Heute ist erst gegen 8:00 Uhr aufstehen angesagt, da wir auch erst später den Hafen verlassen wollen. Bevor wir auslaufen haben wir noch einige Zeit, um die Stadt zu erkunden.
Wicklow ist ein kleiner Ort, der früher vom Holzimport gelebt hat. Heute ist er eher auf den Tourismus aus. Auf jeden Fall gibt es den Hafen und im Ort eine Einkaufstraße mit vielen kleinen Geschäften. Am Hafen befindet sich die Ruine einer alten Burg, auf der natürlich alte Geschütze stehen.
Sonnenuntergang über Irland
Gegen 11:00 Uhr verlassen wir den Hafen und setzen etwas weiter draußen die Segel. Es geht weiter die Küste entlang Richtung Süden. Bereits kurz nach dem Segelsetzen kreuzt eine Gruppe Delfine unser Heckwasser. Auf der Höhe von Rosslare, dem mittlerweile größten Fährhafen von Irland, geht es nach Sonnenuntergang in die Nacht. Einige neugierige Robben heben ihre Köpfe aus dem Wasser.
Der Wind ist so schwach, dass wir leider den Motor starten müssen, um ein wenig voran zu kommen. In der Nacht kommt der Wind zurück, so das die Nachtwache die Genua 3 wieder ausrollen kann und es unter Segeln weiter geht. Sie berichtet am nächsten Morgen, dass wir in der Nacht eine Zeit lang von einer großen Schule Delfine begleitet wurden.
Sonnenaufgang auf See
Vor Sonnenaufgang werde ich geweckt und mache mich bereit für meine Wache. Am östlichen Horizont wird es bereits grau und dann kriecht die Sonne am Horizont hoch. Der Wind lässt aber langsam wieder nach. Selbst ausgiebiger Segeltrimm läßt die Geschwindigkeit nach einiger Zeit nicht über 4 Knoten steigen. Wir müssen leider wieder gegen 8:00 Uhr den Motor starten. Um 11:27 Uhr haben wir dann unser Ziel Kinsale erreicht.
Der kleine Ort Kinsale liegt geschützt in einer fjordartigen Flussmündung und ist sehr touristisch geprägt. Nach dem Mittag teilt sich die Crew auf in einen Teil, der erst einmal duschen möchte und einen anderen Teil, der erst einmal die Stadt erkunden will.
Die Sonnenfinsternis hinter Wolken
Zum Abend zieht sich der Himmel zu, so dass wir die angekündigte Sonnenfinsternis durch einen Wolkenschleier gut sehen können. Die Bewölkung erweist sich als Glücksfall, da wir keine Schutzbrillen an Bord haben und sonst die Filterscheiben des Sextanten hätten nutzen müssen.
Zum Dinner verholen wir uns in ein Pub am Hafen. Die Kombüse bleibt heute kalt.
Die „Glücksburg“ ist bereits im Hafen und die alte Crew hat die Yacht bereits an Skipper und Schiffsassistent (Schassi) übergeben. Für den Rest der Crew gilt, dass wir Sonntag gegen 16:00 Uhr Bordzeit an Bord sein sollen.
Ich habe die Möglichkeit, mein Pack schon gegen Mittag an Bord zu legen. Wir gehen noch etwas Einkaufen. Der große Versorgungseinkauf soll aber erst am Montag Morgen stattfinden.
Dun Laoghaire ist der Badeort von Dublin. Es gibt die Uferpromenade und in der Innenstadt eine Einkaufszone, wo die Badegäste ihr Geld lassen können. Ich suche mir einen kleinen Falafel-Stand an der Promenade für Lunch und ein Café auch an der Promenade für eine ausgiebige Tasse Tee.
Streitende Vögel in Dun Laoghaire
Neben den Gästen hauen sich einige Starenvögeln um einen Wassernapf, der eigentlich für die Hunde bestimmt ist, aber die haben hier keine Chance.
Um 16:00 Uhr trifft sich dann die gesamte Besatzung im Cockpit. Wir haben eine fröhliche Zusammensetzung aus ganz Deutschland, von denen einige bereits Erfahrung mit Langtörns beim DHH und sogar auf der „Glücksburg“ haben. Wir verteilen uns auf die Kojen in den Kabinen und packen unser Zeug in die Schapps.
