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Córdoba – Die Mezquita und Madinat al-Zahra

Die Mezquita wirkt von außen eher unscheinbar. Nur die äußeren Abmessungen lassen Größeres erahnen.
Die Mezquita wirkt von außen eher unscheinbar. Nur die äußeren Abmessungen lassen Größeres erahnen.

Neben der Alhambra in Granada steht auch die Mezquita in Córdoba auf dem Pflichtprogramm eines jeden Andalusien-Reisenden. Von hier gibt es jede Menge Bilder, die das Bild Spaniens prägen. Wir brechen also wieder früh auf und fahren nach Córdoba. Glücklicherweise hält sich der Andrang im Winter in Grenzen. Es gibt keine Probleme, das Auto zu lassen und ohne große Schlangen kommen wir hinein. Zunächst einige Infos zur Mezquita:

Nur an wenigen Stellen lässt sich noch der ursprüngliche Raumeindruck der mit 175m x 134m größten Moschee der Welt erahnen
Nur an wenigen Stellen lässt sich noch der ursprüngliche Raumeindruck der mit 175m x 134m größten Moschee der Welt erahnen

An dem Ort gab es zur Westgoten-Zeit von Spanien eine Kirche. Als die Mauren nach Spanien kamen, haben sie sich den Bau zunächst mit den Christen geteilt. Geht also auch.

Der Mihrab der Moschee
Der Mihrab der Moschee

Dann nahmen die Moslems an Zahl stark zu und sie wollten eine eigene große Moschee bauen. Also kauften sie den Christen die Kirche ab, wie freiwillig das war, ist nicht überliefert. In drei Abschnitten entstand dann die Mezquita unter drei aufeinander folgenden Herrscher, Abd ar-Rahman I & II und al-Mansur. Abd ar-Rahman III ließ sich westlich von Cordoba eine neue Stadt bauen. Aber  dazu später.

Wilde Mischung aus christlichen und muslimischen Bestandteilen
Wilde Mischung aus christlichen und muslimischen Bestandteilen

Als dann die Christen Córdoba eroberten, hatten sie nichts besseres zu tun, als mitten in die Mezquita eine Kirche zu bauen und jede Nische mit irgendeinem Altar oder einer Kapelle zu nutzen.

Mittendrin dann diese Kathedrale...
Mittendrin dann diese Kathedrale…

Herausgekommen ist ein verwirrender Stil-Mix. Es ist schade, wieviel dabei von dem ursprünglichen Bau verloren gegangen ist. Ein Audio-Guide gibt viele Informationen, aber wir drehen noch eine zweite Runde ohne die Quasselstrippe. Nach einiger Zeit meldet sich in meinem Kopf wieder der Overflow-Warnton und ich muss dringend raus, um nicht schwermütig zu werden. Zudem ist es in dem Gemäuer sehr kalt (gefühlte null Grad).

Rekonstruktion des Wasserrades aus dem 9. Jh., das die Wasserversorgung des Alcazar sicherstellte
Rekonstruktion des Wasserrades aus dem 9. Jh., das die Wasserversorgung des Alcazar sicherstellte

Der Gang auf die alte Römer-Brücke –  ja die waren auch hier,  sie haben Córdoba sogar gegründet – versöhnt mich wieder. Danach setzen wir uns in die Sonne auf den Marktplatz von Córdoba und wollen eigentlich ‚churros con chocolate‘ probieren, aber die sind bereits ausverkauft. Also Schokolade mit einem Sandkuchen – besser als nichts.

Blick auf die Ausgrabungsstätte
Blick auf die Ausgrabungsstätte

Im Reiseführer lesen wir über eine Ausgrabungsstätte, ‚Madinat al-Zahra‚ genannt. Hier wollte sich Abd ar-Rahman III in einer eigens gegründeten Stadt verewigen. Wir  entscheiden dort hinzufahren.

