Das grüne Kalifornien

Vier Truthahngeier auf einem Ast im Nebel
Truthahngeier
Kater Luis begrüßt uns morgens
Kater Luis begrüßt uns morgens

Der Tag beginnt mit Nebel. In einem der großen Bäume nahe unserer Unterkunft sitzen vier Truthahngeier auf einem Ast und frieren vermutlich. Auch wir trauen uns kaum aus dem Bett. Waschen fällt aus. Es ist zu kalt! Erstmal müssen wir unsere Hütte einheizen.

Zwei alte Futtersilos auf einer Weide
Alte Futtersilos
Das alte Schulhaus in Pozo kann heute für Veranstaltungen gemietet werden.
Das alte Schulhaus in Pozo kann heute für Veranstaltungen gemietet werden.

Wir kennen Kalifornien eigentlich nur als trockenes Land mit verbrannten Hügeln. Wir waren zwar einmal im Winter hier und das letzte Mal im April, aber selbst damals war es sehr trocken. Deshalb ist der aktuelle Status für uns ein starker Kontrast. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg ins Hinterland und fahren die Straße Richtung Pozo, um dort irgendwo ein wenig zu wandern.

Weißer Salbei
An der Straße wachsen beeindruckende Büsche von weißem Salbei, der unter Naturschutz steht. Trotzdem schnuppern wir an den Blättern. Im Gegensatz zum Salbei in unserem Garten riecht dieser im Winter offensichtlich nach nichts.
Erdhörnchen in einem Baum
Erdhörnchen

Leider gibt es hier keine freien Wege in die grünen Hügel. Es ist alles Privatgelände und bei der komischen Einstellung vieler Amerikaner zu Waffen sollte man lieber nicht über fremdes Gelände gehen. Deshalb parken wir an der Straße und laufen an der Straße weiter. An der Straße liegt auch das alte Schulhaus von der Gemeinde Pozo, das renoviert wurde und nun als Veranstaltungsort gemietet werden kann. Es ist leicht schwül, neben der Straßen plätschern kleine Wasserläufe. Erdhörnchen balgen sich und sammeln Nistmaterial.

Rehe am Fluss
Rehe am Fluss
Wasser im Huer Huero Fluss
Der Fluss ist gut gefüllt

Auf dem Rückweg treffen wir direkt am Fluss einige Rehe. Auch auf dem Grundstück treffen wir später noch auf Rehe.

Die Flaschen werden entkorkt. Das Destilliergefäß wartet schon.
Die Flaschen werden entkorkt. Das Destilliergefäß wartet schon.
Klaus kostet Rotwein
Schmeckt der noch?

Zu Hause wartet eine Aufgabe auf uns: Eine Winzerei hat überlagerten (!) Wein aussortiert. Die Flaschen sind nicht etikettiert. Wir sollen nun alle Flaschen dieses ‚Mystery Wine‘ öffnen und verkosten. Flaschen, deren Inhalt noch gut genießbar ist, sollen aussortiert werden. Alle anderen werden in ein Destilliergefäß umgefüllt. Daraus brennen wir gemeinsam Branntwein. Ein Gasbrenner erhitzt das Ganze. Alle Ritzen werden mit einem Mehl-Wasser-Gemisch abgedichtet. Das dünne Rohr, in das der Dampf steigt, wird in einem Wassergefäß in einer Spirale abgekühlt.  Alles Kondesat unterhalb einer bestimmten Temperatur läuft in ein extra Glas und muss weggeschüttet werden. Wir schnuppern mal vorsichtig: riecht wie Nagellackentferner – brrr, das ist das Zeug von dem man blind wird! Erst als die Temperatur stimmt, kommt die alte Rumflasche zum Einsatz.

Ob der kleine Rest in der Rumflasche später noch im Grappa zu schmecken sein wird?
Ob der kleine Rest in der Rumflasche später noch im Grappa zu schmecken sein wird?

