Kategoriearchiv: Europa

Einlaufen nach Brest

Camaret sur Mer liegt nicht weit entfernt vor Brest, so haben wir viel Zeit ein ausgiebiges Frühstück zu bereiten, außerdem gilt es noch möglichst viele angefangene Lebensmittelpackungen aufzubrauchen.

Danach legen wir ab, denn für den weiteren Tag ist eine gewisse Gewitterneigung vorher gesagt. Allerdings nehmen wir für das kurze Stück nach Brest nur den Motor.

Festung vor Brest
Festung vor Brest
Festung vor Brest
Festung vor Brest

Der Kanal vor Brest ist gespickt mit Verteidigungsstellen. Die Vergangenheit von Brest bis einschließlich des zweiten Weltkriegs war sehr kriegerisch und Brest hat kräftig darunter leiden müssen. Hinter der Enge öffnet sich wieder eine riesige Bucht. Auch heute gibt es in Brest einen großen Marinestützpunkt. Wir machen direkt daneben in der Marina du Château innen an der Mole fest.

Nun geht es nach einem kurzen Mittagssnack an das große Reinemachen unter Deck. Es ist doch erstaunlich wieviel Dreck über 14 Tage an Bord getragen wird.

Nachdem wir fertig sind, stößt auch Petra, die mittlerweile ebenfalls in Brest angekommen ist, zu uns. Ich habe bereits alle meine Sachen gepackt und werde bereits in die Ferienwohnung umziehen, die wir gebucht haben.

Das Abschlussessen
Das Abschlussessen

Am Abend hat die Crew einen Tisch in einem guten Restaurant für das Abschlußessen reserviert. Wir verlassen alle das Restaurant mit einem kugelrunden Bauch.

Für mich haben sich meine Erwartungen an diese Tour mehr als erfüllt und ich habe viel über das Langstreckensegeln gelernt. Es war richtig diese erste Erfahrung in dieser Form zu machen. Dazu beigetragen hat auch, dass wir eine tolle Gemeinschaft an Bord waren.

Mit der Bahn nach Paris

1983 bin ich zum ersten Mal mit der Bahn nach Paris gefahren. Die Eltern meiner Brieffreundin in Moulins sur Alliers hatten mich eingeladen, in den Sommerferien drei Wochen bei ihnen zu verbringen. Da ich nicht wagte zu erwarten, dass sie meine Wäsche mit waschen würden, packte ich entsprechend viel Kleidung ein. Glücklicherweise konnte man damals noch sein Gepäck im Bahnhof aufgeben und am Bestimmungsort wieder in Empfang nehmen. Mit dem durchgehenden Nachtzug, einem D-Zug aus Warschau (oder war es Moskau?) ging es nach Paris Gare du Nord. Von dort fuhr ich mit dem Bus zum Gare de Lyon und ging erstmal Frückstücken. Von dort ging es mit dem TGV weiter nach Süden. Diese Verbindung nach Paris habe ich danach noch mehrere Male genutzt.

Trockene Bäume bei Frankfurt
Trockene Bäume bei Frankfurt

Heutzutage gibt es weder durchgehende Züge, geschweige denn Nachtzüge nach Paris. Stattdessen führt meine Route etwas weiter südlich mit dem ECE der Schweizer Bundesbahn Richtung Basel erst einmal bis Mannheim. Schön ist, dass man hier zu ebener Erde in den Zug einsteigen kann. Schön ist auch, dass mir die Bahn für einen kleinen zweistelligen Betrag ein Upgrade auf ein 1. Klasse Ticket angeboten hat, was ich dankend angenommen habe.

