Nach den COVID Jahren kommt dieses Jahr das Twinning Treffen des Wirtschaftskreises Hannover mit den 39ern in Bristol zustande, das eigentlich 2020 stattfinden sollte.
August 2022: Fahrräder am Amsterdamer Hauptbahnhof – wie gut, dass die nicht alle mit dem Auto in die Stadt gefahren sind…
Wir haben uns entschieden, mit dem Zug nach Bristol zu reisen. Die Reise von Hannover geht über Amsterdam, also einmal wieder eine gute Gelegenheit, einen Zwischenstopp in Amsterdam einzulegen.
August 2023: Wo sind all die Fahrräder geblieben? Ein neues unterirdisches Fahrradparkhaus soll am Centraal Bahnhof eröffnet haben. Nun werden die riesigen Fahrradständer am Bahnhof abgebaut.
Alle Sachen sind gepackt und wir machen uns bereits früh auf den Weg, um den Zug um 8:40 Uhr zu bekommen. In der Straßenbahn fällt Klaus auf, dass ihm sein Portmonnaie fehlt. Also nächste Station wieder raus und schnell zurück nach Hause und das Teil holen. Dabei kann Klaus gleich einmal ausprobieren, ob er noch laufen kann (Er kann!). Die Zeit ist leider nun ziemlich knapp. Zu guter Letzt bekommen wir den Zug.
Mir der kostenlosen Fähre geht es ruck zuck über die Ej nach Nord-Amsterdam
Amsterdam empfängt uns wie üblich mit gutem Wetter. Zum Check-In im Hotel ist es noch zu früh, aber wir können unser Gepäck im Hotel lassen. Als wir das letzte Mal in Amsterdam waren, war der Platz vor dem Hotel und auch das angrenzende Fahrradparkhaus randvoll mit Fahrrädern. Diese sind nun alle verschwunden. Auf Nachfrage im Hotel wird uns berichtet, dass es ein neues Fahrradparkhaus „unter Wasser“, also als Tiefgarage geben soll.
Auf dem alten Werftgelände entstehen die nun in vielen Hafenstädten emporwachsenden Häuser im Schachteldesign. Das sieht in der Hamburger Hafencity und Göteborg auch nicht viel anders aus.
Wir wollen heute auf dem alten NDSM Werft-Gelände eine Ausstellung im STRAAT-Museum zum Thema Street Art und Graphik anschauen. Dazu nehmen wir die kostenlose Fähre über die Ij in den nördlichen Teil von Amsterdam.
Das STRAAT Musum auf dem alten Werftgelände
Das STRAAT Museum zeigt in einer der alten Werfhallen Kunst diverser Grafittimaler. Dazu kann man natürlich keine Mauern abbauen, also malen die Künstler für das Museum auf Leinwand.
Das Museum ist in einer alten Lagerhalle der Werft untergebracht. Ein sehr passendes Umfeld für diese Kunst, die uns beeindruckt und mitreißt. Allerdings wirken einige Stücke ein wenig entrückt, da es je eben keine Straße ist und Street Art lebt ja auch davon, dass sich die Werke weiter entwickeln. Dies lässt sich dann im Außenbereich nachvollziehen, wo fleißig an Graffitos gearbeitet wird.
Die alten Werfthallen auf dem NSDM Gelände stehen noch
Ein Sprayer bei der „Arbeit“ auf dem altem Werftgelände
In dieser alten Werfthalle haben Künstler und kleine Firmen ihre Gebäude errichtet, so dass ein kleines Indoor-Gewerbegebiet entstanden ist
In einer anderen alten Halle haben sich eine Menge kleine Firmen mit Büros und Ateliers angesiedelt. Da es aber bereits später Nachmittag ist, ist da nicht mehr viel los.
Hier stapeln sich die Leihfahrräder in einer Halle
Im Film-Museeum „EYE“ legen wir nach unserer Wanderung durch die sich wandelnden Docks von Amsterdam eine Pause ein und erstehen Karten für den Film „Oppenheimer“, den wir eigentlich in Hannover schon sehen wollten.
Etwas unkonventionelle Vorgartenpflanze im Neubauviertel
Von dem Film sind wir beide ziemlich enttäuscht, da er eigentlich eher eine Nabelschau der Kommunisten-Phobie der Amerikaner darstellt. Die Auswirkungen der Entwicklung, die Gewissensprobleme und auch die anderen Sichten z.B. der Russen,der Japaner, der Europäer und dem Rest der Welt kommen nur als Fußnoten vor. Stattdessen werden die politischen Ränkespiele in den USA dargestellt, aber auch diese nicht wirklich erklärt.