Wieder aufgebaute Säule
Wieder aufgebaute Säule

Zu der Ausgrabungsstätte gehört auch eine gut gemachte Ausstellung, die noch viele Informationen zur damaligen Zeit und der Einordnung dieser Stadtgründung gibt. Abd ar-Rahman hatte für sich selbst den Titel Kalif angenommen. Zum guten Ton eines Kalifen gehört es, eine eigene Stadt zu gründen. Er hatte sich damit direkt in Konkurrenz zum Kalifen in Bagdad gesetzt und insbesondere dem weiteren Gegenkalifat der Fatimiden in Nordafrika. Das erklärt auch die Scharmützel, die er sich in Nordafrika geliefert hat und einiger ‚Piratenüberfälle‘ an der Küste.

Rekonstruierte Halle
Rekonstruierte Halle

Der Bau der Stadt endete nach etwa 70 Jahren als er starb und man sich über seine Thronfolge nicht einigen konnte. Das Reich zerfiel daraufhin in viele kleine Fürstentümer, die sich gegenseitig bekriegten.

Diese nutzten die Anlage abwechseln für die durchziehenden Heere. Na ja und bekanntlich gehen Soldaten dann mit den Unterkünften und der Bevölkerung nicht pfleglich um. Das war das Ende von Madinat al-Zahra. Über die Jahrhunderte wurde  der Ort dann reichlich geplündert und verfiel.

Rekonstruierter Portikus
Rekonstruierter Portikus

Zum Schluss deckte die Natur dann noch eine konservierende Schicht darüber und das ganze fiel bis 1911 in einen Dornröschenschlaf. Wachgeküsst wurde es von Archäologen, die in dieser Zeit in Europa und der Welt sehr aktiv wurden. Seither hat man vieles ausgegraben und teilweise auch restauriert, so dass man einen Eindruck von der Anlage bekommt.

Wer Córdoba und die Mezquita besucht, sollte unbedingt auch hierherkommen und mindestens 2 Stunden mitbringen. Erst dann wird der Eindruck rund.

Die Kathedrale von Málaga

Nachdem wir bereits an Weihnachten einmal kurz in der Kathedrale waren, wollen wir sie heute noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Heute müssen wir auch Eintritt bezahlen. Allerdings kostet die Unterhaltung von so einem Gemäuer auch eine Menge Geld.
Blick unter die Decke der Kathedrale
Blick unter die Decke der Kathedrale

Schon der erste Eindruck war erdrückend gewesen. Was in dieser Kathedrale an Altären und Kunstschätzen steht, reicht für mindestens 4-6 Kirchen, um sie ordentlich auszustatten. In jeder Nische findet sich eine neue Zusammenstellung, die manch eine kleine Kirche vor Neid erblassen lassen würde. In dieser Menge wirkt der Überfluss bereits erschlagend.

Detail aus einem der vielen Altäre (Pedro de Mena, 17.Jh)
Detail aus einem der vielen Altäre (Pedro de Mena, 17.Jh)

Beim Betrachten fällt auf, wie stark die katholische Kirche die Opfer-Rolle und das Martyrium verehrt. Ein unwissender Betrachter muss eigentlich einen sehr merkwürdigen Eindruck von der westlichen Kultur bekommen.

Interessanter Sarkophag
Interessanter Sarkophag

In der Kathedrale gibt es auch etliche Besucher aus China. Es reizt mich, diese anzusprechen und nach deren Eindruck zu befragen. Ich lasse es aber dann doch sein.  Nach etwa 1,5 Stunden signalisiert mein Gehirn ‚Kirchen-Kultur-Overflow TüT-TüT-TüT‘. Es wird Zeit, dass wir aus der Kirche kommen.