Den späten Nachmittag verbringen wir mit einem BBQ auf der Hausauffahrt in der Sonne, während der Branntwein in die alte Rumflasche tropft. Stephen meint absoluter Hill Billy Style.

Später verkosten wir auch noch den Branntwein, aber nur 1:1 mit Wasser verdünnt. Er wäre sonst zu stark. Das schmeckt schon besser, aber jetzt kommen noch Eichenholzstäbchen hinzu, die speziell für diesen Zweck in Frankreich geräuchert werden.

Reisetag Las Cruces nach Creston

Wir stehen rechtzeitig auf, da wir noch nicht eingecheckt haben und spätestens 1,5 Stunden vor Abflug am Schalter sein wollen. Vom Abend zuvor sind noch soviel leckere Sachen da, dass wir ein Luxusfrühstück haben und uns auch einige belegte Bruder für den heutigen Reisetag machen.

Grüne Felder
Grüne Felder

Nun heißt es Abschied von Romir und den Hunden zu nehmen. Drei Hunde merken es ja genau, wenn es wirklich ein längerer Abschied ist. Sanjay bringt uns zum Flughafen. Der Verkehr ist kein Problem und auch am Check In läuft alles unproblematisch. Nur die Bordkarten für den zweiten Teil des Fluges nach San Luis Obispo können wir nicht bekommen. Wir werden auf Phoenix vertröstet.

Große Solarfarmen westlich von Phoenix
Große Solarfarmen westlich von Phoenix

In Phoenix haben wir etwas Aufenthalt und können am Flughafen wieder einige Kakteensamen erstehen. Das haben wir in der Vergangenheit schon einmal gemacht und die Saguaros wachsen seitdem in einer Schale auf dem Fensterbrett in Laatzen heran.

In den Rocky Mountains sehen wir etwas Schnee liegen
In den Rocky Mountains sehen wir etwas Schnee liegen

Beim Anflug auf San Luis Obispo können wir sehen, dass alles grün ist. Kalifornien hat diesen Winter wieder reichlich Regen abbekommen. So grün haben wir es noch nicht erlebt. Vermutlich wird es demnächst aber schnell trocken.

Den Huer Huero müssen wir zweimal queren.
Den Huer Huero müssen wir zweimal queren.

Elisabeth und Stephen holen uns am Flughafen ab. Wir bekommen ein kostenloses Upgrade auf das Mietauto und aus dem bestellten Ford Fiesta wird ein Mazda-SUV. Ganz praktisch, da reichlich Wasser im Huer Huero ist und wir dort häufiger durch müssen.

Unser Zuhause für die kommende Woche: die renovierte Sattelkammer, ein altes Mobile Home, das im Sturm von einer umgestürzten Eiche getroffen wurde
Unser Zuhause für die kommende Woche: die renovierte Sattelkammer, ein altes Mobile Home, das im Sturm von einer umgestürzten Eiche getroffen wurde

Wanderung in der Wüste

Dieser hübsche rote Vogel ist unser erster Gast
Dieser hübsche rote Vogel ist unser erster Gast

Als erstes stellen wir heute so früh wie möglich wieder die GoPro nach draußen, streuen eine Handvoll Müsli davor und erweitern das Menü um ein Schälchen Waser. Nun wird unser kleines Restaurant zur In-Location und wir kommen vor lauter Filmen und Fotografieren kaum zum Frühstücken. Auch eine größere Gruppe an Helmwachteln stellt sich ein und bleibt der Einfachheit halber gleich dort.

Sperling und im Hintergrund Helmwachteln
Sperling und im Hintergrund Helmwachteln

Sharbani soll heute Morgen zum Flughafen gebracht werden und wir wollen Downtown in einen Park am Rio Grande. Dort soll es viele verschiedene Vögel geben.