Fast lautlos fährt dieses kommunale Boot unter der Brücke hindurch, auf der wir gerade stehen. Es hat offensichtlich einen Elektroantrieb.
Auf unserem Weg zum Castello kommen wir an Überresten des kaiserlichen Palastes aus dem 3. Jahrhundert vorbei. Außer ein paar Mauerresten ist nicht viel zu sehen.
Da wir beim letzten Besuch nur einen sehr kleinen Teil der Ausstellungen gesehen haben, begeben wir uns nach dem Frühstück direkt in das Castello. Die Ausstellung ist so aufgebaut, dass man noch einmal wieder von Anfang starten muss. Durch das untere Stockwerk gehen wir im Schnelldurchgang. Ein Stockwerk höher bemerken wir, dass wir bei den Möbeln den ganzen Teil von etwa 1800 bis in die Moderne nicht gesehen haben.
Schrank von Giuseppe Maggiolini, der Ende des 18. Jahrhunderts die in Wien aufkommende Mode, chinesische Motive zu verwenden, übernommen hat. Seine Holzintarsien sind sehr sehenswert. In seiner Werkstatt soll es damals bis zu 86 Holzarten gegeben haben
Schrank von Giuseppe Maggiolini, der Ende des 18. Jahrhunderts die in Wien aufkommende Mode, chinesische Motive zu verwenden, übernommen hat. Seine Holzintarsien sind sehr sehenswert. In seiner Werkstatt soll es damals bis zu 86 Holzarten gegeben haben
Schrank von Giuseppe Maggiolini, der Ende des 18. Jahrhunderts die in Wien aufkommende Mode, chinesische Motive zu verwenden, übernommen hat. Seine Holzintarsien sind sehr sehenswert. In seiner Werkstatt soll es damals bis zu 86 Holzarten gegeben haben
Truhe mit schönen Holzintarsien
Schöne Holzintarsien
Planetarische Uhr von 1825 aus der Schweiz
Dieses Schränkchen wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer lombardischen Werkstatt aus älteren Teilen zusammengesetzt und ist ein Beispiel für die Neo-Renaissance
Dieser zweiteilige Schrank mit schwarz gebeizten Holz und Schmucksteinen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts imitiert Möbel aus dem 17. Jahrhundert
Dieser See Pokal von 1940 war ein Preis für Wasserflugzeug Wettflügen
Die Entwicklung der Möbel ist immer prunkvoller, ja teilweise schon viel zu überladen. Um 1920 dann der harte Schnitt mit klaren Linien und wenig Schnörkeln. Eine Entwicklung, wie wir sie ja auch aus Deutschland mit der Bauhaus-Bewegung kennen. Danach gibt es noch einige sehr moderne Möbel italienischer Designer, bei denen die Formen nicht mehr eckig sind oder rechte Winkel vermieden werden. Auch die Farbgebung ist sehr gewöhnungsbedürftig.
Michelino da Besozzo:
Sankt Augustin, ca. 1410
Benedetto Bembo:
Abt Sankt Anthonie aus dem Torchiara Polyptych, 1462
(man beachte das kleine Schwein zu seinen Füßen!)
Vincenzo Foppa:
Sankt Augustine, ca. 1470-75
Ein weiterer Teil, den wir beim letzten Besuch nicht mehr geschafft hatten, ist die Pinakothek. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf religiösen Motiven. Nach einiger Zeit wiederholen sich die Themen. Von der Technik her kann man die Entwicklung mit der Einführung der Perspektive, dem Verschwimmen von Strukturen in der Entfernung und der immer besser werdenden Darstellung von Gesichtern und Körpern erkennen.
Carlo Crivelli:
links: Apostel Bartholomäus
rechts: Apostel Johannes
1472
Pellegrino Pellegrini genannt Tibaldi:
Margareta von Antiochia
1558-1561
Carlo Preda:
Katharina von Alexandrien wird im Gefängnis von der Kaiserin Faustina besucht,
nach 1694
Im letzten Teil der Pinakothek ist das Schwinden des Einflusses der Kirche zu erkennen. Themen aus der Antike, sowie Bilder mit weltlichem Inhalt tauchen auf und es gibt sogar schon einige Stilleben. Nach so vielen Bildern brauchen wir erst einmal eine Pause. Wir wissen ja vom letzten Mal, dass das Café im Hof ist.