In der Kathedrale
In der Kathedrale

Zur Ablenkung gehen wir in ein Café in einer Seitenstraße, in dem ein wunderbarer Spruch auf italienisch an der Wand hängt. Frei übersetzt:

‚Man muss kräftig träumen, um sich vom Leben nicht unterkriegen zu lassen‘.
Im Aula del Mar
Im Aula del Mar

Das ist jetzt genau der richtige Spruch. Als Ausgleich zur Kathedrale wollen wir nun eine Meereskundliche Ausstellung besuchen, die es hier in Málaga geben soll, nur das Finden ist nicht so einfach. Reiseführer und Internet sind sich über den Ort nicht ganz einig. Am Ende hilft nur die Nachfrage in der Touristen-Info. Sie befindet sich am neuen Kreuzfahrer-Terminal. Keine Angst, hat nichts mit den Kreuzrittern, sondern nur mit einer neuen Mode von schwimmenden Bettenburgen zu tun, die immer häufiger Hafenstädte heimsuchen.

Meeresschildkröte im Aula del Mar
Meeresschildkröte im Aula del Mar

Am Eingang stehen wir zusammen mit einer begeistert lärmenden Kinderschar, die sich nicht nur auf eine Ausstellung sondern auch auf Kuchen freuen. Es sieht nach einem Kindergeburtstag aus. Die Ausstellung ist zwar klein, aber so gut gemacht, dass alle auf ihre Kosten kommen, inclusive zweier Meeresschildkröten, die man 2013 als frisch geschlüpfte Jungtiere in der Bucht von Almeria gefunden hat und die demnächst ausgewildert werden sollen. Hoffentlich werden sie Menschen gegenüber noch etwas scheuer, denn jetzt schwimmen sie sofort auf die lärmenden Kinder zu. Dies kann für sie in freier Wildbahn gefährlich werden.

Schöner Blick vom Meeresmuseum auf die Müelle 1
Schöner Blick vom Meeresmuseum auf die Müelle 1

Da die Essengewohnheiten in Spanien einen Lokalbesuch vor 20:30 Uhr wenig erfolgversprechend aussehen lassen, begeben wir uns noch einmal in ein Einkaufszentrum jenseits der Innenstadt. Vielleicht finden wir ja doch noch einige Musik-CDs. Das Zentrum erweist sich aber genauso langweilig, wie Einkaufszentren in Deutschland und CDs gibt es dort auch nicht. Auf dem Weg zurück in die Stadt stolpern wir dann doch noch über einen FNAC. Wer bereits in Frankreich war, weiß, was das ist. Nun gibt es doch noch einige Scheiben lokaler Musik für uns als Andenken.

Auf den Spuren Picassos

Im Palacio de Buenavista aus dem 16. Jahrhundert befindet sich das Picassomuseum
Im Palacio de Buenavista aus dem 16. Jahrhundert befindet sich das Picassomuseum

Es ist bedeckt heute morgen und der Wetterbericht verheißt keine Besserung, also bestes Wetter für einen Museumsbesuch. Wir nehmen das Picassomuseum in Angriff. Pablo Picasso wurde in Málaga geboren, hat aber die Stadt schon als Kind verlassen, da sein Vater als Kunstlehrer in La Coruna eine besser bezahlte Anstellung fand. Er war zwar als junger Mann noch einmal hier, danach aber nie wieder. Trotzdem hatte er sich gewünscht, dass es in Málaga ein Museum mit seinen Werken geben sollte. Seine Erben haben deshalb ihre Picassowerke für ein solches Museum gestiftet und die regionale Regierung Andalusiens hat ein altes Stadtschloss für den Zweck gekauft und renoviert. Dabei sind alte Mauern aus dem 6. und 7. Jahrhundert vor Christus entdeckt worden, die im Untergeschoss des Museums auch zu besichtigen sind.