Der Abend ist natürlich erst einmal für das Kennenlernen gedacht.
Nach einer angenehmen Nacht wartet am Montag nach dem Frühstück einige Arbeit auf die Crew. Es muss für 9 Personen für 2 Wochen eingekauft werden, das Deck muss segelklar gemacht werden und natürlich brauchen wir alle die Sicherheitseinweisung in die Yacht. Danach soll es bereits losgehen, so dass wir bereits den kleinen Hafen Wicklow südlich von Dublin anlaufen können.
Der Großeinkauf
Das Einkaufen gestaltet sich als echte Herausforderung. Der Schassi hat eine lange Liste angefertigt, aber diese im örtlichen TESCO in die Tat umzusetzen ist nicht ganz einfach, da wir die Organisation des Ladens nicht kennen. Am Ende füllen wir zwei große Karren aus der Marina bis zum Rand mit den Lebensmitteln und bringen sie zum Hafen. Jetzt müssen sie „nur“ noch ihren Platz in den Staufächern der Yacht finden.
Gegen 15:00 Uhr ist es vollbracht und wir sind klar zum Auslaufen. Wir fädeln uns aus der Box und müssen zwischen den ganzen Jollenseglern hindurch, die im Vorhafen und davor trainieren.
Skipper und Schassi beim obligatorischen MOB-Manöver
Als wir etwas freier sind, machen wir noch die obligatorischen „Mensch über Bord“ Manöver, um den Umgang mit der Yacht zu trainieren. Danach gehen die Segel hoch. Das Großsegel hat mächtig Gewicht, so dass wir die Fallen mit zwei Personen am Mast und zwei Personen an der Winsch bedienen müssen. Als Vorsegel ist die Genua 3 angeschlagen. Eigentlich für diesen Wind etwas wenig, aber wir wollen es am ersten Tag nicht übertreiben.
Leider kommt der Wind aus südlicher Richtung und verläßt uns nach 2 Stunden komplett. So geht es den Rest der Stecke unter Motor und wir laufen bei Sonnenuntergang in Wicklow ein.
An der Pier stehen einige Leute und bestaunen die stattliche Glücksburg. Der Hafen bietet keinen Service, aber statt Hafengeld wird um eine Spende für die örtliche RNLI gebeten.
Wir haben zwar schon viele Seemeilen gemeinsam in verschiedenen Teilen der Erde und vornehmlich auf der Ostsee zurückgelegt, aber ein richtiger Langtörn mit Nächten auf See war noch nicht dabei. Normalerweise sind wir abends im Hafen oder in einer Ankerbucht.
Bevor ich einen Langtörn eigenverantwortlich mache, möchte ich das erst einmal zusammen mit anderen tun, die so etwas schon häufiger gemacht haben. Im Rahmen meiner Segellehrer Ausbildung habe ich den DHH hier als kompetente Adresse kennengelernt.
Deshalb habe ich mich als Crewmitglied für eine Etappe auf der SY „Glücksburg“ angemeldet. Die Tour soll uns von Dun Laoghaire bei Dublin nach Brest führen. Als Vorbereitung habe ich noch einmal das Buch für den Sportseeschiffer heraus geholt. Die ganzen Tidennavigationsmethoden sind auf der Ostsee dann doch etwas in Vergessenheit geraten.
Heute bin ich morgens in Hannover mit der Bahn aufgebrochen, um meinen Mittagsflug von Hamburg nach Dublin zu bekommen. Alles klappt wie am Schnürchen und am späten Nachmittag stehe ich in der Marina und schaue, wo die „Glücksburg“ liegt.
Für die Nacht habe ich mich im Haddington House direkt an der Uferpromenade einquartiert, da noch die vorherige Crew an Bord ist. Der Abend im Garten des Hotels ist herrlich.
Es zahlt sich aus, den letzten Abend nicht übertrieben zu haben. Bereits vor dem Wecker sind wir wach und genießen das Frühstück. Allerdings scheint die Mannschaft des Hotels an der Grenze des Möglichen. Vielleicht hätten sie doch versuchen sollen, den Ansturm etwas zu entzerren. Nun ja, mit viel gutem Willen und einer ganz erstaunlichen Herzlichkeit wird alles gemeistert.