Lucia Anguisolla:
Selbstporträt
1557
Giacinto Gimignani:
Urania (oder Astronomie)
ca. 1652
Pietra Bellotti:
Alter Trinker
1674
Heute ist das Café gut gefüllt, aber wir finden einen Tisch für zwei Personen. Auf dem Weg zu den sanitären Anlagen wird Klaus von einem jungen Mann angehalten, der sich als sein Praktikant aus Indien von vor einem Jahr entpuppt. Er ist mittlerweile mit seinem Studium fertig und bei Siemens in Erlangen gelandet. Die Welt ist doch ein Dorf. Allerdings erinnert sich Klaus, dass er eine Tante in Mailand hat. Die Wahrscheinlichkeit ihm über den Weg zu laufen, war dann doch nicht so klein.
Wie eine Geige gebaut wird
Nach der Mittagspause wollen wir uns die Musikinstrumentenausstellung im zweiten Stock anschauen. Aber wie kommt man dahin? Wir gehen zurück in den Eingangsbereich und es findet sich tatsächlich ein Weg mit vielen Treppen, der uns direkt zu den Instrumenten führt. Zu Beginn dieser Ausstellung geht es erst einmal darum, wie ein Saiteninstrument entsteht.
Neapolitanische Mandola aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
Saiteninstrument mit 24(!) Saiten
Links eine Harfengitarre, 1911 in Mailand gebaut.
Verschiedene Mandolinen und eine Mandola
Verschiedene Mandolinen und Gitarren
Noch mehr interessante Saiteninstrumente
Danach sehen wir Gitarren, Mandolinen und Mischformen, wie wir sie vorher noch nicht gesehen haben. Mit dem Smartphone kann man einen QR-code einlesen und sich einige Klangbeispiele anhören. An die Zupfinstrumente schließt sich ein Raum mit exotischen Instrumenten aus aller Welt an. Dort finden sich dann auch Stehgeigen, Xylophone und ein Didgeridoo.
Rechts ein schlangenartiges Blasinstrument von ca. 1800
Bei den Geigen ist das älteste Instrument von 1640 und die Sammlung ist riesig. Allerdings dürften einige Stücke keine ordentlichen Töne mehr von sich geben, da sie bereits einige Schäden aufweisen. Die Sammlung von Blasinstrumenten umfasst ebenfalls eine große Menge mittelalterlicher Instrumente, von denen man sich per QR-Code auch einige Klangbeispiele anhören kann.
Ein Giraffen Piano
Der letzte Teil der Musikalien-Sammlung ist dem Piano und dem Cembalo gewidmet. Den verschiedenen Instrumenten ist anzusehen, dass sie immer auch mit dem zur Verfügung stehenden Platz zu kämpfen hatten. Klar mussten irgendwann die Saiten senkrecht an die Wand und das Klavier wie wir es kennen entstand. Da das Piano aber auch den größten Tonumfang bot, haben viele Komponisten für dieses Instrument Musik geschrieben und es zog, bevor es Radios gab, in die Wohnzimmer des Bürgertums ein.
Glaskunst von Vittoria Parinello: Erdanziehungskraft, 2016
Zum Abschluss schauen wir uns noch eine Ausstellung Kunstwerken aus Glas an. Wir sind für den heutigen Tag aber nicht mehr besonders aufnahmefähig und machen uns auf den Heimweg. Auf dem Hinweg hatten wir noch eine Straße mit netten kleinen Läden entdeckt und nutzen deshalb den Rückweg für einen Schaufensterbummel.
Schaufensterbummel in Mailand sind immer interessant: Hier ein Herrenschneider
Nach einer Pause in unserer Ferienwohnung haben wir gegen 22 Uhr Lust auf ein Getränk und brechen noch einmal zu einem Spaziergang auf. Die Stadt scheint sich aber in Vorbereitung auf den morgigen Tag noch einmal auszuruhen. Es werden gerade alle Bars und Restaurants geschlossen.
Etwas weiter entfernt von uns und noch hinter den Gebäuden von Zaha Hadid und Daniel Libeskind am City Life gibt es noch ein Neubaugebiet auf dem ehemaligen Alfa Romeo Gelände. Dies wollen wir uns auch noch anschauen.