Der Innenhof des typisch andalusischen Palastes
Der Innenhof des typisch andalusischen Palastes

Erstaunlicherweise kennen wir keines der ausgestellten Werke obwohl wir schon in vielen Picasso-Ausstellungen waren. Wer bei uns zu Hause war, kennt meine Sammlung an Picasso-Plakaten, die ich aus diversen Ausstellungen mitgebracht habe. Die Werke in der Sammlung sind nach Motiven sortiert und so sehen wir z.B. Portraits aus seinen frühen Jahren neben Portraits aus seinen späten Jahren. In einer Sonderausstellung wird der Frage nachgegangen, wie das Fernsehen seine Motive in den letzten Lebensjahren beeinflusst hat. Ich hatte mich schon gefragt, woher die vielen Musketiere stammen, hier gab es dann die Antwort.

Petra schaut nach, was Picasso auf der Plaza de Merced zeichnet...
Petra schaut nach, was Picasso auf der Plaza de Merced zeichnet…

Gegen Mittag kommt dann die Sonne raus. Wir suchen uns ein kleines libanesisches Restaurant und ein Plätzchen draußen in der Sonne für ein Mittagessen und ein Tässchen Tee.

... vielleicht die spielenden Kinder?
… vielleicht die spielenden Kinder?

Anschließend besuchen wir noch die Plaza de la Merced, wo Picasso als Kind gewohnt hat. Eine Bronzestatue von ihm sitzt auf einer Bank und er scheint den kleinen Jungs zuzuschauen, die so wie er vor 130 Jahren auf dem Platz spielen.

Den Papageien schmecken die frischen Datteln
Den Papageien schmecken die frischen Datteln

Nun haben wir Lust, endlich einmal ans Wasser zu kommen. Wir umrunden die Alcazaba und steigen im wunderschönen Garten mit vielen laut kreischenden Papageien hinab zum Hafen.

Blick über den Hafen von Málaga
Blick über den Hafen von Málaga

Die Mole ist offensichtlich neu umgebaut mit zahlreichen Geschäften und Restaurants und einem Kunsthandwerkermarkt. Außerdem gibt es Stände mit Spezialitäten. Auf dem Rückweg müssen wir hier noch einmal vorbei. Wurst und Käse lachen uns zu sehr an.

Sogar Glühwein gibt es, nur von der Nachfrage sind sie noch nicht überzeugt...
Sogar Glühwein gibt es, nur von der Nachfrage sind sie noch nicht überzeugt…

Ein paar Yachten liegen auch an der Mole. Weiter draußen liegt ein Tankschiff. Auf der anderen Seite des Hafenbeckens liegen eine Fähre und ein Kreuzfahrtschiff. An einer weiteren Mole liegen zwei ältere Frachter mit Ladekränen. Viel los ist hier nicht. Dabei war Málaga mal ein bedeutender Hafen.

Teenager beim Fotografieren auf der Pier
Teenager beim Fotografieren auf der Pier

Die Mole ist verlängert durch eine Pier, an deren Ende ein weiteres Kreuzfahrtterminal ist und ein offensichtlich neuer Yachthafen. Am Ende der Mole steht ein hübscher Leuchtturm.

Verwilderte Katze
Verwilderte Katze

Als wir vom Yachthafen umdrehen, leuchtet er uns schon entgegen. Es wird langsam dämmrig. Wir machen noch einen Abstecher an den Strand, wo wir als erstes eine Großfamilie Katzen entdecken, die hier offensichtlich in den aufgeschütteten Felsen der Pier lebt.

Verwilderte Katzenfamilie
Verwilderte Katzenfamilie

Zurück auf der Mole, sind die Stände größtenteils bereits abgeräumt – Schade! Ganz am Ende entdecken wir noch ein paar Stände, die zwar offiziell geschlossen haben, aber noch nicht abgeräumt sind. Sie lassen sich von uns erweichen und verkaufen uns noch Wurst und Käse.

