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Ausfahrt mit dem Ausflugsboot Richtung Île de Ouessant

Auf dem Vorschiff der La Brestoa
Auf dem Vorschiff der La Brestoa

Heute geht es wieder mit dem Ausflugsboot hinaus und zwar in Richtung Île de Ouessant. Dafür müssen wir früh aufstehen, da die Abfahrt bereits um 9:30 Uhr ist und man eine viertel Stunde vor Abfahrt am Boot sein soll. Heute soll die Fahrt etwa 5,5 Stunden dauern und wir haben uns für an Bord ein Lunchpaket mit gebucht.

Der ehemalige deutsch U-Boot Bunker in Brest und darüber die Offiziersschule des Marinestützpunkts
Der ehemalige deutsch U-Boot Bunker in Brest und darüber die Offiziersschule des Marinestützpunkts

Es ist wieder das gleiche Boot mit gleicher Crew wie gestern und wir begeben uns gleich auf unsere Lieblingsplätze auf dem Vorschiff. Die Ausfahrt geht an der nördlichen Seite der Goulet vorbei an den bereits bekannten Leuchttürmen und Festungen, dem Phare du Portzic,  dem Fort du Mengant, dem Phare du Petit Minou hinaus bis zum Phare de Saint Mathieu.

Ab dem Phare du Portzic haben wir kräftigen auslaufenden Ebbstrom mit ordentlich Wind aus SW gegenan, also baut sich eine kurze steile See auf. Wir ziehen uns vorsichtshalber hinter die Spritzschutzscheibe zurück. Allerdings ist unsere Sorge unberechtigt. Das Ausflugsboot setzt zwar in die steile See ein, aber die Gischt geht zur Seite weg und alles auf dem Vorschiff bleibt trocken.

Ponte Saint-Mathieu - von links nach rechts: Sémaphore de la Pointe Saint-Mathieu eine Überwachungsstation der Marine von 1906, die Ruine eines ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 16. Jahrhundert, der Leuchtturm Saint Mathieu von 1835 und die Kapelle Notre-Dame-de-Grâce von 1861
Ponte Saint-Mathieu – von links nach rechts: Sémaphore de la Pointe Saint-Mathieu eine Überwachungsstation der Marine von 1906, die Ruine eines ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 16. Jahrhundert, der Leuchtturm Saint Mathieu von 1835 und die Kapelle Notre-Dame-de-Grâce von 1861

Vom Phare de Saint Mathieu hält der Skipper südlich an der Île de Beniguet, einem strengen Naturschutzgebiet mit Anlandeverbot zum Leuchturm Pierres Noires. Er markiert die Einfahrt in die Bucht von Brest.  Hier drosseln wir die Fahrt und können einige Kegelrobben auf den Felsen beobachten. Klar werden auch wir beäugt.

Häuser auf der Île de Quemenès
Häuser auf der Île de Quemenès

Nun geht es zur Durchfahrt zwischen der Île de Quemenès und Île de Litiri. Die Île de Quemenès wird von einer Familie bewirtschaftet und baut in dieser Umgebung Kartoffeln an. Die letzte Jahresernte soll 10 Tonnen betragen haben.

Häuser auf der Île de Quemenès
Häuser auf der Île de Quemenès

Ansonsten ist die Durchfahrt von Sportbootfahrern beliebt, die vor der Île de Litiri zum Baden vor Anker gehen. An der flachsten Stelle haben wir laut Skipper nur noch wenig Wasser unter dem Kiel. Bei Springniedrigwasser sollen hier laut Seekarte nur  10cm Wasser stehen, aber der Skipper kennt sich aus und bringt uns ohne Grundberührung durch.

In der Ferne ist der Ort Île-Molène auf der Insel Molène zu sehen
In der Ferne ist der Ort Île-Molène auf der Insel Molène zu sehen

Auf der Nordseite können wir einem Algenfischer bei der Arbeit zusehen. Dieser zieht einen Rechen mit Schneiden durch das Kelb und dann die langen Kelbblätter auf seine Ladefläche. Das Kelb wird als Gemüse in frischer bzw. getrockneter Form verwendet oder getrocknet und zu Düngepulver zermahlen. Hoffentlich lassen die Fischer noch genug übrig, da es auch die Kinderstube für viele Wasserlebewesen ist.

Noch eine Kegelrobbe beäugt uns zusammen mit ein paar Kormoranen
Noch eine Kegelrobbe beäugt uns zusammen mit ein paar Kormoranen

Danach geht es zurück durch die Basse de Penser zurück zum Hafen von Le Conquet, wo wir aber nicht anlegen. Der Skipper will uns die starke Flutströmung zeigen, die hier an den Felsen entlang rauscht. Die Segler nutzen den enormen auflaufenden Strom Richtung Norden durch die Basse de Penser.

Algenernte - Zuckertang ist essbar und wird auch in Kosmetika genutzt
Algenernte – Zuckertang ist essbar und wird auch in Kosmetika genutzt

Das Ausflugsboot fährt weiter dicht unter der Küste gegen den Strom zum Phare de Saint Mathieu. Dabei nutzt der Skipper sogar die Neerströme in den Buchten. Zurück nach Brest trägt uns dann hinter Fort du Mengant der Flutstrom in die Bucht von Brest. Nach etwa 5 Stunden sind wir wieder zurück an Land und gehen erst einmal zum Ausruhen wieder in unser Appartement.