Neckarkanal bei Mannheim
Neckarkanal bei Mannheim

Nödlich von Kassel passieren wir einen kleinen Stausee mit recht niedrigem Wasserstand. Im Raum Frankfurt ist das Laub auf vielen Bäumen vertrocknet. Es sieht hier eher aus wie im Oktober. Unterwegs bleibt der Zug eine Weile stehen – ein Brandmelder hat ausgelöst – glücklicherweise nur ein Fehlalarm. Wir kommen also mit etwas 20 Minuten Verspätung in Mannheim an. Zur Ehrenrettung der Deutschen Bahn muss ichjetzt noch einmal betonen: Es war kein Fehler der Deutschen Bahn sondern ein Fehler an einem Zug der Schweizer Bundesbahn! Das gibt’s also auch 🙂

Der TGV fährt ein
Der TGV fährt ein

Glücklicherweise habe ich in Mannheim 45 Minuten Zeit für meinen Umstieg. Davon ist zwar nur etwa die Hälfte übrig, aber es reicht aus, um meine Teetasse wieder zu füllen bevor auf Gleis 1 der TGV (train à grande vitesse) nach Paris Gare de l’Est einfährt. Auch hier ist der Einstieg zu ebener Erde. Es ist ein zweistöckiger Zug und ich habe meinen Sitzplatz oben und muss meinen Koffer die enge Treppe hochschleppen. Das mit der Gepäckaufgabe damals war doch komfortabler. Schon bei der Buchung der Tickets war ich über den neuen Namen TGV inOui gestolpert. Wikipedia verrät mir, dass es nun zwei TGV Marken gibt: inOui soll die höherwertige sein. Daneben gibt es noch Ouigo als niederpreisige Marke. Höherwertig hin oder her: der Zug wirkt auf mich relativ schlank und so passt mein Koffer aufrecht nicht in die mittlere Gepäckablage, längs würde er anderen den Platz wegnehmen, quer ragt er in den Gang. Ich muss ihn also in die große Gepäckablage am Eingang verlagern, wo ich ihn natürlich nicht mehr so gut im Blick habe.

Agrarsteppe in Frankreich
Agrarsteppe in Frankreich

Die weitere Route geht über Kaiserslautern und Saarbrücken. Falls ich hier schon mal war, dann war das wahrscheinlich 2012 mit einem Nachtzug. Es geht durch die düstere Pfalz. Jedenfalls komt sie mir mit den engen Tälern und mit dem immerhin grünen Wald so vor. An der Grenze zu Frankreich laufen zwei Polizisten durch den Zug. Wahrscheinlich sind sie in Saarbrücken zugestiegen und steigen an einem kurzen Zwischenhalt wohl wieder aus. Die Landschaft wird dann weit mit vielen großen Feldern und einem weiten Himmel. Zwischendurch stehen weiße Busse auf den Feldwegen. Vermutlich sind die für Landarbeiter.

In den Gängen der Metro
In den Gängen der Metro

Kurz vor Paris kommt die Durchsage, dass man nun Metrokarten im Bordbistro kaufen könne. Niemand springt auf und eilt dorthin. Es sind wahrscheinlich alle versorgt. Mich erinnert es daran, dass ich mir auf dem Handy die Karte kaufen wollte. Ich hatte mir die App „SNCF Connect“ dafür installiert und hatte mir gestern Abend auch vorsichtshalber einen Benutzerkonto dafür eingerichtet. Die Metroverbindung zum Gare de Montparnasse zeigt mir die App auch an, aber für die Tickets leitet sie mich auf eine Webseite weiter. Die wiedrum kann mit meinem Benutzerkonto nichts anfangen und schlägt vor, mir die „Île de France mobilité“ App zu installieren. Da ich noch schön im WLAN bin, mache ich das und glaube, dass nun alles perfekt vorbereitet sei. Kaufen will ich das Ticket noch nicht, weil ich nicht weiß, ob das Ticket eine zeitliche Beschränkung hat.

Der Gare de l’Est ist hell und freundlich – so ganz anders als ich den Gare du Nord gleich nebenan in Erinnerung habe – irgendwo spielt leise Musik. Viele Menschen sitzen in Cafés. Ich folge der Ausschilderung zur Metro. Am Eingang bleibe ich stehen, um nun mein Ticket zu kaufen. Mir reicht ein einfaches Ticket. Mehr brauche ich heute nicht. Leider gibt das die App nicht her. Ich muss mich also in die Schlange an den Ticketautomaten einreihen. Ich erhalte eine wiederaufladbare Karte für 2 € und ein Ticket für 2,55€. Um die Metro betreten zu können muss ich das Ticket auf die Schranke halten. So erinnere ich das auch aus der Vergangenheit. In den weitläufigen Gängen der Metro muss ich meinen Koffer ein paar Treppen hinab schleppen. Warum gibt es hier keine Rolltreppen? Das fragen sich anscheinend auch ein paar deutsche Touristen hinter mir, die gerade diskutieren, wie hier wohl jemand mit Gehbehinderung oder Kinderwagen zurecht käme – Gute Frage! Am Ausstieg Montparnasse Bienvenue schleppe ich den Koffer die Treppen wieder hinauf. Für das letzte Stück gibt es zwar eine Rolltreppe, aber die ist defekt 🙁