Mahnmal
Wir erfahren, dass gestern auch zwei junge Männer aus Kroatien ohne Reservierung vor der Tür standen. Da man sie nicht der Tür weisen wollte („Das könnten ja meine Jungs sein“), wurden sie kurzer Hand in den Gemeinschaftsraum auf dem Sofa einquartiert. Heute morgen fanden sie dann eine Unterkunft in einem Hostel.
Das ist Gastfreundschaft!
Nach dem Frühstück dürfen wir unsere Sachen im Hotel belassen und machen noch einen Abschiedsspaziergang durch die Innenstadt durch Dublin.
Das Mosaik auf dem Grund des Wasserbeckens zeigt die symbolisch zerbrochenen Waffen im Fluss
Beeindrucken ist das Memorial für die Freiheitskämpfer, auch wenn ich dabei immer gemischte Gefühle habe. Das beeindruckendste Symbol sind die zerbrochenen Waffen, die nachdem ein Kampf beendet ist, in den Fluss geworfen werden. Ich würde mir wünschen, dass mehr Waffen auf diese Weise ‚im Fluss‘ landen würden. Die Geschichte zeigt, das Frieden nie durch Waffen hergestellt wird, sondern erst durch ein neues Denken. Europa ist hierfür ein gutes Beispiel, auch wenn es auch hier noch viel zu tun gibt (Nord-Irland, Ukraine, Balkan …)
Hier werden Fanartikel für beide Mannschaften verkauft
Wir bummeln noch einmal durch die Einkaufsstraßen und die Fußballfans des heutigen ‚All Irland Finals‘ zwischen Donegal und Kerry nehmen in der Stadt langsam überhand. Dabei ist die Stimmung sehr freundlich und alle Fans haben Spass miteinander. So lasse ich mir Fußballfans gefallen.
Zum Flughafen nehmen wir wieder den Express-Bus und Dublin schenkt uns zum Abschied noch einmal viele Sonnenstrahlen. Das nächste Mal müssen wir uns mehr Zeit nehmen.
Nach ordentlichem Ausschlafen und einem Frühstück, dass uns gewährt wird, obwohl wir deutlich zu spät im Frühstücksraum erscheinen (wir mögen doch morgen bitte bis 9:30 beim Frühstück sein), machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Wir haben eigentlich kein konkretes Programm, sondern wollen uns ein wenig treiben lassen. Den Tag ausklingen lassen, wollen wir bei einen Fish-Dinner in Howth, einem Fischerei- und Segelhafen.
The Spire von Nahem betrachtet
So bummeln wir wieder die O’Connell Street entlang und bewundern die Spire und die Hauptpost, die im Rahmen der Unabhängigkeit Irlands einen große Rolle gespielt hat. Hier wurde von den Rebellen die Unabhängigkeitserklärung verlesen. Dies führte aber auch dazu, dass sich die Rebellen erst einmal für mehrere Tage in dem Gebäude verschanzen mussten und erst als ihre Kameraden ihnen zu Hilfe kamen konnten sie sich befreien und die Unabhängigkeit umsetzen.
Skulptur von Arnaldo Pomodoro genannt ‘Sphere with Sphere’ vor der Berkley Library
Unser Ziel ist das Trinity College und dort eigentlich die alte Bibliothek. OK, in das College kommen wir herein, aber vor der Bibliothek hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Wir haben keine Lust auf die Schlange und schlendern weiter über das Gelände zur Science Galery. Hier finden wir eine kleine aber gute mit viel Humor gemachte Ausstellung zur Klimaforschung und, nicht zu unterschätzen, einen Kaffee.
Wettersprüche im Science Center
Danach machen wir uns auf den Weg in Richtung ‚Dublin Castle‘. Dabei gehen wir auch einen Schlenker durch die Grafton Street. Puh, dies ist eindeutig eine Touristenfalle. Alle 30 bis 40 m finden sich irgendwelche Kleinkünstler, die um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlen und natürlich jede Menge Geschäfte, die mit allen Mitteln Käufer anziehen wollen. Na ja, muss man auch einmal gesehen haben.
Blumenhändlerin auf der Grafton Street
Jetzt steht uns der Sinn nach einem kleinen Snack. Petra kann sich daran erinnern, dass es im Gewölbe der ‚Christ Church Cathedral‘ ein Café gibt, in dem man auch Kuchen bekommt. Vielleicht eine gute Kombination. Wir finden auch das Café im Gewölbe aber es hat, auch wenn alles auf ist und die Küche beleuchtet ist, geschlossen.