Piazza Gino Valle und Fußgängerbrücke
Mit der Straßenbahn zuckeln wir von unserer Unterkunft im Zentrum nach Nordwesten. An der Haltestelle an der Viale Certosa finden wir erst einmal einen Media Markt. Wir haben die Idee einmal zu schauen, was für Musik man hier in Mailand so hört. Allerdings müssen wir feststellen, dass wir Beiden total veraltet sind. Tonträger wie CDs gibt es heute nicht mehr zu kaufen. Sich wie früher in Paris im FNAC durch die CDs zu hören und damit neue Anregungen für Musik zu bekommen, geht auch nicht mehr.
Figuren auf der Casa Milan
Also verlassen wir den Media Markt wieder und gehen weiter die Viale Renato Serra entlang. Neben uns braust der Verkehr und von den Gebäuden, die immer höher werden werden, trennt uns eine Mauer und ein hoher Zaun. Dann finden wir eine Wendeltreppe mit einem Aufzug in der Mitte, den wir aber nicht benutzen mögen, da vor dessen Tür auf dem Boden eine eingetrocknete Blutlache zu sehen ist.
Bloß nicht zu viel Phantasie!
Hügel auf dem ehemaligen Alfa Romeo Gelände namens „Spirals of Time“. Die Skulptur auf der Spitze soll eine DNA symbolisieren.
Wir sehen zu, dass wir nach oben kommen und landen auf einer riesigen leeren Betonfläche, die Piazza Gino Valle. Sie sieht zwar aus der Luft grafisch interessant aus, aber auf uns wirkt sie durch die angrenzende Bebauung abweisend und erinnert ein wenig an das Rollfeld eines Flughafens. In dem ganzen Komplex herrscht kein Leben und die Eingänge der Gebäude sind im Vergleich zu den Fassaden sehr klein. Wir gehen über die Fußgängerbrücke auf die andere Seite der Viale Renato Serra. Dort wurde ein Park angelegt. Die Brücke ist 2m hoch engmaschig vergittert, als wenn die Planer hier von Straßenschlachten ausgehen. Es verdichtet sich immer mehr ein ungutes Gefühl. Auch im Park wird man auf vergitterten Wegen geführt, z.B. auf einen Kegelhügel, auf dessen Spitze ein Doppelhelixweg führt.
Blick vom Spiralenhügel auf das neue Parkgelände und die umliegende Bebauung
Oben steht ein entsprechendes Gebilde in einem traurigen kleinen Teichbecken, das vor sich hin modert. Wir gehen wieder hinunter und landen an dem einzigen gelungenen Element dieses Parks, ein kleiner See, um den herum eine endlose Bank gebaut ist. Er wird auch prompt von der Bevölkerung der angrenzenden Wohnbebauung angenommen. Ansonsten ist der gesamte Park von einem massiven Zaun umgeben und wenig einladend. Nördlich grenzt ein neues Wohngebiet an, das zwar architektonisch interessant gestalltet ist, aber bei genauerem Hinschauen unten herum genauso abweisend wirkt.
Viel Geometrie und viele Zäune im neuen Park
Daneben befinden sich ein Einkaufszentrum, das dem neuen Wohngebiet und dem Park „den Hintern“ zuwendet. Als wir drin sind erkennen wir, dass es sich zu den älteren Bebauungen öffnet und dort eigentlich ganz nett ist. Hier ist auch viel Leben. Vermutlich hatte es bei seiner Entstehung Alfa Romeo im Rücken und es brauchte auf diesen Bereich keine Rücksicht genommen werden. Bei der Neugestaltung wurde die Öffnung aber versäumt.
Halsbandsittich
Halsbandsittiche sind uns in Mailand bisher auf nahezu allen Grünflächen begegnet, so wie auch hier auf dem Cimitero Monumentale
Grabmal
Grabmal
Grabmal
Grabmal
Grabmal
Große Familiengräber entlang eines Friedhofswegs
Grabmal
Kleine Grabmale und große Familiengräber im Hintergrund
Grabmal
Kleine Grabmale und große Familiengräber im Hintergrund
Nach der Mittagspause im Einkaufszentrum begeben wir uns wieder zur Straßenbahn und fahren in Richtung Zentrum. Beim alten Friedhof „Monumentale“ steigen wir aus. Aus Erfahrung wissen wir, dass alte Friedhöfe sehr interessant sind. Durch einen imposanten Eingang gelangt man auf den Friedhof, der übersät ist mit genauso imposanten Grabmalen. Das mindeste auf einem Grab ist irgendeine Skulptur oder eine Statue. Viele Gräber sind Familiengräber mit kleinen Kapellen darauf, die häufig Auskunft über die Präferenzen der Familie geben und man hat den Eindruck, dass es einen Wettbewerb „Wer hat das eindrucksvollste Grab?“ gibt.
