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Morro Bay: Surfer im Nebel und Seelöwen auf Capt. Jack

Surfer am Morro Rock

Heute setzte langsam der Urlaubseffekt ein: wir schlafen länger, frühstücken noch länger und entscheiden erst gegen Mittag womit wir den Tag verbringen wollen. Wir sind phantasielos und wählen den Klassiker: einen Spaziergang in Morro Bay. Auf der Hinfahrt lassen wir uns vom Navi führen. Hinter San Luis Obispo wird das Land weit. An der Küste steht kein Nebel, nur weiter draußen ist eine Wolkenbank zu sehen. Ein paar Surfer hoffen auf Wellen.

Nebel am Morro Rock

Kurze Zeit später kommt etwas mehr Wind auf, innerhalb von Minuten zieht die Wolkenbank heran und hüllt Morro Rock, die Surfer und den Strand in dichten Nebel. Die Luft ist kalt. Im Inland hatte uns die Sonne noch so schön gewärmt.

Am Strand treffen wir die gleichen Vögel wie gestern und zusätzlich noch ein paar kleinere Strandläufer, vermutlich Willets und Sanderlinge.

Sanderlinge

Nach dem Spaziergang fahren wir einen Stück mit dem Auto in die Stadt, laufen am Hafenpier an den vielen Restaurants und Andenkenläden entlang, um schließlich in einer Bar mit großen Fenstern auf die Bucht hinaus einzukehren. Wir suchen uns einen Tisch am Fenster und können von dort aus dem Schauspiel zuschauen, wie eine Herde Seelöwen, die sich auf einem Fischerboot niedergelassen haben, vom Hafenmeister vertrieben werden.

Seelöwen flüchten vom Fischerboot Capt. Jack

Sie warten in der Nähe bis das Hafenmeisterboot verschwunden ist, um dann so schnell wie möglich wieder auf das Boot zu klettern. Der gigantische Bulle sucht sich mit viel Getöse wieder den höchsten Platz.

Auf dem Rückweg wählen wir den landschaftlich schöneren Weg über Atascadero, vorbei an vielen Avocado-Plantagen, die uns daran erinnern, dass wir schon lange keine Avocados mehr gegessen haben.

Eigentlich wollten wir abends nach Pozo in den Saloon, um dort Hamburger zu essen und die Atmosphäre zu genießen, aber der Saloon hat geschlossen und soll auch nicht mehr so schön sein, wie wir ihn in Erinnnerung haben, also fahren wir stattdessen nach Templeton, eine süße kleine Westernstadt und gehen in den dortigen Saloon. Leider kann man dort nicht draußen sitzen. Das Essen ist super gut, ich bin schon satt bevor der Hamburger kommt. Mit zwei großen Doggy Bags fahren wir wieder nach Hause und trinken an diesem lauen Abend zum ersten Mal ein Bier im Garten.

Nach Kap Finisterre an das Ende der Welt – oder – „Die spinnen die Pilger!“

Ein Wikingerboot auf dem Rio Ulla
Ein Wikingerboot auf dem Rio Ulla

Kap Finisterre heißt heute unser Ziel oder Leuchtturm, wir wir meistens sagen. Zuvor genießen wir jedoch erst einmal ausgiebigst ein opulentes Frühstücksbuffet und erklären es kurzerhand zur heutigen Hauptmahlzeit. Dann kann es losgehen. Die Küste ist hier immer noch so eng bebaut, dass ein Übergang zwischen den einzelnen Orten höchstens am Ortsschild erkennbar wird. Das Meer ist immer nur durch Häuserlücken zu erkennen. Als wir den Rio Ulla überqueren (zum zweiten Mal, wir erinnern uns, aber diesmal in der anderen Richtung), erspähen wir unterhalb der Brücke drei nachgebaute Wikingerboote. Das müssen wir uns genauer ansehen und so fahren wir hinunter zum Ufer. Leider sind von dort die Schiffe nicht so gut zu erkennen, wie von der Brücke aus. Hier findet alljährlich ein Wikingerfest statt, da im nächsten Ort eine Burg stand, um den Einfall von Wikingern und Normannen zu verhindern.

