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Kleiner Spaziergang in den Bergen

Auch heute scheint die Sonne aus allen Knopflöchern. Über Mittag wollen wir mit fast der gesamten Familie und einer kleinen Freundin der Tochter einen Ausflug in die Berge unternehmen. Den Morgen nutzen wir für ein paar Besorgungen. Vorgestern auf dem Kunsthandwerkermarkt war die kleine Tochter unserer Freunde ein großer Fan von Armbändern aus bunten Leinen. So etwas können wir selber, hatten wir ihr versprochen. In einem Bastelladen hatten wir das passende Material bekommen und seitdem läuft sie stolz mit einem von Klaus hergestellten Armband umher. Nun würden wir aus dem restlichen Material gern auch noch Flaschenhalter machen, die beim Wandern praktisch sind. Dafür fehlen u.a. noch Karabiner. Außerdem geht unser Bargeld zur Neige. Leider funktioniert mal wieder nur meine Bankkarte. Klaus bekommt mit seiner Karte immer noch kein Geld. In der Bank sind sie auch ratlos und empfehlen ihm bei seiner Bank zu Hause anzurufen. Gar nicht so einfach bei 8 Stunden Zeitdifferenz. Naja, es geht ja auch mit meiner und mit Kreditkarte kann man hier glücklicherweise selbst sein Kaugummi bezahlen.

Unser Freund möchte gern, dass ich ihm Brotbacken beibringen, also brauchen wir auch noch Mehl, Hefe und ein paar Sonnenblumenkerne. Ich versuche mir beim Einkaufen anzugewöhnen, keine Plastiktüten mehr anzunehmen, sondern meine eigene Tasche zu zücken. Gar nicht so einfach, wenn immer alles sofort automatisch in Plastiktüten verpackt wird.

Bevor es zum Wandern losgeht, hat Klaus noch zwei Flaschenhalter hergestellt und ich verarbeite mit Unterstützung der Mädels vorher noch ein komplettes Toastbrot, Käse, Lachs, Tomaten usw. zu einem großen Berg an Sandwiches.

Von Las Cruces aus fahren wir dann ein kurzes Stück Richtung Norden und biegen anschließend Richtung White Sands nach Osten ab. Die Aguirre Springs Road führt als schmale Straße vom Highway aus in die Berge zu einem Camping- und Picknickplatz und zum Ausgangspunkt unseres Wanderwegs zum Baylor Peak. Die schroffe und felsige Spitze ist bei 2350m. Der Wanderweg startet auf etwa 1600m. Wir wollen nicht bis ganz hinauf, sondern nur ein Stück laufen. Der Weg läuft mit mäßiger Steigung durch eine schöne Landschaft mit runden Felsen, bizarren Bäumen und den schönen Yacca-Büschen. Nach kurzer Strecke schon liegt etwas Schnee. Unten am Auto war es warm. In der Sonne ist es auch immer noch warm, aber wenn wir im Schatten stehen bleiben, wird es schnell kalt. Wir haben einen wundervollen Blick über die Hochebene mit White Sands im Hintergrund. Unterwegs veranstalten wir einen Picknick. Schließlich erreichen wir einen eingefrorenen Wasserfall. Das Wasser fließt darunter weiter. Es sieht aus, als würden sich große Kaulquappen unter dem Eis bewegen. Hier drehen wir um, um rechtzeitig zum Klavierunterricht wieder zu Hause zu sein.

 

Auch Haie müssen mal schlafen

Heute bleiben wir in Warderick Wells Cay. Nach dem Frühstück statten wir dem Nationalparkzentrum einen weiteren Besuch ab. Wir kaufen ein paar Souvenirs und einen Zugang zum WLAN, der uns nach mehreren Tagen Abstinenz Zugang zum Internet via Satellit verheißt. Die letzten Tage hatte das ipad noch Zugang über Mobilfunk, aber die Geschwindigkeit reichte nicht aus, um auch das Netbook mit dranzuhängen und das Blog zu aktualisieren. Ich habe einfach offline weitergeschrieben in der Hoffnung, es irgendwann alles auf einen Schlag hochzuladen.