In Mailands China Town
Nach einem Rundgang wird es Zeit, dass wir uns wieder unter die Lebenden begeben. Zwei Stationen weiter steigen wir in Mailands „China Town“ aus und schlendern durch die Straßen zur Porta Garibaldi, wo wir uns noch mit Tee und Kuchen stärken.
Immer wieder treffen wir auf Filialen von „Read Eat Dream“, eine Kombination aus Buchladen und Café – sehr verlockend für uns 🙂
Alte Straßenbahn vor den Hochhäusern der Porta Nuova
Mit der Straßenbahn auf der Rückfahrt zum Domplatz
Das Museo de Novecento von außen
Von dort fahren wir zum Dom, um uns die Künstler des 19. Jahrhunderts im Museo de Novecento anzuschauen. Deutlich ist das Ringen der Künstler um eine eigene Richtung und die Abgrenzung zur Vergangenheit zu erkennen. Hier lassen wir uns kurz vor Schließung der Tore auf die Straße schieben und schließen den Abend in unserem Apartment ab.
Gino Severini (1883-1966):
Blaue Tänzerin, 1912
Carlo Carrà (1881-1966):
Patriotische Veranstaltung, 1914
Giorgio de Chirico (1888-1978):
Der verlorene Sohn, 1922
Mario Sironi (1885-1961):
Urbane Landschaft, 1924
Marino Marini:
Emma Jeker, 1947
Blick nach draußen auf den Dom aus dem Museo de Novecento
…oder wie man zwei einfache Ingenieur*innen glücklich macht!
Heute scheint tatsächlich mal die Sonne, kommt aber in den engen Gassen nur selten unten an
Hier in Mailand begegnet einem überall Leonardo da Vinci. Für das letzte Abendmahl muss man drei Monate im Voraus buchen und wird dann in Massen daran vorbei geschoben. Das ist nicht so unser Ding. Statt dessen wollen wir uns der naturwissenschaftlichen Seite von Leonardo zuwenden.
Die Baustelle für die neue Metrolinie M4 frisst sich durch die engen Straßen. Fußgänger müssen sich für eine Straßenseite entscheiden, so wie diese ältere Dame im Pelzmantel vor uns.
Baustelle für die neue Metrolinie M4
Im Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia gibt es eine Ausstellungzu Leonardo da Vinci in Mailand. Wir begeben uns also auf den Weg dorthin. Vorbei kommen wir an der Großbaustelle der Metro-Linie 4. Vermutlich kriechen vor jeder Baggerschaufel Archäologen her, da Mailand mit seiner langen Geschichte bestimmt noch viele verborgende Schätze zu bieten hat.
Das ehemalige Kloster San Vittore beherbergt heute das größte Technikmuseum Italiens
Das thermische Kraftwerk Regina Margherita wurde im November 1895 vom italienischen Königspaar in Betrieb genommen und diente anschließend 60 Jahre lang in einem Seide verarbeitenden Betrieb mit über 2000 Mitarbeiter*innen
Klaus freut sich über die zwei Generatoren des Kraftwerks
Das Technik Museum ist in einem alten Kloster untergebracht. Bevor wir zur Leonardo da Vinci Ausstellung gelangen, geht es erst einmal in die Zeit des Wirtschaftswunders in Italien. In einer wunderbaren Sammlung werden wir mit den technischen Errungenschaften der 50er bis 80er Jahre zusammengebracht, die wir selbst teilweise noch als Neuheiten erlebt haben. Gegenüber gestellt ist das Thema Infrastruktur, also Versorgung mit Strom, Gas, Öl und Telekommunikation.
Gasherd von Zoppas aus dem Jahr 1955
Entsafter von Braun aus dem Jahr 1952. Ist der nicht süß?
Ein Sirti Transceiver mit 960 Kanälen zum Übertragen von Stimme und Daten über Telefon aus dem Jahr 1978
Plan für die Autobahnen um Mailand herum aus dem Jahr 1964
Ein kleiner Teil der Übersichtstafel des Kontrollraums zur Überwachung des italienischen Gasnetzes von 1985. Es besteht aus ca. 100000 Teilen.
Siemens Telefon Modell Grillo von 1966 – sehr hübsch, bei uns habe ich die nie gesehen…
Na wovon ist das?