Holzweg durch die Dünen bei Olveira
Holzweg durch die Dünen bei Olveira

Den nächsten Stop legen wir in Olveira ein, um eine große Wanderdüne zu bestaunen. Die Ecke steht unter Naturschutz. Sie besteht aus meist bewachsenen Dünen und Lagunen. Nur eine ca. 30m hohe Düne ist nur spärlich bewachsen. Auf Holzwegen laufen wir durch die Dünen, stärken uns anschließend mit einem Kaffee und fahren dann weiter. Die Gegend wird nun weniger touristisch, uns gefällt sie deutlich besser als der südlichere Teil der Rias Baijas. In Muros enden die Rias offiziell und die Costa da Morte beginnt. Die Landschaft wird rauer, die Hänge sind steiler, mehr Felsen sind zu sehen.

Küste unterhalb des Leuchtturms Larina
Küste unterhalb des Leuchtturms Larina

In Larina hält uns nicht mehr im Auto, wir müssen ans Wasser und diese Küste bewundern! Ein Leuchtturm thront über den Felsen. Das Wasser läuft ab, in den Felsen bleiben kleine Pools mit klarem Wasser, in denen sich Muscheln, Krabben, Krebse und Fische tummeln. Wir hocken davor und freuen uns an diesen Frischluft-Aquarien. Während dessen, schlagen die Wellen gegen die Felsen und das Wasser spritzt hoch auf, obwohl es nahezu windstill ist. Die Sonne brennt heute genauso unerbittlich, wie die letzten Tage, aber es ist diesig.

Abgestellte Schuhe am Kap Finisterre
Abgestellte Schuhe am Kap Finisterre

Gegen 18 Uhr sind wir am Kap Finisterre. Hier treffen wir wieder auf viele Pilger, die schauen wollen, wo früher die Welt zu Ende war. Uns als Segler interessiert mehr der Leuchtturm und die meteorologische Station, die heute ein kleines Hotel ist. Leider ist dieses Hotel bereits ausgebucht. Wir trösten uns mit einem Eis und wandern hinaus auf die Spitze. Hier staunen wir sehr über kokelnde Feuer und einen Geruch nach verbranntem Gummi. Hier verbrennen doch allen Ernstes Pilger ihre Schuhe und Jacken! Viele stellen ihre Wanderstiefel auch einfach auf den Felsen ab. So einen Unsinn haben wir noch nie gesehen – Die spinnen die Pilger!

In Fisterra gehen wir auf die Suche nach einem Hotel und finden ein neu gebautes Haus in einer kleinen Nebenstraße. Die Zimmer sind sehr schön, das Badezimmer ein High-Tech-Wunder und das Ganze für 50 € inklusive Frühstück und Swimmingpool. Letzteren nutzen wir gleich aus – aaaaah! Dann laufen wir hinunter in die Stadt, kaufen ein Badelaken und ein paar kurze Hosen und finden dann am Hafen ein kleines Restaurant, wo ich Chipirones probiere. Ob ich wohl jemals woanders wieder Meeresfrüchte mag? Diese sind einfach immer frisch und gut hier.

Der Hafen von Fisterra und dicker Rauch über der Küste
Der Hafen von Fisterra und dicker Rauch über der Küste

Wir wundern uns über die vielen Lagerfeuer entlang der Küste. Es scheint als ob alle Menschen draußen sitzen und zusammen gegrillte Sardinen essen. Ab und zu sind Böller zu hören. Im Hotel fragen wir schließlich, was eigenlich gefeiert wird: Es ist San Juan. Der ist uns aus Dänemark als St. Hans bekannt. Der Rauch der vielen Feuer liegt in einer dicken Inversionsschicht über der Küste.

Am Hafen beobachten wir noch einen Fischer beim Ausladen seines Fangs. Er hat reiche Beute gemacht. Überhaupt scheint es uns hier extrem viele Fische zu geben. Jedes Hafenbecken, in das wir schauen, sieht aus wie ein großes Aquarium.

Den Abend beschließen wir auf der Terrasse des Hotels während die Nachbarn versuchen, das größte Lagerfeuer des Ortes hinzukriegen. Von hier aus sieht es aus, als ob das Haus demnächst abbrennt…