Blick aus meinem Hotelzimmer
Blick aus meinem Hotelzimmer

Hier in Paris will ich nun in einem Hotel am Gare du Montparnasse die Nacht verbringen. Über Google Maps hatte ich mir Anfang Juli das Hotel ausgesucht. Es liegt sehr dicht am Bahnhof. Die Bewertungen waren ok und sie hatten ein günstiges Sonderangebot. Für eine Nacht habe ich keine besonderen Ansprüche an mein Zimmer. Gebucht hatte ich das Hotel dann über die Webseite des Hotels, das war am Günstigsten. Wenige Tage später erhielt ich um 23 Uhr eine WhatsApp Nachricht, mit meinem Namen und meinen Buchungsdaten und der Aufforderung innerhalb einer Stunde meine Bankdaten einzugeben, sonst würde meine Buchung storniert. „Ihr mich auch“ dachte ich. Schließlich triezt mich mein Arbeitgeber regelmäßig mit IT Sicherheitstrainings. Unbekannte Nummer, ungewöhnliche Uhrzeit, die Erzeugung von Zeitdruck und die Aufforderung vertrauliche Daten preiszugeben das erfüllt alle Kriterien eines Phishing Versuchs. Also habe ich die Nummer gesperrt und die Nachricht gelöscht. Beschäftigt hat mich das trotzdem. Als dann vor ein paar Tagen noch eine E-Mail kam mit einer freundlichen Begrüßung und der Aufforderung einen Link anzuklicken, damit sie mir meinen Aufenthalt gut vorbereiten können, habe ich mich mit der Sache noch einmal intensiver beschäftigt. Bei Mimikama auf der Webseite fand ich dann einen Hinweis, dass es zur Zeit einen umfassenden Scam gibt, der sich Hotelgäste in Paris als Ziel ausgesucht hat. Die KI lasse ich dann noch die Angaben zum Hotel bei Google Maps prüfen. Ist alles ok, sagt die KI. Vorsichtshalber schaute ich mich noch nach weiteren Hotels in der Nähe um. Danach war ich etwas beruhigter.

Zugang zum Bahnsteig am Gare de Montparnasse
Zugang zum Bahnsteig am Gare de Montparnasse

Aber nun ist die spannende Frage, ob wirklich alles ok ist. Es ist warm und ich habe wirklich keine Lust, mit dem Gepäck noch lange umher zu laufen. Das Hotel wirkt nett und freundlich. Offensichtlich ist vor nicht allzu langer Zeit mal renoviert worden. Meine Reservierung ist vorhanden, der Preis stimmt auch. Positiv gestimmt, buche ich nun auch das Frühstück hinzu und bezahle aber doch lieber in bar. Dann erzähle ich dem Hotelangestellten von der WhatsApp Nachricht. Er erzählt mir, dass Anfang Juli das Buchungssystem gehackt wurde, was von vielen Pariser Hotels genutzt wird – nun ja. Mein Zimmer liegt im 5. Stock und hat Klimaanlage. Glücklicherweise gibt es einen funktionierenden Aufzug. Das Zimmer ist klein, ordentlich und praktisch eingerichtet. Die Fenster lassen sich glücklicherweise weit öffnen. Da das Zimmer auf den Innenhof hinausgeht, ist es auch einigermaßen ruhig. Hier fühle ich mich wohl.