Richtig dies ist die Schnauze eines Fiat 500.
Jetzt weiß ich, warum das Kofferradio hieß –
Modell Fido 9U65 von Radiomarelli, nach 1946
Olivetti Elea 9003 Bendienkonsole von 1958, der erste Computer mit Transistoren, der in Italien entwickelt wurde. Der erste Computer mit einem ergonomischen Interface, mit „der perfekten Kombination aus Ästhetik und Funktionalität“
Unser Technikerherz schlägt höher. Danach geht es in den Keller, wo dargestellt ist, was Mailand und Umgebung während der Indutriealisierung reich gemacht hat und zwar die Verarbeitung von Stahl und Aluminium. Dem folgten dann viele andere Technologien. Dies können wir aus unserem beruflichen Kontext nur bestätigen.
Heavy Metal im Keller –
Maschine aus einer Fabrik die Stahl verarbeitete
Der erste Schmelzofen der Welt, der mit Strom betrieben wurde, stammte im Jahr 1900 aus Italien
Müllabfuhr und Stadtreinigung gestern und heute
Nach einer kurzen Pause in der Sonne im Hof vor der Lokhalle gehen wir in den zweiten Stock in die Leonardo Ausstellung. Wir haben den Eindruck, dass man sich hier auf sein Thema konzentrieren muss, da es unmöglich ist, alles zu sehen.
Naturbeobachtungen von Leonardo da Vinci
In der Leonardo da Vinci Ausstellung sind viele seiner Zeichnungen und die Nachbauten seiner technischen Modelle zu sehen. Leonardo war ein begnadeter Beobachter, der diese Beobachtungen auch noch in Zeichnungen und Skizzen umsetzen konnte.
Studie eines Fallschirms von Leonardo da Vinci aus dem Jahr 1485 und Nachbau durch die Italian Air Force aus dem Jahr 1953Studie zu einem Flügel mit verstellbarer Neigung von Leonardo da Vinci aus den Jahren 1495-96 und Nachbau durch die Italian Air Force 1953Studie von 1487 zu einer Steinschleuder von Leonardo da Vinci und Modell aus den 50er JahrenEntwurf einer Kirche mit neun Kuppeln von Leonardo da Vinci von 1487-90 und Umsetzung in Keramik von 1953
Darüber hinaus durchblickte er technische Zusammenhänge, die für seine Zeit nicht selbstverständlich waren. Auch gingen die Kanäle, die Mailand mit dem Comer See und Padua am Po verbanden, auf ihn zurück, da er das Prinzip der Doppeltorschleusen skizzierte. Klar wurde dieses Prinzip zur gleichen Zeit in China entwickelt, aber es ist nicht klar, ob es Know How Transfer gegeben hat. Die Kanäle wurden allerdings erst nach Leonardos Tod fertig gestellt. Als Universalgelehrter hat er sich aber auch mit Anatomie, Tieren und Botanik auseinander gesetzt.
Nach einigen Stunden im Museum raucht uns der Kopf und es steht uns der Sinn nach einer echten Teepause mit einem kleinen Gebäck. Dies scheint es hier aber leider nicht zu geben. Also verlassen wir das Museum durch den Haupteingang und finden gleich um die Ecke ein kleines Café. Beim Stöbern in den Beschreibungen des Museums sehen wir, dass uns der Museums Shop, in dem es sicher noch ein Buch über die Leonardo Ausstellung gibt, durch die Lappen gegangen ist.
Drauße scheint immer noch die Sonne und der Vega Launcher von 2012 macht Werbung für das Thema Raumfahrt das wir heute ausnahmsweise überspringen
Viele schöne Lokomotiven gibt es in der Lokhalle, aber wir gehen nur kurz hindurch
Alles wirkt super gepflegt in der Lokhalle
Da wir nach der Teepause wieder frisch gestärkt sind, gehen wir zurück und man lässt uns mit unseren Karten auch wieder ein. Zielgerichtet begeben wir uns in Bau A vor dem Ausgang, der das Thema Transport und Verkehr hat. Es entpuppt sich, dass es hauptsächlich um See- und Luftfahrt geht. Hier können wir nicht einfach durchgehen und bleiben bei vielen Ausstellungsstücken hängen, wie z.B. dem Katamaran Luna Rossa, der am Amerikas Cup vor San Franzisko teilnahm, es aber nicht in das Finale schaffte.
Die Halle wurde um den Ebe Schoner von 1921 herumgebaut
Im Shop am Ausgang erstehen wir auch das ersehnte Buch zu Leonardo da Vinci. Bei einem erneuten Mailand Aufenthalt müssen wir hier auf jeden Fall noch einmal hin.
Die Luna Rossa wurde für die 34. Ausgabe des America’s Cup 2013 gebaut und ist dann in der Qualifikation ausgeschieden. Imposant ist die Größe im Vergleich zu den anderen Schiffen in der Halle!
Zurück auf der Straße ist es bereits dunkel und der aufziehende Nebel beginnt feucht zu werden. Ganz in der Nähe befindet sich die Basilika des heiligen Ambrosius, der auch der Schutzheilige von Mailand ist.
Schön bemalter Rolladen in der Nähe des Museums
Zu diesem gibt es einige erstaunliche Geschichten und Legenden, so war er zunächst kein getaufter Christ, sondern als guter Jurist und Politiker in Diensten des Kaisers Valentinian I. Präfekt von Mailand. Als dann ein neuer Bischof gewählt werden sollte, begab er sich in die Kirche um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Anwesenden waren der Meinung, dass er für dieses Amt am besten geeignet sei, aber er war noch nicht einmal getauft und musste erst seinen Dienstherren um Erlaubnis fragen. Als dieser zustimmte, empfing er innerhalb einer Woche alle erforderlichen Weihen und soll seinen Job ganz gut gemacht haben. Bereits der Vorplatz verbreitet bei diesem Wetter eine ganz besondere Stimmung. Die Basilika ist reich verziert mit Bildern, Wandmalereien und Mosaiken.
Die Basilika Sankt Ambrogio wurde im 4. Jahrhundert von Bischof Ambrosius auf dem Gelände eines Märtyrer Friedhofs gegründet
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Basilika mehrfach umgebaut
Durch den Einwurf kleiner Münzen gibt es auch Licht in den seitlichen Kapellen, die reich geschmückt sind
Die ersten Mosaike über dem Altar stammen aus der Zeit der Karolinger, wurden im 13. Jahrhundert überarbeitet und seitdem etliche Male restauriert
Auf dem weiteren Rückweg entscheiden wir, heute nicht zu kochen, sondern ein kleines Restaurant aufzusuchen, dass uns beim Schlendern auffällt. Der Betreiber schmeißt den Laden ganz alleine. Zum Glück sind wir und zwei weitere Paare die einzigen Gäste.
In diesem hübschen Palazzo wohnen wir. Bislang war es recht ruhig, aber jetzt zu Weihnachten wird es etwas lebhafter hier.
Heute ist Heiligabend, aber dieser spielt im katholisch geprägten Italien eigentlich keine Rolle. Der Hauptfeiertag ist der 25.12. und wir wollen uns mit Lebensmitteln für die Selbstversorgung der nächsten Tage ausrüsten. Also begeben wir uns in den nahegelegenen Supermarkt. Dort wird uns gesagt, dass man alle Tage geöffnet habe. Es macht aber nichts, da wir nicht wissen, wie es sich mit Restaurants und Bars verhält und Petra möchte endlich einmal wieder Gemüse haben. Am heutigen Heiligabend ist auf den Straßen kräftig was los. Offensichtlich machen auch die Mailänder noch letzte Einkäufe.
Diese Tram hat in den 70er Jahren bestimmt mal einen Designpreis gewonnen…
Zwei große Einkaufstaschen mit Lebensmitteln stellen so die Versorgung für die nächsten Tage sicher. Nachdem alles einen Platz in der Küche gefunden hat und wir noch etwas an diesem Blog gearbeitet haben, begeben wir uns mit der Tram zum Simplonpark, der an das Castello Sforzesco anschließt.
Kinderbelustigung im Park
Kein Wunder, dass hier kein Kind fährt, bei den Preisen an der Tankstelle reicht das Taschengeld bestimmt nicht…
Nein nicht der Platz des himmlischen Friedens in Beijing, auch nicht der Arc de Triomphe in Paris sondern das Friedenstor in Mailand, aber die Straße dahinter führt nach Paris 🙂
Blick vom Friedenstor auf das Castello
Der Torre Littoria wurde 1932 für die 5. Triennale erbaut. 40 Jahre später wurde er für die Öffentlichkeit geschlossen, vermutlich aus Sicherheitsgründen. Nachdem die Firma Fratelli Branca 2002 die Restaurierung übernommen hatte, wurde er umbenannt in Branca Turm.