Carolinataube auch Trauertaube genannt (englisch: Mourning dove)
Carolinataube auch Trauertaube genannt (englisch: Mourning dove)

Aber wo ist der Autoschlüssel für den Hyundai? Wir sollen eigentlich dieses Auto nehmen. Der Hyundai wurde gestern morgen noch für einige Besorgungen bewegt und der Schlüssel hängt nicht am Schlüsselbrett. Die Sucherei führt zu keinem Erfolg und der späteste Zeitpunkt für den Start zum Flughafen von El Paso kommt näher.

Im Vorgarten brüten die Carolinatauben in einem Chollabusch
Im Vorgarten brüten die Carolinatauben in einem Chollabusch

Wir schicken die beiden auf die Reise und ändern unsere Pläne. Ganz in der Nähe des Hauses beginnt die Wüstenebene vor den Organ Mountains mit einigen Dirt Roads auf denen wir eine große Wanderrunde durch die Gegend machen.

Im Vorgarten brüten die Carolinatauben in einem Chollabusch
Im Vorgarten brüten die Carolinatauben in einem Chollabusch

Für das Abendbrot, zu dem wir Besuch von der aus Deutschland stammenden Christina erwarteb, müssen wir noch etwas einkaufen. Wir haben vor das Abendbrot eher Deutsch zu gestalten. Also mit frischem Brot, Wurst, Käse und Schinken.

Sanjay ist mit dem anderen Auto wieder zurück und wir wollen uns auf den Weg machen, da findet Petra den Autoschlüssel des Hyundai. Er lag im anderen Auto auf der Beifahrerseite. Tja, da hatte keiner geschaut, da keiner damit gerechnet hatte, dass der Schlüssel diesen Weg nimmt. Alle sind erleichtert und happy.

Unser Spaziergang führt durch diverse ausgetrocknete Flussbetten
Unser Spaziergang führt durch diverse ausgetrocknete Flussbetten

Wir hatten morgens bereits Brot zum Backen vorbereitet und bereiten nun das Abendbrot vor, das nun eine Mischung aus Italien und Deutschland wird. Christina ist mit ihrer Familie nun schon etliche Jahrzehnte in New Mexico. Sie hat aber die Zeit des Mauerfalles als Bewohnerin von Kreuzberg hautnah erlebt. So dreht sich das Gespräch von uns um diese Zeit. Sanjay und Romir lauschen gespannt, da für sie diese Zeit und auch die Ereignisse weit weg waren, bzw. Romir noch nicht geboren war.

Wir packen bereits unsere Sachen und schauen danach noch „The State of the Union Speech“ von Joe Biden. Es entspinnt sich eine intensive Diskussion um das politische Weltgeschehen. Am Ende kommen wir zu der Überzeugung, dass wir an diesem Abend keine Lösung für alle Probleme finden werden.

Organ Mountains

Haus in der Wüste
Neubau an der Soledad Canyon Road

In den Organ Mountains östlich von Las Cruces gibt es viele Wandertouren. Heute fahren wir zum Bar Canyon Trail. Dazu fahren wir die Soledad Canyon Road ganz bis zum Ende. Hier sind viele Neubauten entstanden. In Kalifornien sind die Immobilienpreise so hoch, dass Menschen ihre kleinen Häuser dort für eine Dreiviertel Millionen Dollar verkaufen und sich dafür in New Mexiko, wo das Bauland günstiger ist, eine große Villa bauen. Wo wohl das Wasser hier in der Wüste für all die Menschen herkommen soll?

Defektes Windrad am Beginn des Bar Canyon Trail
Defektes Windrad am Beginn des Bar Canyon Trail
Ohne Windrad sind auch die Wasserspeicher am Wanderweg leer
Ohne Windrad sind auch die Wasserspeicher am Wanderweg leer

Auf dem Parkplatz lassen wir das Auto zurück und folgen der Wegmarkierung. Einige Leute kommen hierher, um mit ihren Hunden spazieren zu gehen, andere kommen zum Wandern. Hier oben ist es sehr ruhig und wir haben sehr viel Glück mit dem Wetter, da es heute nicht so warm ist. Am Weg finden wir wieder viele blühende Wüstenpflanzen. Tiere sehen wir hier keine, nur einige Losung von Rehen oder Oryxantilopen.