Kathedrale vom Hafen aus gesehen
Kathedrale vom Hafen aus gesehen

Nun haben wir uns eine Pause verdient. Wir laufen zurück zum Hotel und es gelingt mir endlich, das Hotel WLAN davon zu überzeugen nicht nur das Handy ins Internet zu lassen, sondern auch mein Netbook, so dass endlich der erste Blogeintrag online gehen kann.

Abendbrot in einer Bodega
Abendbrot in einer Bodega

Gegen halb neun machen wir uns wieder auf den Weg in die Stadt, um etwas zu Essen zu bekommen. Die Stadt ist noch voller als gestern. Wieder spielt an jeder Ecke Musik. Wir gehen in eine Bodega, in der viele Schinken unter der Decke hängen und bekommen für nur 10€ ein leckeres Abendbrot mit geröstetem Brot, passierten Tomaten, einem großen Teller voll Schinken, einem kleine Teller Wurst und zwei kleinen Gläsern Bier.

Life-Musik am 4. Advent
Life-Musik am 4. Advent

Danach lassen wir uns durch die Stadt treiben und genießen unsere Lieblings-Combo von gestern, der es diesmal sogar gelingt, die Leute zum Tanzen zu bringen. Als wir an der Bar vorbei kommen, in der wir gestern gegessen hatten, kehren wir noch einmal ein und beschließen dort den Abend.

Erkundungstour durch Dublin

Nach ordentlichem Ausschlafen und einem Frühstück, dass uns gewährt wird, obwohl wir deutlich zu spät im Frühstücksraum erscheinen (wir mögen doch morgen bitte bis 9:30 beim Frühstück sein), machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Wir haben eigentlich kein konkretes Programm, sondern wollen uns ein wenig treiben lassen. Den Tag ausklingen lassen, wollen wir bei einen Fish-Dinner in Howth, einem Fischerei- und Segelhafen.

The Spire von Nahem betrachtet
The Spire von Nahem betrachtet

So bummeln wir wieder die O’Connell Street entlang und bewundern die Spire und die Hauptpost, die im Rahmen der Unabhängigkeit Irlands einen große Rolle gespielt hat. Hier wurde von den Rebellen die Unabhängigkeitserklärung verlesen. Dies führte aber auch dazu, dass sich die Rebellen erst einmal für mehrere Tage in dem Gebäude verschanzen mussten und erst als ihre Kameraden ihnen zu Hilfe kamen konnten sie sich befreien und die Unabhängigkeit umsetzen.

Skulptur von Arnaldo Pomodoro genannt ‘Sphere with Sphere’ vor der Berkley Library
Skulptur von Arnaldo Pomodoro genannt ‘Sphere with Sphere’ vor der Berkley Library

Unser Ziel ist das Trinity College und dort eigentlich die alte Bibliothek. OK, in das College kommen wir herein, aber vor der Bibliothek hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Wir haben keine Lust auf die Schlange und schlendern weiter über das Gelände zur Science Galery. Hier finden wir eine kleine aber gute mit viel Humor gemachte Ausstellung zur Klimaforschung und, nicht zu unterschätzen, einen Kaffee.

Wettersprüche im Science Center
Wettersprüche im Science Center

Danach machen wir uns auf den Weg in Richtung ‚Dublin Castle‘. Dabei gehen wir auch einen Schlenker durch die Grafton Street. Puh, dies ist eindeutig eine Touristenfalle. Alle 30 bis 40 m finden sich irgendwelche Kleinkünstler, die um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlen und natürlich jede Menge Geschäfte, die mit allen Mitteln Käufer anziehen wollen. Na ja, muss man auch einmal gesehen haben.

Blumenhändlerin auf der Grafton Street
Blumenhändlerin auf der Grafton Street

Jetzt steht uns der Sinn nach einem kleinen Snack. Petra kann sich daran erinnern, dass es im Gewölbe der ‚Christ Church Cathedral‘ ein Café gibt, in dem man auch Kuchen bekommt. Vielleicht eine gute Kombination. Wir finden auch das Café im Gewölbe aber es hat, auch wenn alles auf ist und die Küche beleuchtet ist, geschlossen.