Etwas feucht heute im Park
Am Arco della Pace (Friedenstor), der dem Castello gegenüber liegt, hat sich eine Gruppe Chinesen mit einem Banner aufgestellt und dreht ein Video. Unsere gut unterrichteten Kreise aus Hannover übersetzen und geben uns den Hinweise, dass es sich um einen Neujahrsgruß in die Heimat handelt. Für uns und auch für die Italiener um uns herum wirkt die Szene etwas merkwürdig.
Schönes Gebilde vor dem Designmuseum
Roter Stuhl
Geheimnisvolles Schwimmbad im Garten des Designmuseums
Der Simplonpark ist ziemlich groß, allerdings haben alle Cafés, sowie der Branca-Aussichtsturm (er soll angeblich nur bei schönem Wetter geöffnet haben), geschlossen. Nur ein kleiner mobiler Stand mit heißen Maronen, Nüssen und Getränken hat Erbarmen. Wir kaufen eine Tüte sehr heißer Maronen – lecker! Wir sind aber nicht die Einzigen, die sich dort die Zeit vertreiben. Leider hat auch das Museum für moderne Kunst und Design geschlossen.
Im Castello
So schlendern wir weiter und finden zu unserer Überraschung im Innenhof des Castello ein Café, das geöffnet hat und nutzen die Gelegenheit zu einer kleinen Teepause. Auch die Museen im Castello haben bis 17:30 Uhr geöffnet. Bei einem Eintritt von nur 5€ pro Person nutzen wir die letzen eineinhalb Stunden für einen Schnelldurchlauf, wobei wir nur einen kleinen Teil sehen. Besonders angetan sind wir vom Teil, der sich mit der Möblierung und Raumgestaltung über die Jahrhunderte beschäftigt. Die ältesten Stücke sind von etwa 1200. Wandteppiche, Truhen mit vielen Verzierungen und aus späterer Zeit wundervoll gestaltete Sekretäre ziehen uns in den Bann.
Grabmal für Bernabo Visconti (Feudalherr von Mailand) von Bonino da Campione aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts
Diese Adamsstatue von Stoldo Lorenzi aus der zweiten Häfte des 16. Jahrhunderts hat einen sehr gepflegten Bart. Ob es im Paradies schon Barbiere gab?
Der von Leonardo da Vinci im Auftrag von Ludovico il Moro entworfene Saal „Sala delle Asse“ wird zur Zeit saniert. Über die Absperrung hinweg lässt sich nur ein wenig vom Deckengemälde erahnen.
Ein Ausschnitt aus dem schönen Deckengemälde der herzöglichen Kapelle. Das Gemälde entstand unter der Anleitung von Bonifacio Bembo von 1472 bis 1473
Die Heiliger Georg Truhe für die Aussteuer einer jungen Frau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Angeblich soll der Heilige Georg hier vor der Bedrohung durch den Drachen und damit allen Sünden retten.
Ich halte das für eine klassische Fehlinterpretation. Wie sich leicht erkennen lässt, ist der Drache sehr klein und handzahm und lässt sich mühelos an der Leine führen. Es ist eher ein klassisches Beispiel für männliche Selbstüberschätzung!
Passend zu Heiligabend die Hirten, die das Christuskind anbeten.
Das Relief stammt aus dem 15. Jahrhundert Es stammt aus einer Kirche in Gallarate.
Diese etwas makabre Elfenbeintruhe aus dem 17. Jahrhundert stammt aus Deutschland
Dieser Automat aus dem 17. Jahrhundert kann die Zunge herausstrecken, mit den Augen rollen, den Kopf bewegen, vermutlich auch mit den Ohren wackeln und irgendwelche Töne von sich geben
Gegen 17:20 Uhr wird uns bedeutet, wo der Ausgang ist und dass man jetzt schließen möchte, damit die Angestellten nach Hause können. Wir haben Verständnis und wünschen allen frohe Weihnachten.
Das Castello im Dunkeln
Wir bummeln noch ein wenig durch die Straßen und nehmen dann eine Straßenbahn nach Hause. Das Wetter geht über von diesig zu neblig zu Nieselregen. In unserer Unterkunft beginnen wir nach kurzer Pause mit unserem Weihnachtsmenue „Pulpo a la Plancha“, so wie Klaus es aus seiner Zeit in Viviero kennt.
Nein, das ist weder eine Museumsbahn noch ist es die älteste Straßenbahn Mailands.
….oder wo man mit dem Segelboot nicht so schnell hinkommt