Danach gehen wir schnorcheln, erst an einem versunkenen Boot zwischen den Moorings, dann von einem kleinen Strand aus an der Nordspitze der Insel. Dies sind die Plätze, an denen der volle Gezeitenstrom läuft. Deshalb haben wir sie uns für den späten Vormittag ausgesucht. Es ist Niedrigwasser und damit die Chance hier ohne nennenswerte Strömung zu schnorcheln. Anschließend machen wir eine Pause und ich aktualisiere endlich das Blog. Dann machen wir usn am frühen Nachmittag auf zu einem Platz vor der Ostküste der Insel. Hier läuft kaum Strömung, aber wir haben viel Seegang und das Dinghi nimmt bei langsamer Fahrt viel Wasser über. Wir sind schon durchnässt bevor wir überhaupt im Wasser waren. Das Dinghi machen wir an einer Mooring für Dinghis gleich neben einem großen Korallenfelsen fest. Ich bleibe zur Sicherheit im Dinghi und Klaus geht erst einmal alleine schnorcheln, während ich das Boot mit meiner Flosse wieder leer schöpfe. Nach einer Weile kommt er zurück ins Boot und fragt ob ich Lust habe zu schnorcheln. Er müsse mich allerdings darauf hinweisen, dass dort ein großer Hai sei. Unter dem Riff liegt ein ca. 2,5 m langer Hai am Boden und schläft. Auf seinem Rücken liegen zwei Schiffshalter-Fische. Ich verzichte auf diese Badebekanntschaft und schaue mir die Sache vom Schlauchboot aus an. Wir lassen uns noch ein Stückchen sacken, um einen besseren Blick zu haben. Dann fahren wir zum Nationalparkzentrum, um herauszufinden, was wir da gesehen haben. Es scheint ein Atlantischer Ammenhai zu sein. Sie jagen nachts und schlafen tags unter Korallen. Dem Menschen werden sie nur gefährlich, wenn sie provoziert werden. Die Frage ist nur, was ist für einen Ammenhai eine Provokation?

Die Fischfabrik

Seit unserer Tour zu den Walen lässt uns die alte Fischfabrik nicht mehr los. Dorthin würden wir gern noch einmal zu Fuß. Leider sind das von uns aus 800m Höhenunterschied und etliche Kilometer Entfernung. Da wir bislang noch keine Wanderkarte erstanden haben (die Touristeninformationen hatten immer geschlossen, wenn wir kamen) wissen wir bislang nicht, wie wir dort hinkommen. Gestern auf unserer Wanderung haben wir zwar einen passenden Wegweiser gesehen, aber von uns ist das einfach etwas zu heftig.

Das Glück ist hold, denn der Supermarkt hatte gestern nachmittag geschlossen. So waren wir gezwungen nach Playa de Santiago zu fahren, um uns für die nächsten Tage zu verproviantieren. Dort gibt es einen Schreibwarenladen. Nach Kaffee und leckerem Kuchen beim Bäcker durchsuchen wir solange den Schreibwarenladen, bis wir endlich eine Wanderkarte finden. Als erfreulichen Seiteneffekt haben wir nun auch für die nächsten Tage Kuchen und Fisch.

Heute morgen rüsten wir uns dann mit Keksen, Bananen und reichlich Wasser für unsere Wanderung aus. Mit dem Auto fahren wir bis Quise. Von dort aus sind es bis Cantera „nur“ noch 500 Höhenmeter. Das erste Stück verläuft als sanfter Abstieg bis wir das Gefühl haben, gleich müsste es senkrecht eine Leiter hinunter zum Strand gehen. Ab dort geht es dann steil in Serpentinen in die Schlucht hinunter. Der Weg ist recht gut gepflegt. Auf dem Schild am Beginn stand, dass dies für die Angestellten der Fischfabrik der Weg zur Arbeit war. Hoffentlich gab es unten Übernachtungsmöglichkeiten, so dass sie den nicht täglich gehen mussten!

Unten steht ein Schild: „Privateigentum“ und ein zweites Schild, das uns den Weg zum Strand weist. Offensichtlich hat sich jemand in den Ruinen der Fischfabrik häuslich eingerichtet. Aber ist solch ein Schild für einen Aussteiger nicht viel zu spießig?

In der Fabrik stehen noch alle Maschinen. Leere Dosen stehen herum und die Deckel bilden auf dem Fußboden ein Muster. Wir fühlen uns wie im Industriemuseum, selbst die Riemenantriebe und der Dieselmotor zum Antrieb sind noch dort. Dazwischen immer wieder Anzeichen von Bewohnern: Kerzen, Feldbetten, Öllampen, Kartoffeln, Vorhänge, schließlich sogar ein kleines Büro mit ungeöffneten Briefen unter einem Stein vom Strand. Vor uns ist schon ein Paar hinabgewandert. Sie hatten sogar zwei Strandliegen gefunden und es sich darauf bequem gemacht. Große Tonnen stehen hinter den Gebäuden, vermutlich als Trinkwasserspeicher. Der ursprüngliche gemauerte Wasserspeicher im Tal ist leer.

Die folgenden Fotos zeigen unseren Weg und die alte Fischfabrik, beziehungsweise was davon nach über 70 Jahren noch übrig ist: