Gestern kam nun auch das Programm unserer Reise. Das erhöht auf jeden Fall die Vorfreude. Natürlich ist der obligatorische Empfang beim Buergermeister wieder dabei. Ich freue mich da schon auf den ‚Lady’s Powder Room‘.
Darüber hinaus werden wir ein neues Museum in Bristol besuchen, eine Cider Farm und einen Vergnügungspark. Besonders witzig fand ich, dass für jedes Event der Dress Code angegeben ist: Von Smart Casual für den Empfang beim Bürgermeister über Casual für den Besuch der Farm bis hin zu ‚Self made Toga‘ für die besagte Party. Da kann nichts schief gehen, nicht so wie bei der Einschulung, die wir vor ein paar Tagen miterleben durften, auf der einige Mütter im Strandkleidchen erschienen sind.
Untergebracht sind wir bei denselben Gastgebern wie beim letzten Mal. Wir freuen uns auf das Wiedersehen.
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Was ist bloß eine Toga-Party?
Demnächst steigen wir mal wieder in den Flieger. Es geht für ein verlängertes Wochenende nach Bristol. Dies ist nicht unser erster Besuch dort. Hannover und Bristol sind durch eine Städtepartnerschaft verbunden und so hatten wir schon öfter die Gelegenheit, diese schöne Stadt zu besuchen. Untergebracht sind wir diesmal, wie auch die letzten Male, privat. Wir haben also schon eine kleine Selbstdarstellung geschrieben, damit man vor Ort die passenden Gastgeber für uns aussuchen kann. Wir lassen uns überraschen.

Genauso gespannt sind wir auf das Programm. Bislang ist nur durchgesickert, dass wir den ersten Abend Essen gehen werden und am zweiten Abend zu einer Toga-Party eingeladen sind. Daraufhin setzte in unserer kleinen Reisegruppe eine hektische E-Mail Konversation ein, was das um Himmels willen ist und wie wir uns kleiden werden. Bislang habe ich gelernt, dass die Toga-Party aus Studentensitten in den USA stammt und dass man sich vorzugsweise in Bettlaken kleidet. Ich habe beschlossen, davon etwas abzuweichen und einen meiner Saris aus Indien wieder zu Ehren kommen zu lassen – das römische Reich war schließlich groß und hatte bestimmt auch Besucher aus anderen Reichen 😉
Andere haben sich mittlerweile entsprechende Karnevalskostüme im Internet bestellt. Der Organisator versucht noch immer, einheitliche Lorbeerkränze für alle zu kaufen und einige hadern immer noch mit der Idee sich zu verkleiden. Es bleibt also spannend.
Coventry
Nach einer langen Spielenacht zu Sylvester mit Sekt und Feuerwerk im Fernsehen um Mitternacht, schlafen wir erst einmal aus und verpassen wunderschönen Sonnenschein. Das Frühstück wird einfach durch das Mittagessen ersetzt und wir lernen noch Yorkshire-Pudding kennen. Zum Nachtisch gibt es Christmas Pudding mit Vanilleeis und Sahne. Dann müssen wir aber auch schon packen.

Die Fahrt nach Stansted variieren wir mit einem Umweg über Coventry. Die Stadt ist im 2. Weltkrieg stark zerstört worden und Klaus erinnert sich aus der Schulzeit noch an das Glasfenster der neu erbauten Kathedrale, das ihn damals tief beeindruckt hat. Also müssen wir dort hin, um die Erinnerungen aufzufrischen.
Von Nottingham geht es diesmal über die Autobahn. Der Himmel hat sich inzwischen teilweise bewölkt und es fallen vereinzelt Schneeflocken.

In Coventry folgen wir einfach nur der Ausschilderung zur Kathedrale. Einen Stadtplan haben wir nicht, aber das ist kein Problem. Der Parkplatz ist zwischen Betonhochstraßen und Sportzentrum eingezwängt. Auf dem Weg zur Kathedrale passieren wir den Busbahnhof und die Universität. Alles ist sehr dicht beeinander und wirkt sehr zerrissen. Dass wir an der Kathedrale entlang gehen, merken wir auch erst, als uns ein Schild darauf hinweist.
Wir haben Glück und werden gerade noch hineingelassen. In 10 Minuten wollen sie die Kathedrale schließen, dabei sollte sie doch laut Schildern und Reiseführer bis 17 Uhr auf haben. Wie versprechen, uns zu beeilen und schlüpfen noch hinein, nachdem wir eine angemessene Spende in die Truhe geworfen haben.

Die Kathedrale ist sehr groß, sehr modern, viel Beton, große Glasfenster, zarte Säulen, die ein wabenartiges Dach tragen. Von der Kirche aus geht der Blick auf den Chor der zerstörten mittelalterlichen Kathedrale. Als Deutsche fühlen wir uns doch manchmal etwas merkwürdig und freuen uns, eine kleine Friedensglocke zu entdecken, die unser Bundespräsident vorbei gebracht hat oder eine Skulptur, die die Aktion Sühnezeichen beigetragen hat.

Wieder draußen, machen wir noch einen kleinen Spaziergang um die Ruinen der alten Kathedrale und erfreuen uns an zwei Einhörnchen, die davor Kriegen spielen. Dann geht es zurück zum Auto und zurück auf die Autobahn Richtung Osten. An einer Raststätte tanken wir uns und das Auto wieder auf und erreichen gegen 18:30 Uhr Stansted. Nach der Sicherheitskontrolle statten wir noch dem Whiskeyladen einen Besuch ab und kehren beladen mit zwei Flaschen Whiskey, etlichen neuen Büchern, drei Gläsern Lemon curd und dem sonstigen Gepäck gegen Mitternacht wohlbehalten nach Hause zurück.
The Peak District
Heute schaut das Wetter schon besser aus: Der Himmel hat deutlich mehr Struktur als gestern, gelegentlich scheint sogar etwas Blau hindurch. Nach einem guten englischen Frühstück starten wir zu einem Ausflug in den Peak District. Die Straße führt zu Beginn durch die übliche englische Landschaft. Ab Matlock wird die Landschaft interessanter, Bäume stehen auf hohen Kliffs und es wird bergiger.

In Bakewell parken wir die Autos am Landwirtschaftszentrum und laufen am Fluss entlang. Dort haben sich neben Schwänen, Stockenten, Blässhühnern, Teichhühnern auch Reiherenten und Kanadagänse versammelt und lassen sich füttern.
Im örtlichen Besucherzentrum kaufen wir eine kleine Wanderkarte und suchen uns eine geeignete Strecke aus. Zu Beginn geht es die Straße entlang, hinter der Kirche biegen wir in eine Nebenstraße ab, dann wird es ein Fußweg, an dessen Ende wir über eine Mauer mit einem Durchstieg klettern und den Spuren über eine Wiese folgen. Gelegentlich ist Eis auf den Weiden und es ist glatt. Wir begegnen Schafen, Pferden und Kühen.

Zwischen den Weiden sind Steinmauern und wir müssen jedes Mal darüber hinweg klettern. Nur die Pferde sind an uns interessiert. Sie fordern Wegezoll in Form von Streicheleinheiten.
In Ashford in the Water kehren wir im örtlichen Tea Shop ein und wärmen uns bei Tee, Kaffee und viel zu süßer Torte wieder auf. Von dort aus führt der Weg den Fluss entlang nach Bakewell zurück. Als wir dort ankommen, ist es bereits dunkel. Unterwegs gibt es noch nasse Füße an einem Bach, der sich über eine Wiese ergießt und wir treffen drei Lamas, die an uns nicht weiter interessiert sind.
Nottingham
Das Wetter ist heute nicht für Ausflüge gemacht: Es nieselt und ist nasskalt. Trotzdem machen wir uns gegen Mittag mit dem Bus auf den Weg in die Innenstadt. Im Fahrgastfernsehen macht die örtliche Nahverkehrsgesellschaft Werbung für Ihre Bemühungen um umweltfreundliche Antriebssysteme.

Die Innenstadt ist nicht besonders aufregend. Sie besteht aus alten und neuen Gebäude. Die Fußgängerzone ist mit blauen Lichterketten illuminiert. Bei Sonnenschein sieht sicher alles viel freundlicher aus. Von einem Einkaufszentrum aus gibt es einen Eingang zu Höhlen in den Sandsteinformationen unterhalb der Stadt. Wir erhalten Bauhelme und machen uns mit Audioguide bewaffnet auf den Weg in den Untergrund. Hier lebten Jahrhundertelang die ärmeren Leute, aber es gab hier auch Gerbereien, Lokale und im 2. Weltkrieg Schutzräume für die Bevölkerung. Neben dem Sandstein finden sich dort alte Backsteinfundamente ehemaliger Gebäude und die Betonfundamente des Einkaufszentrums.