– Schade eigentlich –

Die Katze und die Ratte im Gewölbe der Christ Church
Die Katze und die Ratte im Gewölbe der Christ Church

Das Kurioseste, dass in den Gewölben ausgestellt ist, sind die Skelette von einer Ratte und einer Katze, die sich bei einer Verfolgungsjagd in einer Orgelpfeife gefangen und dort dann gemeinsam Ihre Leben beendet haben. Das ist Schicksal.

Christ Church
Christ Church

Mittlerweile knurren unsere Mägen so deutlich, dass wir keine Ruhe mehr finden, uns die Ausstellung genauer anzusehen. So machen wir uns auf nach Temple Bar, wo es jede Menge Pubs und Restaurants geben soll. Zu Hause in Deutschland habe ich immer gedacht, dass es sich bei Temple Bar um ein einziges Pub handelt, um das man am besten einen großen Bogen macht, dass es eh von Touristen überlaufen ist. Dies kann man so nicht stehen lassen.

  • Erstens ist es ein ganzes Viertel,
  • zweitens gibt es dort eine ganze Menge Pubs, verschiedene Restaurants und Geschäfte
  • drittens ein sehr gemischtes Publikum.
Kunst in der Kapelle
Kunst in der Kapelle

Wir finden am Ende auch eine Art Sandwich/Salat Cafeteria. Mit der Frage: ‚Do you know how it works? Antwort: No!‘ beginnen wir unter Hilfe des Personals, uns einen Salat und ein Sandwich zusammen zu stellen. Alles hat eine hervorragende Qualität. Also nichts mit Touristenfalle, dass hier auch viele Touristen sind, finde ich OK und es ist so schön, die Leute auf der Straße zu beobachten.

Die Vögel in der Kapelle
Die Vögel in der Kapelle

Gut gestärkt gehen wir noch in den vorderen Teil des ‚Dublin Castle‘ und entdecken durch Zufall eine wunderbare Installation einer Künstlerin (Katrine Koester Holst), die in der Abbey des Castle’s Porzellan Vögel drapiert und diese mit Fäden zur Kanzel verbunden hat. Dadurch entsteht im Raum ein ganz toller Eindruck. Im Hof entdecken wir dann noch Teile an den Wänden, die wie aufgeweichte Pappe wirken, die jemand daran geworfen hat. Auch diese sind von ihr.

Werbung für ein Fischlokal auf einem LKW in Howth
Werbung für ein Fischlokal auf einem LKW in Howth

Leider schließt das Dublin Castle um 16:45, so dass wir die herausragende Library, in der über Jahrhunderte alte Schriften im historischen Zusammenhang ausgestellt werden, nicht mehr besichtigen können. Schade, aber wir sind bestimmt nicht das letzte Mal in Dublin.

Seehund im Hafen von Howth
Seehund im Hafen von Howth

Also nun an die Küste. Dafür haben wir uns Howth ausgesucht. Dieser Ort wird beschrieben als Fischerort mit einem Segelhafen, in dem man auch gut Fisch essen kann. Das hört sich gut an. Wir wandern also zur nächsten Bahnstation und fahren dort hin. Irgendwie erinnert mich die Fahrt an die S-Bahn von Hamburg-Hbf nach Wedel. Howth liegt übrigens auf einer Halbinsel nördlich von Dublin. Ich hatte bereits einmal gehört, dass bei Dublin eine Segel-Hochburg sein soll.

Here we are!

Kräftiger Fischkutter mit Howth im Hintergrund
Kräftiger Fischkutter mit Howth im Hintergrund

Die ‚kleinen‘ Fischerboote des Reiseführers entpuppen sich als stabile  seegängige moderne Fischkutter und der Segelhafen als Yacht Club mit einer aktiven Regatta Scene. An diesem Wochenende findet hier die Autumn League, vergleichbar zur deutschen Segelbundesliga, statt.  Wir finden hier auch Hinweise auf die älteste Einheitsklasse Europas, die 17-Footer ein gaffelgetakeltes Kielboot, das immer noch aktiv gesegelt wird.