Nachmittags fahren wir zu den Hot Springs in Truth or Consequences. Dort quillt heißes Wasser aus der Erde und fließt in den Rio Grande. Es gibt dort Badeanstalten mit Hot Pots direkt am Ufer. Alles sehr entspannend.

Unsere Badekabine in Truth or Consequences
Unsere Badekabine in Truth or Consequences

Nach dieser Entspannung fahren wir wieder nach Las Cruces, da Sharbani für ihre bevorstehende Reise packen muss.

Museum und Mesilla

Chuckwalla im Naturkundemuseum Las Cruces
Chuckwalla im Naturkundemuseum Las Cruces

Vormittags besuchen wir in den Las Cruces Museums die Ausstellung von fünf Künstlerinnen aus der Gegend. Sharbani ist eine von ihnen und hat drei Werke dort ausgestellt. Nebenan ist auch noch das Naturkundemuseum. Wir sind neugierig, was es dort zu sehen gibt und starten dem Museum noch einen kurzen Besuch ab.

Dornrand-Weichschildkröte im Naturkundemuseum Las Cruces
Dornrand-Weichschildkröte im Naturkundemuseum Las Cruces

Zum Lunch fahren wir zu Andele`s Dog House. Es ist der Gartenableger eines Guten Restaurants. Es ist sehr nett dort und wir haben Spaß mit einem Jungen, der sich offensichtlich für diese komisch sprechenden Leute interessiert. Die Fisch Takkos, die wir bekommen, schmecken auch sehr gut und diesmal haben wir gelernt, dass wir uns einen Teller für zwei Personen bestellt haben. Nun stimmt auch die Menge.

Gophernatter im Naturkundemuseum Las Cruces
Gophernatter im Naturkundemuseum Las Cruces

Danach bummeln noch ein wenig im historischen Stadtviertel von Mesilla. Klar, die Shops sind teilweise sehr touristisch ausgerichtet, aber manchmal ist es auch lustig, sich den Kram anzuschauen. Zurück im Haus treffen wir Romir. Auch die Hundebande hat sich erweitert und wir werden stürmisch begrüßt.

Vogelspinne im Naturkundemuseum Las Cruces
Vogelspinne im Naturkundemuseum Las Cruces. Sie ernähren sich u.a. von Kakerlaken und Mücken, sind also nützliche Tierchen

Nach so viel Tieren im Museum packen wir unsere GoPro aus und setzen sie im Busch vor dem Küchenfenster vor eine kleine Schale mit Müsli. Schneller als erwartet haben wir Kundschaft. Zwei kleine Kaninchen mit großen Ohren stellen sich ein. Während das erste frisst, wartet das zweite Kaninchen geduldig daneben. Dann ist es auch an der Reihe. Wir sind überrascht. Mit den beiden hatten wir nicht gerechnet. Wir hatten eher auf Helmwachteln spekuliert, die wir hier schon öfter gesehen haben.

Audubon Baumwollschwanzkaninchen
Audubon Baumwollschwanzkaninchen

Für das Dinner hat Romir ein nettes Restaurant, das „Double Eagle“, in Mesilla ausgesucht. Dort erfahren wir auch noch einiges über die Geistergeschichte des Hauses. Das Haus gehörte früher einer Eisenbahnbesitzer Familie. Als der Sohn des Hauses eine Affäre mit einer Angestellten hat und dabei von seinen Eltern erwischt wird, werden er und seine Geliebte von diesen mit einer Schere ermordet. Seit dem soll ein Geist in dem Gebäude umgehen. Es gibt sogar ein verwaschenes Foto.