die Bars haben um diese Zeit keine Speisen und die Restaurants haben noch nicht geöffnet.

Wir treffen wieder auf "Le Chat". Diesmal nimmt die Katze Rache und zum ersten Mal wird ein Auto von einer Katze überfahren.
Wir treffen wieder auf „Le Chat“. Diesmal nimmt die Katze Rache und zum ersten Mal wird ein Auto von einer Katze überfahren.

Als wir das Bistro verlassen, ist es 17:30 Uhr und wir schlendern über die Pont de Recouvrance. Der Tour Tanguy an dieser Brücke beherbergt Dioramen von Brest und Recouvrance. Als wir vor dem Turm stehen, stellen wir fest, dass er noch eine halbe Stunde geöffnet hat. Wir nutzen die Zeit und machen einen Schnelldurchgang durch Stadtszenen aus der Geschichte der Stadt Brest. Die Szenen sind alle mit einem Augenzwinkern dargestellt.

Diese Bronzestatue in La Revouvrance ehrt die einfachen Leute aus La Recouvrance, die im Marinestützpunkt ihr Auskommen fanden. Sie werden auch in einigen Seemannsliedern besungen. Zwei dieser "Besungenen" dienten als Vorlage für diese Statue.
Diese Bronzestatue in La Revouvrance ehrt die einfachen Leute aus La Recouvrance, die im Marinestützpunkt ihr Auskommen fanden. Sie werden auch in einigen Seemannsliedern besungen. Zwei dieser „Besungenen“ dienten als Vorlage für diese Statue.

Zum Abendessen wollen wir eigentlich in das irische Pub ‚Tara Inn’ in der Nähe unserer Unterkunft, aber dort bekommen wir nur Getränke – besser als nichts. Man verweist uns zum Speisen weiter in das „Les Quatre Vents Brest“ an der nächsten Straßenecke. Dort werden wir  kulinarisch nicht enttäuscht. Danach fallen wir müde in die Betten.

Neun von zehn Waldbränden werden durch menschliches Fehlverhalten verursacht, häufig durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen. Darauf will dieses Plakat aufmerksam machen
Neun von zehn Waldbränden werden durch menschliches Fehlverhalten verursacht, häufig durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen. Darauf will dieses Plakat aufmerksam machen