Segelboote in Howth
Segelboote in Howth

Den Abend in Howth beschließen wir in einem Pub östlich des Hafens mit einem guten Fisch-Dinner. Als es dunkel ist, schlendern wir durch die Straßen zurück zum Bahnhof und fahren nach Dublin. Howth zählt definitiv zu den Häfen, die ich gerne von See aus einmal anlaufen würde.

Von der Großstadt auf‘s platte Land

Eigentlich wollten wir heute vormittags ins Kunstmuseum. Das macht aber erst um 12 Uhr auf. Was machen wir bis dahin? Gleich daneben ist das Heard Museum, welches sich mit der Kultur der amerikanischen Indianer beschäftigt. Darüber hatte ich auch schon viel Positives gelesen. Da es eine Stunde früher aufmacht, ändern wir mal wieder den Plan. Vor der Methodistenkirche versuchen uns drei Männer in Messgewändern in ihren Gottesdienst zu locken, aber wir lassen uns nicht vom richtigen Weg abbringen…

Die Palmen und der grüne Rasen in der Innenstadt von Phoenix wirken auf uns etwas deplatziert
Die Palmen und der grüne Rasen in der Innenstadt von Phoenix wirken auf uns etwas deplatziert

Wir sehen eine Ausstellung über Nahrungsmittel, die vom amerikanischen Kontinent ihre Reise um die Welt angetreten haben, von Kakao über Vanille bis hin zu Tomaten und Kartoffeln, aber auch der Farbstoff Cochinille ist dabei. Danach sehen wir Bilder von Georgia O‘Keefe, die sie in New Mexico von der Landschaft und von den Kachina-Puppen der Hopi gemalt hat. Wir schlendern noch ein wenig durch die anderen Ausstellungen, in denen Kleidung, Schmuck und Gebrauchsgegenstände der einzelnen Stämme gezeigt werden. Danach haben wir genug gesehen und genießen in dem schönen Innenhof noch einen Kaffee in der Sonne bevor wir uns auf den Weg nach Norden machen.

Gut, dass manches nicht ins Auto passt ;-)
Gut, dass manches nicht ins Auto passt 😉

Die Route führt durch die Sonora-Wüste durch kleine Orte, in denen man sich komplett als Cowboy ausrüsten lassen kann. Danach geht es eine steile Straße hinauf in die schroffen Berge. Hier müssen wir uns von den Saguaros verabschieden, die nur in der Sonora-Wüste wachsen. In der nachfolgenden Hochebene schließt sich eine Ranch an die andere an. Dann geht es wieder hinauf. Hier wachsen große Pinien und es liegt gelegentlich ein klein wenig Schnee. In Prescott, einer alten Goldgräberstadt und für 4 Jahre auch Hauptstadt von Arizona machen wir Pause und essen in einem großen Saloon Hamburger. Dazu gibt es Live-Musik. Vor dem Saloon hatte ein junger Mann Banjo gespielt. Sie hatten ihn und seine Freundin hinein gebeten und ihnen freie Verpflegung angeboten, wenn er bei ihnen im Saloon spielt. Vom Banjo wechselt er schließlich auf Steelguitar und seine Freundin spielt dazu auf der singenden Säge.