Kriegsgräber in Brest
Kriegsgräber in Brest

Zum Abend machen wir noch einen Spaziergang durch den östlichenTeil von Brest hinter dem Rathaus und landen auf einem Friedhof mit Grabfeldern aus erstem und zweitem Weltkrieg. Neben französischen Opfern, sind hier auch Gräber von alliierten Soldaten. Diese habe meist einen Grabstein statt einem Kreuz.  Auch deutsche Gräber aus dem ersten Weltkrieg finden wir hier.

Wandmalerei in Brest
Wandmalerei in Brest

Das Narrowboat

Nach etlichen Übernachtungen in B&Bs und Sterne Hotels schlafen wir auf einer Luftmatratze, die leider über Nacht Luft verliert. Klaus zieht in der Nacht auf das nahe gelegene Sofa um, das in der Länge gerade so passt. Petra hat morgens noch so viel Luft, dass sie nicht ständig auf dem Boden liegt. Auf jeden Fall haben wir die Möglichkeit, einmal ordentlich auszuschlafen, da erst zu Mittag etwas auf dem Programm steht und niemand mit einem Cooked Breakfast auf uns wartet.

Crick liegt am Grand Union Canal
Crick liegt am Grand Union Canal

Unsere Freundin hat uns verraten, dass sie zusammen mit einem anderen Studienfreund aus Hannover ein Narrowboat gekauft hat und heute die Übergabe sein soll. Dazu wollen Sie sich in Crick in einem Pub nicht weit von der Marina treffen und wir werden sie begleiten, um als Überraschungsgäste dabei zu sein. Natürlich wollen wir auch bei den ersten Aufgaben mit anfassen und für Tee und Kekse haben wir auch gesorgt.

Klaus hängt die Fender um
Klaus hängt die Fender um

Narrowboats waren ursprünglich Leichter, also Boote ohne eigenen Antrieb, zum Transport von schweren Gütern wie z.B. Kohle und Eisenerz aber auch Töpferwaren auf den sogenannten Narrow Canals. Daraus ergab sich auch die maximale Breite von etwa 6 Fuß und die maximale Tiefe von etwa 2 Fuß.

Die zahlreichen Plaketten verraten, auf welchen Kanälen dieses Boot schon unterwegs war
Die zahlreichen Plaketten verraten, auf welchen Kanälen dieses Boot schon unterwegs war

Die Kanäle entstanden ab 1750 in privater Iniatitive. Durch das Aufkommen der leichter zu bauenden Eisenbahn mit mehr Transportkapazität verloren die Narrowboats wieder ihre Bedeutung und viele Kanäle verfielen. In den Jahren ab 1920 ergab sich eine touristische Renaissance, die auch nach dem 2. Weltkrieg anhielt. Heute gibt es von diesen Booten etwa 40.000 Stück, von denen viele als Charterboote auf den Führerscheinfreien Binnengewässern Englands genutzt werden. Auch die Kanäle und Schleusen werden wieder restauriert.

Ursprünglich wurden Narrowboats aus Holz gebaut. Heute baut man sie aus Stahl.
Ursprünglich wurden Narrowboats aus Holz gebaut. Heute baut man sie aus Stahl.

Wir fahren also mit unserem Auto hinter unseren Freunden her nach Crick und treffen uns mit den anderen Beiden im Inn zum Mittag. Die Überraschung ist groß und die Begrüßung stürmisch. Nach dem Essen wird es aber Zeit, das Boot zu übernehmen.

Da der Betrieb eines Narrowboats wirtschaftlicher war, wenn gleich die ganze Familie mit an Bord wohnte, wurden die Narrowboats hübsch bemalt, um sie wohnlicher zu gestalten. Das ist auch heute noch ein ganz wichtiger Aspekt. Hier spiegeln sich die Boote in der Marina von Crick im Wasser.
Da der Betrieb eines Narrowboats wirtschaftlicher war, wenn gleich die ganze Familie mit an Bord wohnte, wurden die Narrowboats hübsch bemalt, um sie wohnlicher zu gestalten. Das ist auch heute noch ein ganz wichtiger Aspekt. Hier spiegeln sich die Boote in der Marina von Crick im Wasser.

Es ist in einem relativ guten Basiszustand, benötigt aber an der ein oder anderen Stelle etwas Liebe und was die technische Ausrüstung angeht, ein wenig Modernisierung. Dazu ist es aber nun in guten Händen. Wir helfen, wo wir können, um Ausrüstung an Bord zu bekommen und wichtige Systeme zum Leben zu erwecken. Als Segler und Eigentümer einer Segelyacht sind uns die Handgriffe nicht fremd.

Ein Narrowboat fährt auf dem Kanal an der Marina vorbei
Ein Narrowboat fährt auf dem Kanal an der Marina vorbei

Da uns klar war, was wir den Rest des Tages und Abends machen werden, haben wir uns Mittags gleich in das Pub in Crick einquartiert, da es auch ein B&B betreibt.

Crick ist ein recht hübscher Ort mit reetgedeckten Häusern
Crick ist ein recht hübscher Ort mit reetgedeckten Häusern