Heute gilt es, sich auf die Heimreise vorzubereiten. Wir fangen also gleich morgens an, unsere Sachen schon einmal zusammen zu packen. Nur die Sachen, die wir noch heute und morgen früh benötigen, bleiben noch draußen.

Nun steht also alles fertig zur Abreise bereit, aber der Tag ist noch nicht rum und droht wieder recht warm zu werden. So ein Tag eignet sich, um noch einmal das Grün der Stadt zu erobern und davon gibt es hier in Paris einiges. Mit der Metro machen wir uns auf in den Bois de Vincennes. Wenn wir ehrlich sind, wissen wir wenig über den Wald und das Schloß, das sich dort befindet.

Das Wetter ist feuchtwarm. Im nördlichen Bereich hat sich eine Zone mit einigen Domizilen von Obdachlosen im Wald gebildet. Vom Weg aus sind die Zelte gut zu sehen. Offensichtlich werden die Leute hier genauso, wie in der Innenstadt, geduldet. Wir machen uns bei der Trockenheit hier im Wald nur Gedanken, wie sie hier kochen und ob es nicht eine Brandgefahr gibt. Paris hat auf jeden Fall ein großes Obdachlosenproblem.

Das Schloss Vincennes und der zugehörige Park war vom 11. Jahrhundert an in der Hand der Krone und wurde als Jagdgebiet genutzt. Im 12. Jahrhundert entstand eine erste Jagdhütte für den König. Im 13. Jahrhundert wurde die Jagdhütte durch einen Herrensitz mit einer Kapelle ersetzt. Der Wald wurde mit einer Mauer umgeben. Im 14. Jahrhundert entstand ein erster Wohnturm (Donjon) als sicherer Rückzugsort für den Verteidigungsfall. Es wütete der Hundertjährige Krieg zu der Zeit. Ludwig XIV. ließ das Schloss im 17. Jahrhundert zum dritten königlichen Wohnsitz erweitern.

Danach wurde das Schloss aufgegeben und hatte seitdem eine wechselvolle Geschichte als Staatsgefängnis, als Porzellanmanufaktur und auch als Hinrichtungsort: 1804 wurde hier auf Befehl von Napoleon der Herzog von Enghien im Festungsgraben als vermeintlicher Verschwörer hingerichtet. Dies ging dann mit Mata Hari 1917 weiter. 1940 war das Schloss das Hauptquartier der französischen Armee gegen die deutsche Invasion und die einrückenden Deutschen besetzten es sofort. Diese wurden dann in 1944 wieder vertrieben, was einige Schäden hinterließ. Auch heute wird es noch vom Verteidigungsministerium sowie vom Ministerium für Kultur und Kommunikation genutzt.

Wir wollen aber draußen bleiben und begeben uns zum Lac des Minimes. Dort gibt es ein Selbstbedienungscafé und einen Bootsverleih. Wir verzichten auf eine Bootstour und genießen die entspannte Atmosphäre. Von dort wandern wir nach Süden in Richtung Seine. Dort finden wir eine Buslinie zurück in die Stadt. So können wir auch noch einmal die Benutzung des Busses ausprobieren, bevor wir morgen mit Sack und Pack von unserer Unterkunft zum Gare de l’Est aufbrechen.

Die Abendversorgung gestaltet sich heute etwas schwierig, da am Sonntag Abend viele Restaurants geschlossen haben. Nach einiger Suche finden wir aber ein Restaurant, das doch geöffnet hat. Auch dies ist ein Tipp unseres Vermieters. Am Tisch neben uns kämpft ein französisches Paar mit seinen übermüdeten kleinen Kindern. Wir können nur ab und zu mit einigen Faxen die Aufmerksamkeit der Kinder auf uns ziehen und den Eltern etwas Entlastung verschaffen. Die Kids müssen einfach ins Bett.