Der Name ist mein Programm
Der Name ist mein Programm

Nach einer Pause und einer Tasse Tee mache ich mich auf den Weg, um mir den Gare de Montparnasse anzusehen. Auch dieser ist freundlich und angenehm. Mich hatten jedoch zwei Dinge vorab irritiert. Die Deutsche Bahn hatte mir bei der Buchung des Tickets mitgeteilt, dass ich es als pdf ausdrucken oder herunterladen müsste. Beides habe ich gemacht. Bei der SNCF hieß es jedoch, ich müsste ein E-Ticket haben, was meinen die damit? Außerdem hieß es dort, dass die Türen zwei Minuten vor Abfahrt verschlossen werden. Nun will ich mir genauer anschauen, wie das hier läuft. Der Gare de Montparnasse ist wie alle Pariser Bahnhöfe ein Kopfbahnhof. Der Zugang zu den Bahnsteigen ist durch massive Stahltore abgesichert, Dort steht drauf, dass sie sich zwei Minuten vor Abfahrt verschließen. Ok, das wäre geklärt. Weitere Zugangsbeschränkungen kann ich erstmal nicht erkennen, also werde ich wohl mit meinem ausgedruckten Ticket einfach so einsteigen können. Danach erkunde ich noch ein wenig die Gegend und freue mich über die Abendsonne und dieses spezielle Pariser Licht.

Schönes Abendlicht in Paris
Schönes Abendlicht in Paris

Gegen meinen schon seit zwei Tagen zwickenden Bauch hilft dann ein großes belgisches Bier in der Hotelbar.

Hafentag und letzter größerer Sprung von L‘Aber-Wrac‘h nach Camaret sur Mer

Eigentlich sollte es gleich am nächsten Tag weiter gehen, aber bereits am Abend zuvor zeigte die Wettervorhersage, dass morgens eine Schlechtwetterfront mit Regen und starkem Wind über uns hinweg ziehen soll.

Sonnenschein nach Frontdurchgang
Sonnenschein nach Frontdurchgang

Als wir früh aus den Kojen kriechen und beim Frühstück sitzen, bewahrheitet sich diese Vorhersage. Auf der Ostsee könnte man nun einfach etwas Zeit abwarten und dann auslaufen. Hier ist das nicht so einfach. Wir müssen unsere Passage des Chenal Nord-Quest de Moléne zwischen Festland und Isle de Quessant so planen, dass wir mit dem Strom durch diese Enge segeln. Damit ergibt sich nur dieses morgendliche Zeitfenster, wenn wir nicht wieder in die Nacht segeln wollen.

Das Auslaufen wird auf den nächsten Tag verschoben und wir werden ab 11:00 Uhr mit schönstem Sonnenschein belohnt. Die Crew verteilt sich zu verschiedenen Aktvitäten an Land.

Ich mache mich mit einigen Anderen am Ufer entlang auf in Richtung  Küste mit ihren vorgelagerten Felsbrocken. Es öffnen sich einige Buchten mit Austern-Farmen und karibischem Feeling.

Zum Abend haben wir uns zur weiteren Entschädigung in einem Restaurant am Hafen einen Tisch reserviert.

Morgendlicher Aufbruch nach Camaret sur Mer
Morgendlicher Aufbruch nach Camaret sur Mer

Nach einer weiteren Nacht in L‘Aber-Wrac‘h geht es am nächsten Morgen weiter. Zunächst müssen wir gegen den Wind aus der Zufahrt motoren und versuchen dann, unter Segeln Richtung WSW zu kommen. Gegen den immer noch laufenden Flutstrom kommen wir in der 3m hohen Atlantikdünung aber kaum voran. Also schieben wir unter Motor weiter bis zu dem Punkt, wo wir Richtung Süd abbiegen können. Nun beginnt auch der Ebbstrom mit zu helfen.

Halber Wind und mehr als 4 Knoten Strom
Halber Wind und mehr als 4 Knoten Strom

Als wir in der Enge zwischen Festland und Isle de Quessant mit vollem Strom durchsegeln, wird uns klar, warum im Seehandbuch diese Hinweise auf Strrom mit stehen.

Neben uns gibt es etliche Strudel und an der engsten Stelle setzt ein Strom von über 4 Knoten Strom. Unsere Logge zeigt an dieser Stelle kurzzeitig 11,4 Koten über Grund.

