Kategoriearchiv: Dublin nach Brest 2026

Ein größerer Sprung die irische Küste entlang nach Süden

Heute ist erst gegen 8:00 Uhr aufstehen angesagt, da wir auch erst später den Hafen verlassen wollen. Bevor wir auslaufen haben wir noch einige Zeit, um die Stadt zu erkunden.

Wicklow ist ein kleiner Ort, der früher vom Holzimport gelebt hat. Heute ist er eher auf den Tourismus aus. Auf jeden Fall gibt es den Hafen und im Ort eine Einkaufstraße mit vielen kleinen Geschäften. Am Hafen befindet sich die Ruine einer alten Burg, auf der natürlich alte Geschütze stehen.

Sonnenuntergang über Irland
Sonnenuntergang über Irland

Gegen 11:00  Uhr verlassen wir den Hafen und setzen etwas weiter draußen die Segel. Es geht weiter die Küste entlang Richtung Süden. Bereits kurz nach dem Segelsetzen kreuzt eine Gruppe Delfine unser Heckwasser. Auf der Höhe von Rosslare, dem mittlerweile größten Fährhafen von Irland, geht es nach Sonnenuntergang in die Nacht. Einige neugierige Robben heben ihre Köpfe aus dem Wasser.

Der Wind ist so schwach, dass wir leider den Motor starten müssen, um ein wenig voran zu kommen. In der Nacht kommt der Wind zurück, so das die Nachtwache die Genua 3 wieder ausrollen kann und es unter Segeln weiter geht. Sie berichtet am nächsten Morgen, dass wir in der Nacht eine Zeit lang von einer großen Schule Delfine begleitet wurden.

Sonnenaufgang auf See
Sonnenaufgang auf See

Vor Sonnenaufgang werde ich geweckt und mache mich bereit für meine Wache. Am östlichen Horizont wird es bereits grau und dann kriecht die Sonne am Horizont hoch. Der Wind lässt aber langsam wieder nach. Selbst ausgiebiger Segeltrimm läßt die Geschwindigkeit nach einiger Zeit nicht über 4 Knoten steigen. Wir müssen leider wieder gegen 8:00 Uhr den Motor starten. Um 11:27 Uhr haben wir dann unser Ziel Kinsale erreicht.

Der kleine Ort Kinsale liegt geschützt in einer fjordartigen Flussmündung und ist sehr touristisch geprägt. Nach dem Mittag teilt sich die Crew auf in einen Teil, der erst einmal duschen möchte und einen anderen Teil, der erst einmal die Stadt erkunden will.

Die Sonnenfinsternis hinter Wolken
Die Sonnenfinsternis hinter Wolken

Zum Abend zieht sich der Himmel zu, so dass wir die angekündigte Sonnenfinsternis durch einen Wolkenschleier gut sehen können. Die Bewölkung erweist sich als Glücksfall, da wir keine Schutzbrillen an Bord haben und sonst die Filterscheiben des Sextanten hätten nutzen müssen.

Zum Dinner verholen wir uns in ein Pub am Hafen. Die Kombüse bleibt heute kalt.

Boarding in Dun Laoghaire und Aufbruch nach Wicklow

Die „Glücksburg“ ist bereits im Hafen und die alte Crew hat die Yacht bereits an Skipper und Schiffsassistent (Schassi) übergeben. Für den Rest der Crew gilt, dass wir Sonntag gegen 16:00 Uhr Bordzeit an Bord sein sollen.

Ich habe die Möglichkeit, mein Pack schon gegen Mittag an Bord zu legen. Wir gehen noch etwas Einkaufen. Der große Versorgungseinkauf soll aber erst am Montag Morgen stattfinden.

Dun Laoghaire ist der Badeort von Dublin. Es gibt die Uferpromenade und in der Innenstadt eine Einkaufszone, wo die Badegäste ihr Geld lassen können. Ich suche mir einen kleinen Falafel-Stand an der Promenade für Lunch und ein Café auch an der Promenade für eine ausgiebige Tasse Tee.

Streitende Vögel in Dun Laoghaire
Streitende Vögel in Dun Laoghaire

Neben den Gästen hauen sich einige Starenvögeln um einen Wassernapf, der eigentlich für die Hunde bestimmt ist, aber die haben hier keine Chance.

