Nach einer Nacht mit erneutem Mückenterror greife ich heute morgen zum Staubsauger und lasse ein gutes halbes Dutzend davon im Schlauch verschwinden. Schon seit gestern fragen wir uns, wonach es hier eigentlich riecht. Erst dachten wir, die Nachbarn kochen Reis, aber der Geruch müsste ja irgendwann verfliegen – tut er aber nicht. Dann erscheint es uns mehr nach frisch gekochten Bohnen zu riechen. Wir nehmen von unserem Balkon aus den Industriehafen näher in Augenschein, dessen östliches Ende uns förmlich zu Füßen liegt. Eine große Halle fällt uns auf, ein Silo und ein Berg irgendwas unter freiem Himmel. Da zum Teil auch die Firmennamen erkennbar sind, hilft uns Google weiter: Siehe da ein Getreide und Futtermittellager. Das wird wahrscheinlich die Quelle des Geruchs sein.
Das wollen wir uns noch genauer ansehen und nehmen als erstes Kurs auf den Industriehafen. Wir können allerdings nur von der Straße aus durch den Zaun schauen. Näher heran lässt man uns nicht.
Unser nächstes Ziel ist heute das Hafenbecken neben dem Yachthafen. Dort liegt die „La Recouvrance“ – das Schiff der Stadt Brest. Wir hatten schon gesehen, dass man Ausflüge buchen kann. Ein Stück weiter gibt es auch noch Ausflugsdampfer. Mit den verschiedenen Routen haben wir uns schon vertraut gemacht und wollen auch hier noch Touren buchen. In einem Container am Hafen sitzt eine junge Frau und kann das glücklicherweise komplett für uns erledigen. Nun steht unser Plan für Mittwoch, Donnerstag und Freitag!
Wir schlendern weiter zum Yachthafen. Nun haben wir Zeit, uns den mal genauer anzuschauen. Wir laufen raus auf die große Mole an der noch die Glücksburg liegt. Auch hier entdecken wir mehrere Erinnerungen an bedeutende seglerische Leistungen in Form von Plaketten. Außer der Glücksburg liegt noch eine ältere IMOCA an der Mole und zwei schön gepflegte Oldtimer.
Da die Sonne heute viel Kraft hat, brauchen wir zwischendurch etwas zu trinken und laden in einem Lokal, wo wir das Nachmittagsmenü bestellen: eine Tasse Tee und ein Stück Kuchen. Der stellt sich als saftiger Schokokuchen mit Karamelsauce heraus. Das ist für uns eine ungewohnte Kombination, aber sehr lecker.
Ein weiterer Punkt auf unserem Plan ist ein Ausflug an die Küste, um bei mehr Wind aus westlichen Richtungen mal große Wellen und Brandung zu sehen. Brest liegt so geschützt, dass es hier eigentlich keine großen Wellen zu sehen gibt. Nun habe ich zwar die KorriGo-App installiert, wo ich nach Verbindungen suchen kann, aber uns fehlt die Übersicht, welche Buslinien eigentlich wohin fahren und wie oft. Also auf zum Busbahnhof neben dem Hauptbahnhof! Die Information hat glücklicherweise geöffnet und es gibt den gewünschten Übersichtsplan und auch Fahrpläne für die einzelnen Buslinien. So macht Planen mehr Spaß. Mehr Wind soll es nach der jetzigen Vorhersage am nächsten Wochenende geben.
Da es heute so schönes Wetter ist, fehlt mir noch ein Strand zu meinem Glück. Den nächsten Strand gibt es östlich vom Industriehafen, also weiter landeinwärts. Da es mehrere Kilometer Entfernung sind, nehmen wir den Bus der Ligne Bleu, die während der Urlaubssaison die typischen Touristenziele anfährt. So können wir nun den Industriehafen in seiner ganzen Größe bewundern. Am Strand steigen wir aus und genießen den Strandbummel. Viel ist nicht mehr los am Strand. Es ist schon recht spät.
Neben dem Strand liegt der Yachthafen Moulin Blanc (Weiße Mühle). Hier ist auch die Regattaszene beheimatet. Eigentlich könnten wir jetzt Abendessen vertragen, aber an so einem Yachthafen können wir nicht so einfach vorbei. Den müssen wir uns natürlich anschauen. Im Hafen landen wir dann in der gut besuchten und quirligen Bar „Tour Du Monde“ und stillen unseren Hunger mit Fish & Chips.
Im Hinterkopf hatten wir noch, dass auf dem Wetterradar Regen zu sehen war. Der soll in Kürze einsetzen, so sieht es zumindest aus auf dem Regenradar. Also halten wir uns nach dem Essen nicht länger auf und nehmen lieber Kurs auf die Bushaltestelle, wo wir den letzten Bus der Ligne Bleu erwischen. Wir kommen trocken zu Hause an und es regnet die ganze Nacht kein bisschen.