Entspannte Crew
Entspannte Crew

Nach der Passage geht es fast vor den Wind, so dass wir eher vor dem Wind kreuzen. Der Genaker bleibt heute aber in der Segellast. Statt dessen haben wir beste Segelbedingungen und die Crew döst teilweise in der Sonne.

Segeln vor dramatischer Kulisse
Segeln vor dramatischer Kulisse

Camaret sur Mer ist heute unser Zielhafen. Wir machen an der Außenkante des Hafens fest, da die Glücksburg etwa 3 m Tiefgang hat. Am Tage bedeutet das etwas Unruhe durch die Ausflugsboote, aber Nachts haben wir unsere Ruhe. Im Ort gibt es eine Menge Galerien von örtlichen Künstlern und Künstlerinnen. Am Hafen befindet sich eine lange Straße mit vielen Bars und Restaurants.

Wir nutzen unser frühes Ankommen zu einem ersten Klarschiff an Deck. Morgen geht es unter Motor das letzte Stück nach Brest in die Marina du Château, wo wir dann die Glücksburg für die Übergabe an die nächste Crew fertig machen werden.

Back to the Mainland! Die Nachtour von Falmouth nach L‘Aber-Wrac‘h

Nach einer Nacht im Hafen geht es heute wieder auf eine Nachttour in See. Das Timing ist so, dass wir morgens auf der französischen Seite in L‘Aber-Wrac‘h ankommen wollen.

Das heißt, dass wir erst nachmittags auslaufen wollen und ein Teil der Crew nutzt die Gelegenheit, in Falmouth noch etwas zu Shoppen und mittags noch einmal ein klassisches Fish&Chips zu genießen.

Die Crew ist mittlerweile so eingespielt, dass wir für das Ablegen einmal etwas Neues ausprobieren wollen. Es ist der sogenannte Elsfleter Ableger, bei dem man in eine Achterleine auf Slip außen befestigt und dann mit Maschine voraus in diese Leine eindampft. Die Vorleine, die vorher ebenfalls auf Slip gelegt wurde, wird dann gefiert und der Bug dreht dadurch automatisch über den achterlichen Kugelfender vom Steg weg. Ein schönes Manöver, dass gut funktioniert.

Gegen die letzte auflaufende Tide motoren wir aus Falmouth heraus und setzen draußen die Segel. Der Wind steht mit Richtung West ideal und vor Black Head setzen wir Richtung französischer Küste unseren Kurs. Die ganze Zeit werden wir immer wieder von Delfinen  begleitet.

Laut Stromkarten für den englischen Kanal setzt uns der Tidenstrom etwa 4 Stunden nach Osten, dann 6 Stunden nach Westen und dann wieder 4 Stunden nach Osten und zwar mit doppelter Stärke unter der französischen Küste. Wir müssen über die gesamte Strecke von 90 Seemeilen etwa 6 Seemeilen in Richtung Westen vorhalten.

Ob das stimmt, zeigt sich erst beim Landfall am nächsten Morgen. Da der Wind noch etwas zugenommen hat, wechseln wir vor Sonnenuntergang noch auf eine kleinere Fock. Sicher ist sicher. Die Crew ist wieder im Wachenmodus und es geht in die Nacht.

Mitten in der Nacht gibt es noch etwas Aufregung, da sich meine Rettungsweste, die ich nach meinem Wachwechsel vor der Kabine abgelegt habe, von selbst ausgelöst hat. Damit wurde auch der AIS und DSC-Funk Man-Over-Board Alarm ausgelöst. Ich muss gestehen, dass ich von dieser ganzen Aktion erst beim nächsten Wachwechsel erfahren habe, da ich tief und fest in meiner Koje geschlafen habe.

Die Menge an großen Schiffen, die den Kanal befährt, hält sich in dieser Nacht in Grenzen. Nur einem Kabelleger kommen wir etwas näher und er bittet um etwas mehr Abstand. Ansonsten hatten wir mit mehr Verkehr gerechnet.