Musiker im Saloon von Prescott
Musiker im Saloon von Prescott

Wir beeilen uns weiterzukommen, um vor der Dunkelheit noch nach Ash Fork zu gelangen. Der Weg führt durch urige runde Felsen und dann wieder durch Prärie und schließlich Pinien. Bei Chino Valley sehen wir Antilopen neben der Straße grasen. Es ist schon leicht dämmrig, als wir in Ash Fork ankommen. Nun sind wir wirklich auf dem Land. Wir fahren eine Runde durch den Ort, um nach einer Unterkunft zu suchen. Es gibt zwei geöffnete Motels und ein geschlossenes, dass zum Kauf angeboten wird. Das erste Motel sieht am Besten aus. Das Zimmer kostet 35 Dollar die Nacht. Soviel haben wir schon vor 25 Jahren im Motel 6 bezahlt. Aber unsere Ansprüche müssen wir nun definitiv herunterschrauben. Beim Anblick des Fernsehers frage ich mich, ob der noch Schwarzweiß ist. In der Ecke bullert ein kleiner Gasofen, aber das Zimmer ist sauber.

Draußen ist es sehr kalt, aber wir haben erst einmal Fluchtgedanken und drehen noch eine Runde durch den Ort. Auf dem Rückweg kehren wir in eine kleine Bar ein. Sie sieht von draußen ganz ordentlich aus. Innen ist sie einfach mit einem Billardtisch, wenigen Tischen, holzvertäfelt und einer Bar. Naja, denken wir, trinken wir halt ein Bier und gehen dann wieder.

Von links nach rechts: Wyatt Earp, Morgan Earp und Doc Holiday. Laut Aufschrift haben sie hier im Saloon mal Karten gespielt
Von links nach rechts: Wyatt Earp, Morgan Earp und Doc Holiday. Laut Aufschrift haben sie hier im Saloon mal Karten gespielt

Aber wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Er fängt sofort ein Gespräch mit uns an. Er versichert uns, wir seien im besten Motel am Orte, es habe die besten Fernseher und sei sauber. Er steckt uns eine Karte mit der Adresse einer Unterbringung in Williams zu und rät uns, zum Frühstück eine halbe Stunde weiterzufahren bis Seligman. Das einzige Café hier im Ort sei nicht so berauschend. Im Laufe des Abends erfahren wir dann seine Lebensgeschichte: Er ist Jahrgang 1942, hat einen deutschen Urgoßvater, der eine Blackfoot geheiratet hat, väterlicherseits und eine Cherokee-Großmutter mütterlicherseits. Er ist hier in der Gegend aufgewachsen, als eines von drei Kindern einer alleinerziehenden Mutter, die als Kellnerin gearbeitet hat. Mit 16 Jahren ist er zur Armee gegangen und war mehrere Jahre in Japan, wo er nicht nur fließend Japanisch gelernt hat, sondern auch die Liebe zum Motorrad fahren und zum Reis essen entdeckt hat.

Neugierige Dohlengrackel im Hof des Heard-Museums
Neugierige Dohlengrackel im Hof des Heard-Museums

Danach hat er eine Ausbildung zum Elektriker gemacht, ist anschließend aufs College gegangen, mit dem Ziel zu studieren. Der Ausbildungsgang auf dem College war neu und er hat seinen Lehrer beim Unterrichten unterstützt. Das hat ihm Spaß gemacht und so ist er schließlich Mathematiklehrer geworden. Diesen Beruf musste er aufgeben, als er schwer erkrankte. Deshalb hat er sich selbständig gemacht und hat Unterrichtsmaterialien hergestellt, womit er sehr viel Geld verdient hat. Damit konnte er es sich leisten mit seiner Frau die Welt zu bereisen. Besonders gut hat ihm Neuseeland gefallen, aber er war auch in Indien und Australien. Nun ist er wieder zu Hause, hat diese Bar gekauft und zieht seine beiden Enkelkinder mit groß, die sein ein und alles sind. Er hat den beiden schon jeweils ein Motorrad gekauft, obwohl die Jüngste erst sieben Jahre alt ist. Als stolzer Großvater ist er fest davon überzeugt, dass beide hochbegabt sind und er träumt davon, dass sie eines Tages zur Stanford University gehen können. Das will er ihnen auf jeden Fall finanzieren.