Nach einer Nacht im Hafen geht es heute wieder auf eine Nachttour in See. Das Timing ist so, dass wir morgens auf der französischen Seite in L‘Aber-Wrac‘h ankommen wollen.
Das heißt, dass wir erst nachmittags auslaufen wollen und ein Teil der Crew nutzt die Gelegenheit, in Falmouth noch etwas zu Shoppen und mittags noch einmal ein klassisches Fish&Chips zu genießen.
Die Crew ist mittlerweile so eingespielt, dass wir für das Ablegen einmal etwas Neues ausprobieren wollen. Es ist der sogenannte Elsfleter Ableger, bei dem man in eine Achterleine auf Slip außen befestigt und dann mit Maschine voraus in diese Leine eindampft. Die Vorleine, die vorher ebenfalls auf Slip gelegt wurde, wird dann gefiert und der Bug dreht dadurch automatisch über den achterlichen Kugelfender vom Steg weg. Ein schönes Manöver, dass gut funktioniert.
Gegen die letzte auflaufende Tide motoren wir aus Falmouth heraus und setzen draußen die Segel. Der Wind steht mit Richtung West ideal und vor Black Head setzen wir Richtung französischer Küste unseren Kurs. Die ganze Zeit werden wir immer wieder von Delfinen begleitet.
Laut Stromkarten für den englischen Kanal setzt uns der Tidenstrom etwa 4 Stunden nach Osten, dann 6 Stunden nach Westen und dann wieder 4 Stunden nach Osten und zwar mit doppelter Stärke unter der französischen Küste. Wir müssen über die gesamte Strecke von 90 Seemeilen etwa 6 Seemeilen in Richtung Westen vorhalten.
Ob das stimmt, zeigt sich erst beim Landfall am nächsten Morgen. Da der Wind noch etwas zugenommen hat, wechseln wir vor Sonnenuntergang noch auf eine kleinere Fock. Sicher ist sicher. Die Crew ist wieder im Wachenmodus und es geht in die Nacht.
Mitten in der Nacht gibt es noch etwas Aufregung, da sich meine Rettungsweste, die ich nach meinem Wachwechsel vor der Kabine abgelegt habe, von selbst ausgelöst hat. Damit wurde auch der AIS und DSC-Funk Man-Over-Board Alarm ausgelöst. Ich muss gestehen, dass ich von dieser ganzen Aktion erst beim nächsten Wachwechsel erfahren habe, da ich tief und fest in meiner Koje geschlafen habe.
Die Menge an großen Schiffen, die den Kanal befährt, hält sich in dieser Nacht in Grenzen. Nur einem Kabelleger kommen wir etwas näher und er bittet um etwas mehr Abstand. Ansonsten hatten wir mit mehr Verkehr gerechnet.
Bei Landfall am frühen Morgen zeigt sich, dass wir mit dem Ebbstrom weiter nach Westen gesetzt wurden als vermutet. Wir waren langsamer und stehen etwa 4 Seemeilen weiter westlich als geplant. Das ist aber nicht schlecht, da es besser ist zur Korrektur abzufallen, als später gegenan Motoren zu müssen.
Mit dem ersten Morgenlicht und etwas Sprühregen laufen wir nach L‘Aber-Wrac‘h ein. Nun gibt’s es erstmal Frühstück und die Crew erkundet zunächst die Sanitäranlagen.
L‘Aber-Wrac‘h ist ein kleiner Ort, der geschützt hinter den vorgelagerten Felsen liegt. Er bietet Bademöglichkeiten und eine große Segelschule, die Kurse für Kinder und Erwachsene anbietet. Daneben befindet sich noch eine Tauchbasis, die zu Tauchgängen hinter den schützenden Felsen aufbricht.


Wir lassen es uns am Tage mit französischer Lebensart gut gehen.