Bei Landfall am frühen Morgen zeigt sich, dass wir mit dem Ebbstrom weiter nach Westen gesetzt wurden als vermutet. Wir waren langsamer und stehen etwa 4 Seemeilen weiter westlich als geplant. Das ist aber nicht schlecht, da es besser ist zur Korrektur abzufallen, als später gegenan Motoren zu müssen.

Mit dem ersten Morgenlicht und etwas Sprühregen laufen wir nach L‘Aber-Wrac‘h ein. Nun gibt’s es erstmal Frühstück und die Crew erkundet zunächst die Sanitäranlagen.

L‘Aber-Wrac‘h ist ein kleiner Ort, der geschützt hinter den vorgelagerten Felsen liegt. Er bietet Bademöglichkeiten und eine große Segelschule, die Kurse für Kinder und Erwachsene anbietet. Daneben befindet sich noch eine Tauchbasis, die zu Tauchgängen hinter den schützenden Felsen aufbricht.

Austern, was sonst?
Austern, was sonst?
Austern und Fischsuppe
Austern und Fischsuppe

Wir lassen es uns am Tage mit französischer Lebensart gut gehen.

Auf nach Falmouth

Nach dem wir die Scilly Islands für einen Tag besucht und erkundet haben, zieht es uns doch zum Festland und einer Dusche. Das Beiboot haben wir bereits gestern Abend wieder verpackt.

Nach einem ordentlichen Frühstück geht es Anker auf und nach Verlassen der Bucht geht es bei mäßigem Wind Richtung Lands End. Wir wollen am Nachmittag Falmouth erreichen. Der Wind kommt so, dass die Yacht auch einen Genaker vertragen könnte. Einige Crew-Mitglieder haben bereits Erfahrung mit solchen Segeln und unser Skipper gibt nach einiger Zeit unserem Quengeln nach.

Wir dürfen das gute Stück aus der Segellast holen!

Nun müssen wir gemeinsam erst einmal das „tausend Teile Puzzle“ zusammen bauen, bevor das große Segel gehisst werden kann. Tja und der erste Versuch bringt zunächst eine Zwiebel hervor. Das Segel muss wieder herunter und der Törn ausgedreht werden. Danach klappt das Setzen. Bei 130 Grad Windwinkel steht der Genaker gerae nicht in der Abdeckung des Großsegels und die Geschwindigkeit erhöht sich um knapp 2 Knoten.

Wir betrachten dies natürlich auch als Ausbildungseinheit und alle sollen einmal steuern und die Lee-Schot bedienen. Beim Steuern kommt es darauf an, möglichst stabil Kurs zu halten und auf ein Einfallen der Luv-Liek mit leichtem Abfallen zu reagieren. Auf keinen Fall darf stark angeluvt werden.

An der Lee-Schot muss das Luv-Liek genau beobachtet werden. Es soll immer an der Grenze zum Einfallen gefahren werden. Also  ist es immer ein Spiel zwischen fieren bis das Luv-Liek anfängt einzufallen und dann schnell wieder dicht holen.

Ein Stück hinter Black Head wird der Genaker wieder geborgen. Bei der Größe dieses Segels ein nicht unkritisches Manöver, zumal der Wind mittlerweile auf 4 Beaufort aufgefrischt hat. Mit vereinten Kräften ziehen wir das Tuch in den Niedergang und versuchen zu vermeiden, dass es mit dem Wasser in Kontakt kommt. Es gelingt uns, das Segel trocken herein zu bekommen.

Das letzte Stück vor Falmouth müssen wir dann gegen die leicht südliche Tiedenströmung ankreuzen. Mittlerweile ist die Crew gut eingestimmt, so dass die Wenden ohne große Verluste gelingen. Am späten Nachmittag sind wir fest auf dem vorreservierten Liegeplatz in der Marina und nachdem wir aufgeklart haben, stürmen alle zur Dusche und schwärmen dann in die Stadt aus.

Abendstimmung in Falmouth
Abendstimmung in Falmouth

Für das Abendessen entführt uns ein Crew-Mitglied mit einer Gemüse Tofu Pfanne und Reis Kulinarisch nach Japan.

Morgen soll es mit eine längeren Schlag weiter auf die französische Seite gehen.