Um 16:00 Uhr trifft sich dann die gesamte Besatzung im Cockpit. Wir haben eine fröhliche Zusammensetzung aus ganz Deutschland, von denen einige bereits Erfahrung mit Langtörns beim DHH und sogar auf der „Glücksburg“ haben. Wir verteilen uns auf die Kojen in den Kabinen und packen unser Zeug in die Schapps.

Der Abend ist natürlich erst einmal für das Kennenlernen gedacht.

Nach einer angenehmen Nacht wartet am Montag nach dem Frühstück einige Arbeit auf die Crew. Es muss für 9 Personen für 2 Wochen eingekauft werden, das Deck muss segelklar gemacht werden und natürlich brauchen wir alle die Sicherheitseinweisung in die Yacht. Danach soll es bereits losgehen, so dass wir bereits den kleinen Hafen Wicklow südlich von Dublin anlaufen können.

Der Großeinkauf
Der Großeinkauf

Das Einkaufen gestaltet sich als echte Herausforderung. Der Schassi hat eine lange Liste angefertigt, aber diese im örtlichen TESCO in die Tat umzusetzen ist nicht ganz einfach, da wir die Organisation des Ladens nicht kennen. Am Ende füllen wir zwei große Karren aus der Marina bis zum Rand mit den Lebensmitteln und bringen sie zum Hafen. Jetzt müssen sie „nur“ noch ihren Platz in den Staufächern der Yacht finden.

Gegen 15:00 Uhr ist es vollbracht und wir sind klar zum Auslaufen. Wir fädeln uns aus der Box und müssen zwischen den ganzen Jollenseglern hindurch, die im Vorhafen und davor trainieren.

Skipper und Schassi beim obligatorischen MOB-Manöver
Skipper und Schassi beim obligatorischen MOB-Manöver

Als wir etwas freier sind, machen wir noch die obligatorischen „Mensch über Bord“ Manöver, um den Umgang mit der Yacht zu trainieren. Danach gehen die Segel hoch. Das Großsegel hat mächtig Gewicht, so dass wir die Fallen mit zwei Personen am Mast und zwei Personen an der Winsch bedienen müssen. Als Vorsegel ist die Genua 3 angeschlagen. Eigentlich für diesen Wind etwas wenig, aber wir wollen es am ersten Tag nicht übertreiben.

Leider kommt der Wind aus südlicher Richtung und verläßt uns nach 2 Stunden komplett. So geht es den Rest der Stecke unter Motor und wir laufen bei Sonnenuntergang in Wicklow ein.

An der Pier stehen einige Leute und bestaunen die stattliche Glücksburg. Der Hafen bietet keinen Service, aber statt Hafengeld wird um eine Spende für die örtliche RNLI gebeten.

Diesmal an dieser Stelle ein Abenteuer auf dem Wasser

Wir haben zwar schon viele Seemeilen gemeinsam in verschiedenen Teilen der Erde und vornehmlich auf der Ostsee zurückgelegt, aber ein richtiger Langtörn mit Nächten auf See war noch nicht dabei. Normalerweise sind wir abends im Hafen oder in einer Ankerbucht.

Bevor ich einen Langtörn eigenverantwortlich mache, möchte ich das erst einmal zusammen mit anderen tun, die so etwas schon häufiger gemacht haben. Im Rahmen meiner Segellehrer Ausbildung habe ich den DHH hier als kompetente Adresse kennengelernt.

Deshalb habe ich mich als Crewmitglied für eine Etappe auf der SY „Glücksburg“ angemeldet. Die Tour soll uns von Dun Laoghaire bei Dublin nach Brest führen. Als Vorbereitung habe ich noch einmal das Buch für den Sportseeschiffer heraus geholt. Die ganzen Tidennavigationsmethoden sind auf der Ostsee dann doch etwas in Vergessenheit geraten.

Heute bin ich morgens in Hannover mit der Bahn aufgebrochen, um meinen Mittagsflug von Hamburg nach Dublin zu bekommen. Alles klappt wie am Schnürchen und am späten Nachmittag stehe ich in der Marina und schaue, wo die „Glücksburg“ liegt.

Für die Nacht habe ich mich im Haddington House direkt an der Uferpromenade einquartiert, da noch die vorherige Crew an Bord ist. Der Abend im Garten des Hotels ist herrlich.