– Schade eigentlich –
Die Katze und die Ratte im Gewölbe der Christ Church
Das Kurioseste, dass in den Gewölben ausgestellt ist, sind die Skelette von einer Ratte und einer Katze, die sich bei einer Verfolgungsjagd in einer Orgelpfeife gefangen und dort dann gemeinsam Ihre Leben beendet haben. Das ist Schicksal.
Christ Church
Mittlerweile knurren unsere Mägen so deutlich, dass wir keine Ruhe mehr finden, uns die Ausstellung genauer anzusehen. So machen wir uns auf nach Temple Bar, wo es jede Menge Pubs und Restaurants geben soll. Zu Hause in Deutschland habe ich immer gedacht, dass es sich bei Temple Bar um ein einziges Pub handelt, um das man am besten einen großen Bogen macht, dass es eh von Touristen überlaufen ist. Dies kann man so nicht stehen lassen.
Erstens ist es ein ganzes Viertel,
zweitens gibt es dort eine ganze Menge Pubs, verschiedene Restaurants und Geschäfte
drittens ein sehr gemischtes Publikum.
Kunst in der Kapelle
Wir finden am Ende auch eine Art Sandwich/Salat Cafeteria. Mit der Frage: ‚Do you know how it works? Antwort: No!‘ beginnen wir unter Hilfe des Personals, uns einen Salat und ein Sandwich zusammen zu stellen. Alles hat eine hervorragende Qualität. Also nichts mit Touristenfalle, dass hier auch viele Touristen sind, finde ich OK und es ist so schön, die Leute auf der Straße zu beobachten.
Die Vögel in der Kapelle
Gut gestärkt gehen wir noch in den vorderen Teil des ‚Dublin Castle‘ und entdecken durch Zufall eine wunderbare Installation einer Künstlerin (Katrine Koester Holst), die in der Abbey des Castle’s Porzellan Vögel drapiert und diese mit Fäden zur Kanzel verbunden hat. Dadurch entsteht im Raum ein ganz toller Eindruck. Im Hof entdecken wir dann noch Teile an den Wänden, die wie aufgeweichte Pappe wirken, die jemand daran geworfen hat. Auch diese sind von ihr.
Werbung für ein Fischlokal auf einem LKW in Howth
Leider schließt das Dublin Castle um 16:45, so dass wir die herausragende Library, in der über Jahrhunderte alte Schriften im historischen Zusammenhang ausgestellt werden, nicht mehr besichtigen können. Schade, aber wir sind bestimmt nicht das letzte Mal in Dublin.
Seehund im Hafen von Howth
Also nun an die Küste. Dafür haben wir uns Howth ausgesucht. Dieser Ort wird beschrieben als Fischerort mit einem Segelhafen, in dem man auch gut Fisch essen kann. Das hört sich gut an. Wir wandern also zur nächsten Bahnstation und fahren dort hin. Irgendwie erinnert mich die Fahrt an die S-Bahn von Hamburg-Hbf nach Wedel. Howth liegt übrigens auf einer Halbinsel nördlich von Dublin. Ich hatte bereits einmal gehört, dass bei Dublin eine Segel-Hochburg sein soll.
Here we are!
Kräftiger Fischkutter mit Howth im Hintergrund
Die ‚kleinen‘ Fischerboote des Reiseführers entpuppen sich als stabile seegängige moderne Fischkutter und der Segelhafen als Yacht Club mit einer aktiven Regatta Scene. An diesem Wochenende findet hier die Autumn League, vergleichbar zur deutschen Segelbundesliga, statt. Wir finden hier auch Hinweise auf die älteste Einheitsklasse Europas, die 17-Footer ein gaffelgetakeltes Kielboot, das immer noch aktiv gesegelt wird.
Segelboote in Howth
Den Abend in Howth beschließen wir in einem Pub östlich des Hafens mit einem guten Fisch-Dinner. Als es dunkel ist, schlendern wir durch die Straßen zurück zum Bahnhof und fahren nach Dublin. Howth zählt definitiv zu den Häfen, die ich gerne von See aus einmal anlaufen würde.
….oder wo man mit dem Segelboot nicht so schnell hinkommt